Erster Überblick um 23:00

Zwei Stunden nach Sonnenuntergang sehen wir das Sternbild Löwe hoch im Süden. Unterhalb des Löwen entdecken wir nun die lange Sternenkette der Hydra, die sich parallel zum Horizont von Südwesten bis Südosten erstreckt. Über dem Westhorizont sehen wir das Sternenpaar Castor und Pollux, die beiden hellsten Sterne des Sternbilds Zwillinge.

Über dem Nordosthorizont zeigt sich bereits das Sternbild Schwan und das kleine Sternbild Leier mit seinem hellen Hauptstern Wega. Rechts neben Wega sehen wir die Sterne des unauffälligen Sternbilds Herkules. Im Zenit steht nun das Sternbild Großer Bär. Zwischen dem Großen Bären und dem Osthorizont erstreckt sich das markante Sternbild Bärenhüter mit seinem hellen Hauptstern Arktur. Der schöne Sommersternhimmel mit seiner sternreichen Sommermilchstraße ist nun nicht mehr fern.

 

Großer Bär

Das Sternbild Großer Bär steht nun im Zenit und lässt sich hier gut betrachten. Die meisten Menschen kennen von diesem Sternbild nur einen kleinen Teil: den „Großen Wagen“. Der „Große Wagen“  wird durch die vier ’Kastensterne’ Dubhe (Alpha), Merak (Beta), Phekda (Gamma), Megrez, (Delta), sowie die drei ’Deichselsterne’ Allioth (Epsilon), Mizar (Zeta) und Benetnash (Eta) gebildet. Der „Große Wagen“ ist jedoch eigentlich nur das kantige Hinterteil und der lange Schwanz des Großen Bären.

Der Stern Mizar wurde schon 1650 als Doppelstern erkannt. Bereits in kleinen Fernrohren kann man deutlich sehen, dass Mizar aus zwei weißen Sternen besteht. Auch Dubhe ist ein Doppelstern, seinen 7m hellen Sternpartner kann man im kleinen Fernrohr gut wahrnehmen.

Ca. 12° südlich von Merak liegt der 3,5m helle Stern Lambda Ursae Majoris. 1,5° weiter südlich liegt der 3,8m helle Xi Ursae Majoris. 1780 entdeckte Wilhelm Herschel, dass der Stern Xi ein Doppelstern ist, und bei späteren Beobachtungen fand er heraus, dass seine beiden Partnersterne einander in 60 Jahren einmal umlaufen. Dadurch wurde erstmals bewiesen, dass die Newton‘schen Gravitationsgesetze auch in der Welt der Sterne gelten.

Verlängert man die Linie von Phekda nach Merak um 10° über Merak hinaus, stößt man dort auf den 3,7m hellen Stern Ypsilon Ursae Majoris. Auch Ypsilon ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist jedoch nur 11m hell und  steht in 11 Bogensekunden Abstand vom hellen Hauptstern.
Ca. 10° nördlich von Ypsilon findet man bei mondlosem und klarem Sternenhimmel im lichtstarken Fernrohr die Galaxiengruppe aus den Galaxien M81, M82 und NGC 3077. Die beiden Galaxien M81 und M82 sind bereits in kleinen Fernrohren problemlos zu sehen. Die Galaxie NGC 3077 ist kleiner als ihre beiden großen Schwestern, sie kann in Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung wahrgenommen werden.

Wenn man mit einem Fernrohr ab 8 Zoll Öffnung beobachtet, kann man damit dicht bei dem Kastenstern Phekda die 9,8m helle Galaxie M109 wahrnehmen.  

