Herbstreise 2005 "Aurora borealis, the icy sky at night…"

Reisebericht von K.-D. Fischer (fisch@arcor.de)

... so beginnt eine Ballade von Neil Young. Nun, Eis und Schnee sahen wir in diesem für Norwegen ungewöhnlich warmen Herbst nur auf den fernen Gipfeln der Berge. Und über das Nordlicht wird weiter unten noch zu reden sein.

Gleich zu Beginn möchte ich eine Warnung aussprechen: Wenn Sie eine Seereise im Sinn haben mit Mußestunden, ganz gemütlich in einem stillen Winkel des Schiffes sitzend und ins Buch vertieft, das Sie schon immer mal lesen wollten - vergessen Sie's! Lassen Sie das Buch zuhause.

Sie werden kaum Zeit zum Lesen finden; es sei denn, Sie leiden an Schlafstörungen. Dann aber ist das Oberdeck gerade der richtige Platz für Reisende, die sich aufgemacht haben, Polarlichter zu erleben, denn die kommen - das als Vorgriff - überraschend und ohne Vorankündigung. Sie werden kaum zur Ruhe kommen in diesen elf Tagen. Ihr Schiff legt immerhin in über 30 Häfen an, und das jeweils auf der Nord- als auch auf der Südroute. Wer sich also ab und zu die Beine vertreten möchte (und das ist angesichts der exzellenten und abwechslungsreichen Küche auch dringend angeraten), hat ordentlich zu tun, die Liegezeiten, die zwischen einer viertel und sechs Stunden betragen, nicht zu verpassen.

Und dann unternehmen Sie ja eine Themenreise "Nordlicht und Sterne", und die Lektoren (auf unserer Reise: Mathias Levens - hallo nach Hannover und nochmals vielen Dank!) werden sich alle erdenkliche Mühe geben, Sie fit zu machen für alles, was Sie wissen müssen und noch viel mehr. Sie werden erfahren, was es mit dem Polarlicht auf sich hat; Sie werden durchs Sonnensystem und unsere Galaxis reisen und Sie werden erfahren, wie die Sterne und Sternbilder zu ihren Namen kamen. Überhaupt werden, ja müssen Sie sich ständig informieren.

Sie erhalten zwei Broschüren über die Hurtigruten und alles, was darüber hinaus über Geschichte, Land und Leute interessant ist.

Der Reiseleiter des Schiffes sowie Ihre Reiseleiterin vom Veranstalter NSA (auch hier noch mal mein Dank an Ramona) werden Sie auf dem Laufenden halten. Für jeden einzelnen Tag wird ein Merkblatt erstellt, damit Ihnen auch nicht das Geringste entgeht.

Schließlich locken zahlreiche Ausflugsprogramme wie Stadtrundgänge oder Stadtrundfahrten, Touren mit Huskygespannen (falls Schnee liegt), Busfahrten zum Nordkap oder zur russischen Grenze; der Besuch eines Bergwerkes, einer Festung, des legendären Eisbärenclubs in Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Erde, oder des Hurtigrutenmuseums in Stokmarknes. Das Limit wird lediglich durch den Umfang Ihres Geldbeutels gesetzt; wer sich für alle Ausflüge meldet, darf noch so manchen Euro extra auf den Tisch legen. Aber sicher ist es nicht jedermanns Sache, die Liegezeit des Schiffes im Bus sitzend zu verbringen. Wir haben so oft wie möglich versucht, wenigstens ein paar Kilokalorien "abzulaufen", schon um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Oftmals bietet sich die Gelegenheit, auf einen nahen Hügel zu steigen und Hafen, Schiff und Häuser zu einer Spielzeuglandschaft schrumpfen zu lassen.

Schätzen Sie also einen guten Rundblick aus luftiger Höhe, sollten Sie in Ålesund unbedingt auf den Aussichtsberg Aksla steigen, auch wenn die 189 m Höhe uneinnehmbar und die angekündigten 418 Stufen endlos scheinen. Die Aussicht auf die Stadt auf den sieben Inseln und die umliegenden Schären ist unvergeßlich und wird Sie für die Mühen des Aufstiegs entschädigen.

Auch Hammerfest, die nördlichste Stadt der Erde, hat einen Hausberg, den Salen. Er liegt nur knapp 90 Meter über dem Meeresspiegel, ist aber schnell erreichbar, da sich die Anlegestelle des Schiffes in unmittelbarer Nähe befindet. Vom Berg, auf den ein Serpentinweg führt, hat man einen schönen Blick nicht nur über Stadt und Hafen, sondern auch ins Hinterland. Wenn Sie sich nicht scheuen, quer durch Kirkenes zu fußen, finden Sie auch dort, auf dem Prestefjellen, mehrere Stellen mit Rundumblick.

Das Polarlicht

So ein wenig Skepsis vor Reiseantritt war schon vorhanden. Was, wenn uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte? Wenn die Sonne nicht mitspielte? Wir beschlossen, uns die Reise nicht verderben zu lassen und nicht enttäuscht zu sein, sollten sich keine Polarlichter zeigen.

Auf dem Schiff machten wir uns zunächst noch keine weiteren Gedanken. Mit dem ersten Auftreten von Polarlichtern, so unser Lektor, dem wir ob seiner Reiseerfahrung völlig vertrauten, sei frühestens nach Überquerung des Polarkreises, eigentlich aber erst um den 70. Breitengrad herum zu rechnen.

Im Gepäck hatte ich ein Teleobjektiv mit Sonnenfilter und damit Aufnahmen von der Sonne geschossen. Das Resultat: Kein einziger Sonnenfleck zu sehen. Polarlichter ohne große Sonnenaktivität - wie sollte das gehen?

