Erste Übersicht um 23:00

Erste Übersicht um 23:00

Das Sternbild Bärenhüter steht nun fast im Zenit, sein heller Hauptstern Arktur überquert den Meridian. Hoch im Osten sehen wir den Stern Wega im kleinen Sternbild Leier, und im Nordosten ist das Sternbild Schwan vollständig zu sehen. Unterhalb des Schwans sehen wir einen hellen Stern, das ist der 0,8m helle Altair im Sternbild Adler. Schauen wir von Wega ausgehend hinüber zu Arktur, wandert unser Blick dabei quer durch die beiden Sternbilder Herkules und Nördliche Krone. Oberhalb des Sternbilds Leier bildet ein Dreieck aus drei Sternen den Kopf des Sternbilds Drache. Dieses alte Sternbild windet sich von dort aus als eine lange Sternenkette zwischen Zenit und Polarstern in einem großen Bogen um das Sternbild Kleiner Bär, dessen hellster Stern der Polarstern ist. Westlich des Bärenhüters erkennen wir die Sterne des Sternbilds Großer Bär, dessen langer Schwanz (die „Deichsel des Großen Wagens“) in einem flachen Bogen auf den Stern Arktur zielt

 

Löwe

Das Sternbild Löwe ist eines der 48 Sternbilder der klassischen Antike. Das Sternbild ist jedoch viel älter als die klassische Antike, denn es war schon im alten Ägypten, in Babylon und im Königreich Akkad als das Sternbild Löwe bekannt. Um 2000 v. Chr. war dieses Sternbild besonders wichtig, weil damals im Sternbild Löwe die Sommersonnenwende stattfand. Heute befindet sich die Sonne am Tag der Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Löwe, sondern aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse im Sternbild Stier.

Im westlichen Teil des Sternbilds Löwe bilden sieben relativ helle Sterne eine Anordnung, die an eine Handsichel erinnert. Dank dieses markanten Sternmusters kann man das Sternbild sogar am aufgehellten Juninachthimmel leicht auffinden. Am unteren Ende des Stiels dieser Sichel aus Sternen liegt der 1,3m helle Stern Regulus (Alpha Leonis), er ist der hellste Stern des Sternbilds Löwe. Am Übergang zum gekrümmten Blatt der Sichel befindet sich der 3,5m helle Stern Eta Leonis, ca. 4,6° nördlich von Regulus. Das Blatt der Sichel setzt sich von Eta aus ca. 4° nordöstlich zum 2,9m hellen Stern Algieba (Gamma Leonis) fort. Ca. 3,6° nördlich von Algieba geht es weiter zum 3,4m hellen Zeta Leonis, von Zeta weiter ca. 6° nordwestlich zum 3,9m hellen My Leonis. Ca. 2,7° südwestlich von My Leonis liegt der 3m helle Stern Epsilon Leonis, er markiert die Spitze der Sichel.

Diese „Sichel des Löwen“ stellt in dem Sternbild Löwe die Brust, die Mähne und den Kopf des Löwen dar. Im alten China trugen diese sieben Sterne den Namen „Gelber Drachen“.

Die drei Sterne Coxa (3,3m hell, ca. 16° östlich von Regulus), Denebola (Beta Leonis, 2,2m hell, ca. 24° östlich von Regulus), sowie der 2,6m helle Zosma (ca. 12° östlich von Algieba) bilden miteinander den Rumpf des Löwen.
Ca. 7° westlich von Regulus liegt der 3,5m helle Stern Subra, er markiert die Vorderpranken des Löwen. Die beiden 4m hellen Sterne Sigma Leonis und Iota Leonis liegen südlich von Coxa und zeigen im Sternbild die Position der angezogenen Hinterbeine des Löwen an.

Der Name Regulus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „kleiner König“. In allen Kulturen der frühen Antike wurde dieser helle Stern „König“ oder „Königsstern“ genannt. In Akkad kannte man Regulus unter dem Namen „Amil-Gal-Lur“: so hieß ein König, dessen Reich der akkadischen Mythologie zufolge vor der Sintflut existierte.

