Nordlicht und Sterne mit der MS Polarlys (09. – 19.11.2009)

Am 09. November 2009 brach ich als Lektor der Hurtigrutenreise „Nordlicht und Sterne“bei grauem Novemberwetter nach Bergen auf. Bei der Ankunft wurde nicht nur ich sondern auch der Rest der Reisegruppe, die aus zwei Reiseleitern, zwei Lektoren und 67 Teilnehmern bestand, von herrlichem Herbstwetter begrüßt:blauer Himmel und strahlender Mittagssonnenschein, die uns in den kommenden elf Tagen kaum von der Seite weichen und diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen würden. Doch nicht nur das perfekte Wetter, auch Polarlicht, Sternschnuppen und der wunderbare Aufenthalt an Bord der MS Polarlys, die kaum nur als Postschiff zu bezeichnen ist, blieben in bester Erinnerung.

Der erste Tag begann nach der Ankunft in Bergen mit einer informativen Stadtrundfahrt, bei der sich die faszinierende Altstadt im besten Licht zeigte. Bald erreichten wir den Hurtigrutenanleger und konnten erstmals einen Blick auf und in das Schiff werfen, das für die nächsten Tage unser Heim sein sollte. Eine moderne, aber dennoch sehr gemütliche Einrichtung mit wunderbarer Aussicht von verschiedenen Decks ergänzte die entspannte Atmosphäre an Bord. Das freundliche und immer aufmerksame Personal sorgte dafür, dass man sich wahrlich fallen lassen und die Fahrt entlang der norwegischen Küste genießen konnte. In dieser Stimmung ging der erste Tag nach erster Schiffserkundung, Sicherheitsunterweisung und einem leckeren middag (Abendbrot) zuende.

Wer nun an den folgenden Tage früh auf und an Bord war, wurde jeden Morgen aufs neue von einem fantastischen Dämmerungsschauspiel in bunten Farben begrüßt, eines fesselnder als das vorangegangene. Das erste Ziel war nun die im Jugendstil erbaute Stadt Ålesund, deren Hausberg nach 418 zu bezwingenden Stufen einen wunderbaren Ausblick über die Insel, auf denen sie erbaut ist, bot. Nun, rasch nach Norden fahrend wurden wir auch abends von einem Sonnenuntergang in den schönsten Orange- und Rottönen verwöhnt, bevor die sternenklare Nacht über uns hereinbrach, in der sich das Fehlen von störenden, menschlichen Lichtquellen zeigte, war doch die Milchstraße hervorragend zu erkennen.

Am nächsten Morgen erreichten wir Trondheim, wo ein längerer Aufenthalt die Möglichkeit zu einem Stadtrundgang, der Besichtigung des beeindruckenden Nidaros-Doms und der alten Lagerhäuser gab. