Himmelsanblick um 22:30

Anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang sieht man im Zenit das Sternenkreuz des Schwans mit seinem Hauptstern Deneb. Daneben leuchtet der helle Stern Wega im kleinen Sternbild Leier. Westlich der Leier kann man nach kurzem Suchen das charakteristische Muster der Sterne des Sternbilds Herkules wahrnehmen. Südlich des Schwans erkennt man das kleine Sternbild Pfeil, und unterhalb des Pfeils sieht man den Stern Altair, den hellsten Stern im Sternbild Adler.
Hoch im Westen sieht man hell den orangen Stern Arktur, den Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter. Unterhalb des Herkules liegt das große Areal der Sterne der Sternbilder Schlangenträger und Schlange. Tief über dem südöstlichen Horizont sieht man den Jupiter und den Saturn, und westlich davon das Sternenmuster der „Teekanne“ im Sternbild Schütze.
Östlich des Sternbilds Pfeil kann man den markanten, kleinen Sternenrhombus des Sternbilds Delfin sehen, und östlich des Delfins leuchtet neben dem großen Sternenquadrat des Sternbilds Pegasus der helle Stern Enif. Südlich von Enif kann man mit etwas Glück einige schwache Sterne des unauffälligen Sternbilds Wassermann wahrnehmen. Im Nordosten steht das Sternbild Cassiopeia bereits hoch am Himmel. Oberhalb des Sterns Mirach im Sternbild Andromeda kann man mit bloßem Auge den Kern der Andromeda-Galaxie als einen matten Schimmer erahnen.

 

 

Leier

Dieses kleine Sternbild sieht man gegen 22:00 fast im Zenit. Es ist problemlos aufzufinden, weil Wega sein hellster Stern ist (Alpha Lyrae): Die Helligkeit der Wega definiert in der Astronomie den Nullpunkt der astronomischen Helligkeitsskala. Wega ist daher 0,0m hell, sie ist 25 Lichtjahre entfernt, sie hat die dreifache Masse der Sonne und leuchtet mit 58 Sonnenleuchtkräften.
Das Sternbild Leier wurde in der klassischen Antike erfunden, um an den aus der griechischen Mythologie bekannten Sänger Orpheus zu erinnern. Als der Gott Hermes noch ein Säugling war, baute er sich diese Leier aus dem leeren Panzer seiner Schildkröte, welche beim munteren Spiel mit dem kleinen Hermes ganz überraschend verstorben war. Der kleine Bursche spannte Saiten über den leeren Panzer und entdeckte bald, dass er mit diesem Instrument sehr schöne Musik machen konnte. Als sein Halbbruder Apollon diese Musik vernahm, war er davon so begeistert, dass er dem kleinen Hermes die Leier abkaufte und sie später dem begnadeten Sänger Orpheus schenkte. Nach dem tragischen Tod des Orpheus versetzte Zeus die Leier als Sternbild an den Himmel.
Südlich von Wega bilden die vier Sterne Zeta Lyrae, Gamma Lyrae, Delta Lyrae und Beta Lyrae ein markantes Parallelogramm. Es stellt im Sternbild den Rahmen der himmlischen Leier dar.

Der Stern Beta Lyrae (Sheliak) bildet die rechte untere Ecke des Sternenparallelogramms. Sheliak ist ein Veränderlicher Stern, denn seine Helligkeit variiert sehr regelmäßig alle 12,9079 Tage zwischen 3,4m und 4,1m. Man kann die regelmäßigen Veränderungen in der Helligkeit von Sheliak gut bemerken, indem man Sheliaks Helligkeit regelmäßig mit der des 3,5m hellen Sterns Gamma Lyrae vergleicht. Gamma Lyrae bildet die linke untere Ecke des Parallelogramms: Im Maximum seiner Helligkeit ist Sheliak deutlich heller als Gamma Lyrae, doch im Minimum seiner Helligkeit leuchtet Sheliak deutlich schwächer als Gamma Lyrae.

