Übersicht um 22:00

Beobachtung ab 22:00

Um 22:00 steht das Sternbild Perseus im Zenit. Im Südosten sieht man das majestätische Sternbild Orion, darunter funkelt Sirius kraftvoll durch den Horizontdunst. Über dem nördlichen Horizont sind die Sterne des Großen Bären gut zu sehen. Im Nordwesten leuchtet über dem Horizont der Stern Wega. Im Südwesten gehen nun die Sterne des Sternbilds Wassermann unter. Daher blicken wir nun nach Süden, dort sehen wir die Sternbilder Widder, Dreieck und Andromeda im Meridian.

 

Sternbild Widder

Gegen 22:00 überquert hoch am Himmel das kleine Sternbild Widder den Meridian. Seine beiden hellen Hauptsterne Hamal (Alpha) und Sheratan (Beta) sind auffällig und daher leicht zu sehen.

Ca. 10° östlich von Hamal finden wir den 3,7m hellen Stern 41 Arietis. Dieser Stern gehörte früher zum Sternbild Nördliche Fliege. Er heißt Bharani und ist ein Fünffachsternsystem. Der Zentralstern ist 156 Lichtjahre entfernt, hat 18 Sonnenmassen und 20.000 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 1,5° südlich von Sheratan sehen wir den 3,9m hellen Stern Mesarthim (Gamma). Mesarthim ist ein schöner Doppelstern: zwei weiße Sterne, die in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen.

Zur Zeit der Antike lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Seitdem ist dieser Punkt aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse in den westlichen Teil des Sternbilds Fische gewandert. Dadurch steht die Sonne heutzutage zur Wintersonnwende nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier.

Ist der Nachthimmel dunkel und sternenklar, hat man die Chance, ca. 1,5° östlich von Mesarthim in lichtstarken Fernrohren ab acht Zoll Öffnung die 10,2m helle Spiralgalaxie NGC 772 zu wahrzunehmen. Von dieser 130 Millionen Lichtjahre entfernt liegenden Galaxie ist dann in der Regel der kleine, recht helle Kern sichtbar, ihre riesige Halo kann man nur mit lichtstarken Fernrohren großer Öffnung sehen.

Ca. 10,5° südlich von Sheratan kann man den 5,8m hellen Planeten Uranus finden, im Fernglas und im Fernrohr ist er leicht zu sehen. Im Fernrohr zeigt er sich als ein 3,8 Bogensekunden großes Scheibchen von matter olivgrüner Farbe.

 

Sternbild Dreieck

Nördlich des Sternbilds Widder liegt das kleine Sternbild Dreieck. Wie sein Name andeutet, besteht es aus drei Sternen, die miteinander ein spitzwinkliges Dreieck bilden. Es ist seit der Antike bekannt.

Der 3m helle Stern Motallah (Alpha Trianguli) markiert die scharfe Spitze dieses Dreiecks. Wenige Grad nordwestlich von Motallah liegt M33, eine 2,8 Millionen Lichtjahre nahe Spiralgalaxie, die am Himmel wegen ihrer Nähe zu uns eine größere Fläche bedeckt als der Vollmond. Trotz dieser Ausdehnung haben sehr viele Amateurastronomen M33 noch nie bemerkt, denn die Flächenhelligkeit der Galaxie M33 ist extrem niedrig. Im Fernglas erahnt man am tiefdunklen sternklaren Nachthimmel bestenfalls die Kernregion dieser Galaxie, man braucht einen besonders klaren Nachthimmel, ein Beobachtungsgerät mit möglichst viel Öffnung und bei niedrigster Vergrößerung, damit man die Chance hat, diese ca. 50.000 Lichtjahre große Spiralgalaxie in ihrer vollen Ausdehnung zu erahnen.

