Erste Übersicht eine Stunde nach Sonnenuntergang

Erste Übersicht um 23:00

Eine Stunde nach Sonnenuntergang sieht man tief im Südosten den auffällig hellen Jupiter. Im Westen senkt sich das Sternbild Löwe zum Horizont. Hoch am Himmel steht das markante Sternbild Bärenhüter mit dem hellen Arktur, es hat den Meridian bereits überschritten. Südöstlich des Bärenhüters erstreckt sich das große Sternbild Schlangenträger, zusammen mit den Sternen, welche den Kopfteil und den Schwanzteil des Sternbilds Schlange bilden.

Hoch im Osten funkelt Wega im kleinen Sternbild Leier, und im Nordosten stehen die Sterne des Sternbilds Schwan mit seinem hellen Schwanzstern Deneb. Unterhalb des Schwans fällt ein heller Stern auf, das ist Altair, der Hauptstern des Sternbilds Adler. Diese drei hellen Sterne Wega, Deneb und Altair bilden gemeinsam das so genannte „Sommerdreieck“.
Östlich des Sternbilds Adler zeigt sich ein markanter kleiner Sternenrhombus, er markiert das Sternbild Delfin. Lässt man den Blick vom Sternbild Leier langsam hinüber zum Sternbild Bärenhüter wandern, streicht er dabei zunächst über das unauffällige Sternbild Herkules und danach über das Sternbild Nördliche Krone. Zwischen dem Zenit und dem Polarstern zieht sich die Sternenkette das Sternbild Drache in einem weiten Bogen um das Sternbild Kleiner Bär. Westlich des Sternbilds Bärenhüter stehen die Sterne den Großen Bären, dessen langer Schwanz, der volkstümlich als die “Deichsel des Großen Wagens“ bezeichnet wird, im weit gestreckten Bogen auf Arktur im Bärenhüter zielt. In den Jahrtausenden vor der klassischen Antike sah man in den Deichselsternen des Großen Wagens einen Pflug, und in den vier Kastensternen vier Ochsen, die diesen Pflug zogen. Das Sternbild Bärenhüter hieß damals “Ochsentreiber“ (“Bootes“). 

 

Jupiter

Jupiter ist im Sternbild Schütze nun sehr gut sichtbar. Im Fernrohr lassen sich Strukturen in den Bändern und Zonen seiner Oberfläche eindrucksvoll bei hoher Vergrößerung beobachten, wenn die Nachtluft ruhig ist. Ist sie das nicht, sollte man seine Beobachtungen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Am 14. Juli erreicht der Jupiter seine diesjährige Opposition. Er ist dann -2,8m hell, und sein Winkeldurchmesser erreicht 47,6 Bogensekunden.

 

Saturn

Der Ringplanet erreicht am 20. Juli seine diesjährige Oppositionsstellung. Der 0,1m helle Saturn zeigt sich im Fernrohr als Scheibchen von 18,4 Bogensekunden Durchmesser. Im kleinen Fernrohr sind bei 30facher Vergrößerung der Ring um Saturn sowie der hellste Saturnmond Titan gut zu sehen. Bei geringer Luftunruhe kann man eine höhere Vergrößerung versuchen. Im Fernrohr ab vier Zoll Öffnung kann man dann auch die kleineren Saturnmonde Thetis, Rhea und Dione erkennen, Bei guter Luftruhe kann man dann bei genauem Hinsehen vielleicht auch den feinen Schatten wahrnehmen, den der Ring auf den Planeten wirft, sowie den Schatten, den der Planet auf seinen Ring wirft.

 

Bärenhüter (Bootes)

Nördlich von Saturn leuchtet orangegelb Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, er ist 36 Lichtjahren entfernt. Arktur ist ca. 6 Milliarden Jahre alt: er ist einer der alten Halosterne unserer Milchstraße, zurzeit kreuzt er die Milchstraßenebene relativ zur Sonne mit einer Geschwindigkeit von 122 km/s.

Die hellen Sterne des Bärenhüters zeigen am Himmel eine Anordnung in der Form einer spitzen Eiswaffel, deren zum Horizont weisende Spitze von Arktur gebildet wird.

