Übersicht gegen 23:00

Um 23:00 hat sich der Sternenhimmel seit 20:30 um 37.5° von Ost nach West gedreht. Über sich sieht man das Band der Milchstraße, es zieht sich von West nach Ost quer über den Himmel. Fast im Zenit steht das Sternbild Cassiopeia, auch bekannt als das „Himmels-W“, östlich davon liegt das Sternbild Perseus und östlich des Sternbilds Perseus sieht man das Sternbild Fuhrmann mit dem hellen Stern Capella. Unterhalb des Sternbilds Fuhrmann ist bereits das Sternbild Stier mit dem hellen Stern Aldebaran und den Plejaden aufgegangen. Das große Sternbild Pegasus steht im Meridian und dominiert den Nachthimmel. Vom nordöstlichen Stern des markanten Pegasus-Sternenquadrats zieht sich die Sternenkette der des Sternbilds Andromeda bis zum Sternbild Perseus. Im südlichen Horizontdunst schimmert Fomalhaut, der Hauptstern des Sternbilds Südlicher Fisch. Die hellsten Sterne des Sternbilds Walfisch sind über dem südöstlichen Horizont bereits im Dunst erkennbar.

 

Sternbild Pegasus

Um Mitternacht steht das große Sternbild Pegasus im Meridian. Sein hellster Stern, der 1,8m helle Enif, kulminiert Anfang Oktober breits um 22.00. Westlich von Enif kann man das kleine Sternenviereck des Sternbilds Füllen sehen, und oberhalb des Füllens auch den kleinen, aber markanten Sternenrhombus des Sternbilds Delfin.

Im lichtstarken Fernglas kann man ca. 4,4° nordwestlich von Enif einen kleinen runden Nebelfleck finden: das ist der Kugelsternhaufen M15. Schon im Fernrohr ab 10 cm Öffnung sieht man die Außenbereiche von M15 in einzelne Sterne aufgelöst, und das Zentrum von M15 zeigt sich darin mit zahllosen Sternen dicht besetzt.
Der 2,5m helle Stern Scheat (Beta Pegasi) bildet die rechte obere Ecke des Pegasusquadrats. Scheat ist ein Roter Riesenstern, dessen Helligkeit irregulär schwankt. Wenn man ein Sternspektroskop zur Verfügung hat, kann man mit diesem Gerät einige breite dunkle Absorptionsbanden im Spektrum von Scheat sehen.

Fünf Grad nordwestlich von Scheat steht der 3m helle Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 4,3° nordnordwestlich von Matar kann man in einem Fernrohr ab 8 cm Durchmesser die 9,5m helle Spiralgalaxie NGC 7331 wahrnehmen. Diese große Spiralgalaxie ist über 60 Millionen Lichtjahre entfernt. Wenn man ein Teleskop mit größerer Öffnung zur Verfügung hat, kann man darin mit etwas Geduld in der unmittelbaren Umgebung von NGC 7331 mehrere kleinere Spiralgalaxien wahrnehmen, die gemeinsam mit NGC 7331 eine Galaxiengruppe bilden.

Der 2,5m helle Stern Markab bildet die untere rechte Ecke des Pegasusquadrats. Er ist ein weißer Stern mit 160 Sonnenleuchtkräften, in 133 Lichtjahren Entfernung. Ca. 2,8° südlich vom Markab kann man in Fernrohren ab 20 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 7479 erahnen. Diese 10m helle S-förmige Spiralgalaxie liegt ca. 90 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Fische

