Die Sonnenuhr „Meridiana“ der Schweizer Firma Sonnenuhrenbau Heierli

Eine Rezension von unserem Astronomie.de-Mitarbeiter Günther Bendt (Dezember 2018)

Die Sonnenuhr „Meridiana“ ist eine ortsfeste Sonnenuhr für die Wohnung. Man muss sie dort an einem besonnten Fenster aufstellen. Da Sonnenuhren üblicherweise an Außenwänden angebracht oder im Freien aufstellt werden, ist eine Sonnenuhr für den Einsatz in der Wohnung etwas Ungewöhnliches.

Sonnenuhren findet man heutzutage an Gebäuden und in Gärten, wo sie vorwiegend als stilvolle und repräsentative Schmuckelemente eingesetzt werden. Da viele Menschen nicht wissen, wie man eine Sonnenuhr abliest und welche Zeit sie anzeigt, stehen Sonnenuhren manchmal im Ruf, ungenaue oder gar anachronistische Zeitmesser zu sein. Wenn man Sonnenuhren jedoch richtig aufstellt, sind sie bei Sonnenschein zuverlässige und für den Alltag meist hinreichend genaue Uhren, die unabhängig vom internationalen Zeitsystem ohne Wartung und Energiezufuhr zuverlässig ihren Dienst tun.

 

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verwendete man Sonnenuhren als Zeitreferenz, um die unvermeidlichen Gangfehler der mechanischen Uhren an Ratshäusern und Kirchen zu korrigieren. Da die Zeitmessung der Sonnenuhren nicht auf einer mechanischen oder elektrischen Schwingung basiert, sondern auf der Rotation der Erde um ihre Achse, kann die Zeitangabe der Sonnenuhr dem Tagesrhythmus nie davonlaufen.

Moderne Sonnenuhren berücksichtigen in der Regel die jährlichen Schwankungen der Umlaufgeschwindigkeit der Erde. Diese Schwankungen verursachen im Jahresverlauf eine regelmäßige Verschiebung der Kulminationszeitpunkte der Sonne. Diese Verschiebungen werden durch die so genannte Zeitgleichung (dem Analemma) beschrieben.

 

Die Sonnenuhr „Meridiana“ ist eine ortsfeste Sonnenuhr, welche diese jährlichen Schwankungen berücksichtigt. Daher benötigt das Unternehmen für die Herstellung der Sonnenuhr die Adresse des Hauses und die Blickrichtung des Fensters, an dem sie aufgestellt werden soll. Anhand dieser Angaben konstruiert das Unternehmen das Ziffernblatt der betreffenden Sonnenuhr. Auf diesem Ziffernblatt kann sowohl die wahre Ortszeit als auch die mitteleuropäische Zeit (oder wahlweise eine beliebige andere Zonenzeit) abgelesen werden. Somit wird jede Sonnenuhr durch die Firma Sonnenuhrenbau Heierli in Einzelanfertigung hergestellt.

Zum Zweck dieser Rezension habe ich eine Sonnenuhr „Meridiana“ bestellt. Sie wurde mir gut verpackt per Post geliefert. Beim Öffnen des Pakets kam in einer schützenden Umverpackung ein schöner, solide gebauter schwarz gebeizter Holzkasten mit einer hübschen Goldprägung und Magnetverschluss zum Vorschein. Innen ist der Kasten mit schwarzer Samtfolie ausgekleidet. Er enthielt die Sonnenuhr nebst einer handlichen und gut lesbaren Gebrauchsanleitung.

Die Sonnenuhr besteht aus einem 2.1 kg schweren, kompakten Block mit den Maßen 15,8 cm x 15,4 cm x 6 cm. Die Flanken, die Oberseite und die Unterseite sind nahtlos in einem matten Aluminiumrahmen gefasst. Auf der Unterseite sind vier Füßchen aus Filz angebracht, um Kratzer auf der Stellfläche zu vermeiden. Die Außenfront der Sonnenuhr besteht aus einer klaren Glasplatte. Innenseitig ist sie mit einer Grafik der Erdkugel abgedeckt. In der Mitte dieser Grafik befindet sich die 5 mm breite Lochblende, durch welche das Sonnenlicht in die Uhr einfällt. In der Grafik markiert der Ort der Lochblende den Punkt der Erde, über dem die Sonne am Erstellungstag der Grafik zu dem Zeitpunkt im Zenit stand, an dem die Sonne am vorgesehenen Standort der Sonnenuhr aufging.

Die gegenüberliegende Seite der Sonnenuhr besteht ebenfalls aus einer klaren Glasplatte. Sie trägt innenseitig das Ziffernblatt der Sonnenuhr. Das Ziffernblatt ist mit den Stundenlinien zum Ablesen der wahren Ortszeit am Standort der Uhr versehen, sowie mit den Analemmata für die vollen Stunden der MEZ.

Unter dem Ziffernblatt sind die Koordinaten des Standorts sowie der Nordazimut der Blickrichtung des Fensters eingetragen, für welche das Ziffernblatt erstellt wurde.

Der Korpus der Uhr besteht aus einem Material, dessen Brechungsindex so gewählt ist, dass das durch die Lochblende einfallende Sonnenlicht zu jedem Einfallswinkel der Sonne auf die zugehörige Position des Ziffernblatts fällt. Auf dem Ziffernblatt betragen die Abstände der Stundenlinien ungefähr 10 mm. Die Abstände der Analemmata für die vollen Stunden der MEZ betragen ebenfalls 10 mm. Der runde Lichtfleck des durch die Lochblende fallenden Sonnenlichts hat einen Durchmesser von 5 mm. Diese Maße begrenzen die Ablesegenauigkeit auf einige Minuten.