Das Sternbild Bärenhüter enthält mehrere schöne Doppelsterne. Betrachtet man den Stern Izar (Epsilon Bootis) im Fernrohr ab 80 mm Öffnung, sieht man, dass er aus zwei verschiedenfarbigen Partnersternen besteht, die in einem Winkelabstand von drei Bogensekunden stehen, der eine ist orange, der andere ist blau. Wegen dieses schönen Farbkontrastes gab der  vatikanische Astronom Secchi dem Stern Izar im 19. Jahrhundert den lateinischen Namen “Pulcherrima“, was übersetzt “Die Allerschönste“ bedeutet.
Ein weiterer sehenswerter Doppelstern ist der 4,5m helle Stern 44 Bootis. Dessen beide Partnersterne umkreisen einander einmal in 250 Jahren, ihr Winkelabstand voneinander beträgt aktuell ca. 3 Bogensekunden. Der schwächere Partnerstern von 44 Bootis ist seinerseits ein Doppelstern, dessen Partner einander in weniger als 6,5 Stunden einmal umkreisen, wobei sie einander regelmäßig bedecken und Schwankungen der Helligkeit dieses Sterns verursachen.

Der 4,5m helle Xi Bootis ist ein Doppelstern, dessen beide ungleich hellen Partnersterne rötlich erscheinen. Xi Bootes liegt ca. 8,5° östlich von Arktur.

 

Corona Borealis

Östlich des Sternbilds Bärenhüter sieht man die nach Norden geöffnete bogenförmige Sternenkette des kleinen, aber markanten Sternbilds Corona Borealis (Nördliche Krone). Sein 2,2 m heller Hauptstern Alpha Coronae Borealis hat den lateinischen Namen Gemma, was “Edelstein“ bedeutet. Am warmen Julihimmel kann man Gemma bei heftiger Luftunruhe zuweilen fast so spektakulär wie den Sirius in allen Farben funkeln sehen. 3,5° östlich von Gemma liegt der Stern Delta Coronae Borealis, 2° nördlich von Delta liegt der Stern R Coronae Borealis, ein bekannter Veränderlicher Stern von oranger Farbe. In unregelmäßigen jahrelangen Abständen stößt R so gewaltige Rußwolken aus, dass sie sein Licht enorm verdüstern. Dadurch kann dieser Stern spontan für Monate und manchmal sogar für Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. Dann ist R Coronae Borealis selbst in Fernrohren von 30 cm Durchmesser nicht mehr zu sehen, während man ihn in seinem „Normalzustand“ schon mit einem kleinen Fernglas 8 x 30 mühelos erkennen kann.

 

Herkules

Östlich des Sternbilds Corona Borealis sieht man die Sterne des Sternbilds Herkules. Sein Hauptstern heißt Ras Algethi (Alpha Herculis) befindet sich am südlichen Rand des Sternbilds. Ras Algethi stellt den Kopf des Herkules dar. Ras Algethi ist ein sehr schöner, aber auch sehr enger Doppelstern, dessen beide Partnersterne in verschiedenen Farben leuchten: der hellere Partnerstern ist orange, der andere erscheint blaugrün. Je größer die Öffnung des Fernrohrs ist und je höher die Vergrößerung bei diesem Fernrohr ist, desto besser ist bei ruhiger Nachtluft der Unterschied zwischen diesen beiden Partnersternen erkennbar, und desto eindrucksvoller ist der Anblick. Man muss jedoch eine hinreichend gute Luftruhe haben.

Im Sternbild Herkules liegen zwei der hellsten Kugelsternhaufen des nördlichen Himmels. In der zweiten Julihälfte kann man versuchen, diese beiden Sternhaufen zu beobachten. Den 6m hellen M13 findet man auf der Verbindungslinie von Eta Herkulis nach Theta Herkulis, und zwar von Eta Herkulis aus gesehen nach einem Drittel dieser Linie. M13 ist bereits im kleinen Fernglas ein auffälliges Objekt. In Fernrohren ab vier Zoll Öffnung sind die Randbereiche des Kugelsternhaufens M13 in Einzelsterne aufgelöst zu sehen. In Fernrohren großer Öffnung kann M13 bei nachtdunklem Sternenhimmel einen unvergesslichen Anblick bieten. Entdeckt wurde M13 im Jahre 1714 von Edmond Halley, mit dem bloßen Auge.