Auf der Linie zwischen Sheliak und Gamma findet man im Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen den Planetarischen Nebel M57. Er wurde 1779 entdeckt und war damals der erste je entdeckte Planetarische Nebel. Sein Entdecker sah ihn in seinem Fernrohr als ein mattes Scheibchen, dessen Winkeldurchmesser dem des Planeten Jupiter ähnlich war, das jedoch 20.000 Mal schwächer leuchtete als der Riesenplanet. Im Fernrohr ähnelt M57 bei Vergrößerungen ab 60-fach einem matten, grauen Rauchring. In Fernrohren ab 30 cm Öffnung kann man im Zentrum des Nebels bei guten Beobachtungsbedingungen den 15,8m hellen Zentralstern des Nebels wahrnehmen.
An der linken oberen Ecke des Sternenparallelogramms liegt der Stern Delta Lyrae. Delta ist ein Doppelstern, dessen Partnersterne („Delta 1“ und „Delta 2“) zehn Bogenminuten auseinander stehen. Im Fernglas erkennt man im Gebiet um Delta 2 Lyra eine Ansammlung von Sternen. Sie bilden den Offenen Sternhaufen Stephenson 1. Er liegt ca. 600 Lichtjahre von uns entfernt und ist fast so alt ist wie die Plejaden. An der rechten oberen Ecke des Parallelogramms liegt Zeta Lyrae, er ist ein Doppelstern. Seine beiden Partnersterne sind hell und weiß, sie haben 44 Bogensekunden Abstand voneinander.
Ca. 1,5° nordöstlich von der Wega steht der Stern Epsilon Lyrae. Man kann ihn sehr leicht auffinden, denn er bildet gemeinsam mit Zeta Lyrae und Wega ein gleichseitiges Dreieck. Epsilon Lyrae ist ein sehr sehenswerter Doppelstern.
Wenn man ein gutes Sehvermögen hat, nimmt man Epsilon Lyrae bereits mit dem bloßen Auge als länglich wahr. Im Fernglas sieht man Epsilon ganz deutlich als Doppelstern: zwei gleich helle weiße Sterne mit einem schwarzen Zwischenraum. Im Fernrohr sieht man jeden der Partnersterne bei Vergrößerungen ab 100-fach jeweils als Doppelstern. Epsilon Lyrae besteht somit aus zwei Sternenpaaren, die einander in Jahrhunderten umkreisen.  

Ca.4 ° südöstlich von Gamma Lyrae liegt der kleine Kugelsternhaufen M56. Er ist 8,3m hell. In einem kleinen Fernrohr erscheint er bei 60facher Vergrößerung als ein Nebelfleckchen n. In einem Fernrohr ab 20 cm Objektivdurchmesser kann man seine Randbereiche bei hoher Vergrößerung in Einzelsterne aufgelöst sehen. M56 liegt 33000 Lichtjahre von uns entfernt, das sind ca. 300 Billiarden Kilometer.

 

Adler

Das Sternbild Adler liegt mitten in der Sommermilchstraße, daher liegen in seinem Hintergrund dichte Felder aus Tausenden leuchtschwacher Sterne. Es enthält weder spektakuläre Offene Sternhaufen noch helle galaktische Nebel. Wenn man das Sternbild in einer sternklaren, mondlosen Nacht mit einem lichtstarken Fernglas betrachtet, kann man darin dunkle Zonen wahrnehmen, die wie Löcher im dichten Sternenfeld erscheinen. Diese dunklen Bereiche sind jedoch keine Löcher im Sternenfeld, sondern es sind riesige Staubwolken, die das Licht der zahllosen Sterne hinter ihnen vollständig absorbieren. Besonders markant sind hier die Dunkelwolken „Barnard 133“, „Barnard 134“ und „Barnard 141“.
Ca. 13,5° westlich von Terazed (Gamma Aquilae) liegt der kleine Offene Sternhaufen NGC 6709. Man kann ihn im kleinen Fernrohr bei niedriger Vergrößerung schön in Dutzende Sterne aufgelöst sehen.