Schon am dritten Abend sahen wir in Richtung Norden durch die Wolkenlücken ein schwaches Leuchten. Na endlich! Kameras aufgebaut und bei höchster Empfindlichkeit 20 Sekunden lang belichtet - grünlicher Schimmer, also eindeutig Nordlicht.

Wir Ahnungslosen! Was wir da voller Begeisterung betrachteten und fotografierten, war nicht einmal der schwache Abklatsch eines Polarlichtes. In unseren Breiten aber hätte dieses Schimmern bereits ausgereicht, um Scharen von Polarlichtjägern zu mobilisieren. Am fünften Tag, im Hafen von Tromsø ging es dann schon mehr zur Sache, aber wiederum verdeckten die Wolken das Schauspiel. Unser Lektor lief schon mit sorgenschwerer Miene umher, weil sich keine Polarlichter zeigen wollten. Das Schiff war mittlerweile in Kirkenes angekommen und bereit zur Rückkehr südwärts.

Es erwies sich (und eigentlich hätten wir es ja wissen müssen), dass der Norden seine eigenen Gesetze hat. Das Wetter wechselt in diesen Breiten schneller als man vermutet. Die Wetterregel lautet: Der Tag endet stets anders, als er beginnt. Denn wer hätte es sich nach einem trüben Tag voller tiefhängender Regenwolken schon träumen lassen, dass es abends unvermittelt aufklart? Wer kann sich vorstellen, dass man auch bei Regen Polarlichter sehen kann, wenn sich am Himmel an anderer Stelle ein Wolkenloch auftut?

Die immer wieder gern erzählte Anekdote vom Alarmruf des Bordreiseleiters mitten ins Abendessen hinein "Polarlicht!", und von der Flucht weg von der gedeckten Tafel und hinauf aufs Oberdeck - sie findet ihre Entsprechung auch auf unserer Reise: Mitten in die Vorführung eines Filmberichts über die Hurtigruten platzt der magische Ruf, und in Blitzesschnelle ist der Kinosaal geleert. Was soll uns die Konserve, wenn wir das Original genießen können! Die Beleuchtung auf dem Oberdeck, die normalerweise ständig brennt, wird übrigens auf Wunsch gelöscht, wenn die Brückenoffiziere einverstanden sind. Ein wirklich schöner Zug. Überhaupt gab sich die Schiffsbesatzung die größte Mühe, uns den Aufenthalt an Bord so angenehm wie möglich zu machen.

An die Fotografen der gute Rat: Wer das Polarlicht fotografieren möchte, sollte Stativ und Fernauslöser nicht vergessen, selbst wenn sich das Polarlicht nicht an die Zeiten hält, in denen das Schiff im Hafen vor Anker liegt sondern meist dann erscheint, wenn es durch die Wellen schlingert. Kamera und Stativ nach Einbruch der Dunkelheit immer einsatzbereit und in Reichweite bereithalten. Genügend Filme beziehungsweise Speicherkarten mitnehmen. Kein Foto kann allerdings die Beobachtung ersetzten, deshalb sollte Ihr Auge nicht am Sucher kleben. Polarlichter könne eine ungeheure Dynamik entwickeln, die Formenvielfalt ist unbeschreiblich.

Auch wenn es schwer fällt: Schießen Sie ein paar Fotos weniger, beobachten Sie stattdessen das Spiel, das der Sonnenwind im Magnetfeld der Erde treibt. Sie werden begeistert sein; und wenn sie den Beginn des himmlischen Feuerwerks noch mit lauten Ausrufen kommentiert haben, werden Sie stumm und ergriffen das Treiben über Ihren Köpfen verfolgen.

Was hat sich sich mir am nachhaltigsten eingeprägt?

Eine Stadt Bergen ohne Regen, dafür mit einem phantastischen Sonnenuntergang und einem sternklarer Himmel. Die Farben des Nordens: Weniger die Schatten und harten Kontraste, sondern eher die Pastellfarben in den langen Zeiten der Dämmerung. Die meisten Menschen schauen der Sonne hinterher, wenn sie auf- oder untergeht - schauen Sie ruhig auch mal in die entgegengesetzte Richtung, und Sie wissen, was ich meine.

Die Dunkelheit im hohen Norden. Nehmen Sie also den Hinweis "Alle Häfen, die auf der nordgehender Route nachts angelaufen werden, erleben Sie auf der südgehenden Rückroute am Tage" nicht allzu wörtlich. "Tagsüber" hat dort oben im Winterhalbjahr eine andere Bedeutung als bei uns in Mitteleuropa.

Die Einsamkeit und Weite um das Schiff herum, wenn es durch die stockdunkle Nacht fährt. Wer nachts ganz allein auf dem obersten Deck "Polarlichtwache" hält, hat dieses Gefühl, dass die Welt an der Reling des Schiffes endet. Die anheimelnd erleuchteten Fenster der bunt angestrichenen Holzhäuser, Behaglichkeit und Wärme verbreitend. Wie eine Mitreisende so treffend bemerkte: In Deutschland werden abends die Jalousien heruntergelassen, in Norwegen dagegen wird ein kleines Lämpchen ins Fenster gestellt.

Wie steht es so schön im Reiseführer geschrieben: "Schlafen könne Sie im Süden." Ich möchte den Spruch leicht abwandeln: "Schlafen können Sie zu Hause!" Was ich dann auch ausführlich tat, den Kopf voller Erlebnisse und Impressionen. Und kaum etwas ist mir je schwerer gefallen als der Abschied von einer phantastischen Elftagereise und der Weg zurück ins Alltagsleben. Bleiben aber werden die Erinnerungen und der Wunsch nach einer Wiederholung. Wer einmal auf dieser Reise war, hat sich unheilbar infiziert mit dem Virus des Nordens.

© Text und Bilder: Klaus-Dieter Fischer im November 2005

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