Lichtverschmutzung - Insektentod durch Dauerbeleuchtung

von Dr. Melanie von Orlow

"Dunkel war's, der Mond schien helle..."- so beginnt das bekannte "Lügengedicht" aus dem späten 19. Jahrhundert. Auch heute wäre das glatt gelogen, denn es wird fast nirgendwo mehr so richtig dunkel. Leuchtreklamen, illuminierte Gärten, grelle Straßen- und Hausbeleuchtungen, Parkplätze, Sportplätze, Baustellen und nicht zuletzt die "Sky-Beamer" mit ihren leistungsstarken Strahlen, sorgen dafür, daß die Nacht zum Tage wird. Astronomen klagen schon lange über das Phänomen der Lichtverschmutzung. Berlin strahlt rund 28mal heller als der Sternenhimmel - da ist der Blick auf die Gestirne kaum noch möglich. Naturschützer beklagen den Insektentod durch die Dauerbeleuchtung. Auch nachts reisende Zugvögel werden durch die "Sky-Beamer" und erleuchtete Hochhäuser verwirrt. Allein in den USA sterben nach einer Studie der Ornithologischen Gesellschaft in Chicago pro Jahr bis zu einer Milliarde Zugvögel durch nächtlich beleuchtete Wolkenkratzer und Bürogebäude. Als der McCornick-Place-Wolkenkratzer in Chicago abgeschaltet wurde, ging die Rate an verunglückten Vögeln um 88 Prozent zurück!

Auch nachtaktive Falter, Hornissen und andere Insekten werden von Beleuchtungen angelockt. Sie sind nicht in der Lage, sich diesem Bann zu entziehen. Inzwischen hat sich das sogar unter Fledermäusen herumgesprochen. Sie jagen oft bevorzugt an insektenumschwirrten Lampen. Die im Licht "gefangenen" Insekten fliegen bis zur Erschöpfung um die Lampen, werden erbeutet oder verbrennen an ungeschützten Leuchtmitteln.

Die magische Anziehungskraft des Lichtes auf Insekten ist bis heute nicht völlig erforscht. Es gibt verschiedene Theorien wie zum Beispiel die fehlgeleitete, da eigentlich am Mondlicht ausgerichtete Orientierung oder gar die Blendung der lichtempfindlichen Augen. Den Effekt der Lichtanlockung nutzen auch sogenannte Fluginsektenvernichter, bei denen eine UVA-Lampe gezielt Nachtinsekten anlockt, um diese dann an einem elektrisch geladenen Gittermantel zu töten.

Häufig werben die Hersteller mit diesem idealen ökologischen Mückenschutz. Dabei finden sich unter den Opfern kaum Stechmücken. Denn die weibliche Stechmücke, die auf der Suche nach einer Blutmahlzeit ist, lokalisiert ihre Opfer nicht anhand von deren Leuchtkraft, sondern mittels Körperwärme und Kohlendioxidkonzentration. Die wahren Opfer solcher Geräte wie auch der Lichtverschmutzung generell sind die Nachtfalter (siehe Tabelle). Es gibt rund 3.000 Arten in Mitteleuropa. Das sind nahezu 90 Prozent der gesamten Schmetterlingsarten.

Neben diesen Opfern der nächtlichen Illumination werden die indirekten Folgen oft übersehen: Die Kosten sind erheblich - angefangen für die Reinigung der Lampen von toten Insekten bis hin zum Stromverbrauch. David Crawford von der "International Dark Sky Association" errechnete, daß in den USA 0,8 Prozent der elektrischen Energie sinnlos in den Himmel strahlen. Das entspräche dem Gesamtstromverbrauch Ungarns und koste den Steuerzahler über eine Milliarde Dollar im Jahr. Zum nächtlichen Betrieb einer einzigen 500W-Lampe ist zum Beispiel die Energie aus der Verbrennung von einer Tonne Kohle pro Jahr erforderlich.

Deshalb sollten zumindest rein ästhetische, nächtliche Beleuchtungen, wie das Anstrahlen von Bauwerken, zeitlich begrenzt werden. Weiterhin sollte nicht nur das optische Design einer Lampe für ihren Einsatz entscheidend sein. Notwendige, der Sicherheit dienende Beleuchtungen, sollten nur den Bereich beleuchten, für den das Licht benötigt wird. Rundumstrahler wie Kugelleuchten erfüllen diese Anforderung nicht. Studien zeigen, dass diese von 8 bis 12 mal mehr Insekten angeflogen werden als Lampen, die ihr Licht gezielt und ausschließlich zum beleuchtenden Ort richten. Ein weiteres Kriterium muß die Lichtstärke sein. Eine tageshelle Illumination mag im Sportstadium notwendig und sinnvoll sein; im Garten ist sie jedoch selten wirklich erforderlich. Gerade die heutzutage beliebten, indirekten Beleuchtungen, bei denen das Licht erst über eine Reflektorplatte auf den Weg gelenkt wird, sind wattstarke Stromfresser. Sinnvoller ist der gezielte Einsatz von lichtschwachen Lampen an den benötigten Stellen. Über mittels Sonnenergie gespeiste Akkus, lassen sich die mit langlebigen Dioden ausgestatteten Lampen kabellos für die diskrete Wegebeleuchtung einsetzen.

Das wichtigste Kriterium ist jedoch die Art des Lichtes. Unter den ökonomischen Aspekten der Langlebigkeit bei hoher Lichtausbeute werden heutzutage im öffentlichen Raum vor allem Quecksilberhochdrucklampen und Leuchtstoffröhren eingesetzt. Beide Lampentypen weisen jedoch erhebliche Lichtemissionen im Spektralbereich unter 400 Nanometer auf. Die Energie, die in diesen für uns unsichtbaren Bereich investiert wird, ist verschwendet. Gleichzeitig ist sie jedoch die Ursache dafür, daß Insekten auf diese Lampentypen geradezu fliegen. Die Leuchtstoffröhre hat zwar eine geringere Anlockwirkung als die Quecksilberhochdrucklampe, doch gibt es eine weit bessere Alternative. Natriumdampfhochdrucklampen mit ihrem charakteristischen gelb-orangen Licht sind mit einer zur Quecksilberlampe rund doppelt so hohen Lichtausbeute der ökonomischste Lampentypus. Sie sind ohne das Umweltgift Quecksilber auch besser zu entsorgen. Diese Lampen weisen so gut wie keine Emissionen im kurzwelligen Spektralbereich auf und locken damit kaum Insekten an. Im Gegensatz zu Natriumniederdrucklampen ist bei den Natriumhochdrucklampen das Farbsehen kaum eingeschränkt. Wo Leuchtstoffröhren unumgänglich sind, sollte zumindest die Lichtfarbe "warm white" zur Anwendung kommen da diese weniger attraktiv für Insekten ist als das gängige "cold white".

Internettip: www.lichtverschmutzung.de

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