5:00 bis Abschluss

Übersicht um 5:00

Gegen 5:00 kann man am Nordosthorizont schon die Sterne des Schwans sehen, daneben leuchtet der Stern Wega. Der Große Bär steht nun im Zenit, Darunter geht das Sterbild Bootes durch den Meridian. Im Westen gehen die Sterne des Sternbilds Zwillinge allmählich unter, und über dem östlichen Horizont geht das Sternbild Adler auf.

 

Sternbilder Schlange und Schlangenträger

Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange wurden in der Antike zur Erinnerung an die Asklepios-Sage geschaffen.

Den klassischen antiken Sagen zufolge Asklepios war ein wissensdurstiger Sohn des Apollon. Auf Apollons Bitte hin unterrichtete der weise Zentaur Cheiron den Asklepios in der Heilkunst, und dadurch wurde Asklepios ein hervorragender Arzt. Als Asklepios durch seine  Beobachtung einer Schlange zufällig ein Heilkraut entdeckte, mit dem er Tote wieder zum Leben erwecken konnte, ließ Zeus ihn aufgrund der Bitte seines Bruders Hades ermorden, um so die bewährte Ordnung der Welt aufrecht zu erhalten. Anschließend setzte Zeus den toten Asklepios samt seiner Schlange als mahnende Sternbilder an den Himmel. Die Äskulapschlange wird auch heute noch als ein Gesundheitssymbol verwendet.
Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger ist der Stern Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds, nahe beim Stern Ras Algethi (Alpha Herculis). Ras Alhague stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bezeichnen die Schultern des Schlangenträgers. Die beiden Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers befindet sich der nach Norden gebogene Hals der Schlange, er besteht aus den drei Sternen Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Das markantes kleines Dreieck aus den Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.     
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk kann man im lichtstarken Fernglas ganz einfach ein rundliches Nebelwölkchen finden. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Schon in einem kleinen Fernrohr von nur 6 cm Öffnung kann man M5 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Alternativ kann M5 enenso einfach auffinden, indem man sein Fernrohr auf Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und es dann um 11,5° nach Norden schwenkt.
Östlich des Sternbilds Schlangenträgers liegt der nach oben gerichtete Schwanz der Schlange.  Er besteht aus den vier Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und dem Stern Alya (Theta Serpentis) als die Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man in kleinen Fernrohren schön sehen kann. Beide Partner von Alya sind gleich hell und weiß.
Das Sternbild Schlangenträger enthält außerdem noch die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14, die alle im Fernglas wahrnehmbar sind. M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior, man kann ihn in kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M10 liegt ca. 10° östlich von Yed Prior, und M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.
In der Himmelsregion südlich von Sabik liegt ein Dutzend weiterer Kugelsternhaufen. Da sich durch den Südteil des Sternbilds die Milchstraße zieht, enthält dieser Bereich des Schlangenträgers viele Sterne und Dunkelwolken. Unter einem mondlos sternklaren Landhimmel bietet diese Himmelsregion in einem großen und lichtstarken Fernglas oder in einem lichtstarken Weitfeld-Fernrohr einen faszinierenden Anblick.

 

Sternbild Skorpion

Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Daher ziehen beide Sternbilder fast gleichzeitig durch den Meridian. Das Sternbild Skorpion enthält viele helle Sterne und ist daher leicht zu finden. Dennoch wird es von Mitteleuropa aus nicht häufig beobachtet, da es dort sehr horizontnah liegt. Von Mitteleuropa aus kann man beim Meridiandurchgang des Sternbilds Skorpion nur seinen nördlichen Teil über dem Horizont sehen. Um die Sterne im Nordteil des Skorpions zu beobachten, muss der Himmel nicht nur mondlos dunkel und sternenklar sein, sondern die Nachtluft auch bis hinab zum Horizont transparent sein.

Der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii) ist der hellste Stern im Skorpion. Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen, ca. 520 Lichtjahre entfernt. Antares hat einen Durchmesser von ca. einer Milliarde Kilometern und strahlt mit 9000 Sonnenleuchtkräften. Antares ist zudem ein Doppelstern, sein Partnerstern steht im Abstand von drei Bogensekunden, ist 6,5m hell und grünlich.
Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein sehenswerter Doppelstern, den man schon in kleinen Fernrohren deutlich in seine beiden Partnersterne aufgelöst sehen kann. Er ist 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte. Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt. Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ca. 800 Lichtjahre von uns entfernt. Schon im kleinen Fernrohr sieht man deutlich, dass Alniyat ein Doppelstern ist: sein hellerer Partnerstern ist blauweiß und hat ca. 4000 Sonnenleuchtkräfte. Sein schwächerer Partnerstern ist 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand vom helleren Partner.
Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht hell, und er enthält deutlich weniger Sterne als fast alle anderen am Himmel beobachtbaren Kugelsternhaufen. Da M4 jedoch nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist, kann man ihn in jedem kleinen Fernrohr in viele Sterne aufgelöst sehen.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Das ist einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel, wegen seiner horizontnahen Position unterliegt der Sternhaufen einer starken atmosphärischen Extinktion, daher sieht M6 von Mitteleuropa aus deutlich weniger hell aus, als er tatsächlich ist. Im Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut zu erkennen, in einem lichtstarken Fernrohr kann man in M6 bei sternklarem Himmel über 100 Sterne sehen. Da ihre Anordnung an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert, nennt man diesen der Sternhaufen auch „Schmetterlingshaufen“.