 

Pfeil

Das Sternbild Pfeil liegt zwischen den großen Sternbildern Schwan und Adler. Es ist ein kleines Sternbild, das in der klassischen Antike erfunden wurde, zur Erinnerung an den Zauberpfeil Amors. Im Sternbild Pfeil liegen dessen drei hellen Sterne Eta, Gamma und Delta Sagittae auf einer Linie, sie bilden den Schaft des himmlischen Pfeils, und die beiden Sterne Alpha und Beta Sagittae stellen seine Steuerfedern dar.
Ca. 1,5° östlich von Delta Sagittae kann man im lichtstarken Fernglas ein mattes Nebelfleckchen sehen. In lichtstarken Fernrohren ab 15 Zentimetern Öffnung erweist es ich bei höherer Vergrößerung als ein dreieckiger matter Sternhaufen. Das ist der Kugelsternhaufen M71.
Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae stößt man bereits im kleinen Fernglas auf den Offenen Sternhaufen Collinder 399, dessen hellsten Mitglieder so angeordnet sind, dass sie an  eine Drahtkleiderbügel erinnern. Dieser „Kleiderbügelhaufen“ liegt im benachbarten Sternbild Füchslein. Collinder 399 ist jedoch ein guter Wegweiser zum 6,2m hellen blauweißen Stern U Sagittae, ca. 2° westlich von Collinder 399. U Sagittae ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern, der sich sehr gut beobachten lässt. Seine Helligkeit fällt alle 81 Stunden für die Dauer vom 1 Stunde und 40 Minuten ziemlich abrupt um drei Größenklassen auf 9,2m ab.

 

Füchslein

Das Sternbild Füchslein liegt südlich des Sternbilds Schwan und nördlich des Sternbilds Pfeil. Da es keine hellen Sterne enthält, wird es in der Regel übersehen. Im Sternbild Füchslein liegen jedoch der „Hantelnebel“ M27 und der „Kleiderbügelhaufen“, daher lohnt es sich, hier etwas länger hinzuschauen.

M27 ist ein großer und heller Planetarischer Nebel. Er liegt ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Gamma Sagittae. Bei mondlos sternklarem Himmel ist M27 bereits im Fernglas als mattes Fleckchen zu erkennen. Im Fernrohr zeigt er bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung, wegen der man M27 den Namen „Hantelnebel“ gegeben hat. Beobachtet man M27 in  Fernrohren größerer Öffnung, kann man bei höherer Vergrößerung auch dessen 13m hellen Zentralstern sowie zahlreiche weitere feine Strukturen wahrnehmen. Der Einsatz eines Nebelfilters (UHC, O III) am Okular ist hierbei zu empfehlen. M27 liegt ca. 1400 Lichtjahre von uns entfernt.

 

