Erster Überblick um 23:00

Das Sternbild Bärenhüter steht nun fast im Zenit, sein heller Hauptstern Arktur überquert den Meridian. Über dem Südosthorizont leuchtet im Sternbild Schlangenträger der -2.6m helle Jupiter. Hoch im Osten sehen wir den Stern Wega im kleinen Sternbild Leier, und im Nordosten ist das Sternbild Schwan vollständig zu sehen. Unterhalb des Schwans sehen wir einen hellen Stern, das ist der 0,8m helle Altair im Sternbild Adler. Schauen wir von Wega ausgehend hinüber zu Arktur, wandert unser Blick dabei quer durch die beiden Sternbilder Herkules und Nördliche Krone. Oberhalb des Sternbilds Leier bildet ein Dreieck aus drei Sternen den Kopf des Sternbilds Drache. Dieses alte Sternbild windet sich von diesem Sterndreieck aus als eine lange Sternenkette zwischen Zenit und Polarstern in einem großen Bogen um das Sternbild Kleiner Bär, dessen hellster Stern der Polarstern ist. Westlich des Bärenhüters erkennen wir die Sterne des Sternbilds Großer Bär, dessen langer Schwanz (die „Deichsel des Großen Wagens“) in einem flachen Bogen auf den hellen Stern Arktur zielt.

 

Löwe

Das Sternbild Löwe ist eines der 48 Sternbilder der klassischen Antike. Es ist jedoch viel älter als die klassische Antike, denn das Sternbild war schon im alten Ägypten, in Babylon und im Königreich Akkad als das Sternbild Löwe bekannt. Um 2000 v. Chr. hatte dieses Sternbild eine besondere astronomische Bedeutung, denn damals fand im Sternbild Löwe die Sommersonnenwende statt. Heute befindet sich die Sonne am Tag der Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Löwe, sondern liegt wegen der Präzessionsbewegung der Erdachse im Sternbild Stier.

Im westlichen Teil des Sternbilds Löwe bilden sieben relativ helle Sterne eine Anordnung, die an eine Sichel erinnert. Durch dieses markante Sternmuster lässt sich das Sternbild sogar am aufgehellten Junihimmel leicht auffinden. Am unteren Ende des Stiels dieser Sichel aus Sternen liegt der 1,3m helle Regulus (Alpha Leonis), der hellste Stern des Sternbilds Löwe. Am Übergang zum gekrümmten Blatt der Sichel befindet sich der 3,5m helle Stern Eta Leonis, ca. 4,6° nördlich von Regulus. Das Blatt der Sichel setzt sich von Eta aus ca. 4° nordöstlich zum 2,9m hellen Stern Algieba (Gamma Leonis) fort. Ca. 3,6° nördlich von Algieba geht es weiter zum 3,4m hellen Zeta Leonis, von Zeta weiter ca. 6° nordwestlich zum 3,9m hellen My Leonis. Ca. 2,7° südwestlich von My Leonis liegt der 3m helle Stern Epsilon Leonis, er markiert die Spitze der Sichel.

Diese „Sichel des Löwen“ stellt in dem Sternbild Löwe die Brust, die Mähne und den Kopf des Löwen dar. Im alten China trugen diese sieben Sterne den Namen „Gelber Drachen“.

 

Die drei Sterne Coxa (3,3m hell, ca. 16° östlich von Regulus), Denebola (Beta Leonis, 2,2m hell, ca. 24° östlich von Regulus), sowie der 2,6m helle Zosma (ca. 12° östlich von Algieba) bilden gemeinsam den Rumpf des Löwen.

Ca. 7° westlich von Regulus liegt der 3,5m helle Stern Subra, er markiert die Vorderpranken des Löwen. Die beiden 4m hellen Sterne Sigma Leonis und Iota Leonis liegen südlich von Coxa und zeigen im Sternbild die Position der angezogenen Hinterbeine des Löwen an.

 

Der Name Regulus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „kleiner König“. In allen Kulturen der frühen Antike wurde dieser helle Stern „König“ oder „Königsstern“ genannt. In Akkad kannte man Regulus unter dem Namen „Amil-Gal-Lur“: so hieß ein König, dessen Reich der akkadischen Mythologie zufolge vor der Sintflut existierte.

