Übersicht um 22:00

Um 22:00 nähert sich das Sternbild Großer Hund mit Sirius dem Meridian. Das Sternbild Walfisch taucht nun bereits in den westlichen Horizontdunst ab. Im Nordwesten geht der Pegasus unter. Das Sternbild Orion hat den Meridian überschritten. Im Osten ist nun das Sternbild Löwe komplett aufgegangen.

 

 

Sternbild Krebs

Das Sternbild Krebs liegt östlich des Sternbilds Zwillinge. Es ist ein unauffälliges Sternbild, weil es nur schwache Sterne enthält. Ist der Nachthimmel dunkel, mondlos und sternenklar, kann man hier mit bloßem Auge ein schwaches Nebelwölkchen wahrnehmen. Das ist der Offene Sternhaufen M 44, den schon die Astronomen der Antike unter dem Namen „Präsepe“ (lateinisch = Krippe) kannten. Bereits im Fernglas sieht man das Nebelwölkchen in einzelne Sterne aufgelöst.

Nördlich und südlich der Präsepe steht jeweils ein 4m heller Stern. Der nördliche heißt Asellus borealis (Gamma Cancri) und der südliche heißt Asellus australis (Delta Cancri) „Asellus“ ist das lateinische Wort für Eselchen. Die Astronomen der Antike sahen in den beiden Sternen an der Präsepe eine Verkörperung der beiden Eselchen des Dionysos, die gemeinsam aus ihrer Krippe (M44) fressen, nachdem sie den vom anstrengenden Feiern erschöpften Gott brav zu Bett gebracht haben.

Ca. 7° nördlich von Asellus Borealis liegt der 4m helle Stern Iota Cancri. Iota zeigt sich auch mit kleinen Fernrohren als ein hübscher Doppelstern, seine beiden Partnersterne stehen 39 Bogensekunden auseinander. Der eine ist gelb und 4,6m hell, der andere ist hellblau und 6,5m hell.
Ca. 7° südöstlich von Asellus Australis liegt der 4m helle Stern Acubens (Alpha Cancri). Acubens ist der vierthellste Stern im Sternbild Krebs. Auch er ist ein Doppelstern. Die Partnersterne sind weiß, der eine ist 4,2m hell, der andere ist nur 11m hell und hat einen Abstand von 10 Bogensekunden.
Ca. 7,6° östlich Asellus Australis liegt der 5m helle Tegmeni (Zeta Cancri) Er ist ein häufig beobachtetes Mehrfachsternsystem des Sternbilds Krebs. Tegmeni ist 70 Lichtjahre entfernt. Mit Fernrohren kleiner Öffnung sieht man Tegmeni bei Vergrößerungen um 100-fach als Doppelstern, dessen Partnersterne 5,6m und 6m hell sind und in 5 Bogensekunden Abstand voneinander stehen. In Fernrohren größerer Öffnung und langer Brennweite erweist sich der hellere Partnerstern seinerseits als ein Doppelstern, dessen Partnersterne ca. 1 Bogensekunde Abstand voneinander haben.

Sehenswert ist auch der Offene Sternenhaufen M67. Man findet ihn ca. 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). M67 ist einer der ältesten Offenen Sternhaufen der Milchstraße.

 

 

Sternbild Löwe

Östlich des Sternbilds Krebs liegt das markante Sternbild Löwe. Es steigt in den ersten Stunden nach Mitternacht ca. 40° hoch über dem Südosthorizont. Der hellste Fixstern im Sternbild Löwe ist der 1,3m helle Regulus. Regulus ist ein blauweißer Stern, 73 Lichtjahre entfernt. Er ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist ein nur 8m heller Stern der Spektralklasse G.

Der 2m helle Stern Algieba (Gamma Leonis) liegt ca. 8° nördlich von Regulus. Algieba (Gamma Leonis) ist einer der schönsten Doppelsterne am Himmel. Seine Partnersterne sind 2,2m und 3m hell und stehen in 4 Bogensekunden Abstand voneinander. Sie sind beide gelb.
Ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) zu Coxa (Theta Leonis) kann man bei mondlos sternklarem Himmel mit lichtstarken Fernrohren die kleine Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. Diese Galaxien liegen 32 Millionen Lichtjahre entfernt.
In der Mitte zwischen Iota Leonis und Coxa findet man im lichtstarken Fernrohr die Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628. Diese Galaxien liegen ebenfalls ca. 32 Millionen Lichtjahre entfernt.

