Nordlicht und Sterne im Februar 2004

Viele Menschen träumen davon, einmal mit einem Schiff der Hurtigrutenlinie die norwegische Küste zu erkunden. Für mich wurde in diesem Frühjahr der Traum Wirklichkeit. Vom 13. bis 23.2.2004 war ich als Lektorin für Astronomie.de auf der MS Polarlys unterwegs. Meine Aufgabe bestand darin, den 37 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Themenreise "Nordlicht und Sterne" die Astronomie etwas näherzubringen.

Startpunkt der Schiffsreise war die ehemalige Hansestadt Bergen im Süden. Nach Ankunft am Flughafen, einer Bustour durch die Umgebung Bergens und der Besichtigung einer der historischen Stabkirchen Norwegens gingen wir an Bord des 1996 gebauten Schiffes Polarlys.

Zur Begrüßung und Information der Teilnehmer fand am Abend eine "Willkommens"-Veranstaltung statt. Die Reiseleiterin Sabine Heumann und ich stellten der Gruppe das vielfältige Programm mit populärwissenschaftlichen Astronomievorträgen, Beobachtungen und Ausflügen vor. Gegen Abend legte die MS Polarlys ab - der Beginn einer über 4000 km langen Seereise.

Am nächsten Tag erreichten wir nach kurzem Halt in zwei kleineren Orten die imposante Jugenstilstadt Alesund. Hier hatten die Teilnehmer Zeit für einen Stadtbummel, Einkehr in einem Cafè oder einen Ausflug auf dem in der Stadt gelegenen Berg Aksla. Von dort bot sich ein phänomenaler Blick über die historische Stadt mit den Hafenanlagen. Zudem konnten wir ein schönes 22 Grad Sonnenhalo beobachten. Abends folgte der erste Vortrag mit dem Thema "Sternbilder und ihre Mythen".

Am dritten Tag hatte die Gruppe Gelegenheit, Trondheim, die frühere Hauptstadt Norwegens, zu besichtigen. Trondheim ist nach Oslo und Stavanger mit ca. 150.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Norwegens. Besonders sehenswert ist der 1320 fertiggestellt Nidaros-Dom, der im gotischen Stil erbaut wurde.

Gegen Abend passierten wir dann eine offene Seestrecke mit dem Namen Folda. Die Schiffsbewegungen waren stärker als sonst zu spüren.

Um den Teilnehmern nicht nur theoretische Kenntnisse zu vermitteln, wurde am Abend das "Arbeiten" mit einer drehbaren Sternkarte gezeigt. Anhand dieses einfach zu bedienenden Hilfsmittels, lernten die Reiseteilnehmer, u.a. die Sichtbarkeiten von Sternbildern sowie die Position von Planeten zu bestimmen. Am nächsten Tag sollte die Gruppe etwas ganz besonderes erwarten, da wir den Polarkreis, die Grenze zum Land der Mitternachtssonne, passierten und Mittelnorwegen hinter uns ließen. Die Polartaufe wartete auf uns. Der Meeresgott Neptun in Person taufte jeden einzelnen von uns. Dies war nicht unbedingt immer angenehm, da jeder eine Kelle voll Eiswürfel in den Kragen geschüttet bekam. Doch sollten die Reisenden nach dieser Prozedur mit einer Urkunde, in der die Meerestaufe bestätigt wurde, entschädigt werden. Abends stand dann ein Vortrag über die "Erde im Weltall" auf dem Programm.

Leider war das Wetter bis zu diesem Tag recht durchwachsen - bewölkter Himmel und Schauer standen auf der Tagesordnung.

Dies sollte sich am nächsten Tag endlich ändern. Mit Einlaufen in dem kleinen Hafen von Finnsnes, einem "5000-Seelen-Ort" zwischen Harstad und Troms", klarte sich der Himmel endlich auf. Nachmittags hatte die Gruppe dann Gelegenheit, Troms", das "Tor zum Eismeer" zu besichtigen oder alternativ an einem Husky-Trip teilzunehmen. Ich entschied mich für letzteres. Es war wunderbar in den Schlitten, die von Alaska Huskies gezogen wurden, durch die verschneite Landschaft zu fahren.

Die Dämmerung senkte sich und im Hintergrund sahen wir die Lichter von Tromsø.