 

Regulus ist ein Doppelstern. Da sein Partnerstern nur 8m hell ist und in 177 Bogensekunden Abstand von seinem Hauptstern liegt, fällt dies den meisten Beobachtern nicht auf. Im Fernrohr mit großer Öffnung sieht man  bei hoher Vergrößerung, dass der kleine Partner des Regulus seinerseits ein enger Doppelstern ist.
Ein beeindruckender Doppelstern ist Algieba (Gamma Leonis), dessen 2,1m und 3,4m helle orangegelbe Partner in einem Abstand von ca. 4,5 Bogensekunden zueinander stehen. Die beiden Sterne sehen im Fernrohr wie das Scheinwerferpaar eines einige Kilometer entfernten Autos aus. Tatsächlich sind es zwei Rote Riesensterne, die einander einmal in ca. 630 Jahren in sehr exzentrischen Bahnen umkreisen.
Andere mit kleinen Fernrohren gut beobachtbare Doppelsterne sind der 3,5m helle Stern Subra, der ca. 7° westlich von Regulus liegt, sowie der 4,3m helle Stern 54 Leonis (ca. 6° nordwestlich von Zosma), der 4,9m helle Stern Tau Leonis (ca. 13° südsüdöstlich von Coxa), der Stern 83 Leonis (knapp westlich von Tau) und der Stern 88 Leonis (ca. 4° westlich von Denebola).
Obwohl Eta Leonis einer der hellsten Sterne im Sternbild Löwe ist, ist für Eta Leonis kein antiker Eigenname überliefert. Sein arabischer Name ist Al Jabhah. Eta Leonis ist ein Weißer Überriese mit ca.5600 Sonnenleuchtkräften, der 1300 Lichtjahre von uns entfernt ist. Da Eta Leonis unweit der Ekliptik liegt, wird er manchmal vom Mond verdeckt. Bei einer solchen Bedeckung durch den zunehmenden Mond wurde beobachtet, dass Eta Leonis vom dunklen Mondrand nicht in schlagartig abgedeckt wurde, sondern dass diese Verdeckung in zwei kurzen Schritten erfolgte. Dadurch wurde deutlich, dass Eta ein sehr enger Doppelstern ist. Die beiden Partner stehen so nahe beieinander, dass man sie bislang in keinem Teleskop getrennt gesehen hat.

 

Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau liegt auf der Ekliptik zwischen den Sternbildern Löwe und Waage. Man findet es am Himmel, indem man, ausgehend von der Deichsel des Großen Wagens, eine Linie zu Arktur im Bärenhüter zieht und diese Linie über Arktur hinaus verlängert. Dann trifft der Blick auf Spica, den hellsten Stern im Sternbild Jungfrau.

Die älteste Erwähnung des Sternbilds stammt aus Mesopotamien. Dort stand um 2700 v. Chr. im Königreich Akkad die Sonne zum Beginn der Erntezeit im Sternbild Waage. Dadurch gingen die Sterne des Sternbilds Jungfrau dort vor der Sonne auf. Da dieser hellste Stern sehr auffällig war, diente sein Aufgang den dortigen Menschen zum Anzeichen für den Beginn der Erntezeit.
Die Akkader kannten das Sternbild Jungfrau unter dem Namen „Mul-ab-sin“, was man als „Ackerfurche“ übersetzen kann. Den hellsten Stern des Sternbilds nannte man damals „Schala“, so hieß in Akkad die jungfräuliche Göttin der Kornähre.

Griechische Astronomen lernten das Sternbild „Mul-ab-sin“ um 700 v. Chr. in Babylon kennen und machten es in Griechenland bekannt. Die Römer gaben dem Sternbild den Namen „Virgo“ (Jungfrau), als eine Erinnerung an die Astraea, einer Tochter des Zeus und der Nymphe Themis. Für die Römer war Astraea ein Symbol für Gerechtigkeit und Justiz, und diesen Charakter hat Astraea bis heute behalten. Astraea ist jene junge Dame mit den verbundenen Augen, die in der einen Hand eine Waage hält (zum Abwägen der Schwere der Schuld), und in der anderen Hand ein blankes Schwert.

Der hellste Stern im Sternbild Jungfrau heißt Spica. Spica ist der lateinische Begriff für „Kornähre“. Spica ist ein 1,0m heller Blauer Riesenstern mit ca. 13500 Sonnenleuchtkräften, in 260 Lichtjahren Entfernung. Spica ist zudem ein bedeckungsveränderlicher Doppelstern, sein kleinerer Partnerstern hat nur sieben Sonnenmassen und nur 1700 Sonnenleuchtkräfte, und die beiden Sterne verdecken einander regelmäßig alle vier Tage. Die Gesamthelligkeit von Spica verändert sich durch diese Bedeckung jedoch lediglich um ca. 2%.
Der Stern Zavijava (Beta Virginis) ist ein 3,8m hell, er hat sechs Sonnenleuchtkräfte und ist 35 Lichtjahre von uns entfernt. Wir finden ihn ca. 12,6° südlich von Denebola (Beta Leonis). Der 2,7m helle Stern Porrima (Gamma Virginis) liegt 14,5° nordwestlich von Spica. Er ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partner durch ihrer Bewegung umeinander derzeit so dicht beieinander stehen, dass sie im Fernrohr nicht mehr getrennt gesehen werden können. Der 2,8m helle Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) liegt ca. 23° nördlich von Spica, er ist 102 Lichtjahre entfernt, der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. In der römischen Antike diente der Aufgang von Vindemiatrix in der Morgendämmerung den Weinbauern als Zeichen, dass es nun Zeit für den Beginn der Weinlese war.