Das Sternbild Fische liegt unterhalb des Sternbilds Pegasus. Alle Sterne im Sternbild Fische sind ziemlich lichtschwach: selbst der Hauptstern Alrischa (Alpha Piscium) ist nur 4m hell. Daher ist das Sternbild Fische am Stadthimmel in der Regel praktisch unsichtbar. Doch nun zieht Mars seine Bahn durch das Sternbild Fische, daher kann man es jetzt mühelos finden. Steht man unter einen sternklaren Himmel auf dem Land oder einer abgelegenen Hochfläche der Mittelgebirge, sind die Sterne des Sternbilds Fische gut zu erkennen.
Alrischa ist ein enger Doppelstern, die Winkeldistanz seiner beiden Partnersterne beträgt nur eine Bogensekunde. Daher kann man Alrischa nur in Teleskopen mit einer Öffnung ab 20 cm bei hoher Vergrößerung als Doppelstern sehen. Ca. 12° nordwestlich von Alrischa liegt der Doppelstern Zeta Piscium. Zeta wird bereits im kleinen Fernrohr schön als ein Doppelstern aufgelöst, seine beiden Partnersterne sind weiß.

Ein interessantes Beobachtungsobjekt im Sternbild Fische ist die Galaxie M74. Sie liegt 1,3° östlich des 3,5m hellen Sterns Eta Piscium. Der Kern dieser Spiralgalaxie ist sehr klein, aber sehr hell. Daher ist er auch in kleinen Fernrohren bereits deutlich sichtbar, sodass er bei Betrachtung mit einem kleinen Fernrohr oft für einen Stern gehalten wird. Die Galaxie M74 hat um ihren Kern eine große, aber leuchtschwache Halo, die nur unter einem mondlosen und sternklaren Landhimmel in Fernrohren ab 15 cm Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung wahrnehmbar ist.

 

Sternbild Delphin

Das kleine Sternbild Delphin liegt zwischen dem Sternbild Pegasus und dem Sternbild Pfeil. Die hellsten Sterne des Delfins bilden miteinander einen markanten kleinen Rhombus. Der östlichste Stern in diesem Rhombus ist Gamma Delphini. Bereits im kleinen Fernrohr zeigt sich Gamma als markanter Doppelstern. Seinr beiden Partnersterne sind gleich hell und leuchten hellgolden.
Ca. 3,5° südlich des Sternenrhombus befindet sich der 4m helle Stern Epsilon Delphini, der auch „Deneb Dulfim“ heißt. Übersetzt bedeutet der Name „Schwanz des Delphins“. Bei dunklem, klarem Himmel kann man ca. 4° südlich dieses Sterns im lichtstarken Fernglas oder Fernrohr den kleinen Kugelsternhaufen NGC 6934 auffinden. Er wurde 1785 von Wilhelm Herschel entdeckt und liegt ca. 50000 Lichtjahre entfernt.

 

 

Sternbild Andromeda

Nördlich und östlich des Pegasus erstreckt sich das große Sternbild Andromeda. In diesem Sternbild liegt unsere große Nachbargalaxie M31. Sie ist hier das am häufigsten betrachtete Himmelsobjekt. Das Zentrum dieser Spiralgalaxie kann man am mondlos dunklen, sternklaren Himmel nahe beim Stern Ny Andromedae meist schon mit bloßem Auge wahrnehmen: M31 ist die nächstgelegene große Spiralgalaxie und liegt ca. 2,6 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. In einem Fernrohr großer Brennweite kann man in der Regel nur den hellen Zentralbereich von M31 sowie ihre beiden Begleitgalaxien M32 und M110 sehen. Um die Staubbänder der Spiralarme dieser Galaxie wahrnehmen zu können, muss man ein Newton-Teleskop großer Öffnung bei niedriger Vergrößerung einsetzen. Da M31 einen Durchmesser von ca. 4° hat (das entspricht acht Vollmonddurchmessern!), ist diese Galaxie für das Gesichtsfeld von Fernrohren mit mehr als 400 mm Brennweite zu groß.
Man kann im Sternbild Andromeda auch schwächere Galaxie sehen. Die 10m helle elliptische Galaxie IC 404 steht z. B. sieben Bogenminuten nordwestlich des 2m hellen Sterns Mirach (Beta Andromedae). IC404 ist hier bei dunklem, sternklarem Himmel und höherer Vergrößerung leicht aufzufinden, wenn man den hellen Stern Mirach außerhalb des Gesichtsfelds hält.
Ca. 3,5° östlich des 2,3m hellen Sterns Alamak kann man im Fernrohr ab 15 cm Öffnung die Spiralgalaxie NGC 891 wahrnehmenerahnen. Diese 9,5m helle Galaxie liegt hier als eine sehr matte Nebelspindel in Kantenlage. Beobachtet man sie ruhig geduldig in einem lichtstarken Fernrohr sehr großer Öffnung, kann man sogar das dunkle Staubband wahrnehmen, das die Scheibe dieser Galaxie teilt. NGC 891 liegt ca. 30 Millionen Lichtjahre entfernt.
Der 2,3m helle Alamak (Gamma Andromedae) ist ein schöner Doppelstern, der sich auch in Fernrohren kleiner Öffnung bei hoher Vergrößerung erfolgreich beobachten lässt.