Zwischen den Sternen Coxa und Zosma (Delta Leonis) kann man im lichtstarken Fernrohr die Galaxie NGC 3607 wahrnehmen. Diese Galaxie liegt ca. 40 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 1,5° südlich von Lambda Leonis kann man mit lichtstarken Fernrohren die Spiralgalaxie NGC 2903 beobachten. NGC 2903 liegt ca. 30 Millionen Lichtjahre entfernt. Sie ist eigentlich die hellste Galaxie des Sternbilds. Da NGC 2903 jedoch sehr groß ist, ist ihre Flächenhelligkeit niedrig. Das macht diese große Galaxie schlechter sichtbar als viele der anderen kleineren Galaxien im Sternbild Löwe.

 

 

Sternbild Sextant

Südlich des Sternbilds Löwe liegt das Sternbild Sextant. Es ist klein und unscheinbar, sein 4,4m heller Hauptstern Alpha Sextantis liegt ca. 12,5° südlich von Regulus. Verlängert man die Verbindungslinie von Regulus zu Alpha Sextantis über Alpha hinaus um ca. 7, 5°, stößt man dort im Fernrohr ab 10 cm Öffnung auf die S0-Galaxie NGC 3115. Man kann diese Galaxie mit einem Fernrohr bei hoher Vergrößerung betrachten, weil diese kleine Galaxie eine hohe Flächenhelligkeit hat. NGC 3115 ist auch als die „Spindelgalaxie“ bekannt.

 

 

Sternbild Hydra

Weit südlich des Sternbilds Krebs sieht man einen einsamen hellen Stern: Das ist der 2m helle Stern Alphard (arabisch: der „Einsame“). Er ist der hellste Stern im Sternbild Hydra. Das Sternbild Hydra stammt aus der klassischen Antike. Es sollte an das Ungeheuer Hydra aus der Herkules-Sage erinnern, welches Herkules im Auftrag der Göttin Hera beseitigen musste. Diese Sage schildert die Hydra als eine riesige, tödlich giftige Wasserschlange, die in einem Sumpf bei der Stadt Lerna lebte und Wanderer überfiel und verschlang, die dort zufällig vorbeikamen. Weil diese Schlange gigantisch groß war, ist auch das Sternbild Hydra das längste und größte Sternbild am Himmel.
im Westteil des Sternbilds Hydra bildet ein Ring aus sechs Sternen nahe dem 3,3m hellen Stern Epsilon Hydrae den aufgerichteten Kopf der Wasserschlange. Diese Sternengruppe überquert schon gegen 2:00 den Meridian. Doch erst um 5:40 gehen über den Südosthorizont die Sterne auf, die das Schwanzende der Hydra bilden. Zum dem Zeitpunkt gehen jedoch die Kopfsterne der Hydra schon am Westhorizont unter.

Ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns C Hydrae am Westrand des Sternbilds Hydra liegt der Offene Sternhaufen M48. Er lässt sich mit einem Fernglas beobachten.

Ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae liegt der große und helle Planetarische Nebel NGC 3242. Weil der Winkeldurchmesser und die Form des NGC 3242 der Größe und der  Form des Planeten Jupiter ähneln, wird der grünlich schimmernden Nebel auch „Jupiters Geist“ genannt.

 

Sternbild Coma Berenices

Das Sternbild Coma Berenices ist ganz unauffällig, lässt sich aber dennoch leicht finden: Man schaut vom Sternbild Löwe nach Osten und sieht dort den hellen Stern Arktur leuchten. Zieht man nun in Gedanken am Himmel eine Linie von Denebola (Beta Leonis) hinüber nach Arktur, liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.

Der hellste Stern des Sternbilds Coma Berenices heißt Diadem. Seine Helligkeit beträgt 4,8 m, Diadem liegt 57 Lichtjahre von uns entfernt. Ca.10° nördlich von Diadem liegt Beta Comae Berenices, ein Stern der Spektralklasse G0. Ca. 10° westlich von Beta liegt Gamma Comae Berenices, ein 4,4m heller Roter Riesenstern der Spektralklasse K0.
Wenn man unter einem mondlos sternklaren Nachtlandhimmel an einem dunklen Beobachtungsort steht, kann man mit dem bloßen Auge südlich von Gamma Comae Berenices einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Betrachtet man diese Stelle mit dem Fernglas, erweist sich der Lichtschimmer als ein ausgedehnter Sternhaufen von ca. 4° Durchmesser. Viele Sterne in diesem Sternhaufen sind farbig. Wegen seiner Größe kann ihn nur in einem Fernglas vollständig überblicken. Das ist der große „Coma-Sternhaufen“ ’Melotte 111’. Ihm verdankt das Sternbild seinen Namen.