Im Sternbild Jungfrau kann man bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel mit einem Teleskop ab 8 Zoll Öffnung zahlreiche Galaxien beobachten. Leider ist der Nachthimmel im Juni häufig zu aufgehellt, um sie in lichtstarken Fernrohren deutlich wahrnehmen zu können. Viele dieser lichtschwachen Objekte wurden bereits im 18. Jahrhundert mit ziemlich kleinen Fernrohren entdeckt. Die meisten Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen am Himmel innerhalb eines Dreiecks aus den Sternen Vindemiatrix, Zaniah (Eta Virginis) und Denebola (Beta Leonis). Bei guten Beobachtungsbedingungen ist M49, die mit 8,4m hellste Galaxie des Sternbilds, im Juni sogar im Fernglas erkennbar. M 49 ist eine elliptische Riesengalaxie, ca. 42 Millionen Lichtjahre entfernt. Wir finden sie ungefähr auf der Mitte der Linie von Vindemiatrix nach Zavijava.

 

Waage

Das Sternbild Waage passiert im Juni um Mitternacht den Meridian. Es wird von Mitteleuropa aus wenig beachtet, da es nur ca. 20° über den südlichen Horizontabstand steigt.

Das Sternbild Waage enthält zwei markant helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae). Im Fernglas erweist sich Zubenelgenubi als ein schöner Doppelstern, seine beiden Partnersterne haben in diesem Gerät einen markanten Farbkontrast.

Ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae).

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae, ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Alle 2,32735 Tage sinkt die Helligkeit des Sterns Delta Librae für sechs Stunden um eine Größenklasse ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der nur 8,5m helle, sehr locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um ihn gut zu sehen, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit  möglichst großer Öffnung. Sehr viel deutlicher sichtbar ist der helle Kugelsternhaufen M5. Man findet ihn mühelos ca. 11,5° nördlich von Zubeneschemali.

 

 

Coma Berenices

Das Sternbild Coma Berenices liegt nördlich des Sternbilds Jungfrau, zwischen den Sternbildern Löwe und Bärenhüter. Es ist ein unauffälliges Sternbild und wird daher oft übersehen. Dennoch ist das Sternbild sehr leicht zu finden: Wenn man am Himmel in Gedanken eine gerade Linie von Arktur nach Denebola zieht, so liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.

Sein hellster Stern heißt bereits seit der Antike Diadem, er ist 4,6m hell und liegt 57 Lichtjahre entfernt. Diadem liegt unauffällig am Südrand des Sternbilds, man findet diesen Stern am Kreuzungspunkt der Linie von Arktur nach Denebola mit der Linie von Benetnash (dem letzten Deichselstern im Großen Wagen) nach Vindemiatrix.

Ca. 10° nördlich von Diadem finden wir den 4,4m hellen Stern Beta Comae. Ca. 10° westlich von Beta finden wir Gamma Comae, einen 4,4m hellen Roten Riesen. Ist der Himmel sternenklar, kann man mit bloßem Auge südlich von Gamma bei halbwegs dunklem Himmel einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Im Fernglas entpuppt sich dieser Lichtschimmer als ein Offener Sternhaufen. Das ist der große Coma-Sternhaufen (Melotte 111). Diesem großen Sternhaufen verdankt das Sternbild seinen Namen. Da der Coma-Haufen einen Winkeldurchmesser von mehr als 4° hat, lässt er sich  in keinem Fernrohr vollständig überblicken. Er liegt 250 Lichtjahre von uns entfernt und enthält viele farbige Sterne mit einer Helligkeit von 6m und 7m. Daher kann er mit dem Fernglas auch am hellen Juninachthimmel schön beobachtet werden.

Ca. 1° nordöstlich von Diadem liegt der Kugelsternhaufen M53. Er erscheint im Fernglas als matter, rundlicher Nebelfleck, im Fernrohr ab 10 cm Durchmesser können die Randbereiche des Kugelsternhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in einzelne Sterne aufgelöst werden.

