Tag 1 – Abfahrt in Bergen

Nachdem ich vor vier Wochen schon einmal eine Gruppenreise für Hurtigruten unter dem Motto „Nordlicht und Sterne“ zusammen mit Alexander Kerste auf der M/S Nordkapp geführt haben, soll es diesmal auf das Schiff M/S Trollfjord gehen. Meine Frau begleitet mich wieder und wir freuen uns sehr, ist es doch unser Lieblingsschiff. Zugegeben, wir kennen eigentlich nur noch die Nordkapp, aber die Trollfjord erhielt bislang nicht das nüchterne und zweckmäßige „Arctic Design“. Für uns strahlt das klassische Interieur wesentlich mehr Charme aus.

Das wird ein langer Tag werden. Der Flieger von KLM soll in Hamburg um 10:20 starten. Nach einem Zwischenstopp in Amsterdam geht es dann weiter nach Bergen. Aber vorher müssen wir den Wagen bei R+S Parking im Mexikoring in Hamburg abgeben. Wir haben uns dort um 8 Uhr mit dem Flughafen-Shuttle verabredet. Doch leider sind wegen des Umbaus der A7 einige Probleme zu erwarten, weil eine wichtige Brücke am Tag zuvor gesperrt wurde.

Deshalb heißt es, um fünf Uhr aufstehen, duschen und die restlichen Dinge in die Koffer packen, die Katze versorgen, den Müll raus bringen und das Geschirr aus dem Geschirrspüler in die Schränke räumen.

Um halb sieben sind das Gepäck und die warmen Jacken im Auto verstaut. Das Navi führt uns zwar um sämtliche Staus herum, aber dennoch brauchen wir heute doppelt solang wie üblich. Fünf Minuten vor acht waren am verabredeten Treffpunkt. Der Fahrer des Airport-Shuttles steckte aber auch noch im Stau, erschien dann doch nur 10 Minuten später. Das Gepäck umladen und die Parkgebühr bezahlen, geht schnell, nur funktioniert der Kartenleser nicht und wir müssen bar bezahlen. Die Fahrt zum Flughafen verlief trotz des dichten Verkehrs problemlos.

Am Schalter der KLM gibt es zwar eine Schlange, aber die Passagiere werden zügig abgefertigt. Wir haben noch etwas Zeit und ich besorge mir erst einmal den üblichen Lesestoff, George R.R. Martin „Das Lied von Eis und Feuer“, Band 6, allgemein auch als Fernsehserie „Games of Thrones“ bekannt. Dann wird es endlich Zeit für ein kleines Frühstück. Bei Mövenpick genehmigen wir uns einen Kaffee mit Croissant und bzw. einem Franzbrötchen.

In 20 Minuten ist Boarding, also packen wir unser Handgepäck gehen zum Gate. Hier machen wir die erste Bekanntschaft mit Mitreisenden aus Hamburg. Gerade als wir uns zum Einsteigen anstellen, ruft Kari, eine unserer beiden Reiseleiterinnen, aus Bergen an und teilt mir mit, dass der Flug von Amsterdam nach Bergen gestrichen wäre. Wir verabreden deshalb, dass ich dort die Lage klären und sie wieder informieren werde. Gleichzeitig schickt mir Franz, der andere Lektor auf dieser Reise, eine SMS, dass sein Flug aus Hannover nach Amsterdam ebenfalls gestrichen wurde und er noch nicht weiß, wie es weitergeht.

Das fängt ja gut an. Später erfahre ich, dass es noch weitere Mitglieder unserer Reisegruppe traf. In Berlin fielen Flüge aus, aber die Passagiere konnten gegen Mittag dann doch abfliegen. Die Gruppenmitglieder, die von Düsseldorf starten sollten, mussten mit dem Taxi nach Amsterdam fahren. Aber es wurde alles geregelt.

Anflug auf Bergen

Unser Flug nach Amsterdam verläuft ohne Probleme. Bei KLM gibt es sogar kostenlos eine Kleinigkeit zu essen. So was ähnliches wie ein belegtes Baguette, sogar recht frisch und nicht schlecht. Dazu gab es Kaffee oder Tee und ein Becher Wasser.

Nach der Ankunft am Flughafen Schiphol in Amsterdam führt der erste Weg zu einem Monitor, um zu sehen, wie es weitergeht. Doch alles ist gut. Der Flug soll stattfinden. Nur der nach Stavanger, der etwas später geplant ist, wurde gestrichen. Kari ruft kurz danach an und ich informiere sie. Ich kann richtig hören, wie ihr ein Stein vom Herzen fällt. Franz meldet sich ebenfalls. Er fliegt erst einmal nach München, von dort nach Oslo und dann weiter nach Bergen. Gegen 19:40 soll er ankommen.

Bis zum Boarding essen wir noch eine Kleinigkeit. Auf dem Weg zum Gate hört meine Frau, dass es verlegt wurde. Am ursprünglichen soll jetzt doch der Flieger nach Stavanger abgehen. Auch gut. Hauptsache es geht weiter.

So ist es. Der Flug nach Bergen verläuft ebenfalls reibungslos. Unterwegs gibt es wieder Kaffee oder Tee mit einem Stück leckeren Kuchens und etwas Mineralwasser. Im Gegensatz zu SAS, mit denen ich sonst flog, muss ich dafür nichts bezahlen.