Herkules

Gegen 22:30 steht westlich des Sternbilds Leier das Sternbild Herkules ca. 50° über dem Südwesthorizont. An dieser Position kann man es sehr angenehm beobachten. Im Sternbild Herkules liegt der Kugelsternhaufen M13, er ist einer der hellsten Kugelsternhaufen am Nordhimmel. Man findet ihn auf der Linie von Eta Herkulis zu Zeta Herkulis. Im Fernglas oder im Sucherfernrohr erscheint M13 als ein mattes, rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab 10 cm Öffnung zeigt sich das Nebelbällchen bei einer Vergrößerung ab 80-fach als eine rundliche Ansammlung zahlloser, winziger Sterne, die zum Zentrum des Haufens hin dichter beieinander stehen. M13 liegt ca. 22.000 Lichtjahre von uns entfernt.
Schwenkt man nun das Fernrohr von Pi Herkulis aus ca. 6,3° nach Norden, stößt man dort auf den Kugelsternhaufen M92. Er ist so hell wie M13, im Zentrum von M92 stehen die Sterne jedoch noch dichter beieinander als die Sterne im Zentrum von M13.
Schwenkt man sein Fernrohr vom 2,8m hellen Kornephoros (Beta Herculis) ca. 4° nach Nordosten, kann man im Fernrohrokular bei 50facher Vergrößerung in einem Feld schwacher Sterne einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern wahrnehmen. Erhöht man nun die Vergrößerung auf 150-fach, zeigt sich dieses Sternchen als eine blaugrünliche Scheibe, in deren Zentrum ein weißer Stern eingebettet ist. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Sein Winkeldurchmesser ist kleiner als der Ringnebels in der Leier, dafür hat NGC 6210 eine deutlich höhere Flächenhelligkeit.
Der Hauptstern des Sternbilds Herkules ist der 3m helle Ras Algethi (Alpha Herculis). Dieser Stern liegt im Südteil des Herkules, nahe beim Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern im Sternbild Schlangenträger.
Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern, ca. 360 Lichtjahre von uns entfernt. Im Fernrohr zeigt sich Ras Algethi bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern, wobei dessen Partnersterne einen schönen Farbkontrast zeigen: der hellere Partner ist orange, der schwächere leuchtet grünlich.
Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Stern 95 Herkulis. Auch er ist ein sehenswerter Doppelstern. Beide Partnersterne leuchten hell golden.  Da die beiden Partnersterne von 95 Herkulis einen Abstand von 6 Bogensekunden voneinander haben, kann man sie schon in kleinen Fernrohren getrennt sehen.

 

Sternbilder Schlangenträger und Schlange

Das Sternbild Schlangenträger liegt südlich des Sternbilds Herkules. Es wurde lange vor Christi Geburt von griechischen Astronomen erfunden, um an den Asklepios zu erinnern.
Die antiken Sagen zufolge war Asklepios der begabte Sohn Apollons und wurde ein hervorragender Arzt. Als Asklepios zufällig beobachtete, wie eine Schlange einer getöteten Schlange ein Kraut ins Maul schob, das die tote Schlange wieder lebendig werden ließ, setzte Asklepios dieses Kraut fortan erfolgreich ein, um mit ihm frisch Verstorbene wieder zurück ins Leben zu holen. Als diese Neuigkeit dem Hades zu Ohren kam, der der Herr des Totenreichs war, befürchtete Hades, dass die Aktivitäten des Asklepios zu einer Überbevölkerung der Welt und zu einem Einbruch des Nachschubs an Toten für sein Reich führen könnten. Daher bat Hades seinen Bruder Zeus, den Asklepios töten zu lassen. Zeus erfüllte diese Bitte. Er versetzte jedoch den toten Asklepios samt seiner klugen Schlange als mahnende Sternbilder an den Himmel. Bis heute dient die Schlange des Asklepios als Symbol im Gesundheitswesen.
Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds und markiert dort den Kopf des Schlangenträgers. Die beiden hellen Sterne Chelebalrai (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi markieren die Position seiner beiden Schultern. Die Sterne Sabik (Eta Ophiuchi, links) und Yed Prior (Delta Ophiuchi, rechts), repräsentieren dessen kräftige Hände. Westlich des Schlangenträgers bilden die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis den nach oben gerichteten Hals der Schlange. An dessen Ende bilden die drei Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis gemeinsam den dreieckigen kleinen Schlangenkopf.
7,5° südwestlich von Unuk kann man im Fernglas ein rundliches Nebelwölkchen entdecken. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Bereits in einem Fernrohr mit nur 6 cm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. 
Östlich des Sternbilds Schlangenträger liegt eine aufwärts verlaufende Kette aus Sternen, welche den Schwanz der Schlange bildet. Sie besteht aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Sabik (Eta Serpentis), mit dem Stern Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern für die Beobachtung mit kleinen Fernrohren. Seine beiden Partnersterne sind gleich hell und weiß.
Im Sternbild Schlangenträger liegen die Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Man kann sie am sternklaren Himmel bereits in einem lichtstarken Fernglas wahrnehmen. M12 findet man ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior, bereits in einem kleinen Fernrohr kann man den Randbereich vom M12 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Den Kugelsternhaufen M10 findet man ca. 10° östlich von Yed Prior, und M14 liegt ca. 8° südlich von Chelebalrai.

