Erster Überblick um 23:00 …

Zwei Stunden nach Sonnenuntergang steht das Sternbild Löwe hoch im Süden. Unterhalb dieses markanten Sternbilds sieht man die lange Sternenkette des Sternbilds Wasserschlange. Sie erstreckt sich oberhalb des südlichen Horizonts von Südwesten bis Südosten. Über dem Westhorizont sieht man die hellsten Sterne des Sternbilds Zwilling: das Sternenpaar Castor und Pollux.

Über dem Nordosthorizont kann man bereits die Sterne des Sternbilds Schwan und das kleine Sternbild Leier mit seinem hellen Hauptstern Wega sehen. Rechts von Wega kann man einige Sterne des unauffälligen Sternbilds Herkules erkennen. Im Zenit sieht man das Sternbild Großer Bär. Zwischen dem Großen Bären und dem Osthorizont liegt das markante Sternbild Bärenhüter, mit seinem hellen Hauptstern Arktur. Der Sommersternhimmel mit der sternreichen Sommermilchstraße ist nun nicht mehr fern.

 

 

Sternbild Großer Bär

Das Sternbild Großer Bär lässt sich im Zenit gut betrachten. Die meisten Menschen erkennen von diesem Sternbild nur einen kleinen, aber sehr markanten Teil: den „Großen Wagen“. Der „Große Wagen“  wird durch die vier ’Kastensterne’ Dubhe (Alpha), Merak (Beta), Phekda (Gamma), Megrez, (Delta), sowie die drei ’Deichselsterne’ Allioth (Epsilon), Mizar (Zeta) und Benetnash (Eta) gebildet. Der „Große Wagen“ ist jedoch kein Sternbild, sondern stellt nur das kantige Hinterteil und den langen Schwanz des Sternbilds Großer Bär dar.

Mizar war der erste Stern, bei dem man mit einem Fernrohr wahrnahm, dass er ein Doppelstern ist. Bereits mit kleinen Fernrohren kann man deutlich sehen, dass Mizar aus zwei weißen Sternen besteht. Auch der Stern Dubhe, der hellste Stern des Großen Bären, ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist nur 7m hell, kann jedoch mit jedem kleinen Fernrohr deutlich wahrgenommen werden.

Ca. 12° südlich von Merak liegt der 3,5m helle Stern Lambda Ursae Majoris. 1,5° weiter südlich liegt der 3,8m helle Xi Ursae Majoris. 1780 entdeckte Wilhelm Herschel, dass der Stern Xi ein Doppelstern ist. Bei späteren Beobachtungen von Xi fand Herschel heraus, dass dessen beide Partnersterne einander in 60 Jahren einmal umlaufen. Durch diese Beobachtungen wurde erstmals nachgewiesen, dass die Newton‘schen Gravitationsgesetze auch im Reich der Sterne gelten.
Verlängert man die Linie von Phekda nach Merak um 10° über Merak hinaus, stößt man dort auf den 3,7m hellen Stern Ypsilon Ursae Majoris. Auch der Stern Ypsilon ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist jedoch nur 11m hell und  steht in 11 Bogensekunden Abstand vom hellen Hauptstern.
Ca. 10° nördlich von Ypsilon kann man bei mondlos sternklarem Himmel mit einem lichtstarken Fernrohr die Galaxiengruppe aus den Galaxien M81, M82 und NGC 3077 wahrnehmen. Die Galaxien M81 und M82 sind bereits in kleinen Fernrohren deutlich zu sehen. Um die Galaxie NGC 3077 wahrzunehmen, braucht man ein Fernrohr ab 12 cm Öffnung, denn diese Galaxie leuchtet schwächer als ihre beiden großen Schwestern.
Wenn man mit einem Fernrohr ab 20 cm Öffnung beobachtet, kann man damit dicht bei dem Kastenstern Phekda die 9,8m helle Galaxie M109 sehen. Sie liegt in einer Entfernung von 83,5 Millionen Lichtjahren. Beim Kastenstern Merak kann man die die 10m helle Galaxie M108 wahrnehmen. Diese Galaxie ist nur 34 Millionen Lichtjahre entfernt.