Der zweite helle Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules ist der 6,5m helle M92. Er liegt ca. 6,3° nördlich des 3,2m hellen Pi Herkulis. Im Vergleich zu M13 liegen die Sterne in M92 zum Zentrum hin stärker konzentriert vor als in M13, abgesehen davon sind beide Kugelsternhaufen gleich hell. Trotzdem wird M92 seltener beobachtet als M13.

 

Leier

Das Sternbild Leier steht um Mitternacht fast im Zenit. Obwohl es das zweitkleinste Sternbild des Himmels ist, kann man es leicht auffinden, denn es enthält den Stern Wega, einen der hellsten Fixsterne des Sommernachthimmels. Wega ist ein Stern der Spektralklasse A0. Er ist nur 25 Lichtjahre von uns entfernt und ist daher einer der nächsten Sterne unserer Sonne.

Südlich von Wega liegt der kleine Sternenrhombus, der im Sternbild Leier den Korpus der Leier symbolisiert. Der Rhombus besteht aus dem Doppelstern Zeta Lyrae, dem Doppelstern Delta Lyrae, aus dem Stern Gamma Lyrae und aus Sheliak (Beta Lyrae) besteht. Zwischen den Sternen Gamma Lyrae und Sheliak kann man im Fernrohr bei mäßiger Vergrößerung den Planetarischen Nebel M57 finden, den berühmten “Ringnebel“.

Ca. 1,6° nordöstlich von Wega nimmt man einen Stern wahr, der schon dem bloßen Auge länglich erscheint. Das ist der Stern Epsilon Lyrae. Betrachtet man ihn im Fernglas, sieht man, dass Epsilon ein Doppelstern ist. Betrachtet man Epsilon im Fernrohr bei 100facher Vergrößerung, erweist sich beide Partnersterne von Epsilon als Doppelsterne. Epsilon Lyrae besteht tatsächlich aus zwei Sternenpaaren, die einander in Jahrhunderten paarweise umkreisen.

 

Schwan

Nach Mitternacht sieht man das Sternbild Schwan als eindrucksvolles Sommersternbild hoch am Nachthimmel. Die Art und Weise, in der seine hellen Sterne am Himmel angeordnet sind, erinnert an einen Schwan, der mit ausgebreiteten Schwingen und lang gestrecktem Hals ruhig durch den Nachthimmel segelt. Der Stern Albireo (Beta Cygni) bildet den Kopf des Schwans, der Stern Sadr (Gamma Cygni)markiert den Körper, der helle Stern Deneb (Alpha Cygni)markiert den Schwanz deshimmlischen Schwans. Der nördliche Flügel wird durch die beiden Sterne Delta Cygni und Iota Cygni gebildet, der südliche Schwanenflügel durch die Sterne Gienah (Epsilon Cygni) und Zeta Cygni.

Schaut man auf Albireo, scheint dieser 3m helle Stern dem bloßen Auge recht unscheinbar. Im Fernrohr ab zwei Zoll Öffnung erweist sich Albireo als schöner farbiger Doppelstern: der hellere Partnerstern leuchtet orange, der andere in hellem Saphirblau.

Zwischen den Sternen Albireo und Sadr bietet das Sternbild Schwan ein sternreiches Milchstraßenfeld, das sich mit Ferngläsern und Fernrohren aller Größen sehr eindrucksvoll beobachten lässt, wenn man sich dafür Zeit nimmt. Der hellste Stern in diesem Gebiet ist der 3,9 m helle Eta Cygni. Ca. 2,5° südsüdwestlich von Eta liegt der Stern Chi Cygni. Chi ist ein Veränderlicher Stern vom Mira-Typ, daher schwankt seine Helligkeit regelmäßig innerhalb von ca. 409 Tagen zwischen 4,5 m und 14 m, im Juli 2019 ist er in seinem Minimum und daher unsichtbar, sein nächstes Maximum wird Chi erst im Dezember 2018 durchlaufen.