Ich stellte die Sonnenuhr an der vorgesehen Position an meinem Wohnzimmerfenster auf und richtete sie parallel zur Fensterscheibe aus. In den folgenden Tagen schien die Sonne erfreulich häufig, und so konnte ich mein Exemplar der Sonnenuhr regelmäßig beobachten.

Bei Sonnenschein ist der Lichtfleck auf dem Ziffernblatt gut sichtbar. Man kann anhand der Position des Lichtflecks auf dem Ziffernblatt die Zeit aus ca. 2 m Entfernung abschätzen. Wenn man die Zeit genauer ermitteln will, muss man näher an die Sonnenuhr herangehen. Zum Ablesen der Wahren Ortszeit beachtet man die Position des Lichtflecks relativ zu den punktierten Stundenlinien des Ziffernblatts. Befindet sich z. B. am 10. Oktober der Lichtfleck exakt auf der Meridianlinie „XII“ meiner Sonnenuhr (=12 Uhr wahre Ortszeit), steht er zugleich zwischen den im Oktober gültigen Analemma-Linien für 12 Uhr MEZ und 1 Uhr MEZ, und hat ca. 1/3 des Weges zwischen diesen Stunden zurückgelegt. Diese Anzeige ist korrekt, denn an der geografischen Länge meines Standortes in Aachen erfolgt am 10. Oktober der Wahre Mittag um 12:20 MEZ. Die von der Sonnenuhr angezeigten Uhrzeiten stimmen somit im Rahmen der Ablesegenauigkeit mit den tatsächlichen Uhrzeiten (Wahre Ortszeit und MEZ) überein.

 

Die Sonnenuhr ist handlich und unkompliziert. Da sie über 2 kg wiegt und kompakt ist, hat sie einen sicheren Stand. Selbst unsere Katzen können sie nicht verschieben.

Sie wirkt wertig, dezent und zeitlos. Wenn man ihre Anzeigen regelmäßig betrachtet, führt sie einem vor Augen, wie der Ablauf der täglichen Zeit mit der täglichen Bewegung der Sonne zusammenhängt, und wie sich der Wechsel der Jahreszeiten abhängig von der langsamen Änderung der Höhe des täglichen Sonnenstandes vollzieht. Sie funktioniert wartungsfrei und zuverlässig, wie die Erde sich um ihre Achse dreht und auf ihrer Bahn um die Sonne wandert.

 

Ein praktischer Vorteil der Sonnenuhr „Meridiana“ ist, dass sie schon für den vorgesehenen Standort maßgeschneidert geliefert wird. Man stellt sie an diesem Standort auf, und sobald die Sonne scheint, kann man die Wahre Ortszeit und die MEZ sofort ablesen. Dieser Vorteil kann zu einem Nachtteil werden, wenn der vorgesehene Standort nicht mehr zur Verfügung steht, zum Beispiel nach einem Umzug. Diesen Nachteil haben jedoch alle ortsfesten Sonnenuhren.

 

Die Firma Sonnenuhrenbau Heierli ermittelt den Nordazimut-Wert des für die Aufstellung der Sonnenuhr vorgesehenen Fensters anhand der öffentlichen Liegenschaftsdaten des Wohnhauses. Die Sonnenuhr muss dann präzise in dieser Richtung aufgestellt werden. Es kommt allerdings vor, dass der tatsächliche Nordazimut-Wert etwas von dem in den Plänen angegebenen Nordazimut-Wert abweicht. In dem Fall kann man die Sonnenuhr genau einstellen, indem man bei einer vollen Stunde die Sonnenuhr so dreht, dass sie die genaue Uhrzeit in MEZ anzeigt. Hat man diese Einstellung gemacht, wird die Uhr fortan jahraus jahrein bei Sonnenschein die Tageszeit richtig anzeigen.

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

Über den Hersteller

Zum Bau von Sonnenuhren bin ich über das   ständige Umrechnen zwischen Uhrzeit und Sternzeit in der Freizeit-Astronomie gekommen. Von der Sternzeit kam ich auf die Sonnenzeit und von dort allmählich zu den Sonnenuhren.

1999 baute ich meine erste Sonnenuhr nach klassischen Vorgaben. Bald darauf begann ich, Modelle nach eigenen Vorstellungen zu entwerfen. Von der ersten Stunde an war ich vom Gedanken angetan, neuartige Sonnenuhren zu entwickeln. 

Auch heute, im Zeitalter der Atomuhren, verdient die Sonnenuhr ihren Platz. Wir geben ihr einen frischen, modernen Touch, der in den Zeitgeist passt. Sei es als Conversation Piece in den vier Wänden oder als Blickfang für die Gestaltung eines sonnigen Fensters. Darüber hinaus schenkt sie uns die Zeit ohne dass wir sie mit Energie versorgen.

Seit 2012 entwickeln und designen wir Schritt für Schritt unsere Sonnenuhren. Im Januar 2017 haben wir unsere Werkstatt eingerichtet und fabrizieren seither unsere Produkte zum Verkauf.

Internet-Adresse des Hersteller: https://www.sonneundzeit.ch/

 

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