In Fernrohren mit großer Objektivöffnung (> 30 cm) kann man in der Himmelsregion südlich von Sabik fast ein Dutzend schwächerer Kugelsternhaufen betrachten. Da diese Himmelsregion mitten im hellen Band der Milchstraße liegt, ist der Himmelshintergrund hier voll mit zahllosen schwache Sternen und darin eingebetteten Dunkelwolken. Daher kann man hier mit einem lichtstarken Fernglas oder einem lichtstarken Teleskop schöne Beobachtungen machen.

 

Drache

Gegen Mitternacht stehen die beiden markanten Kopfsterne des Sternbilds Drache im Zenit: das sind der 2,8m helle Rastaban (Beta Draconis) und der 2,2m helle Eltanin (Gamma Draconis). Eltanin liegt ca. 14 ° nördlich des 3,9m hellen Stern Theta Herculis.
Ca. 15° nördlich von Eltanin kann man im lichtstarken Fernglas ein Feld mit vielen schwachen Sternen betrachten, unter denen ein Sternchen bläulich erscheint. Im Fernrohr erweist sich das bläuliche Sternchen bei hoher Vergrößerung als ein bläuliches Scheibchen. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6543. Dieser Nebel ist unter dem Namen „Katzenaugennebel“ bekannt. Aufgrund seiner großen Flächenhelligkeit sieht man NGC 6543 im Fernrohr heller als den „Ringnebel“ M 57 im Sternbild Leier. NGC 6543 hat einen Winkeldurchmesser von nur 18 Bogensekunden. Seinen 10,5m hellen Zentralstern kann man in dem hellen Nebel nur in Fernrohren großer Öffnung bei hoher Vergrößerung deutlich wahrnehmen.
In Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man im Sternbild Drache die Galaxie NGC 6503 aufspüren. Man findet sie auf der Linie von Zeta Draconis zu Chi Draconis, etwas näher bei Chi. Bei hoher Vergrößerung sieht NGC 6503 im Fernrohr wie eine matte Spindel aus. Diese Galaxie ist 18 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 4° südöstlich von Iota Draconis kann man bei mondlos sternklarem Himmel in Fernrohren ab 12 cm Öffnung die 10m helle Galaxie M102 wahrnehmen. Vor dem dunklen Himmelshintergrund hebt sich M102 im Fernrohr gut ab, die Galaxie ist linsenförmig.

 

Cepheus

Das Sternbild Cepheus liegt in der Himmelsregion zwischen den beiden Sternbildern Schwan und Cassiopeia und dem Polarstern. Das Sternbild Cepheus enthält viele helle Sterne, ist aber jedoch nicht einfach wahrzunehmen. Man bemerkt es erst aufgrund der besonderen Anordnung seiner hellen Sterne, die an das bekannte Muster „Haus des Nikolaus“ erinnert: die fünf Sterne Alderamin (Alpha), Alfirk (Beta), Alrai (Gamma), Iota und Delta bilden die Ecksterne. Der 3,3m helle Stern Zeta Cephei steht an der unteren linken Ecke.
Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei liegt der 4m helle, rötliche Stern My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern, einer der absolut größten und dadurch kühlsten Sterne am Himmel. Ein weiterer kolossaler Riesenstern im Sternbild Cepheus ist VV Cephei. Wir finden diesen für das bloße Auge ganz unauffälligen 4,9m hellen rötlichen Stern ca. 5,4° von Zeta, er liegt hier auf der Linie von Zeta nach Alfirk. VV ist ein Bedeckungsveränderlicher Doppelstern von ca. 100 Sonnenmassen, sein Hauptstern hat einen Durchmesser von 1,5 Milliarden Kilometer und verdeckt seinen Begleitstern, einen Blauen Riesenstern, alle 20,34 Jahre für jeweils 15 Monate. Die letzte Bedeckung endete bei diesen Sternen am 16. Mai 2019.
Ca. 2,5° östlich von Zeta liegt der 4m helle Stern Delta Cephei. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der Cepheiden. Cepheiden sind Riesensterne extrem hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus verändern, indem sie langsam radial pulsieren. Die Pulsationsfrequenz hängt von der absoluten Helligkeit des betreffenden Sterns ab: je länger eine Pulsation dauert, desto größer ist die absolute Helligkeit des betreffenden Sterns. Die Periode des Helligkeitszyklus von Delta beträgt 5,3663 Tage: hierbei steigt seine Helligkeit 1,5 Tage lang bis auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.
Delta Cephei ist zugleich ein Doppelstern: sein blauweißer Partnerstern Delta B befindet sich im Abstand von 41 Bogensekunden zu Delta A.