Schaut man von Deneb hinüber nach Delta Cygni, stößt man auf der halben Strecke mit dem bloßen Auge auf ein helles Sternenpaar: Omicron 1 Cygni und 30 Cygni. Die beiden Sterne stehen im Abstand von 5 Bogenminuten voneinander. Omicron 1 zeigt sich bereits in einem kleinen Fernrohr als ein Doppelstern, sein hellerer Partnerstern ist orange, der kleinere Partnerstern ist blauweiß. Auch der 3m helle Stern Delta Cygni ist ein Doppelstern, man muss Delta Cygni jedoch höher vergrößern, um dessen beide Partnersterne getrennt zu sehen, denn sie haben nur 2 Bogensekunden Abstand voneinander.

Ca. 6° nordöstlich von Epsilon Cygni liegt der 6m helle Doppelstern 61 Cygni. Mit dem bloßen Auge ist dieser Stern nicht wahrnehmbar, im Fernglas sieht man ihn jedoch mühelos. Im Jahre 1831 führte Friedrich Wilhelm Bessel systematisch über tausend Messungen der Parallaxe von 61 Cygni durch. Auf der Basis dieser Messungen ermittelte er die Entfernung zum Stern 61 Cygni: sie beträgt 11,3 Lichtjahre. So gelang Bessel die erste erfolgreiche Bestimmung einer Fixstern-Entfernung.

 

Cepheus

Das Sternbild Cepheus geht in unseren Breiten niemals unter, wird von Amateurastronomen jedoch eher selten beobachtet, da das Sternbild unauffällig ist, obwohl es viele relativ helle Sterne enthält. Will man es finden, muss man sich am Himmel in Ruhe orientieren. Man findet es am schnellsten, indem man seinen Blick vom Sternbild Schwan aus in einer geraden Linie in Richtung des Sternbilds Cassiopeia wandern lässt: dann liegt das Sternbild Cepheus nördlich dieser Linie. Erst dann springt einem die besondere Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbildes ins Auge, denn sie erinnert den Beobachter an das bekannte Muster „Haus des Nikolaus“, mit den fünf Eckpunkten Alderamin (Alpha), Alfirk (Beta), Alrai (Gamma), Iota und Delta. Der 3,3m helle Stern Zeta bildet hierbei die untere linke Ecke.

Ca. 3,5° westlich von Zeta Cephei liegt der unauffällige, 4m helle, rötliche Stern My Cephei. My ist ein Roter Überriesenstern von 1400 Sonnendurchmessern, er ist einer der absolut größten und rötesten Sterne am Himmel. Wegen seines rötlichen Farbtons ist er auch als „Granatstern“ bekannt.

Ca. 2,5° östlich von Zeta liegt der ca. 4m helle Stern Delta Cephei. Delta Cephei ist der Namensgeber für die Veränderlichenklasse der Cepheiden. Cepheiden sind alte Riesensterne hoher Leuchtkraft, die ihre Helligkeit in einem sehr regelmäßigen Zyklus präzise verändern, indem sie pulsieren. Der Helligkeitszyklus von Delta Cephei hat eine Periode von 5,3663 Tagen: 1,5 Tage lang steigt die Helligkeit des Sterns von 4,4m auf 3,5m an und fällt in den folgenden 4 Tagen wieder auf 4,4m ab.

Delta Cephei ist außerdem ein Doppelstern: sein blauweißer Partnerstern steht in 41 Bogensekunden Abstand von Delta.
Wenn die Beobachtungsbedingungen gut sind, kann man ca. 6° östlich von Delta im Fernrohr den kleinen, kompakten Offenen Sternenhaufen NGC 7510 sehen. Hierbei muss man jedoch eine hohe Vergrößerung einsetzen.

 

Pfeil

Das Sternbild Pfeil ist zwar klein, es ist aber dennoch leicht zu finden. Es ist ein Sternbild der Antike und liegt zwischen den seit der Antike bekannten Sternbildern Schwan und Adler.

Die drei Sterne Eta, Gamma und Delta Sagittae liegen in einer Reihe, sie  bilden den Schaft des Pfeils. Die beiden Sterne Alpha und Beta Sagittae stellen die beiden Steuerfedern des Pfeils dar.