 

Wasserschlange

Auf der Mitte der Strecke von Regulus im Sternbild Löwe nach Procyon, dem hellsten Stern des Sternbilds Kleiner Hund liegt eine markante Sternengruppe aus sechs Sternen. Diese Sternengruppe stellt im Sternbild Wasserschlange den Kopf der Wasserschlange dar. Das Sternbild Wasserschlange (Hydra) überspannt am Himmel einen Winkel von 100°, darum ist es das größte Sternbild des Himmels. Es ist so lang, dass man es in unseren Breiten nur in der Frühlingsnacht für wenige Stunden vollständig oberhalb des Horizonts sehen kann.
Südöstlich dieser Sternengruppe steht ein einzeln stehender, heller Stern. Das ist Alphard, der  hellste Stern dieses Sternbilds.
Am Westrand des Sternbilds Wasserschlange liegt der 6m helle Offene Sternhaufen M48. Wir Mit dem Fernglas kann man ihn ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns 2 Hydrae leicht auffinden. Der Stern 2 Hydrae liegt auf der Mitte der Verbindungslinie von Alphard zu Procyon, dem hellsten Stern des Sternbilds Kleiner Hund. Schon im kleinen Fernrohr kann man in M48 über 60 Sterne sehen.

Ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae liegt der 7m helle Planetarische Nebel NGC 3242. Die Größe und die Form von NGC3242 sind dem Jupiter sehr ähnlich, daher hat man diesem grünlich schimmernden Nebel den Namen „Jupiters Geist“ gegeben. NGC 3242 hat eine hohe Flächenhelligkeit und lässt sich daher im Fernrohr auch mit hoher Vergrößerung erfolgreich beobachten.

Ca. 3° nördlich der Mitte einer Linie von My Hydrae zu Ny Hydrae finden wir den 4,8m hellen Stern U Hydrae. Dieser Stern ist einer der rötesten und kühlsten Sternen am Himmel. Seine Helligkeit schwankt unregelmäßig zwischen 4,5m und 6,2 m.

 

Jagdhunde

Unterhalb der Deichsel des Großen Wagens liegen nebeneinander zwei mäßig helle Sterne. Sie heißen Cor Caroli und Asterion, und die sind die hellsten Sterne des Sternbilds Jagdhunde.

Im Fernrohr erweist sich der 2,7m helle Cor Caroli als ein schöner Doppelstern. Er liegt in 110 Lichtjahren Entfernung.
Der 4,4m helle Asterion ist hingegen nur 27 Lichtjahre entfernt. Asterion ist ein Gelber Zwergstern von 1,2 Sonnenleuchtkräften.

Im Sternbild Jagdhunde liegen viele Galaxien, die man bei guten Beobachtungsbedingungen (mondlos sternklarer Landhimmel) sogar in kleineren Fernrohren recht gut wahrnehmen kann: Ziehen wir z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phekda) zu Asterion, können wir bereits mit einem lichtstarken Fernglas auf der Mitte dieser Linie einen länglichen, nebeligen Fleck wahrnehmen. Das ist die große Spiralgalaxie M106. Sie liegt 24 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 2° nördlich der Mitte der Strecke von Cor Caroli zu Asterion finden wir die 8,2m helle, rundliche Galaxie M94. Sie ist 16 Millionen Lichtjahre entfernt. Beide Galaxien wurden 1781 von Pierre Mechain entdeckt.
Zieht man eine Linie von Cor Caroli hinunter zu Gamma Comae Berenices, kann man in Fernrohren ab 3 Zoll Öffnung etwas südlich von der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 auffinden. Ihre Flächenhelligkeit ist so hoch, dass man ihre Form deutlich wahrnehmen kann. Sie erinnert manche Beobachter an einen Hering, andere an einen Wal. Darum nennen manche Astronomen sie „Heringsgalaxie“, andere bezeichnen sie als die „Walgalaxie“.
Im dreizölligen Fernrohr kann man auch die Galaxie NGC 4490 wahrnehmen, die ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion liegt. Auch den Kernbereich der Galaxie M63 kann man in einem solchen Fernrohr gut wahrnehmen. Man findet M63 ca.1,5° nördlich des 4,7m hellen Sterns 20 Canes Venaticorum. Der Stern 20 Canes Venaticorum liegt ca. 4,6° nordöstlich von Cor Caroli.