Wenn man mit einem Fernrohr ab 15 cm Öffnung beobachtet, kann man damit bei hoher Vergrößerung den Doppelstern DO Cephei beobachten, der ca. 44 Bogenminuten südlich von Delta Cephei liegt. DO Cephei besteht aus zwei Roten Zwergsternen, die in einen Winkelabstand von 2,5 Bogensekunden zueinander stehen und einander in 44,6 Jahren einmal umkreisen. Die Leuchtkräfte dieser beiden Zwergsterne betragen 1,6 bzw. 0,4 Promille der Sonnenleuchtkraft. Die beiden Partnersterne haben voneinander einen Abstand von 9,5 AU, das entspricht ungefähr dem Abstand unserer Sonne vom Saturn. DO Cephei liegt 13,1 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn man als Amateurastronom in jungen Jahren mit der Beobachtung von DO Cephei beginnt, hat man die Möglichkeit, im Laufe der Jahre die langsame Veränderung in der gegenseitigen Position der Partnersterne zu verfolgen.
Ca. 6° östlich von Delta findet man im Fernrohr den Offenen Sternenhaufen NGC 7510. Zur Beobachtung dieses kleinen, aber sehr kompakten Sternhaufens sollte man ein Fernrohr ab 15 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung einsetzen.
Ca. 5,5° westlich von Alderamin liegt der 4,2m helle Stern Theta Cephei. Ca. 2,3° südlich von Theta liegt der Offene Sternhaufen NGC 6939. In kleinen Fernrohren erscheint er als ein matter Nebelfleck, in Fernrohren großer Öffnung kann man hier bei hoher Vergrößerung über hundert schwache Sterne wahrnehmen. Bei hoher Vergrößerung kann man die Helligkeit von NGC 6939 direkt mit der der Galaxie NGC 6949 vergleichen, die ähnlich hell wie der Offene Sternhaufen ist. Sie liegt südöstlich von NGC 6939, im Abstand von 38 Bogenminuten.

 