Regulus ist blauweißer Hauptreihenstern mit 150 Sonnenleuchtkräften, ca. 80 Lichtjahre von uns entfernt. Regulus ist zudem ein Doppelstern. Da sein Partnerstern nur 8m hell ist und in 177 Bogensekunden Abstand von seinem Hauptstern liegt, fällt dies den meisten Beobachtern nicht auf. Ein deutlich markanterer Doppelstern ist Algieba (Gamma Leonis), dessen 2,1m und 3,4m helle orangegelbe Partnersterne in einem Abstand von ca. 4,5 Bogensekunden voneinander stehen. Die beiden Sterne sehen im Fernrohr wie das Scheinwerferpaar eines einige Kilometer entfernten Autos aus. Tatsächlich sind es zwei Rote Riesensterne, die einander einmal in ca. 630 Jahren in sehr exzentrischen Bahnen umkreisen.
Mit kleinen Fernrohren kann man im Sternbild Löwe mehrere Doppelsterne gut beobachten, z. B. den 3,5m hellen Stern Subra, der ca. 7° westlich von Regulus liegt, oder den 4,3m hellen Stern 54 Leonis (ca. 6° nordwestlich von Zosma). Auch der 4,9m helle Stern Tau Leonis (ca. 13° südsüdöstlich von Coxa), der Stern 83 Leonis (knapp westlich von Tau) und der Stern 88 Leonis (ca. 4° westlich von Denebola) sind sehenswerte Doppelsterne.
Obwohl Eta Leonis einer der hellsten Sterne im Sternbild Löwe ist, ist für Eta Leonis kein antiker Eigenname überliefert. Sein arabischer Name ist Al Jabhah. Eta Leonis ist ein Weißer Überriese mit ca.20000 Sonnenleuchtkräften, der 1300 Lichtjahre von uns entfernt ist. Da Eta Leonis unweit der Ekliptik liegt, wird er manchmal vom Mond verdeckt. Bei einer solchen Bedeckung durch den zunehmenden Mond wurde beobachtet, dass Eta Leonis vom dunklen Mondrand nicht in schlagartig abgedeckt wurde, sondern dass diese Verdeckung in zwei kurzen Schritten erfolgte. Dadurch wurde deutlich, dass Eta ein sehr enger Doppelstern ist. Die beiden Partner stehen so nahe beieinander, dass man sie bislang in keinem Teleskop getrennt gesehen hat.

 

Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau liegt auf der Ekliptik zwischen den Sternbildern Löwe und Waage. Man findet es am Himmel, indem man, ausgehend von der Deichsel des Großen Wagens, eine Linie zu Arktur im Bärenhüter zieht und diese Linie über Arktur hinaus verlängert. Dann trifft der Blick auf den Stern Spica, welcher der hellste Stern im Sternbild Jungfrau ist.

Die älteste Erwähnung des Sternbilds stammt aus Mesopotamien. Um 2700 v. Chr. Stand die Sonne im Königreich Akkad zum Beginn der Erntezeit im Sternbild Waage. Somit gingen die Sterne des Sternbilds Jungfrau dort vor der Sonne auf. Da Spica als der hellste Stern des Sternbilds sehr auffällig war, diente sein Aufgang den dortigen Menschen zum Anzeichen für den Beginn der Erntezeit.
Die Akkader kannten das Sternbild Jungfrau unter dem Namen „Mul-ab-sin“, was man als „Ackerfurche“ übersetzen kann. Den hellsten Stern des Sternbilds nannte man damals „Schala“, so hieß in Akkad die jungfräuliche Göttin der Kornähre.
Griechische Astronomen lernten das Sternbild „Mul-ab-sin“ um 700 v. Chr. in Babylon kennen und machten es in Griechenland bekannt. Die Römer gaben dem Sternbild den Namen „Virgo“ (Jungfrau), als eine Erinnerung an die Astraea, einer Tochter des Zeus und der Nymphe Themis. Die Römer sahen Astraea als ein Symbol für Gerechtigkeit und Justiz, und diesen Charakter hat Astraea bis heute. Astraea ist jene junge Dame mit den verbundenen Augen, die in der einen Hand eine Waage hält (zum Abwägen der Schwere der Schuld), und in der anderen Hand ein blankes Schwert.

