Nordlicht und Sterne im Dezember 2004

Reisebericht von Julie Schröder (julieschroeder@web.de)

Vom 7.12. bis 17.12.2004 war ich als Lektorin für Astronomie.de auf einem Schiff der Hurtigrutenlinie vor der Küste Norwegens unterwegs. Meine Aufgabe bestand darin, den 36 Reiseteilnehmern von ca. 30 bis 80 Jahren (mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen) die Himmelskunde mittels Fachvorträgen und praktischen Beobachtungen näherzubringen. Vorträge über Sternbilder, die Sonne und die Planeten sowie atmosphärische Himmelserscheinungen und das Universum standen dabei auf dem Programm.

Beginn unserer Reise war in Bergen, wo sich die Gruppe auf dem Flughafen traf und von Sabine Heumann, der Reiseleiterin, und mir in Empfang genommen wurde. Nach einer informativen Stadtrundfahrt und einem Abendessen in einem guten Hotel mußten wir jedoch aufgrund eines Motorschadens des Schiffes weiter nach Alesund fliegen, wo die MS Polarlys mit ihrem netten Team auf uns wartete. Nach einem Sektempfang mit einer Vorstellung des Reiseprogrammes fielen dann alle in ihre Betten. Am nächsten Tag hatte die Gruppe Zeit, sich die sehenswerte, im Jugendstil errichtete Stadt Alesund anzusehen. Nachmittags legte die MS Polarlys dann ab und startete ihre über 2000 km lange Reise Richtung Kirkenes in die Polarnacht hinein.

Während wir die ersten Tage auf 60 bis 67 Grad nördlicher Breite noch ein paar Stunden Helligkeit pro Tag genießen konnten, gelangten wir nördlich von Bodo in die Regionen der "ewigen Dunkelheit". Dies war für viele der Teilnehmer ein Grund, die Reise im Dezember zu buchen. Während in unseren Breiten auf ca. 50 Grad nördlicher Breite selbst um die Wintersonnenwende noch einige Stunden die Sonne über dem Horizont steht, geht sie ab 66,5 Grad nördlicher Breite mindestens einen Tag im Jahr scheinbar nicht mehr auf. Dieser Effekt verstärkt sich, um so weiter man gen Norden fährt und um so mehr man sich dem 21. Dezember (dem kürzesten Tag auf der Nordhalbkugel) nähert. Durch die lange Dunkelheit war es den Teilnehmern einerseits möglich, besonders ausgiebig den Sternenhimmel zu erforschen als auch das Phänomen des Nordlichtes (Aurora Borealis) zu beobachten.

Nördlich des Polarkreises in einer Zone von etwa 65 bis 75 Grad nördlicher Breite (dem sogenannten Polarlichtoval) treten besonders viele Polarlichter auf, da hier Magnetfeldlinien die Erdatmosphäre erreichen, die mit der Plasmaschicht der Magnetosphäre verbunden sind. Entlang der Magnetfeldlinien gelangen elektrisch geladene Teilchen in die Ionosphäre und regen dort die Atome und Moleküle (von Stickstoff und Sauerstoff) zum Leuchten an. In Nordskandinavien können in etwa 100 Nordlichterscheinungen pro Jahr beobachtet werden (Quelle: Kosmos-Himmelsjahr von 2002, Monatsthema "Flammendes Firmament", S. 63).

Auch unsere Gruppe hatte großes Glück und konnte neben einem faszinierenden Sternenhimmel regelmäßig das beeindruckende Himmelsschauspiel beobachten. Neben diffusen Polarlichtern waren Bögen und auch Bänder zu erkennen. An manchen Abenden schien der gesamte Himmel in Bewegung zu sein. Gewundene Bänder aus strahlenförmigen Strukturen, die wie kleine Fackeln aussahen, zogen über den Himmel.

Da sich die Strukturen oft sehr schnell veränderten (andere Formen annahmen, sich auflösten und dann an anderer Stelle wieder neu entstanden) war es günstig, dass wir von Deck 5 aus in alle Richtungen blicken konnten und sich uns so immer wieder neue Perspektiven zeigten. Manchmal war das Polarlicht so intensiv, das selbst die Sterne nur noch schwer zu erkennen waren (die normalerweise trotz Nordlicht zu sehen sind).

Sehr schön war, dass während unserer Fahrt zudem noch ein Meteorschwarm, der der Geminiden beobachtet werden konnte. Dementsprechend häufig sahen wir Sternschnuppen im Bereich des Wintersechseckes (der scheinbare Radiant des Stromes lag im Sternbild Zwillinge).

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Erwartungen der Gruppe hinsichtlich der astronomischen Bedingungen weit übertroffen wurden. So war auch im Gegensatz zu meiner ersten Themenreise, die ich als Lektorin betreut habe, das Polarlicht häufiger als auch intensiver zu sehen. Gar nicht so einfach war es jedoch für einige, so lange die Sonne zu missen. So haben wir erst auf dem Rückflug von Trondheim - hoch über den Wolken - die ersten Sonnenstrahlen wieder erhaschen können.

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