Bergen empfängt uns mit der üblichen Mischung aus dicken Regenwolken und einigen Wolkenlücken. Es hat wohl kurz zuvor geregnet oder geschneit, denn alles ist nass. Wie gewohnt. In der Halle warten schon Kari und Sabine, um uns in Empfange zu nehmen. Sabine, unsere andere Reiseleiterin, kenne ich noch nicht. Wir machen uns schnell bekannt und stecken dann schon mitten in der Arbeit. Ich hole die Schlüsselanhänger, die mir Hurtigruten-Deutschland mitgegeben hat, aus der Laptop-Tasche und verteile sie an die Passagiere, nachdem Kari und Sabine sie auf der Liste abgehakt haben.

Sabine übernimmt die erste Gruppe und geht mit ihnen zum Bus, um sie zum Schiff zu bringen. Kari und wir anderen warten noch auf eine weitere Gruppe, die wegen der Probleme am Morgen mit etwa einer Stunde Verspätung eintreffen soll.

Schließlich sind fast alle angekommen. Nur Franz und ein paar weitere Mitreisende werden erst kurz vor acht landen und sollen mit dem Taxi zum Schiff gebracht werden.

Ihnen entgeht dadurch die kleine Stadtrundfahrt, die uns noch geboten wird, bevor wir am Schiff ankommen. Kari erzählt unterwegs wissenswertes über Norwegen und seine Einwohner. An interessanten Stellen hält der Bus kurz an und so erfahren wir einiges über berühmte Persönlichkeiten Bergens, wie dem Dichter und Dramatiker Henrik Ibsen, dem Komponisten Edvard Grieg und dem Dichter der norwegischen Nationalhymne, Bjørnstjerne Bjørnson.

Als wir am Schiff ankommen, ist es recht dunkel geworden. Der Umbau des Empfangsgebäudes ist noch nicht abgeschlossen, aber bis auf das Gerüst und den Staub auf dem Boden in der Tür merken wir nichts davon. Kari verteilt gleich die Umschläge mit den Schlüsselkarten und Kurzinformationen. Danach geht es zur obligatorischen Sicherheitsunterweisung.

Unsere Kabine

Kurz vor sieben können wir endlich unsere Kabinen beziehen. Meine Frau und ich sind angenehm überrascht. Wir haben viel Platz. Auf der Nordkapp dagegen war es so eng, dass wir kaum die Koffer auspacken konnten. Hier dagegen gibt es sogar einen kleinen Tisch im Zimmer. Diesmal das Rettungsboot links vom Bullauge angebracht, sodass wir nach draußen schauen können. Kaum sind wir in der Kabine, stehen auch schon die Koffer vor der Tür. Prima Service.

Ich gehe sofort zu Tone, der Bordreiseleiterin auf der Trollfjord und will den Konferenzraum Amfi für unsere fünf Vorträge buchen. Dazu habe ich mir den Plan von der letzten Reise mitgenommen. Da der Hurtigruten-Fahrplan immer noch derselbe ist, möchte ich dieselben Zeiten bestellen. Doch das klappt nicht. Eine Nordlicht-Gruppe aus England braucht ebenfalls den Vortrags- und Konferenzraum. Kein großes Problem, das kenne ich schon. Nach kurzer Diskussion einigen wir uns auf passable Termine.

Auf der Trollfjord gibt es kein Expeditionsteam wie auf der Nordkapp. Tone und eine Kollegin sind die Bordreiseleiter, die die Ausflüge verkaufen und auch die Ankündigungen machen. Auf der Nordkapp gab es abends Lesungen aus norwegischen Märchen und Sagen oder Johann spielte auf seiner Gitarre Lieder aus der guten alten Zeit, „als es noch wirklich gute Musik gab, den 60ern und 70ern“, und sang dazu. Mit seiner ruhigen und tiefen Stimme erinnerte er an Leonard Cohen. Auf der Trollfjord kommt die Musik vom Band, aber auch aus der guten alten Zeit. So manchen Song habe ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört. Da werden Jugenderinnerungen wach. Schön.

Bergen, ha det bra!

Das Abendessen wartet. Wir sind nach dem langen Tag doch ziemlich hungrig. Heute gibt es ein Buffet, was uns gerade recht ist. An den anderen Tagen wird am Abend immer ein Menü serviert. Als wir das Restaurant verlassen, erscheint endlich Franz nach seiner Odyssee. Wir verabreden uns in der Bar mit ihm. Erst soll er noch etwas essen. In der Bar treffen wir auch Kari und Sabine und tauschen die Neuigkeiten und Pläne aus. Ich zeige ihnen die Vortragstermine, aber Sabine bemerkt, dass zwei mit Veranstaltungen der Schiffsreiseleitung kollidieren, und so beschließen wir, dass wir uns am nächsten Morgen nach dem Frühstück zusammensetzen und uns noch einmal darüber unterhalten.

Um 22:30 lichtet die Trollfjord die Anker und die Fahr beginnt. Wir „alten Hasen“ betrachten die Ausfahrt aber durch die großen Fenster aus der Bar bei einem Bier. Wir sind alle müde und gehen ins Bett.

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