 

Sternbild Wasserschlange

Auf der Mitte der Strecke von Regulus im Sternbild Löwe nach Procyon, dem hellsten Stern im Sternbild Kleiner Hund, liegt eine markante Sternengruppe aus sechs Sternen. Diese Sternengruppe stellt im Sternbild Wasserschlange deren Kopf dar. Das Sternbild Wasserschlange (Hydra) ist das größte Sternbild des Himmels. Da es ca. 100° breit ist, ist das komplette Sternbild von Mitteleuropa nur in Frühlingsnächten für wenige Stunden vollständig oberhalb des Horizonts sichtbar.
Südöstlich dieser Sternengruppe liegt ein einzelner, 2,0m heller Stern. Er heißt Alphard und ist der hellste Stern dieses Sternbilds. Alphard ist ein Roter Riesenstern in 180 Lichtjahren Entfernung.
Am Westrand des Sternbilds Wasserschlange liegt der 6m helle Offene Sternhaufen M48. Man kann ihn bereits mit einem Fernglas leicht auffinden, denn er liegt ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns 2 Hydrae. Auch der Stern 2 Hydrae lässt sich problemlos finden, da er auf der Mitte der Verbindungslinie von Alphard zum 0,4m hellen Procyon liegt. Bereits mit einem kleinen Fernrohr kann man in M48 über 60 Sterne wahrnehmen.
Ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae liegt der 7m helle Planetarische Nebel NGC 3242. Da die Größe und die Form von NGC3242 dem Anblick des Planeten Jupiter in einem Fernrohr ähneln, heißt dieser grünlich schimmernde Nebel auch „Jupiters Geist“. Da NGC 3242 eine hohe Flächenhelligkeit hat, lässt er sich im Fernrohr auch mit hoher Vergrößerung gut beobachten.
Ca. 3° nördlich der Mitte einer Linie von My Hydrae zu Ny Hydrae liegt der 4,8m helle Stern U Hydrae. Er ist einer der rötesten und kühlsten Sterne am Himmel, ein Kohlenstoffstern mit 3400 Sonnenleuchtkräften in 680 Lichtjahren Entfernung. Die Helligkeit von U Hydrae schwankt sehr langsam und unregelmäßig zwischen 4,5m und 6,2m.

 

Sternbild Jagdhunde

Ca. 17° unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens liegen nebeneinander zwei Sterne. Das sind der 2,7m helle Stern Cor Caroli (Alpha Canum Venaticorum) und 4,4m helle Stern Asterion (Beta Canum Venaticorum). Sie sind die hellsten Sterne des Sternbilds Jagdhunde.
Cor Caroli hat 110 Sonnenleuchtkräfte und liegt in 110 Lichtjahren Entfernung. Im Fernrohr erweist er sich als ein Doppelstern. Asterion ist nur 27 Lichtjahre entfernt. Er ist ein Gelber Zwergstern mit 1,2 Sonnenleuchtkräften.
Im Sternbild Jagdhunde liegen zahlreiche Galaxien, die man bei guten Beobachtungsbedingungen (d. h. mondlos sternklarer Landhimmel) sogar mit kleineren Fernrohren recht gut wahrnehmen kann: Zieht man z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phekda) zu Asterion, kann man auf der Mitte dieser Linie bereits mit einem lichtstarken Fernglas einen länglichen, nebelhaften Fleck wahrnehmen. Das ist die große Spiralgalaxie M106. Sie liegt 24 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 2° nördlich der Mitte der Linie von Cor Caroli zu Asterion findet man im Fernrohr die 8,2m helle, rundliche Galaxie M94. Sie liegt 16 Millionen Lichtjahre entfernt. Beide Galaxien wurden 1781 von Pierre Mechain entdeckt.
Zieht man von Cor Caroli eine Linie hinunter zum Stern Gamma Comae Berenices, kann man in Fernrohren ab 7 cm Öffnung etwas südlich von der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 wahrnehmen. Ihre Flächenhelligkeit ist so hoch, dass man die Form dieser Galaxie deutlich wahrnehmen kann. Manche Beobachter erinnert die Form an einen Hering, andere eher an einen Wal. Darum nennen manche Astronomen sie „Heringsgalaxie“, andere kennen sie als die „Walgalaxie“.
Im Fernrohr ab 7 cm Öffnung kann man ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion die Galaxie NGC 4490 wahrnehmen. Mit einem solchen Fernrohr kann man auch den hellen Kernbereich der Galaxie M63 sehen. Man findet M63 ca. 1,5° nördlich des 4,7m hellen Sterns 20 Canum Venaticorum. Der Stern 20 Canum Venaticorum liegt ca. 4,6° nordöstlich von Cor Caroli.

