Übersicht um 22:00

Um 22:00 sehen wir die Sternenkette des Sternbilds Andromeda im Zenit. Im Osten sind bereits die Sternbilder Orion und Zwillinge aufgegangen. Oberhalb des Sternbilds Orion sehen wir das Sternbild Fuhrmann mit dem hellen Stern Capella, sowie das Sternbild Stier mit dem Offenen Sternhaufen der Plejaden. Das Sternbild Walfisch überquert nun den Meridian. Im Südwesten gehen schon die Sterne des Steinbocks unter.

 

Andromeda

Wenn die Beobachtungsbedingungen es zulassen, sehen wir am nachtdunklen Sternenhimmel das schimmernde Band der Milchstraße, das durch den Zenit von Ost nach West verläuft. Östlich des Sternbilds Pegasus liegen im Band der Milchstraße eingebettet die Sterne des Sternbilds Andromeda. Das auffälligste Element in diesem Sternbild ist die Sternenkette, die beim 2,1m hellen Alpheratz (Alpha) beginnt und über den 3,3m hellen Stern Delta, den 2,1m hellen Mirach (Beta) bis zum 2,3m hellen Alamak (Gamma) reicht. Das Sternbild Andromeda ist jedoch erheblich größer als das Himmelsgebiet bei dieser Sternenkette, denn das Sternbild erstreckt sich auch in die Bereiche nördlich und östlich des Sternbilds Pegasus.
An abgelegenen Orten auf dem Land kann man am Sternenhimmel die große Galaxie M31 in der Regel schon mit dem bloßen Auge gut erkennen. Die Galaxie liegt beim 4,5m hellen Stern Ny Andromedae, unweit von Mirach. In das Gesichtsfeld üblicher Fernrohre passt nur die helle Zentralregion dieser Galaxie, da sich M31 am Himmel über 3,5° erstreckt. M31 ist ca. 7 x so breit wie der Vollmond!). Man kann diese Galaxie nur in lichtstarken Beobachtungsgeräten mit großem Öffnungsverhältnis bei niedriger Vergrößerung vollständig überblicken.
Im selben Himmelsfeld wie M31 liegen ihre kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, sie sind Begleitgalaxien von M31.
Ca. 4,5° östlich des 3,6m hellen Sterns Omikron Andromedae kann man den kleinen, aber hellen Planetarischen Nebel NGC 7662 aufspüren. Im Fernglas sieht er nur wie ein blaues Sternchen aus, im Fernrohr kann man bei einer Vergrößerung ab 150fach auch die ringförmige Struktur des Nebels sehen. NGC 7662 ist auch als der „Blaue Schneeball“ bekannt.
Ca. 1,6° südsüdwestlich von NGC 7662 kann man bei dunklem, klarem Himmel in Fernrohren ab 8 Zoll Öffnung die Spiralgalaxie NGC7640 als einen diffusen Nebelschimmer wahrnehmen.

Nur 7 Bogenminuten nördlich von Mirach können wir in einem lichtstarken Fernrohr bei hoher Vergrößerung die kleine elliptische Galaxie NGC 404 sehen. Man muss den hellen Stern Mirach allerdings außerhalb des Gesichtsfelds halten, damit das helle Licht dieses 196 Lichtjahre entfernten Sterns die 10 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie nicht überstrahlt. Südwestlich von Alamak finden wir im Fernglas den ausgedehnten Sternhaufen NGC 752. Im kleinen Fernrohr zeigt er ca. 60 Sterne, darunter sind mehrere Doppelsterne.
Ca. 3,5° östlich von Alamak kann man bei mondlos sternklarem Himmel in lichtstarken Fernrohren ab acht Zoll Öffnung die 10m helle Galaxie NGC 891 wahrnehmen. NGC 891  ist eine Spiralgalaxie in Kantenlage.