 

Sternbild Andromeda

Nördlich des Sternbilds Dreieck sehen wir den 2,3m hellen rötlichen Stern Alamak (Gamma Andromedae). Alamak ist ein sehenswerter Doppelstern, denn seine beiden Partnersterne sind deutlich verschieden gefärbt. Man kann auch in kleinen Fernrohren sehr gut beobachten.
Das Sternbild Andromeda ist ein großes Sternbild. Am Himmel nimmt es den Bereich  nördlich und östlich des Sternbilds Pegasus ein. Nördlich des Pegasusquadrats liegt im Sternbild Andromeda der helle Planetarische Nebel NGC 7662. Man findet ihn, indem man zunächst ca. 14° nördlich von Scheat (Beta Pegasi) den 3,6m hellen Stern Omikron Andromedae aufsucht. Ca. 6,3° östlich von Omikron Andromedae liegt der 4,5 m helle Stern Iota Andromedae. Zieht man eine Linie von Omikron Andromedae zu Iota Andromedae, stößt man nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3 m hellen Stern 13 Andromedae. 25 Bogenminuten südwestlich von 13 Andromedae liegt NGC 7662.
Er ist schon im Fernglas als ein deutlich blaues Sternchen zu erkennen, aber erst bei hoher Vergrößerung im Fernrohr sieht man seine blaue, ringförmige Nebelstruktur. Dieser Nebel ist auch als der „Blaue Schneeball“ bekannt.

Am dunklen und klaren Sternenhimmel kann man bereits mit bloßem Auge nahe bei Ny Andromedae den matten Schimmer des Kernbereichs der Galaxie M31 wahrnehmen. M31 ist die größte Nachbargalaxie unserer Milchstraße, sie liegt ca. 2,4 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Diese Galaxie hat am Himmel eine Winkelausdehnung von ca. 4° und ist daher für die kleinen Gesichtsfelder der üblichen Fernrohre viel zu groß. Daher kann man mit Fernrohren in der Regel nur den sehr hellen Zentralbereich von M31 sehen, gemeinsam mit ihren beiden kleineren Begleitgalaxien M32 und M110. Betrachtet man diese Galaxie mit einem großen lichtstarken Dobson, kann der Anblick unter einem dunklen sternklaren Nachthimmel zu einer Augenweide werden.

In nur sieben Bogenminuten Abstand zum 2m hellen Stern Mirach (Beta Andromedae) steht die 10m helle elliptische Galaxie NGC 404. Man kann sie dort bei dunklem, sternklarem Himmel schon im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung bei höheren Vergrößerungen auffinden, solange man dabei den 10.000 Mal helleren Stern Mirach außerhalb des Gesichtsfelds hält.
NGC 404 ist 10 Millionen Lichtjahre entfernt und hat eine Masse von 30 Milliarden Sonnenmassen. Damit liegt er 50000 Mal weiter weg als Mirach und eine 7,5 Milliarden Mal größere Masse als dieser Stern.

Der Planetarische Nebel M76 ist schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen zu sehen. Man findet M76 ausgehend von Alamak (Gamma Andromedae), indem man das Fernrohr von Alamak in Richtung auf den Stern Gamma Cassiopeia schwenkt. Nach 7,5° erreicht man den 3,5m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae, zwei Grad nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle weiße Stern Phi Persei. Ein Grad nördlich von Phi liegt M76, auch als der „Kleine Hantelnebel“ bekannt. Der Nebel erscheint bei genauer Betrachtung rechteckig.

 

Sternbild Perseus

Das Sternbild Perseus steht nahe dem Zenit. Wenn man mit dem Fernglas seinen 1,8m hellen blauweißen Hauptstern Mirfak (Alpha) betrachtet, sieht man um ihn viele blauweiße, nadelscharfe Sterne. Das ist der Offene Sternhaufen Melotte 20.

Auf der Mitte der Linie vom 2,7m hellen Delta Cassiopeiae zum 3m hellen Gamma Persei liegen die beiden Offenen Sternhaufen „h und chi“. Sie beeindrucken ihre Beobachter in jedem optischen Gerät, das viel Öffnung hat und dabei und ein so großes Gesichtsfeld bietet, dass man beide Sternhaufen darin gemeinsam beobachten kann.

Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Man braucht ein lichtstarkes Fernrohr mit großer Öffnung und muss eine hohe Vergrößerung einsetzen, um ihn zu beobachten. NGC 1245 enthält sehr viele Sterne, doch diese Sterne leuchten alle nur sehr schwach.
Verlängert man die Linie von Mirfak über NGC 1245 weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der bekannteste bedeckungsveränderliche Stern am Himmel. Algols Helligkeit fällt regelmäßig nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden zehn Stunden lang auf 3,5 m ab, weil er von einem Begleitstern verdeckt wird, der ihn umkreist.
Fünf Grad nordwestlich von Algol sieht man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Für eine Übersichtsbeobachtung mit einem Teleskop ist M34 zu groß, mit dem Teleskop sieht man in M34 jedoch einige Doppelsterne. Ca. 3,6° südlich von M34 kann man in einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre entfernt. 

Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Er lässt sich auch bei niedrigen Vergrößerungen im Fernrohr leicht in Einzelsterne auflösen. Etwas schwieriger kann die Beobachtung des Offenen Sternhaufens NGC 1513 werden. Dieser Sternhaufen zeigt im Fernrohr bei höheren Vergrößerungen eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne.

Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Dieser Sternhaufen ist nicht hell, in Fernrohren muss man ihn mit höheren Vergrößerungen beobachten, damit man auch die schwächeren Sterne von NGC 1342 wahrnehmen kann.

 

Stier

Schaut man vom Sternbild Perseus ausgehend in Richtung Süden, wandert der Blick dabei über den hellen Stern Zeta Persei zu den Plejaden. Die Plejaden sind ein Offener Sternhaufen, sie werden auch als „Siebengestirn“ bezeichnet. Manche Himmelslaien verwechseln die Plejaden mit dem “Kleinen Wagen“. Die Bezeichnung “Kleiner Wagen“ ist jedoch der volkstümliche Name für das Sternbild Kleiner Bär, und das liegt am Himmelsnordpol.

Die Plejaden kann man in der Regel bereits mit bloßem Auge gut wahrnehmen. Im Fernglas und in jedem Spektiv bis 20facher Vergrößerung sind sie ein imposanter Anblick. Für die Betrachtung im Fernrohr bei höheren Vergrößerungen ist dieser Sternhaufen viel zu groß. Im Fernrohr kommt jedoch die blauweiße Färbung der hellen, heißen Sterne dieses Haufens schön zur Geltung.

Die Plejaden sind Gestalten aus der altgriechischen Mythologie. Sie stehen für die sieben schönen Töchter des Titanen Atlas. Die olympischen Götter versetzten sie an den Himmel, um sie vor dem lüsternen Orion zu schützen. Dort waren sie jedoch dem unwiderstehlichen Charme der Götter sehr stark ausgesetzt, sodass schließlich fast alle schönen Plejaden zu Müttern von Götterkindern wurden. Eines davon war Hermes.
Der Sternhaufen der Plejaden ist ein Bestandteil des Sternbilds Stier. Das Sternbild Stier stammt aus der Antike und soll an den Göttervater Zeus erinnern, der - der Sage nach - in Gestalt eines sanften Stiers am Strand von Phönizien die junge Prinzessin Europa dazu verführte, auf seinen breiten Rücken zu klettern. Kaum saß sie oben, entführte Zeus sie zielstrebig übers Meer nach Kreta. Darum stellen die Sterne des Sternbilds am Himmel nur den aus dem Wasser ragenden, nach vorne gebeugten Kopf des Stiers dar, dessen lange Hörner nach Osten weisen.

Im Sternbild Stier ist die dreieckige Anordnung von Sternen um den orangefarbenen Hauptstern Aldebaran (Alpha Tauri) besonders auffällig. Aldebaran stellt im Sternbild das rötliche Auge des Stiers dar. Diese dreieckige Sternengruppe ist der Kernbereich des Offenen Sternhaufens der Hyaden. Die Hyaden sind der nächstgelegene Offene Sternhaufen, sie sind nur 148 Lichtjahre entfernt. Im lichtstarken Fernglas bieten die Hyaden ein sehenswerter Anblick.

Der 1,6m helle Stern Nath (Beta Tauri) markiert die Spitze des oberen Stierhorns. Nath ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung. Ca. 8° südlich von Nath finden wir den 3m hellen Zeta Tauri. Dieser Stern markiert die Spitze des unteren Stierhorns. 1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1, der sichtbare Überrest einer Supernova, deren Aufleuchten am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen registriert wurde. Sie leuchtete damals heller als die Venus und war zeitweise sogar am Taghimmel zu sehen.
Der Name „M1“ wurde dem Nebel von seinem Entdecker Charles Messier gegeben. Messier war ein geübter Beobachter und entdeckte den Nebel im 18. Jahrhundert mit seinem kleinen Metallspiegelfernrohr am Pariser Nachthimmel. Wo der Nachthimmel heutzutage durch künstliches Licht oder den Mond aufgehellt ist, lässt sich M1 sogar mit einem Achtzöller nicht mehr erfolgreich wahrnehmen.

 

 

 

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