Übersicht um 23:00

Übersicht um 23:00

Gegen 23:00 nähert sich das Sternbild Orion dem westlichen Horizont. Das Sternbild Hydra überquert nun den Meridian. Das Sternbild Löwe steht hoch im Süden, und das Sternbild Großer Bär steht nun fast im Zenit. Im Osten ist das Sternbild Bärenhüter aufgegangen, über dem Südosthorizont leuchtet der helle Stern Spica. Die Nachtluft ist nun kühler und die Sterne leuchten  ruhiger am Nachthimmel, daher gelingen Beobachtungen mit höherer Vergrößerung nun viel besser als im Sommer. Dank unserer warmen Kleidung können wir die Beobachtungen genießen, solange kein kalter Wind uns Tränen in die Augen treibt.

 

Löwe

Hoch über dem südlichen Horizont steht das markante Sternbild Löwe. Der hellste Stern im Sternbild Löwe heißt Regulus, er ist ein 1,3m heller blauweißer Stern. Regulus ist 73 Lichtjahre entfernt und ein Doppelstern. Sein Partnerstern ist ein kleiner G-Stern 8. Größe.

Der 2m helle Algieba (Gamma Leonis) liegt ca. 8° nördlich von Regulus. Algieba ist einer der markantesten Doppelsterne am Himmel. Er ist 90 Lichtjahre entfernt, die beiden gelblichen Partner von 2,2m und 3m stehen in 4 Bogensekunden Abstand voneinander, das entspricht einer gegenseitigen Distanz von über 18 Milliarden Kilometern.

1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) kann man in Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung bei dunklem, klarem Himmel die 33 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. In der Mitte zwischen Iota Leonis und Coxa findet man damit die ca. 30 Millionen Lichtjahre entfernte Gruppe der Galaxien M65, M66 und NGC 3628. Zwischen Coxa und Zosma (Delta Leonis) findet man die 70 Millionen Lichtjahre entfernte elliptische Galaxie NGC 3607. Ca. 1,5° südlich von Lambda Leonis liegt NGC 2903, die größte Spiralgalaxie im Löwen. NGC 2903 ist nur 25 Millionen Lichtjahre entfernt und hat dadurch einen größeren Winkeldurchmesser, sie hat jedoch infolge ihrer größeren Fläche jedoch auch eine niedrige Flächenhelligkeit und ist daher in Fernrohren kleiner Öffnung nicht leicht wahrnehmbar.

 

Großer Bär

Da das Sternbild Großer Bär nun im Zenit steht, kann man es im Fernrohr mittels Zenitspiegel oder Zenitprisma ohne Störungen durch die Atmosphäre recht gut beobachten. Die meisten Menschen kennen von diesem Sternbild nur dessen hinteren Teil als „Großer Wagen“. Der Große Wagen wird durch die Sterne Dubhe (Alpha), Merak (Beta), Phekda (Gamma), Megrez, (Delta), Allioth (Epsilon), Mizar (Zeta) und Benetnash (Eta) gebildet. Dieses Muster aus Sternen bildet jedoch nur das kantige Hinterteil und den langen Schwanz des Sternbilds Großer Bär.

Mizar ist ein schöner Doppelstern, schon in kleinen Fernrohren sieht man seine beiden weißen Partnersterne als deutlich getrenntes Paar. Schon Galileo Galilei hat ihn 1617 als Doppelstern beobachtet. Auch Dubhe ist ein Doppelstern, sein 7m heller Partnerstern ist im kleinen Fernrohr gut sichtbar.

Ca. 12° südlich von Merak liegt der 3,5m helle Lamda Ursae Majoris. 1,5° weiter südlich liegt der 3,8m helle Xi Ursae Majoris. 1780 entdeckte Wilhelm Herschel, dass Xi ein Doppelstern ist, und dass seine beiden Partner einander in 60 Jahren einmal umlaufen. Damit wurde erstmals der Nachweis erbracht, dass das Gravitationsgesetz auch bei den Sternen gilt.

Verlängert man die Linie von Phekda nach Merak um 10° über Merak hinaus, stößt man auf den 3,7m hellen Stern Ypsilon Ursae Majoris. Ypsilon ist ein Doppelstern, sein 11m heller Begleiter steht in 11 Bogensekunden Abstand vom hellen Hauptstern. Ca 10° nördlich von Ypsilon stößt man auf die Galaxiengruppe aus den hellen Galaxien M81 und M82 und der leuchtschwachen Galaxie NGC 3077. Dicht bei Phekda kann man im Fernrohr ab sechs Zoll Öffnung die 9,8m helle Galaxie M109 entdecken.