 

Widder

Das Sternbild Widder liegt unterhalb des Sternbilds Andromeda und ist dort sehr leicht aufzufinden, da seine beiden Hauptsterne, der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta) auch an einem durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel gut sichtbar sind.
Ca. 10° östlich von Hamal finden wir den 3,7m hellen Stern 41 Arietis. Ein Blick durchs  Fernrohr auf 41 Arietis zeigt, dass 41 Arietis ein Dreifachstern ist. Wenig südlich von Sheratan finden wir den 3,9m hellen Stern Mesarthim (Gamma). Mesarthim zeigt sich im Fernrohr als ein gut erkennbarer Doppelstern: zwei weiße Sterne, die in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen.

In der Antike vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt südlich von Mesarthim. Heute liegt der den Frühlingspunkt ca. 37° weiter im Westen, und zwar nahe dem westlichen Rand des Sternbildes Fische. Aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse ist der Frühlingspunkt bis heute dorthin gewandert. Weil das so ist, steht die Sonne zur Wintersonnenwende heute nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze, und zur Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier. 
Ist der Nachthimmel sternenklar mondlos und dunkel, kann man ca. 1,5° östlich von Mesarthim in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. Unter diesen Bedingungen kann man in einem solchen Fernrohr sogar den kleinen Kern und die ausgedehnte, lichtschwache Halo dieser 130 Millionen Lichtjahre entfernt liegende Galaxie erahnen.
Ein interessantes Objekt im Sternbild Widder ist derzeit Uranus. Er wurde schon um 200 v. Chr. von Hipparchos in dessen Sternenliste aufgenommen, weil Hipparcos ihn für einen Stern hielt. Während der folgenden 1900 Jahre beobachteten Dutzende Astronomen den Uranus und nahmen ihn in ihre Sternlisten auf, ohne dabei seine wahre Natur zu erkennen. Erst 1781 entdeckte Wilhelm Herschel, dass der vermeintliche Stern kein Stern, sondern ein Planet ist, der dann auf den Namen "Uranus" getauft wurde. Uranus hat seine diesjährige Oppositionsstellung am 24. Oktober durchlaufen. Man findet ihn ca. 12° südlich von Hamal.
Bei klarem, mondlosem Himmel ist Uranus unter einem dunklen Landhimmel zuweilen mit dem bloßen Auge zu sehen. In jedem Fernglas lässt sich der 5,6m helle Planet problemlos auffinden. In üblichen Amateurfernrohren erscheint er bei hoher Vergrößerung als kleines, matt-olivgrünes Scheibchen von 3,7 Bogensekunden Durchmesser.

 

Walfisch

Blickt man am Himmel vom Widder ausgehend langsam nach Süden, stößt man dort auf den 2,5 m hellen Stern Menkar (Alpha Ceti). Menkar ist der Hauptstern des Sternbilds Walfisch. Menkar markiert hier den Kopf des fürchterlichen Seeungeheuers Cetus, das den klassischen Sagen zufolge durch den Helden Perseus getötet wurde, um dadurch die schöne Prinzessin Andromeda vor diesem Seeungeheuer zu retten.
Der 2m helle Stern Deneb Kaitos (Beta Ceti) markiert im Sternbild Walfisch den Schwanz des Ungeheuers. Beta Ceti ist ein Roter Unterriese in 65 Lichtjahren Entfernung.
Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira Ceti. Mira ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riese, dessen visuelle Helligkeit im Maximum 2m erreicht, während sie im Minimum unter 8m fallen kann. Mira letztes Minimum fand im vergangenen August statt, das kommende Maximum wird im Dezember 2018 erwartet.
Da das Milchstraßenband nicht durch das Sternbild Walfisch verläuft, gibt es im Sternbild Walfisch weder auffällige Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Wenn der Himmel mondlos dunkel und sternenklar ist, und man zudem für die Beobachtung ein Fernrohr mit großer Öffnung zur Verfügung hat, kann man sich hier einige sehenswerte Galaxien anschauen.
Ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti liegt die 8,8m helle Spiralgalaxie M 77. Auch die 8,9m helle Spiralgalaxie NGC 247 ist damit gut sichtbar, wir finden sie ca. 3° südsüdöstlich von Deneb Kaitos. Da NGC 247 von uns aus gesehen in Kantenlage steht, ist ihre Spiralstruktur im Fernrohr nicht wahrnehmbar, sondern ist nur auf langbelichteten Astrofotografien zu erkennen.

