Übersicht um 22:00

Um 22:00 zieht sich die Sternenkette des Sternbilds Andromeda mit dem Milchstraßenband durch den Zenit. Im Osten sind bereits die Sternbilder Orion und Zwillinge aufgegangen. Oberhalb des Sternbilds Orion sieht man das Sternbild Fuhrmann mit dem hellen Stern Capella, und rechts davon das Sternbild Stier mit dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Das Sternbild Walfisch zieht nun den Meridian. Im Südwesten gehen die Sterne des Sternbilds Steinbocks unter.

 

Sternbild Andromeda

Am nachtdunklen Sternenhimmel verläuft das schimmernde Band der Milchstraße durch den Zenit von Ost nach West. Östlich des Sternbilds Pegasus kann man im Band der Milchstraße eingebettet die Sterne des Sternbilds Andromeda sehen. Diese Sterne bilden eine Sternenkette, die beim 2,1m hellen Alpheratz (Alpha) an der oberen linken Ecke des Pegasusquadrats beginnt und sich über den 3,3m hellen Stern Delta, den 2,1m hellen Mirach (Beta) bis zum 2,3m hellen Alamak (Gamma) zieht. Diese Sternkette ist der auffälligste Teil des Sternbilds Andromeda. Das Gebiet des Sternbilds Andromeda ist jedoch viel größer als diese Sternenkette, denn es erstreckt sich auch noch nördlich und östlich des Sternbilds Pegasus.
Steht man unter einem dunklen Sternenhimmel auf dem Land, kann man oft schon mit bloßem Auge den Zentralbereich der großen Galaxie M31 als einen matten Nebelfleck wahrnehmen. M31 liegt beim 4,5m hellen Stern Ny Andromedae, unweit des Sterns Mirach. Im ca. 1,5° breiten Gesichtsfeld normaler Fernrohre lässt sich nur die helle Zentralregion der Galaxie beobachten, denn M31 erstreckt sich am Himmel über 3,5°, sie ist somit ca. 7 x so breit wie der Vollmond. Man kann diese Galaxie nur in einem lichtstarken Richfield-Fernrohr bei niedriger Vergrößerung ganz sehen. Obwohl M31 eine große und nahe Spiralgalaxie ist, ist ihr Anblick im Okular nicht sehr spektakulär, weil ihre Spiralarme nicht leuchten, sondern nur als staubige Silhouetten wahrnehmbar sind. Bereits im Jahr 1991 haben Untersuchungen der Sternpopulation von M31 ergeben, dass in dieser Galaxie die Sternbildung vor ca. 1 Milliarde Jahren zum Erliegen gekommen ist. Da die Lebensdauer der massereichen blauen Sterne viel kürzer ist, sind diese Sterne in den Spiralarmen von M31 vor langer Zeit erloschen. 

Im selben Himmelsfeld wie M31 liegen die kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, sie sind Begleitgalaxien von M31.

Ca. 4,5° östlich des 3,6m hellen Sterns Omikron Andromedae kann man den kleinen, aber hellen Planetarischen Nebel NGC 7662 aufspüren. Im Fernglas sieht NGC 7662  nur wie ein kleines weißblaues Sternchen aus, im Fernrohr kann man bei einer Vergrößerung ab 150fach auch die blaue ringförmige Struktur des Nebels sehen. NGC 7662 ist als der „Blaue Schneeball“ bekannt.
Ca. 1,6° südsüdwestlich von NGC 7662 kann man bei dunklem, klarem Himmel in Fernrohren ab 20 cm Öffnung einen diffusen Nebelschimmer wahrnehmen. Das ist die 11m helle Spiralgalaxie NGC 7640. Sie liegt 26 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 7 Bogenminuten nördlich von Mirach können wir in einem lichtstarken Fernrohr bei hoher Vergrößerung die die 11m helle kleine elliptische Galaxie NGC 404 wahrnehmen. Hierzu muss man den hellen Stern Mirach jedoch außerhalb des Gesichtsfelds halten, damit das helle Licht dieses 196 Lichtjahre entfernten Sterns die 10 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie nicht überstrahlt. Südwestlich von Alamak kann man im kleinen Fernglas den ausgedehnten Sternhaufen NGC 752 beobachten. Im kleinen Fernrohr kann man hier ca. 60 Sterne sehen, die heller als 9m sind. Darunter sind mehrere Doppelsterne. Tatsächlich enthält NGC 752 über 250 Sterne. Er ist ca. 1,3 Milliarden Jahre alt und liegt 1300 Lichtjahre entfernt.