Im Sternbild Jagdhunde liegt die berühmte Galaxie M51, deren Spiralstruktur bereits 1845 erstmals von Lord Rosse mit seinem Riesenfernrohr „Leviathan“ wahrgenommen wurde. M51 befindet sich ca. 3,5° südwestlich des 1,9m hellen Sterns Benetnash, dem Schlussstern an der Deichsel des Großen Wagens. Die Galaxie M51 ist 8,2m hell und liegt 25 Millionen Lichtjahre entfernt. Mit lichtstarken Fernrohren ab 30 cm Öffnung kann man die beiden Spiralarme von M51 unter einem sternklaren Landhimmel gut wahrnehmen.
Ca. 4,4° nordöstlich von Asterion befindet sich der 4,8m helle Stern Y Canum Venaticorum. Er zeigt sich im Fernrohr bei hoher Vergrößerung intensiv orangerot. Er ist ein kühler Kohlenstoffstern, ähnlich wie U Hydrae.

 

Sternbild Löwe

Unterhalb des Sternbilds Großer Bär liegt das markante Sternbild Löwe. Gegen 23:30 erreicht es eine Höhe von 40° über dem Südwesthorizont.

Im Sternbild Löwe liegt der Stern Algieba (Gamma Leonis). Algieba ist ein sehenswerter Doppelstern. Seine beiden gelblichen Partnersterne sind 2,2m bzw. 3m hell. Sie stehen am Himmel in ca. 4 Bogensekunden Abstand voneinander. Betrachtet man sie im Fernrohr, sehen sie aus wie das Scheinwerferpaar eines weit entfernten Autos in der Nacht. Tatsächlich sind diese beiden Sterne 125 Lichtjahre von uns entfernt, sie leuchten 180 bzw. 50 Mal heller als unsere Sonne, und sie umkreisen einander einmal in 510 Jahren.

Wenn der Himmel dunkel und sternklar ist, kann man ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) in Fernrohren ab 12 cm Öffnung die Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. Sie liegt ca. 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Auf der Mitte der Verbindungslinie von Iota Leonis nach Coxa findet man damit die Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628. Zwischen den Sternen Coxa und Zosma (Delta Leonis) kann mit dem Fernrohr die Galaxie NGC 3607 auffinden. Der Stern Iota Leonis zeigt sich im Fernrohr bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern.
Wenn man von Algieba ausgehend der gebogenen Sternenkette von Zeta Leonis über My Leonis nach Epsilon Leonis folgt, stößt man 3,3° westlich von Epsilon auf den 4,3m hellen Stern Lambda Leonis. Ca. 1,5° südlich von Lambda liegt die 8,9m helle Galaxie NGC 2903. Das ist die hellste und auch flächenmäßig die größte Galaxie im Sternbild Löwe. Da sie so groß ist, ist auch ihr Winkeldurchmesser sehr groß, und dadurch ist die Flächenhelligkeit der Galaxie so niedrig, dass man NGC 2903 im Fernrohr oft nur wahrnehmen kann, indem man längere Zeit geduldig hinschaut.

 

Sternbild Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau überquert gegen 0:00 den Meridian. Es ist ein großes Sternbild, es ist jedoch trotz seiner Größe nicht auffällig.