Sehenswert ist auch der kleine, aber helle Planetarische Nebel NGC 7662. Will man ihn finden, muss man von Scheat ausgehen. Ca. 14° nördlich von Scheat (Beta Pegasi) stößt man auf den 3,6m hellen Stern Omikron Andromedae. Ca. 6,3° östlich von Omikron liegt der 4,5 m helle Stern Iota Andromedae. Zieht man nun von Omikron ausgehend am Himmel eine Linie zu Iota, stößt man auf ihr nach zwei Dritteln dieser Strecke auf den 5,3m hellen Stern 13 Andromedae. 25 Bogenminuten südwestlich dieses Sterns steht NGC 7662. Dieser Planetarische Nebel ist bereits im Fernglas als ein bläulicher Stern sichtbar, im Fernrohr zeigt er sich bei hoher Vergrößerung als ein heller, auffällig blauer Ring. NGC 7662 ist auch als der „Blaue Schneeball“ bekannt.

 

Sternbild Dreieck

Südlich von Mirach liegt das kleine Sternbild Dreieck. Es überquert gegen 3:00 den Meridian. Das Sternbild besteht es im Wesentlichen aus drei relativ hellen Sternen, die gemeinsam ein spitzwinkliges Dreieck bilden. Der 3m helle Stern an der Spitze dieses Dreiecks heißt Metallah (Alpha Trianguli).
Wenige Grad nordwestlich von Metallah liegt die Spiralgalaxie M33. Diese Galaxie nimmt am Himmel eine Fläche ein, die mehr als doppelt so groß ist wie der Vollmond. Obwohl M33 so groß ist, haben sehr viele Amateurastronomen sie noch nie gesehen, da die Flächenhelligkeit von M33 extrem niedrig ist. Um M33 zu wahrnehmen zu können, muss der Nachthimmel mondlos und sternenklar sein, und die Luft muss zugleich sehr transparent sein. Sind diese Bedingungen erfüllt, muss das verwendete Teleskop möglichst viel Öffnung haben und zugleich mit niedriger Vergrößerung eingesetzt werden, damit man die Galaxie M33 in ihrer vollen Ausdehnung erfassen kann. In einem Fernglas 10x50 erahnt man im besten Fall nur den Kernbereich der Galaxie als einen matten Schimmer, im kleinen Fernrohr kann man neben diesem Kernbereich mit viel Glück noch ein kleines Nebelfleckchen entdecken: Das in die Galaxie eingebettete Sternentstehungsgebiet NGC 604. M33 liegt ca. 2,.7 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Widder

Das Sternbild Widder liegt unterhalb des Sternbilds Andromeda. Man kann es dort leicht entdecken, denn seine beiden Hauptsterne kann man sogar an einem durch künstliche Lichtquellen aufgehellten Stadthimmel nicht übersehen. Das sind der 2,0m helle Hamal (Alpha) und der 2,6m helle Sheratan (Beta).
Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Im Fernrohr erweist sich 41 Arietis als Dreifachsternsystem. Wenig südlich von Sheratan liegt der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma). Im Fernrohr sieht man, dass Mesarthim ein Doppelstern ist: seine beiden Partnersterne stehen in 7 Bogensekunden Abstand voneinander und sind gleich hell und weiß .