Wenn der Junihimmel es zulässt, dass man daran M53 wahrnehmen kann, kann man versuchen, mit dem Fernrohr die Galaxie M64 zu finden. Hierzu schwenkt man zunächst von Diadem aus 6,5° in nordwestlicher Richtung zum 6m hellen Stern 35 Comae, von dort aus dann ca. 1° nach Ostnordost. Die Galaxie kann man dann im Fernrohr wahrnehmen, sie liegt eingebettet in einem gleichseitigen Dreieck aus schwachen Sternen, wo sie als ein sehr matter ovaler Nebelfleck mit hellem Kern erscheint. M64  ist als die „Galaxie mit dem schwarzen Auge“ bekannt. Die große Dunkelwolke, die den schwarzen Fleck auf der Galaxie verursacht, lässt sich wegen des aufgehellten Juninachthimmels auch in Fernrohren großer Öffnung nicht wahrnehmen. M64 liegt 25 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Bärenhüter (Bootes)

Verlängert man in Gedanken den Bogen der Deichselsterne des Großen Wagens (die ja im Sternbild Großer Bär den Bärenschwanz darstellen) nach Süden, landet der Blick beim gelb-orange leuchtenden Arktur, dem Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, 36 Lichtjahren von uns entfernt und ca. 8 Milliarden Jahre alt. Arktur ist nicht in unserer Milchstraße entstanden, sondern entstammt einer kleinen Galaxie, die vor Milliarden Jahren durch Gezeitenkräfte des Schwerkraftfelds der Milchstraße allmählich zerrissen wurde, wodurch das Material der kleinen Galaxie heute zur Milchstraße gehört. Dieses Schicksal ist im Laufe der Zeit vielen kleinen Galaxien zuteil geworden, sodass deren Sterne heute die Halosterne unserer Milchstraße bilden. Zurzeit durchquert Arktur mit einer Relativgeschwindigkeit von 150 km/s die Scheibe unserer Galaxis.

Die hellen Sterne des Sternbilds Bärenhüter zeigen am Himmel eine Anordnung, die an die Form einer Eiswaffel erinnert, an deren zum Horizont weisende Spitze Arktur steht.

Im Sternbild Bärenhüter gibt es sehenswerte Doppelsterne. Der bekannteste ist der 3,7m helle Stern Izar (Epsilon Bootis) liegt ca. 6° nordöstlich von Arktur. Izar zeigt sich im mittelgroßen Fernrohr als farbiger Doppelstern, dessen beiden Partner in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden voneinander stehen. Der hellere Partner ist 3,7m hell und orange, der schwächere Partner ist 5,1m hell und bläulich. Weil diese Kombination einen schönen Farbkontrast bildet, bekam Izar im 19. Jahrhundert von begeisterten Astronomen den lateinischen Beinamen “Pulcherrima“, was auf Deutsch “die Allerschönste“ bedeutet.

Auch der 4,5m helle 44 Bootis, der ca. 6° nördlich von Beta Bootis liegt, ist ein Doppelstern. Seine Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand beträgt derzeit ca. 3 Bogensekunden.

Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Doppelstern Xi Bootis. Seine beiden gelblichen Partnersterne sind ungleich hell, liegen 6 Bogensekunden auseinander und umkreisen einander alle 156 Jahre. Xi Bootis ist nur 22 Lichtjahre entfernt. Der Abstand der beiden Partner voneinander beträgt somit ca. 40 Astronomische Einheiten (6 Milliarden Kilometer).

 

Jagdhunde

Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichsel des Großen Wagens. Sein hellster Stern Cor Caroli (Alpha) ist ein 2,9m heller sehenswerter Doppelstern in 110 Lichtjahren Entfernung. Sein zweithellster Stern Asterion (Beta) ist hingegen 27 Lichtjahre entfernt und nur 4,4m hell. Er liegt ca. 5° nordwestlich von Cor Caroli.

Zieht man eine Linie von Cor Caroli zu Arktur im Sternbild Bärenhüter, kann man an sternklaren Himmel im Fernglas knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie einen runden, nebeligen Fleck finden. Dies ist der Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab fünf Zoll Öffnung kann man die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst wahrnehmen.