Der hellste Stern im Sternbild Jungfrau heißt Spica. Spica ist der lateinische Begriff für „Kornähre“. Spica ist ein 1,0m heller blauweißer Riesenstern mit ca. 13500 Sonnenleuchtkräften, und er ist 260 Lichtjahre von uns entfernt. Spica ist zudem ein bedeckungsveränderlicher Doppelstern, wobei sein kleinerer Partnerstern nur sieben Sonnenmassen und nur 1700 Sonnenleuchtkräfte hat, die beiden Sterne verdecken einander regelmäßig alle vier Tage. Die Gesamthelligkeit von Spica verändert sich durch diese Bedeckung jedoch lediglich um ca. 2%.
Der Stern Zavijava (Beta Virginis) ist 3,8m hell, Zavijava hat sechs Sonnenleuchtkräfte und ist 35 Lichtjahre von uns entfernt. Wir finden diesen Stern ca. 12,6° südlich von Denebola (Beta Leonis). Der 2,7m helle Stern Porrima (Gamma Virginis) liegt 14,5° nordwestlich von Spica. Er ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partner durch ihrer Bewegung umeinander derzeit so dicht beieinander stehen, dass sie im Fernrohr nicht mehr getrennt gesehen werden können. Der 2,8m helle Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) liegt ca. 23° nördlich von Spica, er ist 102 Lichtjahre entfernt, der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. In der römischen Antike diente der Aufgang von Vindemiatrix in der Morgendämmerung den Weinbauern als Zeichen, dass es nun Zeit für den Beginn der Weinlese war.
Im Sternbild Jungfrau kann man bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel mit einem Teleskop ab 8 Zoll Öffnung zahlreiche Galaxien beobachten. Leider ist der Nachthimmel im Juni zu aufgehellt, um diese Galaxien in lichtstarken Fernrohren deutlich wahrnehmen zu können. Viele dieser lichtschwachen Objekte wurden bereits im 18. Jahrhundert mit ziemlich kleinen Fernrohren entdeckt. Die meisten Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen am Himmel innerhalb eines Dreiecks aus den Sternen Vindemiatrix, Zaniah (Eta Virginis) und Denebola (Beta Leonis). Am mondlosen Nachthimmel kann die Galaxie M49, die mit 8,4m hellste Galaxie des Sternbilds, im Juni sogar im Fernglas wahrnehmbar sein. M 49 ist eine elliptische Riesengalaxie, ca. 42 Millionen Lichtjahre entfernt. Wir finden sie ungefähr auf der Mitte der Linie von Vindemiatrix nach Zavijava.

 

Waage

Das Sternbild Waage passiert im Juni um Mitternacht den Meridian. Von Mitteleuropa aus wird es wenig beachtet, weil es nur ca. 20° über den südlichen Horizontabstand steigt.

Im Sternbild Waage liegen zwei markante helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae). Schon im Fernglas erweist sich Zubenelgenubi als ein schöner Doppelstern, dessen beide Partnersterne einen markanten Farbkontrast zeigen.

Ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Stern Zubeneschemali (Beta Librae).
Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Er ist ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt die Helligkeit des Sterns Delta Librae für sechs Stunden um eine Größenklasse ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali befindet sich der leider nur 8,5m helle, sehr locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn gut zu sehen, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit  möglichst großer Öffnung. Sehr viel deutlicher sichtbar ist der helle Kugelsternhaufen M5, der im Sternbild Schlange liegt. Man findet M5 mühelos ca. 11,5° nördlich von Zubeneschemali.