Im Sternbild Jagdhunde liegt auch die „Whirlpool“-Galaxie M51, die aufgrund der vielen spektakulären Astrofotografien dieser Galaxie bekannt ist. Wir finden M51 ca. 3,5° südwestlich des Sterns Benetnash. Dieser helle Stern bildet das Ende des Bärenschwanzes. M51 ist 8,2m hell und liegt 25 Millionen Lichtjahre entfernt. Die beiden Spiralarme von M51 kann man mit lichtstarken Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung unter einem dunklen und sternklaren Landhimmel wahrnehmen.

Ca. 4,4° nordöstlich von Asterion befindet sich der 4,8m helle Stern Y Canes Venaticorum. Im 19. Jahrhundert bekam der Stern vom vatikanischen Astronomen Secchi den Beinamen „La Superba“, weil Secchi vom Spektrum dieses Sterns an seinem Spektroskop stets absolut begeistert war. Der Stern Y zeigt sich im Fernrohr bei hoher Vergrößerung intensiv orangerot.

 

Löwe

Unterhalb des Großen Bären liegt das markante Sternbild Löwe. Gegen 23:30 erreicht es eine Höhe von 40° über dem Südwesthorizont.

Im Sternbild Löwe liegt der Stern Algieba (Gamma Leonis), einer der markantesten Doppelsterne am Himmel. Seine beiden gelblichen Partner sind 2,2m bzw. 3m hell und stehen am Himmel in ca. 4 Bogensekunden Abstand voneinander. Im Fernrohr sehen sie aus wie das Scheinwerferpaar eines weit entfernten Autos in der Nacht. In Wirklichkeit liegen diese beiden Sterne 125 Lichtjahre von uns entfernt, sie leuchten 180 bzw. 50 Mal heller als unsere Sonne und umkreisen einander einmal in 510 Jahren.

Wenn der Himmel dunkel und sternklar ist, kann man ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) im Fernrohr ab fünf Zoll Öffnung die Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. Sie liegt ca. 40 Millionen Lichtjahre entfernt. In der Mitte der Verbindungslinie von Iota Leonis nach Coxa findet man die Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628. Zwischen Coxa und Zosma (Delta Leonis) findet man die Galaxie NGC 3607. Der Stern Iota Leonis zeigt sich im Fernrohr als ein enger Doppelstern.

Wenn man von Algieba ausgehend der gebogenen Sternekette von Zeta über My nach Epsilon Leonis folgt, stößt man 3,3° westlich von Epsilon auf den 4,3m hellen Stern Lambda Leonis. Ca. 1,5° südlich von Lambda liegt die 8,9m helle Galaxie NGC 2903. Eigentlich ist sie die hellste und flächenmäßig auch die größte Galaxie im Sternbild Löwe. Doch wegen ihrer Größe ist die Flächenhelligkeit der Galaxie sehr niedrig, daher nimmt man NGC 2903 im Blickfeld des Fernrohrs nicht sofort wahr.

 

Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau überquert gegen 24:00 die Meridianlinie. Es ist ein großes Sternbild, es ist jedoch nicht auffällig.

Der hellste Fixstern im Sternbild Jungfrau ist die 1,0m helle Spica. Der Stern Spica ist ein blauer Riese der Spektralklasse B2 mit 2600 Sonnenleuchtkräften, ca. 240 Lichtjahre entfernt. Der Stern Zavijava (Beta Virginis) hat sechs Sonnenleuchtkräfte und ist 38,6 Lichtjahre entfernt. Porrima (Gamma Virginis) ist ein häufig beobachteter enger Doppelstern. Seine Umlaufzeit beträgt 176 Jahre, seine beiden Partner stehen zurzeit ca. 2 Bogensekunden auseinander, wodurch sie nur in Amateurteleskopen großer Öffnung bei hoher Vergrößerung getrennt gesehen werden können.
Der Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, der Name diese Sterns ist lateinisch und bedeutet „Weinleserin“. In der römischen Antike galt der Aufgang von Vindemiatrix am Morgendämmerungshimmel als der ideale Zeitpunkt für den Beginn der Weinlese.

