Nordlicht und Sterne im November 2006 auf der MS Trollfjord

Am 17.11.2006 startete ich als Lektor für Astronomie.de an Bord der MS Trollfjord zu einer Polarlicht- Themenreise in den hohen Norden Norwegens. Elf erlebnisreiche Tage warteten darauf, von einer Polarlicht hungrigen 39-köpfigen Reisegruppe genossen zu werden. Am Flughafen der alten Hansestadt Bergen fand die Gruppe zueinander und traf am frühen Abend, nach einer kleinen Stadtrundfahrt, auf der MS Trollfjord ein. Welcher Gast auch immer bei dem Gedanken an das Schiff, das neben dem Passagierverkehr auch dem Fracht- und Postverkehr an der Küste Norwegens dient, ein einfach eingerichtetes Schiff vor Augen hatte, wurde bei der Ankunft in Sekundenschnelle eines Besseren belehrt. Ein sehr modern eingerichtetes Schiff mit - wie sich zeigen sollte - exzellenter Küche empfing unsere Reisegruppe. Da die Schiffe der Hurtigrute im Winter mit weitaus weniger Gästen als zu Zeiten der Mittsommernacht belegt sind, erwartete uns eine überaus entspannende, ja beinahe familiäre Atmosphäre. Das freundliche und sehr aufmerksame Personal des Schiffes rundete diesen Eindruck ab. Nach einem ersten Abendessen an Bord, kleinen Erkundungsgängen auf dem Schiff und dem üblichen Willkommens-Cocktail endete der Anreisetag mit dem Aufbruch gen Norden

Am Vormittag des zweiten Tages erreichte das Schiff bei strahlendem Sonnenschein die malerische Hafenstadt Alesund. Hier gab es die erste Möglichkeit zu einer geführten Stadttour durch den im Jugendstil errichteten Stadtkern, oder die Möglichkeit in einer kleinen „Bergtour“ über etwa 400 Stufen den Berg Aksla zu erklimmen. Als Belohnung wartete ein herrlicher Ausblick auf Alesund.

In den folgenden Tagen gab es immer wieder die Möglichkeit zu kleineren Ausflügen an Land. So etwa in Trondheim zu einem Stadtrundgang und in Bodø zur Besichtigung des Gezeitenstroms Saltstromen. Selbstverständlich wurde das Schiff nach der Polarkreisquerung von Neptun höchst selbst besucht. Diejenigen, die der Mut nicht verließ, begrüßte er mit einer zünftigen Kelle eisigen Nasses, samt Eis, wie es sich in so hohen Breiten gehört, um es schwungvoll im Nacken des Nordreisenden verschwinden zu lassen. Kühl und belebend. Als Beweis für die eigene Unerschrockenheit ziert nun eine gerahmte Urkunde den Schreibtisch.

Vorbei an schroffen Bergkulissen ging es stetig nach Norden. In Tromsø, dem Tor zum Eismeer, warteten Schlittenhunde zu einer rasanten Fahrt durch eine verschneite Landschaft. Obwohl wir von Regen fast vollständig verschont blieben und sich immer wieder die Möglichkeit bot, einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen, wurde die Reisegruppe auf eine lange Geduldsprobe gestellt. Polarlicht sollte sich erst auf dem südgehenden Teil der Fahrt, nach der Umkehr in Kirkenes, zeigen. Ehe es soweit war, erreichten wir die Magerøya Insel im äußersten Norden Norwegens. Vom Hauptort der Insel, Honningsvåg, bestand die Möglichkeit zu einem Ausflug zum 30 km entfernten Nordkap. Im Winter eine überaus exklusive Fahrt, da nur ein, von einem Schneepflug eskortierter Bus, pro Tag das Nordkap ansteuert. Nur im Winter ergibt sich die Möglichkeit, die Natur am Nordkap beinahe allein genießen zu können.

Vorbei an Berlevag, der Heimat des schrägen Berlevager Männerchors, ging es weiter in Richtung Kirkenes, dem Wendepunkt der Reise. Ein Wendepunkt im doppelten Sinne.

Als das erste Polarlicht in der Nacht vom siebten auf den achten Reisetag erschien, riss es so manchen Reisenden aus dem Schlaf. Die Uhr zeigte 00.30 Uhr, als das Schiff zwischen Berlevåg und Mehamn die Barentssee befuhr. Drei Stunden Polarlicht ließen uns das lange Warten schnell vergessen. Wer nicht im Windschatten des Schiffsschornsteins verharrte, hatte zwar arg mit dem Wind zu kämpfen und musste sein Fotostativ beidhändig sichern, doch der Blick an den Himmel war der pure Genuss. Polarlicht, wohin das Auge auch blickte. Vereinzelte Wolkenfelder bedeckten den nächtlichen Himmel, leuchteten matt im Grün des Polarlichtes und rahmten die Szenerie zum Horizont ein.

Am nächsten Abend, das Schiff steuerte den Hafen von Tromsø an, versprach schon die Abenddämmerung einen ungetrübten Sternenhimmel. Noch vor dem Abendessen setzte Polarlicht ein, heller und weitaus dynamischer als am ersten Tag. Das Meer erstrahlte in der Reflektion des Polarlichtes. Vorhänge aus hellen Lichtsäulen wechselten im Sekundentakt synchron ihre Helligkeit. Auch der im Licht der Stadt aufgehellte Nachthimmel Tromsøs zeigte intensives Polarlicht.

Der nächste Abend bildete den Höhepunkt der Polarlichtaktivität. Schon in der Dämmerung setzte Polarlicht ein, das in weiten Schleifen und geschlossenen Ovalen den ganzen Himmel überzog. Ein unvergessliches Erlebnis war die Fahrt durch den engen Raftsund. Ein etwa 20km langer Fjord, der die Inseln Hinnøya und Austvagøy trennt und teilweise nur wenige hundert Meter breit ist, eingerahmt von bis zu 1000m hohen steil abfallenden Bergen und einem grandios klaren Himmel über dem Schiff, Polarlicht inklusive. Das schöne Wetter und der nur spärlich vorhandene Schnee an den Berghängen ermutigten den Kapitän des Schiffes zu einem Abstecher in den Trollfjord. Dieser nur 100m schmale Fjord ist so eng, das man glaubt, die viele hundert Meter und beinahe senkrecht aus dem Wasser aufragenden Berghänge direkt berühren zu können. Unbeschreiblich. Das Polarlicht konnte ich bis zu unserer Abfahrt aus Svolvær, einer Stadt auf den Lofoten, genießen.

Auf der Überfahrt von den Lofoten zum Festland bekamen wir eine erste Bekanntschaft mit einem Sturm der Windstärke 8 auf offener See. Trotz ansehnlichen Wellen lag das Schiff vergleichsweise ruhig auf dem Wasser des Westfjords und hielt die Reisenden nicht davon ab, bei einem leckeren Cocktail und in gemütlicher Runde die wundervollen Momente der letzten Tage Revue passieren zu lassen.

Ein stattlicher Orkan mit Windstärken bis 11 beendete die Seereise am letzten Abend vorzeitig in Rørvik. Mit dem Bus brach unsere Reisegruppe am frühen Morgen in Richtung Trondheim auf. Der sehr besonnene Kapitän entschied bei diesem Wind nicht über da offene Meer zu fahren. Das Ende einer erlebnisreichen Reise nahte nach beinahe 4000 km auf See. Es wartete der Abflug in die Heimat, im Gepäck Erinnerungen an eine unvergleichliche Landschaft und traumhaft schöne Polarlichtnächte.

© 11/2006 by Michael Hunnekuhl für Astronomie.de

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