 

Coma Berenices

Das Sternbild Coma Berenices liegt nördlich des Sternbilds Jungfrau und zwischen den beiden Sternbildern Löwe und Bärenhüter. Es ist ein unauffälliges Sternbild und wird daher oft übersehen. Dennoch ist dieses Sternbild sehr leicht zu finden: Wenn man am Himmel in Gedanken eine gerade Linie von Arktur nach Denebola zieht, so liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.

Sein hellster Stern heißt schon seit der Antike Diadem, er ist 4,6m hell und liegt 57 Lichtjahre entfernt. Diadem liegt sehr unauffällig am Südrand des Sternbilds, man findet diesen Stern am Kreuzungspunkt der Linie von Arktur nach Denebola mit der Linie von Benetnash (dem letzten Deichselstern im Großen Wagen) nach Vindemiatrix.
Ca. 10° nördlich von Diadem finden wir den 4,4m hellen Stern Beta Comae. Ca. 10° westlich von Beta finden wir den 4,4m hellen Stern Gamma Comae. Ist der Himmel mondlos und sternenklar, kann man mit bloßem Auge südlich von Gamma bei halbwegs dunklem Himmel einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Im Fernglas entpuppt sich dieser Lichtschimmer als ein ausgedehnter Offener Sternhaufen. Das ist der Coma-Sternhaufen (Melotte 111). Diesem großen Sternhaufen verdankt das Sternbild seinen Namen. Da der Coma-Haufen einen Winkeldurchmesser von mehr als 4° hat, kann man ihn in keinem Fernrohr vollständig überblicken. Er liegt 250 Lichtjahre von uns entfernt und enthält viele Sterne mit einer Helligkeit von 6m und 7m. Daher kann der Coma-Sternhaufen mit dem Fernglas auch am hellen Juninachthimmel schön beobachtet werden.
Ca. 1° nordöstlich von Diadem liegt der Kugelsternhaufen M53. Er erscheint im Fernglas als matter, rundlicher Nebelfleck, im Fernrohr ab 10 cm Durchmesser kann man die Randbereiche des Kugelsternhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in einzelne Sterne aufgelöst sehen.

Wenn die Helligkeit des Juninachthimmels es zulässt, dass man im Fernrohr M53 wahrnehmen kann, kann man versuchen, mit dem Fernrohr die Galaxie M64 zu finden. Hierzu schwenkt man zunächst von Diadem aus 6,5° in nordwestlicher Richtung zum 6m hellen Stern 35 Comae, von dort aus dann ca. 1° nach Ostnordost. Die Galaxie M64 kann man im Fernrohr wahrnehmen, sie liegt eingebettet in einem gleichseitigen Dreieck aus schwachen Sternen, wo sie als ein sehr matter ovaler Nebelfleck mit hellem Kern erscheint. M64 heißt auch „die Galaxie mit dem schwarzen Auge“. Diesen Namen hat die Galaxie wegen einer großen Dunkelwolke, die man am aufgehellten mitteleuropäischen Juninachthimmel selbst in Fernrohren großer Öffnung leider nicht wahrnehmen kann. M64 liegt 25 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Bärenhüter (Bootes)

Verlängert man am Nachthimmel den Bogen der Deichselsterne des Großen Wagens nach Süden, landet der Blick bei einem sehr hellen Stern: dem gelb-orange leuchtenden Arktur. Arktur ist der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes), ein 0,0m heller Roter Riesenstern, 36 Lichtjahren von uns entfernt und ca. 8 Milliarden Jahre alt. Arktur ist nicht in unserer Milchstraße entstanden, sondern entstammt einer kleinen Galaxie, die vor Milliarden Jahren durch Gezeitenkräfte des Schwerkraftfelds der Milchstraße allmählich zerrissen wurde, wodurch das Material der kleinen Galaxie heute zur Milchstraße gehört. Ein solches Schicksal haben im Laufe der Zeit vielen kleinen Galaxien erlitten, wodurch deren Sterne heute die Halosterne unserer Milchstraße bilden. Arktur durchquert zurzeit mit einer Relativgeschwindigkeit von 150 km/s die Scheibe unserer Galaxis.
Die hellen Sterne des Sternbilds Bärenhüter zeigen am Himmel eine Anordnung, die an die Form einer spitzen Eiswaffel erinnert, deren Spitze zum Horizont zeigt. An dieser Spitze steht Arktur.

