Tag 7: Kirkenes und endlich richtig gutes Nordlicht

Heute bin ich früh wach. So sehe ich noch, wie die Trollfjord kurz nach 7 Uhr Vadsø wieder verlässt. Ein paar wenige Autos fahren die Uferstraße entlang. Ansonsten scheinen noch alle Einwohner zu schlafen. Niemand ist zu sehen. Ich schaue eine Weile zu, wie der Ort immer kleiner wird und schließlich im morgendlichen Dunst verschwindet. Der Wind hat wohl über Nacht etwas nachgelassen. Jedenfalls habe ich gut geschlafen. Erst später erfahre ich, dass es gegen 4 Uhr nochmals ziemlich heftig zur Sache ging. Davon habe ich aber nichts mitbekommen.

Der tief verschneite Friedhof von Kirkenes

Kurz nach acht wacht meine Frau ebenfalls auf und wir machen uns für das Frühstück fertig. Pünktlich um 9 Uhr erreichen wir Kirkenes, den Wendepunkt der Reise. Hier regiert noch der Winter. Im leichten Schneefall kommen bei manchen Reisenden weihnachtliche Gefühle auf. Da wir zuhause wieder einmal grüne Weihnachten hatten, ziehen wir uns an und verlassen das Schiff. Minus 4 Grad, ein ganz leichter Wind und Schneefall. Wunderschön. Wir wollen diesmal nicht in das Zentrum des Ortes gehen. Dort waren wir schon einige Male, auch ohne Hurtigruten. Unser Ziel ist diesmal der Friedhof von Kirkenes. Die Inschriften auf den alten Grabsteinen können manche Geschichte erzählen. Der Weg dorthin ist aber nicht ganz einfach. Vor vier Wochen lag hier überall ein Meter Schnee. Der ist wohl zum größten Teil inzwischen getaut und dann wieder gefroren, sodass sich auf den Wegen und Straßen unter einer dünnen frischen Schneedecke blankes Eis verbirgt. Wir überlegen kurz, ob wir zurückgehen sollen, um uns die Spikes für die Schuhe zu holen, die wir extra für die Nordlichtbeobachtungen bei Eis auf dem Oberdeck gekauft haben. Aber da der Weg meist eben verläuft, gehen wir weiter.

Der Friedhof ist tief verschneit, aber einige Grabsteine sind lesbar. Viele junge Männer liegen hier. Auf See umgekommen? Die Kapelle hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Die Eingangstür sieht aus, als wolle sie sich beim nächsten Sturm in ihre Einzelteile zerlegen. Wir stapfen eine Weile in dem etwa einen halben Meter tiefem Schnee herum, bevor wir wieder zum Schiff zurückkehren.

An Bord angekommen, können wir gleich zum Mittagessen, was wir auch machen. Die Ausflügler sind noch nicht zurück. So gibt es kein großes Gedränge am Buffet.

Um 12:30 verlassen wir wieder Kirkenes. Vor dem Hafen treiben einige dünne Eisschollen in der Bucht.

Als das Schiff wieder die offene See erreicht, wird es wieder ziemlich stürmisch. Die Trollfjord steuert Vardø an. Kurz vor der Hafeneinfahrt weist Tone auf den kurzen Ausflug zur Festung hin. Auch können die ganz Harten wieder im Eismeer baden. Doch der Wind frischt immer mehr auf, sodass das Anlegemanöver abgebrochen wird und wir wieder Kurs auf die offene See nehmen.

Nach dem Abendessen gibt es heute um 20 Uhr einen Abendvortrag von mir über die Suche nach der zweiten Erde, d. h. über Exoplaneten. Die Zuhörer sind sehr darüber erstaunt, wie viele fremde Planeten schon bekannt sind.

Starke Nordlichter über der Barentssee

Nach dem Vortrag gehe ich so schnell wie möglich auf das Oberdeck. Immerhin ist es inzwischen dunkel genug, um hellere Nordlichter sehen zu können. Die Aktivität hat seit dem Morgen auch wieder stark zugenommen. Nach Tagen mit schlechtem Wetter zeigen sich heute Abend große Wolkenlücken. Nur der Wind weht immer noch stark, aber es geht. Meine Frau erzählt mir, dass noch vor wenigen Minuten ein sehr schönes Polarlicht zu sehen gewesen ist. Jetzt zieht aber wieder zu. Doch nach fünf Minuten klart es wieder auf und sehr schöne, helle Bänder laufen über den Sternenhimmel. Danach beruhigt sich das ganze etwas. Vor Mitternacht fahren wir nochmals durch einige Schneeschauer. Aber nach Mitternacht verschwinden die Wolken und die Nordlichtaktivität nimmt rasant. Zeitweise scheint der Himmel zu flimmern und die Bänder des Polarlichts werden so hell, dass wir auch andere Farben als grün erkennen können. Einige Teile leuchten schwach violett. In dem sehr hellen Nordlicht scheinen die wenigen vorhandenen Wolken leicht grünlich zu leuchten. Ein Anblick, den ich auch noch nicht gesehen habe. Gegen 1 Uhr erreichen wir wieder Mehamn und das Wetter verschlechtert sich wieder. Alle sind begeistert. Die Reiseteilnehmer wurden für ihre Geduld in den letzten Tagen mehr als belohnt.

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