Der hellste Fixstern im Sternbild Jungfrau ist der 1,0m helle Stern Spica. Spica ist ein blauer Riesenstern der Spektralklasse B2, er hat 2600 Sonnenleuchtkräften und liegt ca. 240 Lichtjahre entfernt. Der Stern Zavijava (Beta Virginis) hat sechs Sonnenleuchtkräfte und ist 38,6 Lichtjahre entfernt. Der Stern Porrima (Gamma Virginis) ist ein häufig beobachteter enger Doppelstern. Die Umlaufzeit seiner Partnersterne beträgt 176 Jahre, sie stehen zurzeit ca. 2 Bogensekunden auseinander, wodurch man sie nur in Amateurteleskopen großer Öffnung bei hoher Vergrößerung getrennt sehen kann.
Der Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, sein Name ist lateinisch und bedeutet auf Deutsch „Weinleserin“. Zur Zeit der römischen Antike galt das Erscheinen von Vindemiatrix am Morgendämmerungshimmel als Startschuss für den Beginn der Weinlese.
Im Sternbild Jungfrau liegen mehr gut beobachtbare Galaxien als in jedem anderen Sternbild. Die meisten dieser Galaxien liegen hier im Feld zwischen dem Stern Vindemiatrix und dem Stern Denebola (Beta Leonis). In Fernrohren ab 20 cm Öffnung kann man diese Galaxien als matte Nebelfleckchen sehen. Viele dieser Galaxien wurden bereits im 18. Jahrhundert von französischen Astronomen mit kleinen Fernrohren entdeckt (z. B. M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90). Diese Galaxien sind allesamt Mitglieder des Virgo-Galaxienhaufens.
Damit man bei der Beobachtung dieser vielen Galaxien die Übersicht behalten kann, muss man sich die Lage dieser Galaxien vor dem Beginn der Beobachtung gut einprägen. Außerdem muss der Beobachtungsplatz muss möglichst fern von den Lichtglocken der Städte und Gemeinden liegen, und der Himmel muss sternenklar und mondlos sein, und das verwendete Fernrohr muss zudem möglichst viel Öffnung haben. Sind diese Bedingungen erfüllt, kann man die Galaxien im Sternbild Jungfrau wahrnehmen. Die meisten dieser Galaxien liegen ca. 60 Millionen Lichtjahre entfernt, das sind ca. 600 Trillionen Kilometer.
Ca. 11° westlich von Spica liegt die 8,3m helle „Sombrero-Galaxie“ M104. Am sternklaren Landhimmel kann man sie bereits im kleinen Fernrohr als einen länglichen Nebelfleck wahrnehmen. Beobachtet man sie in einem Fernrohr ab 20 cm Öffnung, kann man auch das markante breite Staubband erahnen, dem die Sombrero-Galaxie ihren Namen verdankt.

 

Sternbild Coma Berenices

Nordöstlich des Sternbilds Löwe liegt das kleine und ganz unauffällige Sternbild Coma Berenices. Sein hellster Stern ist nur 4,3m hell und liegt 57 Lichtjahre entfernt. Er heißt Diadem (Alpha Comae) und liegt in 60 Lichtjahren Entfernung. Diadem ist ein sehr enger Doppelstern, seine beiden Partnersterne sind gleich hell und umkreisen einander einmal in 25,87 Jahren. Sie erreichen dabei einem maximalen Abstand von 0.9 Bogensekunden, daher können sie nur in Fernrohren sehr großer Öffnung getrennt gesehen werden.
Ca. 10° nördlich von Diadem liegt der 4,3m helle Stern Beta Comae, er ist ein Gelber Zwergstern von 1,3 Sonnenleuchtkräften, in 29 Lichtjahren Entfernung. Ca. 10° westlich von Beta liegt der 4,4m helle Stern Gamma Comae, er ist ein Roter Riesenstern mit 60 Sonnenleuchtkräften, in 160 Lichtjahren Entfernung.
Wenn man unter einem sternklaren Landhimmel steht, kann man mit dem bloßen Auge südlich von Gamma Comae einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Das ist der Coma-Sternhaufen (Melotte 111). Dieser Offene Sternhaufen hat einen Durchmesser von ca. 4°, daher kann man ihn nur im Fernglas komplett sehen. Schon im Fernglas kann man die individuellen Farben der Sterne dieses Sternhaufens wahrnehmen, manche sind orange, andere sind weiß.

Im Sternbild Coma Berenices liegen einige Galaxien, die man in Fernrohren ab 20 cm Öffnung unter einem dunklen, sternklaren Landhimmel gut wahrnehmen kann.
Ca. 2,5° südlich von Gamma Comae findet man im Coma-Haufen den Doppelstern 17 Comae. Ca. 0,5° östlich dieses Sterns liegt die 9,9m helle Galaxie NGC 4494. Schaut man von dort ca. 1° weiter östlich, kann man die 9,6m helle Galaxie NGC 4565 als ein schmales nebliges Oval auffinden. NGC 4565 ist eine Spiralgalaxie in perfekter Kantenlage.
Ca. 1° nordöstlich von Diadem findet man den 7,7m hellen Kugelsternhaufen M53. Dieser Kugelsternhaufen ist 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

 

 

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