Ca. 1,5° östlich von Delta Sagittae kann man im lichtstarken Fernglas ein mattes Nebelfleckchen erkennen, das sich bei höherer Vergrößerung in lichtstarken Fernrohren ab 6 Zoll Öffnung als dichter, dreieckiger Sternhaufen aus schwachen Sternen entpuppt. Das ist M71. Bis vor einigen Jahren war man nicht sicher, ob M71 ein sehr alter Offener Sternhaufen oder ein verformter Kugelsternhaufen ist. Nun weiß man, dass M71 ein Kugelsternhaufen ist, dem während seiner Umläufe um das Zentrum der Milchstraße im Laufe von Jahrmilliarden viele seiner Sterne in der Milchstraße abhandengekommen sind.

Ca. 4° westnordwestlich von Alpha Sagittae findet man im Fernglas einen ungewöhnlich geformten Sternhaufen, dessen hellste Mitglieder in Form eines Kleiderbügels angeordnet sind. Dieser “Kleiderbügelhaufen“ heißt offiziell “Collinder 399“, er liegt eigentlich knapp jenseits der Grenze des Sternbilds Pfeil, im angrenzenden Sternbild Füchslein. Ca. 2° westlich des Kleiderbügelhaufens ist man jedoch schon wieder im Gebiet des Sternbilds Pfeil, und hier liegt der 6,2m helle, blauweiße Stern U Sagittae. U Sagittae ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern, dessen Helligkeit regelmäßig nach 81 Stunden für 1 Stunde und 40 Minuten abrupt von 6,2m auf 9,2m abfällt. Das lässt sich in einem Fernglas oder Fernrohr gut beobachten.

 

 

Füchslein

Das Sternbild Füchslein ein sehr unauffälliges Sternbild, weil es keine hellen Sterne enthält. Das Sternbild liegt südlich des Sternbilds Schwan und nördlich des Sternbilds Pfeil. Sehenswerte Objekte im Sternbild Füchslein sind der schon erwähnte “Kleiderbügelhaufen“ sowie der große und helle Planetarische Nebel M27, der “Hantelnebel“.

M27 liegt ca. 3,5° nördlich des 3,5m hellen Sterns Gamma Sagittae. Wenn man bei der Suche nach M27 von Gamma ausgeht, kann man M27 ziemlich leicht auffinden. Bei klarem, mondlosem Himmel ist M27 schon im Fernglas als kleiner matter Nebelfleck zu erahnen. Im Fernrohr sieht man bei M27 bei 100facher Vergrößerung eine symmetrische, seitliche Einschnürung, wegen der M27 den Namen “Hantelnebel“ bekommen hat. In Fernrohren größerer Öffnung kann man mit etwas Glück im Hantelnebel sogar den 13m hellen Zentralstern sowie zahlreiche weitere Strukturen wahrnehmen. Hat man ein solchen Fernrohr zur Verfügung, kann man für die Beobachtung des Nebels ein Nebelfilter (UHC, O III) einsetzen, um die Details der Nebelstrukturen deutlicher zu sehen.

 

 

Schlangenträger und Schlange

Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange liegen südlich des Sternbilds Herkules und nördlich des Sternbilds Skorpion.  
Das Sternbild Schlangenträger wurde in der klassischen Antike erfunden, um an den Asklepios zu erinnern, den Sohn des griechischen Gottes Apollon. Aufgrund der Fürsprache seines göttlichen Vaters wurde der wissenshungrige Asklepios vom weisen Zentauren Cheiron in der Heilkunst unterrichtet. Als Asklepios beobachtete, wie eine gerade getötete Schlange durch eine andere Schlange mittels eines ihm unbekannten Heilkrauts wieder zum Leben erweckte wurde, probierte er dieses Wunderkraut als Heilmittel aus, um frisch verstorbene Menschen wieder lebendig zu machen. Das gelang ihm tatsächlich, und die Nachricht über seine Fähigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Als diese Nachricht dem Hades zu Ohren kam, dem Herrn des Totenreichs, bat Hades seinen Bruder Zeus darum, den Asklepios umgehend ermorden zu lassen. Hades fürchtete nämlich, dass die Kunst des Asklepios das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod aufheben werde. Zeus sah das ein und kam der Bitte seines Bruders umgehend nach. Anschließend versetzte Zeus den getöteten Asklepios nebst seiner Schlange als Sternbilder Schlangenträger und Schlange an den Himmel, um den trauernden Apollon zu trösten.

