Tag 4: Bodø und Svolvær

Das Polarkreismonument auf der kleinen Insel Vikingen. Jetzt sind wir im Norden.

Kurz nach 7 Uhr sollen wir den Polarkreis nordwärts überqueren. Wie üblich durften die Passagiere bis 21 Uhr am Vorabend einen Tipp abgeben, wann dies geschehen wird. Ich habe 7Uhr 13 Minuten und 38 Sekunden eingetragen. Um sieben Uhr sind wir schon auf Deck 9. Wenige Minuten später taucht die kleine Insel Vikingen auf. Dort steht ein kleines Polarkreis-Monument, an dem das Schiff nahe vorbeifährt. Später erfahren wir, dass das kurz nach 7 Uhr 11 war. Gewonnen hat aber eine Dame aus Japan, die nur knapp daneben lag.

Heute Morgen sind wir schon vor acht beim Frühstück. Erst später fällt uns auf, dass es keine Durchsage gab, als wir der Nordkapp begegnen sollten. Sabine sieht nach, wo sich das Schiff momentan befindet und stellt fest, dass es sich schon südlich von uns Richtung Bergen fährt. Wir vermuten, dass es an uns vorbeifuhr, als sich eine Insel zwischen den beiden Schiffen befand.

Nach dem Frühstück gibt es die obligatorische Polarkreistaufe. Aber zuerst begrüßen wir den Meeresgott Neptun an Deck. Danach wird die Siegerin des Schätzwettbewerbs bekannt gegeben. Sie erhält eine echte Hurtigruten-Flagge, die zum Zeitpunkt der Überquerung am Mast flatterte, und ein kleines Geschenk. Wie üblich sollen wir alle getauft werden. Dazu bekommt jeder Täufling eine Kelle Eiswasser mit Eiswürfeln hinten in den Kragen geschüttet. Natürlich muss ich als Lektor mitmachen. Netterweise bekomme ich die doppelte Dosis. Aber ich habe mich vorbereitet. Trotz Wind und Kälte ziehe ich die Jacke und den Pulli aus. Das nasse T-Shirt ist schnell gewechselt und ich bin wieder trocken und mir ist wieder warm.

Den Rest des Vormittags verbringe ich wieder mit Schreibarbeiten und unterstütze Gruppenmitglieder beim Lösen ihrer Probleme mit ihren Kameras.

Als wir mit dem Mittagessen fertig sind, laufen wir in Bodø ein. In der Stadt liegt kaum Schnee. Wie schön war hier es noch vor vier Wochen, auch wenn ich mich damals auf den Hosenboden setzte. In den Straßen glitzerte der Schnee im Sonnenschein und verzauberte das eigentlich recht nüchterne Stadtbild. Jetzt sieht alles relativ grau aus. Da wir keinen Ausflug gebucht haben, bleiben meine Frau und ich diesmal an Bord.

Am Nachmittag, nachdem wir Bodø wieder verlassen haben, ist Franz mit seinem Vortrag über die Sonne dran. Er hat die Technik am Vormittag noch einmal überprüft. Aber die Seite, an der ich am Vortag Probleme hatte, funktioniert immer noch nicht. Aber am anderen Beameranschluss auf der anderen Seite gibt es keine Schwierigkeiten. Alles läuft wie geplant und sein Vortrag fesselt die Mitreisenden.

In Stamsund auf den Lofoten besteigt Sabine mit einigen Gruppenmitgliedern den Bus, der sie zum Wikingerfest im Wikingermuseum in Borg bringt. Wir werden sie erst wieder in Svolvær treffen.

Die Gestelle für den Trockenfisch im Hafen von Svolvær sind gut gefüllt.

Das Wetter ist schlecht. Als wir in Svolvær, der inoffiziellen Hauptstadt der Lofoten, ankommen, regnet es stark. Später erfahren wir, dass heute „Day after fishing“ gefeiert wird. Eigentlich wollten Kari, Franz, meine Frau und ich in den Anker gehen, um ein Bier zu trinken. Der Anker ist eine beliebte und urige Kneipe ganz in der Nähe des Hafens. Aber wegen des Wetters verzichten wir. Wahrscheinlich hätten wir wegen des Wochenendes und der Feiern sowieso keinen Platz gefunden. Auch auf der Trollfjord halten sich mehrere Gruppen feiernder Norweger in der Bar auf. Je später der Abend wird, desto feucht-fröhlicher geht es zu.

Die Gestelle für den Trockenfisch in Hafennähe sind fast voll mit der Spezialität der Lofoten. Der größte Teil des Fangs wird nach Südeuropa hauptsächlich nach Italien verkauft. Dort kommt er dann als Bacalao auf den Tisch. Getrocknet ist der Fisch hart wie ein Stück Holz. Bevor man ihn zubereiten kann, muss er erst einige Tage gewässert werden. Trotz der schwierigen Bedingungen macht meine Frau ein paar Bilder von den Gestellen. Auf dem Rückweg werden wir aber wieder hier vorbeikommen. Dann ist es heller und wir werden bessere Bilder davon machen können.

Nach Svolvær das Schiff noch einen Abstecher zum Trollfjord. Das Wetter wird nicht besser und so regnet es immer noch, mal mehr, mal weniger, aber die Fischfrikadellen schmecken trotzdem. Nur sind sie etwas klein geraten. Die Mannschaft gibt sich redlich Mühe, aber es will keine rechte Stimmung bei diesen Bedingungen aufkommen. Ein paar Unentwegte stehen tapfer an der Reling und fotografieren eifrig die von den Schiffsscheinwerfern beleuchteten Abschnitte des Fjords.

Es ist Mitternacht. Der Himmel weint immer noch. Vielleicht auch deshalb, weil es wieder keine Nordlichtaktivität gibt. Der Kp-Index liegt bei 1 und das interplanetare Magnetfeld ist positiv und somit wäre auch bei gutem Wetter wahrscheinlich nichts zu sehen. Gute Gründe, um schlafen zugehen.

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