Das Sternbild Bärenhüter enthält mehrere sehenswerte Doppelsterne. Der bekannteste ist der 3,7m helle Stern Izar (Epsilon Bootis), er liegt ca. 6° nordöstlich von Arktur. Izar zeigt sich im mittelgroßen Fernrohr als farbiger Doppelstern, dessen beiden Partner in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden voneinander stehen. Der hellere Partner ist 3,7m hell und orange, der schwächere Partner ist 5,1m hell und bläulich. Weil diese Kombination einen sehr schönen Farbkontrast bildet, bekam Izar im 19. Jahrhundert von begeisterten Astronomen den lateinischen Beinamen “Pulcherrima“ (deutsch: “die Allerschönste“).

Auch der 4,5m helle 44 Bootis, der ca. 6° nördlich von Beta Bootis liegt, ist ein Doppelstern. Seine Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand beträgt derzeit ca. 0,2 Bogensekunden. Erst in zehn Jahren werden sie wieder einen Winkelabstand von 1,5 Bogensekunden überschreiten und so in großen Fernrohre als Doppelstern wahrnehmbar werden.
Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Doppelstern Xi Bootis. Seine beiden gelblichen Partnersterne sind ungleich hell, liegen 6 Bogensekunden auseinander und umkreisen einander alle 156 Jahre. Xi Bootis ist nur 22 Lichtjahre entfernt. Der tatsächliche Abstand der beiden Partner voneinander beträgt somit ca. 40 Astronomische Einheiten (6 Milliarden Kilometer).

 

Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichsel des Großen Wagens. Sein hellster Stern Cor Caroli (Alpha) ist 2,9m hell und 110 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist ein sehenswerter Doppelstern. Der zweithellster Stern des Sternbilds heißt Asterion (Beta), er ist 27 Lichtjahre entfernt und nur 4,4m hell. Asterion liegt ca. 5° nordwestlich von Cor Caroli.

Zieht man eine Linie von Cor Caroli zu Arktur im Sternbild Bärenhüter, kann man an sternklaren Himmel im Fernglas knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie einen runden, nebeligen Fleck entdecken. Das ist der Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung kann man die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst wahrnehmen.

Im Sternbild Jagdhunde liegen einige helle Galaxien, die man in kleinen Fernrohren trotz des aufgehellten Junisternenhimmels wahrnehmen kann. Die Galaxien M106 und M94 sind relativ leicht zu finden. Zieht man vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) eine Linie zu Asterion, entdeckt man auf der Mitte dieser Linie mit einem lichtstarken Fernglas einen länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die 8,3m helle Spiralgalaxie M106. Sie wurde 1782 von Pierre Mechain entdeckt und liegt ca. 24 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Die Spiralgalaxie M94 findet man sehr einfach ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion. M94 ist 8,2m hell und rundlich.
Ca. 4,4° nordöstlich von Asterion liegt der 4,8m helle Stern Y Canes Venaticorum. Bei hoher Vergrößerung sieht man den Stern im Fernrohr rot. Y Canes Venaticorum ist ein Roter Riese mit 4400 Sonnenleuchtkräften in 710 Lichtjahren Entfernung. Seine Oberflächentemperatur beträgt nur 2200°K. Dieser Stern ist in der Astronomie seit über 150 Jahren unter dem Namen „La Superba“ bekannt, weil sein Spektrum wunderschön intensive rote Linien enthält.
Die mit Abstand bekannteste Galaxie im Sternbild Jagdhunde ist M51. Man findet sie, indem man in Gedanken eine Linie vom Stern am Ende der Deichsel des Großen Wagens (Benetnash) zu Cor Caroli zieht und diese Linie in vier Teile teilt. M51 liegt von Benetnash aus gesehen beim 1. Viertel der Linie.
In kleineren Fernrohren erscheint M51 als matter Nebel mit zwei Kernen, der eine Kern liegt eher zentral, der andere mehr am Rand des Nebels. Die Galaxie M51 gehört an sich zu den wenigen Spiralgalaxien, bei denen man die Spiralstruktur in lichtstarken Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung mit eigenen Augen sehen kann. Der Juninachthimmel ist hierfür erfahrungsgemäß jedoch zu hell.

