Wie scharf ist mein Teleskop?

Dieser Artikel ist entnommen dem Kosmos StarObserver 2001/2002 Activity-Jahrbuch
Mit freundlicher Genehmigung des Kosmos Verlags

von Dr. Werner E. Celnik

Sie haben ein Teleskop, volkstümlich auch Fernrohr genannt. Ein kleines? Oder eher ein größeres? Was heißt denn "klein" oder "groß"? Ist klein = schlecht und groß = gut?Je größer der Öffnungsdurchmesser eines Teleskops, umso kleiner ist das theoretische Abbild eines Sterns. Große Teleskops liefern demnach schärfere Bilder, zumindest theoretisch. Die Qualität eines Teleskops wird aber nicht nur durch seine Größe bestimmt, sondern vor allem dadurch, wie "rau" die Oberflächen seiner optischen Komponenten gefertigt sind. Bei einem Spiegelteleskop sind dies die Oberflächen des großen Hauptspiegels am unteren Ende des Fernrohres und die des Fangspiegels oder Sekundärspiegels am oberen Ende. Bei einem Linsenfernrohr sind es die Oberflächen der Linsen. Sind diese Oberflächen sehr rau oder haben sie gar eine falsche Form, dann kann der Beobachter hinter dem Okular keine allzu scharfe Abbildung des Himmelsobjektes erwarten. Gute Oberflächen sind das wichtigste Qualitätsmerkmal eines Teleskops und entsprechend teuer. Leider erkennt man oft erst nach dem Kauf, ob man ein gutes oder schlechtes Teleskop "erwischt" hat.

Das theoretische Auflösungsvermögen

Öffnungsdurchmesser

Auflösungsvermögen

5 mm (Auge)

ca. 60"

30 mm

4,4"

60 mm

2,2"

80 mm

1,6"

100 mm

1,3"

150 mm

0,9"

200 mm

0,65"

250 mm

0,52"

300 mm

0,43"

Die Tabelle oben zeigt, wie scharf ein Teleskop mit bestimmtem Durchmesser abbilden sollte, wie groß also sein "Winkel-Auflösungsvermögen" oder seine Trennschärfe in Bogensekunden ist. In der Praxis kommt jedoch ein großer Störfaktor hinzu: unsere Erdatmosphäre. Durcheinander wirbelnde Luftzellen bewirken ein Flimmern der Luft, die so genannte "Szintillation". Zu erkennen ist diese am Tag durch ein Flimmern der Sternpünktchen am Himmel. Im Allgemeinen lässt die Luftunruhe nur ein Auflösungsvermögen von 1" zu, selten bis zu o,2". Man sieht, dass unter diesen Bedingungen selbst kleine Instrumente Beachtliches zu leisten vermögen.

Um festzustellen, wie groß das praktische Auflösungsvermögen Ihres Teleskops ist, schauen Sie sich doch einfach Doppelsterne an. Ist der Doppelstern in zwei Komponenten aufgelöst, dann leistet das Teleskop diese Trennschärfe, sonst: naja, ein schlechtes Auflösungsvermögen kann dann eben auch an einer zum Beobachtungszeitpunkt starken Szintillation liegen. Dann hilft nur, die Beobachtung an einem Zeitpunkt zu wiederholen, zu dem die Luftunruhe geringer ist. die Tabelle unten gibt Ihnen einige Beispiele für gut geeignete Doppelsterne. Notieren Sie neben den Angaben über Teleskop und Vergrößerung Ihre Test-Beobachtungen in Ihr Beobachtungsbuch oder in die Tabelle. Welcher Doppelstern ist gut trennbar, welcher gerade so eben, welcher gar nicht? Und, wie gut ist nun Ihr Teleskop?

Doppelsterne für Testzwecke

Sternname

Sternbild

Abstand

Helligkeit (in Größenklassen)

Trennung: gut, geht so, gar nicht

nü Draconis

Drache

62"

4,9/4,9

 

psi Draconis

Drache

30,3"

4,6/5,8

 

zeta Ursae Majoris

Großer Bär

14,4"

2,3/4,0

 

delta Herculi

Herkules

8,9"

3,1/8,2

 

54 Leonis

Löwe

6,4"

4,5/6,3

 

mü Bootis

Bärenhüter

5,6"

4,9/5,8

 

alpha Herculi

Herkules

4,7"

3,5/5,4

 

gamma Leonis

Löwe

4,4"

2,4/3,6

 

2 Comae

Haar der Berenike

3.7"

5.9/7,4

 

epsilon Draconis

Drache

3,1°

3,8/7,4

 

epsilon Bootis

Bärenhüter

2,8"

2,5/4,9

 

epsilon1 Lyrae

Leier

2,6"

5,4/6,5

 

epsilon2 Lyrae

Leier

2,3"

5,1/5,3

 

mü Librae

Waage

2,0"

5,7/6,6

 

xi Ursae Majoris

Großer Bär

1,8"

4,3/4,8

 

zeta Herculi

Herkules

1,6"

2,9/5,5

 

35 Comae

Haar der Berenike

1,2"

5,1/7,2

 

eta Coronae Borealis

Nördliche Krone

1,0"

5,6/5,9

 

zeta Bootis

Bärenhüter

0,8"

4,5/4,6

 

alpha Comae

Haar der Berenike

0,4"

5,1/5,1

 

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