4:00 bis Abschluss

Übersicht um 4:00

Gegen 4:00 kann man am Nordosthorizont schon die ersten Sterne des Schwans erahnen, daneben leuchtet der Stern Wega. Der Große Bär steht nun im Zenit, Regulus passiert den Meridian. Über dem östlichen Horizont sieht man Arktur.

 

Sternbild Coma Berenices

Das Sternbild Coma Berenices ist unauffällig. Man kann es am Himmel dennoch ganz leicht auffinden: Lässt man den Blick vom Sternbild Löwe ausgehend nach Osten schweifen, sieht man dort den hellen Stern Arktur leuchten. Zieht man nun am Himmel in Gedanken eine Linie von Denebola (Beta Leonis) hinüber zu Arktur, liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.
Schon seit der klassischen Antike heißt der hellste Stern des Sternbilds Coma Berenices „Diadem“. Diadem (Alpha Comae) ist 4,8m hell und liegt 57 Lichtjahre von uns entfernt. Ca.10° nördlich von Diadem stößt man auf den 4,3m hellen Stern Beta Comae. Ca. 10° westlich von Beta liegt der 4,4m helle Stern Gamma Comae. Bei mondlos dunklem, transparentem Sternenhimmel kann man südlich von Gamma mit dem bloßen Auge einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Betrachtet man die schimmernde Himmelsstelle im Fernglas, sieht man sofort, dass man hier einen großen Offenen Sternhaufen vor sich hat. Sein Durchmesser beträgt über 4°, der Sternhaufen enthält viele farbige Sterne. Wegen seiner Größe kann man ihn nur im Fernglas vollständig überblicken. Dies ist der große Coma-Sternhaufen, dem das Sternbild Coma Berenices seinen Namen verdankt.

Berenice war die Gattin des ägyptischen Königs Ptolemäus III. 246 v. Chr. opferte Berenice ihre schönen Haare dem Tempel der Aphrodite, um ein Gelübde zu erfüllen. Die Haarpracht wurde jedoch vom Altar gestohlen und vom Hofastronomen am Himmel „wiederentdeckt“, und so kam das Sternbild „Coma Berenices“ in die Welt der Astronomie.
Im Sternbild Coma Berenices liegen einige sehenswerte Galaxien, die man in Fernrohren von mehr als 12 cm Öffnung recht gut beobachten kann. Wenn man z. B. sein Teleskop bei mittlerer Vergrößerung langsam von Stern Gamma in Richtung auf Diadem schwenkt, kann man dabei ca. 2,3° südöstlich von Gamma die schmale Galaxie NGC 4565 entdecken. Diese 9,6m helle Spiralgalaxie sieht man exakt in Kantenlage. Schwenkt man das Fernrohr dann weitere 6,3° in Richtung auf Diadem, stößt man auf die 8,5m helle Galaxie M64, die auch als die „Galaxie mit dem schwarzen Auge“ bekannt ist. Das „schwarze Auge“ von M64 kann man jedoch nur in Fernrohren ab 34 cm Öffnung wahrnehmen.

Zwischen den beiden Sternen Beta Comae und Gamma Comae liegt der 4,9m helle Stern 31 Comae. Ca. 2° südlich dieses Sterns liegt die 9,2m helle Galaxie NGC 4725.
Unmittelbar östlich von Diadem kann man im Fernrohr den 7,7m hellen kleinen Kugelsternhaufen M53 wahrnehmen. Er ist 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Jungfrau

Das Sternbild Jungfrau überquert gegen 2:00 den Meridian. Der hellste Stern dieses Sternbilds ist die 1,0m helle Spica, ein blauer Riesenstern der Spektralklasse B2 mit 2600 Sonnenleuchtkräften. Spica liegt in einer Entfernung von 240 Lichtjahren.
27° westlich von Spica liegt der 3,6m helle Stern Zavijava (Beta Virginis), ein Stern mit sechs Sonnenleuchtkräften in 35 Lichtjahren Entfernung. Ca. 14 ° westlich von Spica liegt der 2,7m helle Stern Porrima (Gamma Virginis), er ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partnersterne derzeit in einem Abstand von 2 Bogensekunden voneinander stehen.  
Ca. 13° nördlich von Porrima liegt der 2,8m helle Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis). Vindemiatrix liegt 94 Lichtjahre entfernt.