Vor 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt noch südlich von Mesarthim. Bis heute hat sich der Frühlingspunkt ca. 37° weiter nach Westen verschoben und liegt nun am westlichen Rand des Sternbildes Fische. Er ist aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse dorthin gewandert. Dadurch befindet sich heute die Sonne zur Wintersonnenwende nicht mehr im Steinbock, sondern im Schützen, und zur Sommersonnenwende nicht mehr im Krebs, sondern im Stier. 
Am mondlos dunklen Sternenhimmel kann man in Fernrohren ab 20 cm Öffnung ca. 1,5° östlich von Mesarthim die Spiralgalaxie NGC 772 sehen. In einem solchen Fernrohr ist der kleine Kern dieser 130 Millionen Lichtjahre entfernt liegenden Galaxie wahrnehmbar, der in eine ausgedehnte, lichtschwache Halo eingebettet ist.

Ein sehenswertes Objekt im Sternbild Widder ist derzeit Uranus. Der ferne Planet strebt hier seiner diesjährigen Oppositionsstellung entgegen, die er am 5. November erreichen wird. Man findet ihn im Fernglas ca. 12° südlich von 41 Arietis. Am mondlosen Sternenhimmel auf dem Land kann man Uranus manchmal sogar mit dem bloßen Auge sehen. In jedem Fernglas lässt sich der 5,6m helle Planet problemlos auffinden. In einem Amateurfernrohr erscheint er als kleines, olivgrünes Scheibchen von ca. 3,7 Bogensekunden Durchmesser.

 

 

Sternbild Perseus

Östlich des Sternbilds Dreieck liegt das markante Sternbild Perseus. Schaut man sich dessen Hauptstern Mirfak (Alpha) mit dem Fernglas an, sieht man ihn von vielen hellen, bläulich-weißen Sternen umgeben. Sie bilden den Offenen Sternhaufen Melotte 20.
Mitten auf der Linie von Ruchba (Delta Cassiopeiae) nach Gamma Persei findet man die beiden Sternhaufen Offenen Sternenhaufen "h" und "Chi“. Sie erscheinen in jedem Fernrohr, das ein großes Gesichtsfeld bietet, als ein absolutes Highlight. Ein großer Offener Sternhaufen ganz anderer Art im Sternbild Perseus ist NGC 1245, der ca. 3° südlich von Mirfak liegt. NGC 1245 ist im Vergleich zu „h“ und „Chi“  sehr leuchtschwach, Um ihn zu sehen zu können, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr großer Öffnung bei einer Vergrößerung > 100fach. NGC 1245 enthält sehr viele, jedoch sehr schwache Sterne. Verlängert man die Linie über NGC 1245 hinaus weiter nach Süden, stößt man auf den 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist der berühmteste bedeckungsveränderliche Stern des Himmels. Nach jeweils 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 56 Sekunden fällt Algols Helligkeit für zehn Stunden von 2m auf 3,5 m ab.
Fünf Grad nordwestlich von Algol findet man im Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Für eine Beobachtung mit dem Teleskop ist M34 eigentlich zu groß, im Teleskop kann man in M34 jedoch einige farbige Doppelsterne deutlicher wahrnehmen. Ist es am Beobachtungsort hinreichend dunkel und ist die Nacht mondlos und sternklar, kann man ca. 3,6° südlich von M34 die Galaxie NGC 1023 wahrnehmen. Diese Spiralgalaxie ist ca. 20 Millionen Lichtjahre entfernt. Für für die Beobachtung braucht man ein lichtstarkes Fernrohr großer Öffnung. Man und sollte dabei eine mittlere Vergrößerung verwenden.

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