 

Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde ist eine Schöpfung des Danziger Astronomen Johannes Hevel. Es liegt unterhalb der Deichsel des Großen Wagens. Sein hellster Stern ist der 2,9m helle Stern Cor Caroli (Alpha), ein markanter Doppelstern, 110 Lichtjahre von uns entfernt. Der zweithellste Stern Asterion (Beta) ist hingegen nur 27 Lichtjahre entfernt und 4,4m hell.

Zieht man in Gedanken eine Linie von Cor Caroli nach Südosten zum hellen Stern Arktur im Sternbild Bärenhüter, kann man knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie mit dem Fernglas einen runden, nebeligen Fleck erkennen: das ist der Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung kann man die Randbereiche dieses Sternhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Im Sternbild Jagdhunde liegen viele Galaxien, die schon in kleinen Fernrohren deutlich wahrnehmbar sind. Ziehen wir z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Asterion, finden wir auf der Mitte dieser Linie im lichtstarken Fernglas einen ausgedehnten, länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die Galaxie M106.

Die 8,2m helle, rundliche Galaxie M94 finden wir ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion.

Zieht man eine Linie von Cor Caroli nach Gamma Comae Berenices, findet man im Dreizöller knapp südlich der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631, die wegen ihrer Form mal „Heringsgalaxie“, mal „Walgalaxie“ genannt wird. Sehenswert sind im Sternbild Jagdhunde auch die Galaxie NGC 4490 (ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion), sowie die Galaxien M63, NGC 4495 sowie die berühmte Spiralgalaxie M51. Die durch viele spektakuläre Astrofotos populär gewordenen Spiralarme dieser Galaxie kann man im Okular aber erst mit Fernrohren ab 10 Zoll Öffnung unter einem dunklen, transparentem Neumondhimmel wahrnehmen.

Zieht man im Gedanken eine Linie von Asterion nach Mizar, findet man von Asterion ausgehend nach einem Drittel der Strecke den rötlichen Stern Y Canes Venaticorum. Er ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch unter dem schönen Namen „La Superba“ bekannt. Y ist ein 5m heller Roter Riesenstern in 1000 Lichtjahren Entfernung, dessen Helligkeit unregelmäßig innerhalb von ca. 150 Tagen zwischen 4,8m und 6,3m schwankt.  

 

Luchs

Das Sternbild Luchs liegt ganz unauffällig nördlich des unauffälligen Sternbilds Krebs. Das Sternbild Luchs ist von den bekannten Sternbildern Großer Bär, Fuhrmann und Zwillinge umgeben.
Das Sternbild Luchs ist größer als das Sternbild Zwillinge, es wird trotz seiner Größe jedoch meist übersehen, da sein hellster Stern hat nur eine Helligkeit von 3,1m hat: Dieser hellste Stern Alpha Lyncis ist ein Roter Riese der Spektralklasse K7. Wir finden ihn in der südöstlichen Ecke des Sternbilds. Er ist 210 Lichtjahre entfernt und hat 680 Sonnenleuchtkräfte. Alle übrigen Sterne im Sternbild Luchs leuchten deutlich schwächer als Alpha Lyncis. Im Fernrohr erweisen sich viele von ihnen jedoch als sehenswerte Doppelsterne.

Das Sternbild Luchs ist eine Erfindung von Johann Hevel. Einer Anekdote zufolge gab er dem Sternbild diesen Namen, weil man „Augen wie ein Luchs“ haben müsse, um seine Sterne mit dem bloßen Auge zu sehen.

Den engen Doppelstern 38 Lyncis finden wir ca. 2,5° nördlich von Alpha. Seine beiden 3,9m und 6,2m hellen Partner stehen im Abstand von 2,7 Bogensekunden zueinander und zeigen bei hoher Vergrößerung einen schönen Farbkontrast.

31 Lyncis ist ein 4,3m heller Roter Riesenstern der Spektralklasse K5, wir finden ihn ca. 12,5° nordwestlich von 38 Lyncis. Weitere 24,5° nordwestlich von 38 Lyncis finden wir 2 Lyncis, einen 4,5m hellen weißen Stern der Spektralklasse A0. Dieser Stern markiert den östlichen Rand des Sternbilds Luchs. Damit haben wir das Sternbild Luchs der Länge nach durchmessen.

Ca. 1° südöstlich von 2 Lyncis finden wir den Stern 5 Lyncis, einen Doppelstern aus zwei Roten Riesen. 2,4° nordöstlich von 5 Lyncis liegt das schöne Dreifachsystem 12 Lyncis, es besteht aus drei weißen Sternen, die bereits im Dreizöller bei 120facher Vergrößerung sehr schön getrennt erscheinen.