Im Sternbild Jungfrau kann man mit einem Fernrohr von 15 bis 30 cm Öffnung bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel auf dem Land zahlreiche Galaxien beobachten. Viele dieser lichtschwachen Objekte wurden schon im 18. Jahrhundert mit kleinen Metallspiegelfernrohren entdeckt. Zu diesen Entdeckungen gehören die Galaxien M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90. Mit den heutigen Fernrohren kann man sie ebenfalls gut beobachten. Außer diesen Galaxien enthält das Sternbild Hunderte andere lichtschwache Galaxien, die man in großen Spiegelfernrohren wahrnehmen kann.
Damit man in dieser Menge an Galaxien die Übersicht behalten kann, muss man sich auf die Beobachtung dieser Galaxien gut vorbereiten, sodass man unterm Sternenhimmel erkennen kann, welche Galaxie man da gerade beobachtet. Die Galaxien im Sternbild Jungfrau sind ca. 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

 

Sternbild Rabe

Oberhalb des Südhorizonts kann man ein markantes kleines Sternenviereck sehen: das ist das Sternbild Rabe. An der Nordostecke des Sternenvierecks steht der Stern Algorab (Delta Corvi). Algorab ist ein Doppelstern, den man im kleinen Fernrohr problemlos getrennt sehen kann. Seine Partnersterne sind ungleich hell und haben unterschiedliche Farben.
Ca. 2,5° südwestlich von Algorab liegt der kleine, 10,5m helle Planetarische Nebel NGC 4361. Im Fernrohr kann man seinen Zentralstern deutlich sehen.
Ca. 10° westlich von Spica liegt an der Grenze des Sternbilds Rabe zum Sternbild Jungfrau die 8,3m helle Galaxie M104, die als „Sombrero-Galaxie“ bekannt ist. M104 liegt 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Bei klarem, dunklem Himmel ist in Fernrohren ab 20 cm Öffnung das von spektakulären Hubble-Fotos dieser Galaxie bekannte dichte Staubband zu erahnen.
Das Sternbild Rabe ist durch die imposanten Hubble-Bilder der beiden „Antennengalaxien“ NGC4038 und NGC 4039 bekannt geworden, die ca. 3,2° westsüdwestlich von Gamma Corvi liegen. Die langen Gezeitenschweife dieser beiden 10,6m bzw. 11,1m hellen Galaxien leuchten leider so schwach, dass sie in Amateurteleskopen nicht wahrnehmbar sind.

 

Sternbild Sextant

Südlich des Sternbilds Löwe liegt das unscheinbare kleine Sternbild Sextant. Sein 4,4m heller Hauptstern Alpha Sextantis liegt ca. 12,5° südlich von Regulus. Wenn man die Verbindungslinie von Regulus zu Alpha Sextantis über Alpha hinaus um ca. 7, 5° weiter nach Süden verlängert, stößt man dort im Fernrohr ab 10 cm Öffnung auf die S0-Galaxie NGC 3115. Diese Galaxie hat eine hohe Flächenhelligkeit und kann daher auch gut mit hoher Vergrößerung betrachtet werden. NGC 3115 ist 9m hell, liegt in einer Entfernung von 37 Millionen Lichtjahren und hat einen Durchmesser von 70000 Lichtjahren. Sie ist auch als die „Spindelgalaxie“ bekannt.

 

 

Abschluss

Irgendwann muss die Beobachtungsnacht zu Ende gehen. Dann muss man die Ausrüstung abbauen, alles sicher im Auto verstauen und nach Hause fahren. Diese Aufgabe muss unter erschwerten Bedingungen bewältigt werden, denn es ist dunkel und eiskalt, die Finger sind womöglich gefühllos und steif, die Zehen schmerzen vor Kälte, der Rücken auch, das Equipment ist eisig kalt und nass, manche Teile lassen sich nur mit Mühe voneinander lösen und sind unhandlich, schwer, empfindlich und teuer.  
In der Situation ist es sehr vorteilhaft, wenn man lediglich leichtes Equipment abbauen muss, und dass man das nicht alleine tun muss.
Schließlich sind alle Geräte abgebaut und abgetrocknet, und sind sie zwischen Decken sorgfältig abgepolstert im Kofferraum mit den Campingmöbeln verstaut, sucht man mit Taschenlampen den Boden ab, ob vergessene Okulardeckel, Sternmuttern, Handschuhe und leere Kekspackungen einzusammeln.
Danach setzt man sich ins Auto, der Motor springt an, die Scheinwerfer leuchten auf. Da man stets mit Straßenglätte rechnen muss, fährt man vorsichtig von der einsamen Höhe über die verlassen liegenden Straßen ins Tal und durch den kalten nächtlichen Wald, und schließlich heimwärts.

 

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