 

Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia wird oft als das „Himmels-W“ bezeichnet. Seine Sterne sind ins Band der Milchstraße eingebettet. Das Sternbild enthält daher mehrere helle Offene Sternhaufen. Einer dieser Offenen Sternhaufen ist NGC 457, der seit langer Zeit auch unter dem Namen „Eulenhaufen“ bekannt ist. Am Fernrohrokular erkennt man dort mit etwas Phantasie in der Anordnung der Sterne eine kecke Eule, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügeln anfunkelt. NGC 457 ist leicht zu finden, denn er liegt um den 5,7m hellen Stern Phi Cassiopeiae, der das hellere „Eulenauge“ darstellt. Phi ist der fernste mit bloßem Auge sichtbare Stern, er liegt ca. 12300 Lichtjahre von uns entfernt und hat ca. 400000 Sinnenleuchtkräfte.
Andere sehenswerte Offene Sternhaufen im Sternbild Cassiopeia sind NGC 281, der ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha) liegt, und M103, ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta). Man sollte diese Sternhaufen mit einem lichtstarken Fernrohr beobachten, damit die individuellen Farben der Sterne dieser Sternhaufen gut wahrnehmbar sind.
Unterhalb der Verbindungslinie von Ruchba nach Segin (Epsilon) liegen die Offenen Sternhaufen NGC 654, NGC 663 und NGC 659. Diese Sternhaufen kann man auch in kleinen Fernrohren gut sehen.

Verlängert man die Verbindungslinie von Schedir über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne hinaus, findet man dort im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen M52. M52 enthält sehr viele, sehr schwache Sterne. Daher kann man M52 am besten mit Fernrohren größerer Öffnung wahrnehmen.
Zwischen den beiden Doppelsternen Rho und Sigma kann man im lichtstarken Fernrohr den Offenen Sternhaufen NGC 7889 mit Hunderten lichtschwacher Sterne sehen. Dieser Sternhaufen  ist eine Entdeckung von Caroline Herschel.

 

Cepheus

Wenn man den Blick in einer geraden Linie vom Schwan Richtung Cassiopeia wandern lässt, liegt nördlich dieser Linie das Sternbild Cepheus. Die Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbildes erinnert an das bekannte Muster „Haus vom Nikolaus“ mit den Eckpunkten Alderamin (Alpha), Alfirk (Beta), Alrai (Gamma), Iota, Delta. Der 3,3 m helle Stern Zeta bildet hierbei die untere linke Ecke.

3,5° westlich von Zeta Cephei finden wir den 4 m hellen rötlichen My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern, einer der absolut größten und rötesten Sterne am Himmel.
Der ca. 4 m helle Delta Cephei liegt 2,5° östlich von Zeta. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der Cepheiden. Cepheiden sind pulsationsveränderliche alte und Riesensterne extrem hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus präzise verändern. Die Periode des Helligkeitszyklus von Delta beträgt genau 5,3663 Tage: 1,5 Tage lang steigt seine Helligkeit auf 3,5 m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4 m ab.
Delta Cephei ist nicht nur ein Veränderlicher, sondern auch ein Doppelstern: in 41 Bogensekunden Abstand von Delta steht sein blauweiße Begleiter.
Ca. 6° östlich von Delta finden wir im Fernrohr den kleinen, kompakten Offenen Sternhaufen NGC 7510. Bei der Beobachtung dieses Sternhaufens ist eine hohe Vergrößerung erforderlich.

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