Im Sternbild Jagdhunde liegen einige helle Galaxien, die man in kleinen Fernrohren sogar am aufgehellten Junisternenhimmel wahrnehmen kann. Dazu gehören die Galaxien M106 und M94, die beide relativ leicht zu finden sind. Zieht man vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) eine Linie zu Asterion, findet man auf der Mitte dieser Linie mit einem lichtstarken Fernglas einen länglichen, nebeligen Fleck. Das ist die 8,3m helle Spiralgalaxie M106. Sie wurde 1782 von Pierre Mechain entdeckt und liegt ca. 24 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Die 8,2m helle, rundliche Spiralgalaxie M94 findet man sehr einfach ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion.
Ca. 4,4° nordöstlich von Asterion liegt der 4,8m helle Stern Y Canes Venaticorum. Bei hoher Vergrößerung erscheint der Stern im Fernrohr rot. Y Canes Venaticorum ist ein Roter Riese mit 4400 Sonnenleuchtkräften in 710 Lichtjahren Entfernung. Seine Oberflächentemperatur beträgt nur 2200°K. Der Stern ist seit über 150 Jahren in der Astronomie unter dem Namen „La Superba“ bekannt, weil sein Sternspektrum intensive rote Linien enthält.
Die mit Abstand berühmteste Galaxie im Sternbild Jagdhunde ist M51. Man findet sie, indem man in Gedanken eine Linie vom Stern am Ende der Deichsel des Großen Wagens (Benetnash) zu Cor Caroli zieht und diese Linie in vier Teile teilt. M51 liegt von Benetnash aus gesehen beim 1. Viertel der Linie. In kleineren Fernrohren erscheint M51 als Nebel mit zwei Kernen, der eine ist zentral, der andere mehr am Rand des Nebels. Die Galaxie M51 gehört an sich zu den wenigen Spiralgalaxien, bei denen die Spiralstruktur in lichtstarken Fernrohren großer Öffnung direkt gesehen werden kann. Am aufgehellten Juninachthimmel gelingt das leider nicht.

 

Herkules

Das Sternbild Herkules liegt zwischen den beiden Sternbildern Leier und Bärenhüter. Man findet es, indem man eine Linie von Arktur nach Wega zieht und diese in Drittel teilt. Folgt man der Linie von Wega ausgehend, liegt das Sternbild Herkules beim 1. Drittel.
Das Sternbild Herkules ist groß und enthält viele relativ helle Sterne, es ist jedoch unauffällig, weil die umgebenden Sternbilder ebenfalls vergleichbar helle Sterne enthalten. Sein Hauptstern heißt Ras Algethi (Alpha Herculis), er liegt im Südteil des Sternbilds Herkules, nahe beim Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein Roter Überriese mit über 400 Sonnendurchmessern. Bei hoher Vergrößerung im Fernrohr großer Öffnung erweist sich Ras Algethi als enger Doppelstern mit einem schönen Farbkontrast: der hellere Partner ist orange, der schwächere erscheint blaugrünlich.
Zieht man in Gedanken eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und betrachtet diese kleine Himmelsregion mit einem Fernglas, erkennt man dort nach dem ersten Drittel dieser Linie ein rundliches Nebelbällchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung, bei einer Vergrößerung ab 80fach, erweist sich das Nebelbällchen als eine kugelige Ansammlung zahlloser und scheinbar winziger Sterne. Das ist der berühmte Kugelsternhaufen M13.
Entdeckt wurde er im Jahre 1713 von Edmond Halley. In Fernrohren großer Öffnung bietet M13 bei hoher Vergrößerung einen beeindruckenden Anblick. Er ist 23000 Lichtjahre von uns entfernt.

Schwenkt man mit dem Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist ähnlich hell wie M13, aber kleiner, da seine Sterne im Zentrum des Haufens enger beieinander stehen.

Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Doppelstern 95 Herkulis. Die beiden Doppelsternpartner von 95 Herkulis stehen in einem Abstand von 6 Bogensekunden voneinander und sind somit schon in kleinen Fernrohren bequem getrennt zu sehen. Der eine Partnerstern leuchtet golden, der andere leuchtet weiß.

Schwenkt man sein Fernrohr von Kornephoros (Beta Herculis) ca. 4° in Richtung Nordosten, so findet man im Okular bei niedriger Vergrößerung einen blaugrünen, 9m hellen Stern in einem Feld zahlreicher schwacher Sterne. Steigert man die Vergrößerung nun auf ca. 150fach, sieht man den Stern als eine kleine, blaugrünliche Scheibe mit einem kleinen, zentralen Stern. Das ist der Planetarische Nebel NGC 6210. Sein Winkeldurchmesser ist halb so groß wie der des berühmten Ringnebels M57 im Sternbild Leier.
Beobachtet man NGC 6210 im lichtstarken Fernrohr ab fünf Zoll Öffnung mit einem UHC-Filter, kann man das blaugrüne Leuchten der Gase von NGC6210 um den weißen Zentralstern auch bei hoher Vergrößerung sehr deutlich wahrnehmen.

 

 

 

 

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