Man findet im Sternbild Luchs keine Offenen Sternhaufen, weil es abseits der Milchstraße liegt. Daher ist das Areal frei von hellen Sternen und frei von störenden Dunkelwolken. Hier bieten sich in einer klaren Neumondnacht gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Suche nach Deep-Sky-Objekten.

Schwenkt man von Castor in den Zwillingen aus ca. 7° nach Norden, kann man im Achtzöller kurzer Brennweite am dunklen Himmel bei 60facher Vergrößerung ein schwaches Nebelwölkchen erkennen. Dies Wölkchen ist NGC 2419, der mit 230000 Lichtjahren am weitesten von der Milchstraße entfernt liegende Kugelsternhaufen. Visuell erreicht er eine Helligkeit von 10,5m. Erst in Teleskopen großer Öffnung kann man NGC 2419 in seinen Randbereichen in einzelne Sterne aufgelöst sehen, seine hellsten Sterne sind 13,5m hell.

Zieht man von Iota Cancri aus eine Linie zu Theta Ursae Majoris, findet man auf dieser Linie in einem Abstand von 4,6° von Iota Cancri im Fernrohr die 9,7m helle Spiralgalaxie NGC 2683. Sie kann in Fernrohren ab 3 Zoll Öffnung gut beobachtet werden. Sie steht in Kantenlage, dadurch ihre Flächenhelligkeit hoch. Sie hat keinen sichtbaren Kern, ihre Entfernung von uns beträgt über 20 Millionen Lichtjahre.

 

Coma Berenices

Das Sternbild Coma Berenices ist unauffällig, denn es gibt darin nur schwach leuchtende Sterne. Dennoch ist es leicht zu finden: Blickt vom Sternbild Löwe nach Osten, sieht man dort den hellen Stern Arktur leuchten. Zieht man in Gedanken eine Linie von Denebola (Beta Leonis) hinüber nach Arktur, dann liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie. Sein hellster Stern Alpha Comae Berenices heißt seit der Antike Diadem. Diadem ist 4,8 m hell und ist 57 Lichtjahre entfernt. Ca.10° nördlich von Diadem finden wir Beta, einen 4,3m hellen Stern der Spektralklasse G0. Ca. 10° westlich von Beta finden wir Gamma, einen 4,4m hellen Roten Riesen der Spektralklasse K0. Bei dunklem, transparentem Nachthimmel nimmt man südlich von Gamma mit dem bloßen Auge einen diffusen Lichtschimmer wahr. Im Fernglas entpuppt er sich als ein Offener Sternhaufen. Dies ist der große „Coma-Sternhaufen“ Melotte 111. Sein Durchmesser beträgt ca. 4°, er enthält mehrere farbige Sterne. Weil er so groß ist, lässt er sich nur mit einem Fernglas vollständig überblicken.

Berenice hat tatsächlich gelebt. Sie war die Gattin des Pharaos Ptolemäus III. Als der unmittelbar nach seiner Hochzeit in den Krieg zog, gelobte Berenice, dass sie ihre schönen Haare dem Tempel der Aphrodite opfern würde, wenn ihr Gatte vom Kampf siegreich zurückkehren sollte. Und so geschah es: Berenices blonde Locken landeten auf dem Altar im Tempel. Doch in der folgenden Nacht waren sie vom Altar verschwunden. Der Hofastronom „entdeckte“ sie dann am Himmel wieder, so kam das Sternbild „Coma Berenices“ in die Welt der Astronomie.

Im Sternbild Coma Berenices gibt es einige Galaxien, die an dunklen, klaren Nachthimmel bereits mit einem lichtstarken Fernrohr ab vier Zoll Öffnung gesehen werden können. Zieht man eine Linie von Gamma zu Alpha und beobachtet den Himmel längs dieser Linie mit dem Teleskop bei mittlerer Vergrößerung, kann man ca. 2,3° südöstlich von Gamma die 9,6m helle Galaxie NGC 4565 erkennen. Diese Spiralgalaxie liegt exakt in Kantenlage. Folgt man der Linie in Richtung Diadem um weitere 6,3 Grad, findet man die 8,5m helle M64, das ist die Galaxie „mit dem schwarzen Auge“. Die dunkle Staubwolke, die den von Astrophotos bekannten schwarzen Fleck auf der Galaxie verursacht, ist im Fernrohr nicht wahrnehmbar. Unmittelbar östlich von Diadem findet man den kleinen 7,7m hellen Kugelsternhaufen M53. M 53 ist 60.000 Lichtjahre entfernt.

 

nach oben

Anzeige