Berenice war die Gattin des ägyptischen Königs Ptolemäus III. Als Ptolemäus gleich nach der Hochzeit in den Krieg zog, bot Berenice an, ihre schönen Haare dem Tempel der Aphrodite zu opfern, falls ihr junger Gatte siegreich zurückkehren würde. Die Götter erfüllten ihr den Wunsch, und so landete Berenices Lockenpracht auf dem Altar des Tempels. Doch in der folgenden Nacht waren die Haare vom Altar verschwunden, und der Hofastronom „entdeckte“ sie dann am Himmel als Sternhaufen wieder. So kam das Sternbild „Coma Berenices“ in die Welt der Astronomie.
Im Sternbild Coma Berenices liegen mehrere sehenswerte Galaxien, die bereits mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung beobachtet werden können. Zieht man eine Linie von Gamma Comae Berenices zu Diadem und folgt der Linie mit einem Fernrohr bei mittlerer Vergrößerung, kann dort ca. 2,3° südöstlich von Gamma Comae Berenices die Galaxie NGC 4565 als einen dünnen und matten Lichtstreif wahrnehmen. Diese Spiralgalaxie sieht man exakt in Kantenlage. Folgt man der Linie in Richtung auf Diadem um weitere 6,3 Grad, stößt man auf die Galaxie M64, die unter dem Namen „Galaxie mit dem schwarzen Auge“ bekannt ist. Die Staubwolke, die den namengebenden schwarzen Fleck auf der Scheibe dieser Galaxie bildet, kann man nur mit sehr großen Spiegelteleskopen bei hoher Vergrößerung beobachten.

Unmittelbar östlich von Diadem kann man bereits mit einen lichtstarken Fernglas den kleinen Kugelsternhaufen M53 wahrnehmen. Er liegt ca. 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Einhorn

Das Sternbild Einhorn (Monoceros) liegt östlich des Sternbilds Orion. Da seine hellsten Sterne nur ca. 4m hell sind, ist das Sternbild Einhorn unauffällig. Es enthält jedoch mehrere sehenswerte Offene Sternhaufen, die man bereits mit kleinen Fernrohr gut beobachten kann. Beispiele hierfür sind der „Rosettennebelhaufen“ NGC 2244, der „Weihnachtsbaumhaufen“ NGC 2264, sowie M50. M50 liegt mitten auf der Linie von Alpha nach Beta Monocerotis.
Der 3,7m helle Stern Beta Monocerotis zeigt sich im Fernrohr als ein anmutiges Dreifachsystem. Wilhelm Herschel entdeckte es 1781 und war vom Anblick dieses Sterns im Fernrohr zeitlebens begeistert: Er nannte es „One of the most beautiful sights in the heavens!“   .

Ca. 6° westlich des 4m hellen Sterns Delta Monocerotis liegt der sehenswerte Offene Sternhaufen NGC 2301. Auch der „Konusnebel“ ist sehenswert. Er ist eine kegelförmige Dunkelwolke, die vom Licht des Sterns 15 Monocerotis beleuchtet wird. Um sie wahrnehmen zu können, braucht man ein Fernrohr mit großer Öffnung bei hoher Vergrößerung.
Ca. 4,5° östlich von Alpha Monocerotis liegt der Offene Sternhaufen NGC 2506. Im kleinen Fernrohr sieht NGC 2506 nur wie ein blasses Nebelchen aus. Betrachtet man ihn in Fernrohren ab 25 cm Öffnung, erweist er sich als ein Sternhaufen, der über hundert winzig erscheinende Sterne enthält. Er ist ca. 10000 Lichtjahre entfernt und ca. 2 Milliarden Jahre alt.

 

Sternbild Puppis

Das Sternbild Puppis Über dem südlichen Horizont leuchtet östlich des Sternbilds Großer Hund der 2,8m helle Stern Rho Puppis. ist der hintere Teil des ehemaligen Sternbilds Argo. 1754 teilte der französische Astronom Nicholas de Lacaille das große antike Sternbild Argo in drei kleinere Sternbilder Puppis, Vela und Carina auf. Von Mitteleuropa aus konnte man nur im Winter vom Sternbild Argo ein Stück des Achterschiffs über den Horizont steigen sehen. Dieser Teil des Sternbilds Argo ist seit 1754 das Sternbild Puppis. Wenn der Nachthimmel sternenklar ist, kann man in dieser Himmelsregion trotz seiner horizontnahen Lage einige schöne Offene Sternhaufen beobachten. Mit lichtstarken Ferngläsern und mit kleinen Fernrohren kann man ca. 12° östlich von Sirius die beiden Offenen Sternhaufen M46 und M47 sehen. Ca. 1,5° nordwestlich von Xi Puppis liegt der Offene Sternhaufen M93, auch er bietet mit bereits mit kleinen Geräten einen reizvollen Anblick. Mit kleinen Fernrohren kann man auch den schönen Offenen Sternhaufen NGC 2539 betrachten: Er liegt ca. 11,5° nördlich von Rho Puppis und umgibt hier  den 4m hellen Stern 19 Puppis.

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