Ca. 3,5° östlich von Alamak kann man bei mondlos sternklarem Himmel auf dem Land in lichtstarken Fernrohren ab 20 cm Öffnung die 10m helle Galaxie NGC 891 als einen matten Lichtstreifen wahrnehmen. NGC 891 ist eine 180000 Lichtjahre große Spiralgalaxie in Kantenlage, ca. 40 Millionen Lichtjahre entfernt.

 

 

Sternbild Widder

Das Sternbild Widder liegt unterhalb des Sternbilds Andromeda.  Man kann es dort sehr leicht auffinden, denn seine beiden hellsten Sterne sind der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta).  Diese Sterne sind auch an einem durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel gut sichtbar.
Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Blickt man durchs Fernrohr auf den Stern 41 Arietis, sieht man, dass dieser Stern tatsächlich aus drei Sternen besteht. Wenig südlich von Sheratan liegt der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma). Mesarthim sieht man sich schon im kleinen Fernrohr als einen schönen Doppelstern, dessen Partnersterne weiß sind und im Abstand von 7 Bogensekunden voneinander stehen.
In der Antike vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Heute liegt der den Frühlingspunkt ca. 37° weiter im Westen, bei der Westgrenze des Sternbildes Fische. Der Frühlingspunkt ist aufgrund der Präzession der Erdachse ist bis heute dorthin gewandert. Dadurch befindet sich die Sonne zur Wintersonnenwende heute nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier.
Ist der Nachthimmel sternenklar mondlos und dunkel, kann man ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die 10m helle Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. Mit etwas Geduld kann man in einem solchen Fernrohr unter diesen Beobachtungsbedingungen sogar den kleinen Kern und die ausgedehnte, lichtschwache Halo dieser 114 Millionen Lichtjahre entfernt liegende Galaxie erahnen. Sie hat einen Durchmesser von 240000 Lichtjahren. Als das Licht, das wir jetzt von dieser Galaxie wahrnehmen von NGC 772 losflog, hatten alle unsere Vorfahren vermutlich noch nicht einmal ein Fell. 
Ein interessantes Objekt im Sternbild Widder ist derzeit Uranus. Er kann an günstig gelegenen Beobachtungsorten bereits mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden, sieht dann jedoch wie ein schwacher Stern aus. Daher wurde er bereits um 200 v. Chr. von Hipparchos in seiner Liste wahrnehmbarer Sterne aufgenommen, weil Hipparcos ihn für einen Stern hielt. Während der folgenden 1900 Jahre nahmen Dutzende Astronomen den Uranus wahr, hielten ihn jedoch für einen Stern  und trugen seine jeweiligen Koordinaten seelenruhig in ihre Sternlisten ein, ohne seine wahre Natur zu erahnen. Erst 1781 entdeckte Wilhelm Herschel, dass der vermeintliche Stern kein Stern ist, sondern ein Planet, der später auf den Namen "Uranus" getauft wurde. Uranus hat seine diesjährige Oppositionsstellung am 31. Oktober durchlaufen. Man findet ihn auf der Mitte der Linie von Hamal zum 3,5m hellen Stern Gamma Ceti.
Am sternklaren Himmel auf dem Land kann man Uranus zuweilen mit dem bloßen Auge sehen. In jedem Fernglas kann man den 5,6m hellen Planeten problemlos auffinden. In üblichen Amateurfernrohren sieht man ihn bei hoher Vergrößerung als kleines, matt-olivgrünes Scheibchen von 3,7 Bogensekunden Durchmesser.

 

 

Sternbild Walfisch

Südlich des Sternbilds Widder kann man einen 2,5 m hellen Stern sehen. Das ist der Stern Menkar (Alpha Ceti). Menkar ist der Hauptstern des Sternbilds Walfisch. Menkar ist ein Roter Riesenstern mit 1500 Sonnenleuchtkräften in 250 Lichtjahren Entfernung. Im Sternbild Walfisch stellt dieser Stern den Kopf des fürchterlichen Seeungeheuers Cetus aus der klassischen Perseus-Sage dar. In dieser Sage tötet der Held Perseus den Cetus, um die schöne Prinzessin Andromeda vor dem Seeungeheuer zu retten.