 

Sternbild Leier

Das Sternbild Leier ist das kleinste Sternbild des nördlichen Sternenhimmels, es ist trotzdem besonders leicht aufzufinden, denn sein Hauptstern Wega ist einer der hellsten Sterne des Himmels. Wega ist ein 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0, er hat 37 Sonnenleuchtkräfte und ist 25 Lichtjahre entfernt. Wega ist ca. 400 Millionen Jahre alt und ist damit einer unserer jüngsten Nachbarsterne.
Südlich von Wega bilden sieht man vier Sterne, die einen kleinen Rhombus bilden. Erwelcher stellt im Sternbild den Korpus der Leier dar. Das nördliche Ende dieses Korpus besteht aus zwei Sternen: dem Doppelstern Zeta Lyrae und dem Doppelstern Delta Lyrae. Das südliche Ende besteht aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae).
Schon in einem kleinen Fernrohr kann man sehen, dass die Region um Delta Lyrae ein zerstreuter junger Offener Sternhaufen ist, ca. 800 Lichtjahre entfernt. Betrachtet man den Stern Delta Lyrae im Fernrohr, sieht man einen Doppelstern, seine beiden Partnersterne sind jedoch kein physisches Paar, sondern liegen von uns aus gesehen zufällig hintereinander in derselben Himmelsgegend. Delta1 Lyrae ist ein junger blauweißer Stern, 990 Lichtjahre entfernt, Delta2 Lyrae ist ein leuchtkräftiger Roter Riesenstern in ca. 750 Lichtjahren Entfernung.
Der Stern Beta Lyrae liegt an der unteren rechten Ecke des Rhombus. Er ist ein besonderer bedeckungsveränderlicher Stern, dessen beide ungleich hellen Partnersterne einander eng in 12,94 Tagen umkreisen und sich dabei regelmäßig gegenseitig bedecken. Sheliak liegt in 880 Lichtjahren Entfernung.
Zwischen den Sternen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der 8.8m helle Planetarische Nebel M57, der berühmte „Ringnebel“. Schon bei 30-facher Vergrößerung im kleinen Fernrohr sieht man M57 als ein rundliches Scheibchen, bei 100-facher Vergrößerung erinnert sein Aussehen an einen matten kleinen Rauchring. M57 liegt ca. 3700 Lichtjahre entfernt.
Ca. 1,6° nordöstlich von Wega steht ein 4m hellen Stern, den man schon mit dem bloßen Auge als leicht länglich wahrnimmt. Das ist der Stern Epsilon Lyrae. Schon im kleinen Fernglas sieht man, dass Epsilon ein Doppelstern ist. Wenn man Epsilon im Fernrohr bei 100-facher Vergrößerung betrachtet, sieht man, dass jeder der beiden Partnersterne von Epsilon seinerseits ein kleiner Doppelstern ist. Epsilon Lyrae besteht somit aus vier Sternen, die einander als zwei Sternenpaare in Jahrhunderten umkreisen.

 

Abschluss

Schließlich erzwingen Kälte, Müdigkeit, das Wetter oder die Aufgaben, die man am folgenden Tag zu erledigen hat den Abbruch der Beobachtung. Dann muss man im Schein der Kopflampen mit womöglich kältesteifen Fingern die Geräte mit Umsicht abbauen, danach muss man alles Zubehör einsammeln und sicher einpacken, und schließlich die gesamte Ausrüstung sorgfältig im Kofferraum verstauen. Danach sollte den Beobachtungsplatz mit der Taschenlampe absuchen, damit auf dem dunklen Boden kein übersehenes Kleinteil der Ausrüstung, kein Schal und kein Handschuh und keine leere Kekstüte zurück bleiben.
Dann kann man ins Auto steigen. Über verlassen liegende nächtliche Straßen geht die Fahrt durch die dunklen Wälder nach Hause. Hier muss man trotz Müdigkeit und Kälte konzentriert und mit Umsicht fahren. Im Februar ist den Straßen stets mit Glatteis zu rechnen, und es könnte jederzeit ein vom Scheinwerferlicht geblendetes Reh aus dem Wald vor den Wagen springen. Als Beifahrer kann man die Eindrücke seiner Beobachtungen Revue passieren lassen und sich auf sein warmes Bett freuen.

 

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