Cassiopeia

Das Sternbild Cassiopeia wird volkstümlich als das „Himmels-W“ bezeichnet. Es liegt mitten im Band der Milchstraße, und da dort viele Offene Sternhaufen entstanden sind, kann man in diesem Sternbild viele sehenswerte Offene Sternhaufen finden. Einer von ihnen ist NGC 457, er liegt um den 5m hellen Stern Phi Cassiopeiae. NGC 457 ist als „Eulenhaufen“ bekannt, denn mit etwas Phantasie erscheint NGC 457 im Fernrohrokular als eine kleine Eule aus Sternen, die den Beobachter mit aufgerissenen Augen und ausgebreiteten Flügeln keck anfunkelt. Phi Cassiopeia ist der fernste mit bloßem Auge sichtbare Stern, er ist ca. 12000 Lichtjahre entfernt.
Weitere markante Offene Sternhaufen im Sternbild Cassiopeia sind zum einen NGC 281, der ca. 1,5° östlich von Schedir (Alpha) liegt, sowie M103, den man ca. 1° nordöstlich von Ruchba (Delta) findet. Man sollte diese Sternhaufen im lichtstarken Fernrohr mit hoher Vergrößerung zu beobachten, wodurch die individuellen Sternfarben der einzelnen Haufenmitglieder besser wahrnehmbar werden.
Zieht man am mondlos sternklaren Himmel eine Linie von Schedir nach Caph und verlängert sie über Caph um den Abstand dieser beiden Sterne, zeigt ein lichtstarkes Fernrohr an dieser Position den Offenen Sternhaufen M52. Dieser Sternhaufen enthält sehr viele Sterne, die jedoch nur schwach leuchten. Er liegt in ca. 3000 Lichtjahren Entfernung. Zwischen den beiden Doppelsternen Rho Cassiopeiae und Sigma Cassiopeiae liegt der Offene Sternhaufen NGC 7889, auch er enthält Hunderte lichtschwache Sterne. NGC 7889 wurde von Caroline Herschel entdeckt, der Schwester von Wilhelm Herschel. Für die Beobachtung von NGC 7889 braucht man ebenfalls ein lichtstarkes Fernrohr, da die Flächenhelligkeit von NGC 7889 niedrig ist.

 

Perseus

Betrachtet man mit einem kleinen Fernglas Mirfak, den hellen Hauptstern des Sternbilds Perseus, sieht man Mirfak von zahlreichen hellen, blauweißen Sternen umgeben. Das ist der Sternhaufen Melotte 20.

Auf der Mitte der Verbindungslinie von Delta Cassiopeiae nach Gamma Persei liegen die beiden Offenen Sternhaufen „h und chi“. Man nimmt sie bei sternklaren Nachthimmel zuweilen schon mit dem bloßen Auge als neblige Fleckchen wahr. In jedem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr mit einem großen Gesichtsfeld bieten sie einen faszinierenden Anblick.
Ca. 3° westlich von Mirfak liegt der 8,6m helle Offene Sternhaufen NGC 1245. Er wird häufig übersehen, da er nur viele sehr schwache Sterne enthält und Beobachtern daher kaum auffällt. Verlängert man die Linie von Mirfak über NGC 1245 weiter nach Westen, stößt man auf den 2m hellen Algol (Beta Persei), Algol ist ein berühmter bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit jeweils nach 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden zehn Stunden lang auf 3,5m absinkt.
Ca. 5° nordwestlich von Algol kann man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34 wahrnehmen. Für die Beobachtung mit einem Fernrohr ist M34 zu groß. Mit dem Fernrohr lassen sich Doppelsterne in M34 jedoch besser betrachten.

Ca. 3,6° südlich von M34 kann man mit einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen die Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Sie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Im Fernrohr kann man ihn bei niedrigen Vergrößerungen leicht in Einzelsterne aufgelöst sehen. Etwas schwieriger kann die Beobachtung des Offenen Sternhaufens NGC 1513 werden. Dieser Sternhaufen liegt ca. 7,5° östlich von Mirfak. NGC 1513 ist deutlich schwächer als NGC1528, im Fernrohr zeigt NGC 1513 bei hoher Vergrößerung eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne.
Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Wenn man für die Beobachtung nur ein Fernrohr mit kleiner Öffnung zur Verfügung hat, sollte man es mit höheren Vergrößerungen einsetzen, wodurch auch die schwächeren Sterne von NGC 1342 deutlicher wahrnehmbar werden.
An der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76, der „Kleine Hantelnebel“. Man findet ihn mit dem Fernrohr leicht per Starhopping. Hierbei geht man vom 2,3m hellen Doppelstern Alamak (Gamma Andromedae) aus. Schwenkt man das Fernrohr von Alamak in Richtung des Sterns Gamma Cassiopeia, stößt man nach 7,5° auf den 3,5 m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle, weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi liegt M76.
Bei dunklem Himmelshintergrund ist dieser kleine Planetarische Nebel auch schon im kleinen Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen wahrnehmbar. M76 hat im Fernrohr einen rechteckigen Umriss.

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