Am darauffolgenden Tag sollte uns wiederum ein phantastisches Programm erwarten. Das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas, wartete auf uns. Mittags legte die MS Polarlys in Honningsvag, dem größten Ort der "Nordkap-Insel" Mageroya, an.

Von hier fuhr die Gruppe mit einem Bus durch die verschneite Landschaft bis hin zum 307 m hoch gelegenen Nordkap-Plateau. Es war ein überwältigender Anblick: die weite verschneite Landschaft im Sonnenlicht. Über das Nordkap spannte sich zudem deutlich sichtbar ein doppelter Regenbogen (Haupt- und Nebenregenbogen), den wir den Wolken im Hintergrund verdankten.

Das war ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst. Nach dem Genuß der Landschaft und einem Besuch in der Nordkap-Halle, in der wir eine faszinierende Videovorführung über das Leben, das Wetter und die Vegetation in der nördlichsten Gegend von Europas Festland sahen, machten wir uns auf den Rückweg.

Abends wurden wir dann noch mit einem beeindruckenden Himmels- schauspiel belohnt. Die ersten deutlichen Polarlichter waren zu sehen. Polarlicht entsteht, wenn aufgrund einer erhöhten Sonnenaktivität, Teilchen des Sonnenwindes entlang der magnetischen Feldlinien in die Erdatmosphäre gelangen. In der Ionosphäre regen sie dann die Sauerstoff- und die Stickstoffmoleküle zum Leuchten an.

Weißlich-grünliche Bänder zogen sich über den Himmel.

Wir suchten uns einen möglichst dunklen Platz an Bord und beobachteten das Himmelschauspiel. Viel schneller als zum Beispiel Wolken gewöhnlich dahinziehen, veränderte sich das Nordlicht. Die Bänder in sich schienen sich zu bewegen. Strahlen waren zu beobachten, die vertikal zum Horizont verliefen. Der ganze Himmel war in Bewegung. Hell leuchtende Strukturen tauchten auf, die dann wieder verschwanden, Bänder entstanden und lösten sich wieder auf. Im Gegensatz zu den Wolken waren auch durch die unterschiedlichen Typen des Polarlichtes Sterne zu sehen. Auch diese riefen Interesse bei den Reisegästen hervor. So erklärte ich den Teilnehmern, wie auch an manchen anderen Abenden, die wichtigsten Sternbilder.

Am nächsten Tag sollten wir dann Kirkenes erreichen. Dieser nur 10 km von der russischen Grenze enfernte Ort war Umkehrpunkt für unsere Reise. Von hier fuhr die Polarlys wieder Kurs Richtung Süden. Abends folgte ein Vortrag über "Atmosphärische Himmelserscheinungen", der unterschiedliche Leuchterscheinungen in der Atmosphäre erläuterte. Themen waren z.B. die Himmelsfärbung, der grüne Strahl, Mond- und Sonnenhöfe, Halos, wie die Gegensonne, als auch Regenbögen und natürlich Polarlichter.

Spätestens ab dem nächsten, dem achten, Tag verging die Reise wie im Fluge. Die Orte, die wir auf der Hinfahrt im Dunklen passierten, konnten wir nun am Tag, wie z.B. Hammerfest kennenlernen. Hier lohnt sich z.B. ein Besuch im Eisbärenklub, in dem Sie über die Geschichte der Eismeer- und Walfangstadt informiert werden.

Tags darauf passierten wir die Inselgruppe der Vesteralen und Lofoten. Besonders beeindruckend war eine knapp 4stündige Bustour von Harstad nach Sortland, auf der wir u.a. Norwegens größte Insel, Hannoyen, kennenlernte.

Der zehnte Tag sollte dann der letzte gemeinsame Reisetag für die Gruppe sein. Nachdem wir morgens den Polarkreis (auf 66,5 Grad nördlicher Breite) in südlicher Richtung überquerten, und tagsüber Zeit war für die Besichtigung von Sandnessjoen und Bronnoysund, folgte abends die (Abschieds-) Lesung "Poesie unter'm Sternenhimmel". Bei Kerzenlicht und stimmungsvollen Sternbildimpressionen hörten die Reiseteilnehmer astronomische Gedichte aus den letzten Jahrhunderten.

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