Der 2m helle Stern Deneb Kaitos (Beta Ceti) markiert im Sternbild Walfisch den Schwanz des Ungeheuers. Beta Ceti ist ein Roter Unterriese in 65 Lichtjahren Entfernung.
Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira Ceti. Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riese, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Mira letztes Maximum fand am 19. Oktober statt, daher ist Mira in diesem November noch gut zu beobachten.
Da das Sternbild Walfisch unterhalb des Milchstraßenbandes liegt, enthält es weder auffällige Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Dadurch behindert hier kein Material der Milchstraße den tiefen Blick ins intergalaktische Weltall. Ist der Himmel mondlos dunkel und sternenklar, kann man im Sternbild Walfisch mit einem Fernrohr großer Öffnung einige sehenswerte Galaxien beobachten.
Ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti liegt die 9,5m helle Spiralgalaxie M 77. Sie ist eine so genannte Seyfert-Galaxie, hat daher eine hohe Sternbildungsrate und liegt 47 Millionen Lichtjahre entfernt. Ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos liegt die 8,9m helle Spiralgalaxie NGC 247. Sie ist eine Spiralgalaxie  in Kantenlage und liegt in 8 Millionen Lichtjahren Entfernung.

 

 

Sternbild Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia wird oft als das „Himmels-W“ bezeichnet. Es liegt im Band der Milchstraße und enthält daher mehrere helle Offene Sternhaufen. Einer von diesen Offenen Sternhaufen ist NGC 457, der auch unter dem Namen „Eulenhaufen“ bekannt ist. Am Fernrohrokular erkennt man in der Anordnung seiner Sterne eine kecke Eule, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügelchen anfunkelt. NGC 457 ist leicht zu finden, denn er liegt um den 5,7m hellen Stern Phi Cassiopeiae, der das hellere „Eulenauge“ darstellt. Phi ist der fernste mit bloßem Auge sichtbare Stern, er liegt ca. 12300 Lichtjahre von uns entfernt und hat ca. 400000 Sinnenleuchtkräfte.

Andere sehenswerte Offene Sternhaufen im Sternbild Cassiopeia sind NGC 281, der ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha) liegt, und M103, ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta). Betrachtet man diese Sternhaufen mit einem lichtstarken Fernrohr, kann man die individuellen Farben der Sterne dieser Sternhaufen wahrnehmen.
Unterhalb der Verbindungslinie von Ruchba nach Segin (Epsilon Cassiopeiae) liegen die Offenen Sternhaufen NGC 654, NGC 663 und NGC 659. Diese Sternhaufen kann man auch in kleinen Fernrohren gut sehen.
Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne hinaus, findet man dort im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen M52. M52 enthält sehr viele sehr schwache Sterne. Daher kann man M52 am besten mit Fernrohren größerer Öffnung wahrnehmen.
Zwischen den beiden Doppelsternen Rho und Sigma kann man im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen NGC 7889 mit Hunderten lichtschwacher Sterne sehen. Dieser Sternhaufen  ist eine Entdeckung von Caroline Herschel.

 

 

Sternbild Cepheus

Lässt man den Blick vom Sternbild Schwan in einer geraden Linie zum Sternbild Cassiopeia wandern, liegt nördlich dieser Linie das Sternbild Cepheus. Die Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbildes erinnert an das bekannte Muster „Haus vom Nikolaus“, mit den Eckpunkten Alderamin (Alpha), Alfirk (Beta), Alrai (Gamma), Iota, Delta. Der 3,3 m helle Stern Zeta bildet hierbei die untere linke Ecke.

3,5° westlich von Zeta Cephei finden wir den 4 m hellen rötlichen My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern, einer der absolut größten und rötesten Sterne am Himmel.
Der ca. 4 m helle Stern Delta Cephei liegt 2,5° östlich von Zeta. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der Cepheiden. Die Cepheiden sind pulsationsveränderliche alte und Riesensterne mit extrem hoher Leuchtkraft, deren Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus präzise schwankt. Die Periode des Helligkeitszyklus von Delta beträgt genau 5,3663 Tage: hierbei steigt seine Helligkeit 1,5 Tage lang auf 3,5 m an und sinkt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4 m ab.
Delta Cephei ist nicht nur ein Cepheid, sondern auch ein Doppelstern: in 41 Bogensekunden Abstand von Delta steht sein blauweißer Begleiter.
Ca. 6° östlich von Delta kann man im Fernrohr bei hoher Vergrößerung den kleinen, kompakten Offenen Sternhaufen NGC 7510 beobachten.

 

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