Im Sternbild Jungfrau liegen mehr gut beobachtbare Galaxien als in jedem anderen Sternbild. Die meisten dieser Galaxien befinden sich hier zwischen dem Stern Vindemiatrix und dem Stern Denebola (Beta Leonis). In Fernrohren ab acht Zoll Öffnung kann man sie als matte Nebelfleckchen wahrnehmen, viele dieser Galaxien (M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90) wurden bereits im 18. Jahrhundert von französischen Astronomen entdeckt.

Damit man bei der Beobachtung dieser vielen Galaxien die Übersicht behält, sollte man sich vorher ihre Lage gut einprägen. Der Beobachtungsplatz muss möglichst weit weg von den Lichtglocken der Städte und Gemeinden liegen. Der Himmel muss sternklar und mondlos sein, damit man die Galaxien im Fernrohr wahrnehmen kann. Das Fernrohr muss zudem möglichst viel Öffnung haben, damit man die Galaxien im Sternbild Jungfrau gut wahrnehmen kann. Die meisten von ihnen liegen ca. 60 Millionen Lichtjahre entfernt, das sind ca. 600 Trillionen Kilometer.

Ca. 11° westlich von Spica liegt die 8,3m helle „Sombrero-Galaxie“ M104. Am sternklaren dunklen Himmel kann man sie bereits im kleinen Fernrohr als einen länglichen Nebelfleck wahrnehmen. Im Fernrohr ab 20 cm Öffnung wird auch das markante breite Staubband dieser Galaxie erkennbar, dem die Sombrero-Galaxie ihren Namen verdankt.

 

Coma Berenices

Nordöstlich des Sternbilds Löwe liegt das kleine und unauffällige Sternbild Coma Berenices. Sein hellster Stern heißt Diadem (Alpha Comae), er ist jedoch nur 4,3m hell und liegt 57 Lichtjahre entfernt. Diadem ist ein sehr enger Doppelstern, seine beiden Partnersterne sind gleich hell und umkreisen einander einmal in 25,87 Jahren.
Ca. 10° nördlich von Diadem liegt der 4,3m helle Stern Beta Comae, er ist ein Gelber Zwergstern von 1,3 Sonnenleuchtkräften, in 29 Lichtjahren Entfernung. Ca. 10° westlich von Beta finden wir den 4,4m hellen Stern Gamma Comae, er ist ein Roter Riesenstern mit 60 Sonnenleuchtkräften, in 160 Lichtjahren Entfernung.
Unter sternklarem Landhimmel kann man südlich von Gamma Comae mit dem bloßen Auge einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Das ist der Coma-Sternhaufen (Melotte 111). Der Durchmesser dieses Offenen Sternhaufens beträgt über 4°, daher kann man ihn nur im Fernglas vollständig sehen. Im Fernglas kann man die individuellen Farben der Sterne dieses Sternhaufens sehr gut wahrnehmen, manche sind orange, andere sind weiß.

Im Sternbild Coma Berenices liegen einige häufig fotografierte Galaxien, die man in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung bei dunklem, sternklarem Himmel gut wahrnehmen kann.
Ca. 2,5° südlich von Gamma findet man im Coma-Haufen den Doppelstern 17 Comae. Ca. 0,5° östlich davon liegt die 9,9m helle Galaxie NGC 4494. Ca. 1° weiter östlich kann man die 9,6m helle Galaxie NGC 4565 als ein schmales nebliges Oval auffinden. NGC 4565 ist eine Spiralgalaxie in Kantenlage.
Ca. 1° nordöstlich von Diadem findet man den 7,7m hellen Kugelsternhaufen M53. Dieser Kugelsternhaufen ist 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

 

 

 

 

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