 

Herkules

Das Sternbild Herkules liegt zwischen den beiden Sternbildern Leier und Bärenhüter. Man findet es, indem man eine Linie von Arktur nach Wega zieht und diese in Drittel teilt. Folgt man der Linie von Wega ausgehend, liegt das Sternbild Herkules beim 1. Drittel.
Das Sternbild Herkules ist groß und enthält viele relativ helle Sterne, es ist jedoch trotz seiner vielen relativ hellen unauffällig, weil die umgebenden Sternbilder ebenfalls vergleichbar helle Sterne enthalten. Der Hauptstern des Sternbilds Herkules heißt Ras Algethi (Alpha Herculis), er liegt im Südteil des Sternbilds Herkules, nahe beim hellen Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Betrachtet man ihn hoher Vergrößerung in einem Fernrohr großer Öffnung, erweist sich Ras Algethi als ein enger Doppelstern mit einem sehr schönen Farbkontrast: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern ist blaugrünlich.
Zieht man in Gedanken eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und betrachtet diese kleine Himmelsregion mit einem Fernglas, erkennt man dort nach dem ersten Drittel dieser Linie ein rundliches mattes Nebelbällchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung erweist sich das Nebelbällchen bei 80facher Vergrößerung als eine kugelige Ansammlung zahlloser winziger Sternpünktchen. Das ist der berühmte Kugelsternhaufen M13.
Entdeckt wurde er im Jahre 1713 von Edmond Halley. In Fernrohren großer Öffnung bietet M13 bei hoher Vergrößerung einen beeindruckend ästhetischen Anblick. M13 liegt ca. 23000 Lichtjahre von uns entfernt.

Schwenkt man mit dem Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man dort auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist so hell wie M13, er wirkt jedoch kleiner, weil die Sterne im Zentrum des Haufens enger beieinander stehen.
Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Doppelstern 95 Herkulis. Die beiden Doppelsternpartner von 95 Herkulis stehen in einem Abstand von 6 Bogensekunden voneinander, man kann sie daher schon in kleinen Fernrohren bequem als getrennt wahrnehmen. Der eine Partnerstern leuchtet goldgelb, der andere leuchtet weiß.
Schwenkt man sein Fernrohr vom Stern Kornephoros (Beta Herculis) ausgehend ca. 4° in Richtung Nordosten, findet man dort im Okular bei niedriger Vergrößerung in einem Feld zahlreicher schwacher Sterne einen blaugrünen, 9m hellen Stern. Steigert man die Vergrößerung nun auf ca. 150fach, sieht man den Stern als eine kleine, blaugrünliche Scheibe in die ein kleiner, zentraler Stern eingebettet ist. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Sein Winkeldurchmesser ist halb so groß wie der des berühmten Ringnebels M57 im Sternbild Leier. Beobachtet man NGC 6210 im lichtstarken Fernrohr ab fünf Zoll Öffnung mit einem UHC-Filter, kann man das blaugrüne Leuchten der Gase von NGC6210 um den weißen Zentralstern auch bei hoher Vergrößerung besonders deutlich wahrnehmen.

 

nach oben

Anzeige