Der hellste Stern im Sternbild Schlangenträger ist der 2,1m helle Ras Alhague (Alpha Ophiuchi). Er liegt am Nordrand des Sternbilds und markiert dort den Kopf des Schlangenträgers. Die beiden hellen Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi markieren die Schultern des Schlangenträgers. Die Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links, und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers, welche die kluge Schlange tragen.

Westlich des Schlangenträgers erstreckt sich der nach Norden aufgerichtete Hals der Schlange, markiert durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Die drei Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bilden gemeinsam den kleinen Kopf der Schlange.
Ca. 7,6° südwestlich von Unuk kann man mit dem Fernglas den hellen Kugelsternhaufen M5 auffinden. Auch im kleinen Fernrohr ist M5 sehr gut sichtbar. Man kann ihn bereits bei mittlerer Vergrößerung bis in sein Zentrum in einzelne Sterne aufgelöst sehen.
Östlich des Schlangenträgers sieht man den nach Norden gerichteten Schwanz der Schlange. Er besteht aus einer Kette aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und dem Stern Alya (Theta Serpentis), der die 4,6m helle Schwanzspitze bildet. Alya ist ein hübscher Doppelstern, der bereits in kleinen Fernrohren sehr schön zu beobachten ist. Die beiden Partner erscheinen gleich hell und rein weiß. Alya liegt ca. 18° östlich von Cheleb.

Der Schlangenträger enthält die Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Diese sind bereits im Fernglas 10x50 zu entdecken. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior und zeigt sich schon im kleinen Fernrohr in einzelne Sterne aufgelöst. M10 findet man ca. 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.

 

 

Waage

In Mitteleuropa wird Das Sternbild Waage häufig übersehen, da es hier nur einen südlichen Horizontabstand von ca. 20° erreicht. Es enthält zwei helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, der schon im Fernglas getrennt gesehen werden kann, die beiden Partnersterne zeigen einen schönen Farbkontrast.

Ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi liegt der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta). Den Stern Zubeneschemali kann als Aufsuchhilfe für den Kugelsternhaufen M5 verwenden. M5 liegt in Sternbild Schlange, und zwar ca. 11,5° nördlich von Zubeneschemali.
Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae, ein bedeckungsveränderlicher Stern vom Algol-Typ. Die Helligkeit von Delta Librae fällt dadurch alle 2,32735 Tage für die Dauer von sechs Stunden um eine Größenklasse ab.

 

 

Skorpion

Das Sternbild Skorpion erstreckt sich südlich des Schlangenträgers. Es enthält viele helle Sterne. Die Sternbilder Skorpion und Schlangenträger ziehen fast gleichzeitig durch den Meridian.

Der hellste Stern im Skorpion ist der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii). Antares liegt ca. 600 Lichtjahre entfernt, er ist ein Roter Überriesenstern von ca. 12 Sonnenmassen. Er leuchtet 65000 Mal heller als unsere Sonne. Sein Durchmesser beträgt mehr als eine Milliarde Kilometer. Antares ist ein Doppelstern, sein 6,5m heller grünlicher Partnerstern steht in nur drei Bogensekunden Abstand. Bei guten Beobachtungsbedingungen ist der Antares-Begleiter auch in Fernrohren ab 10 cm Öffnung sichtbar, obwohl Antares 200 Mal heller ist als sein Partner.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein hübscher Doppelstern, den man bereits in kleinen Fernrohren gut getrennt sehen kann. Er liegt 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften und liegt 540 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Schon im kleinen Fernrohr sieht man, dass Alniyat ein Doppelstern ist. Sein Begleiter ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.

Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. M4 ist nicht sehr hell und enthält weniger Sterne als viele andere Kugelsternhaufen. M4 ist jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt und ist der am nächsten stehende Kugelsternhaufen. Daher kann man M4 mit jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Sterne aufgelöst sehen.

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6, einer  der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Von Mitteleuropa aus erscheint M6 wegen seiner horizontnahen Position weniger hell, als er eigentlich ist. Im Fernglas kann man die hellsten Sterne von M6 gut erkennen. In einem lichtstarken Fernrohr sieht man in M6 bei sternklarem Himmel über 100 Sterne, deren Anordnung entfernt an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert. Dadurch ist der Sternhaufen auch unter dem Namen “Schmetterlingshaufen“ bekannt.

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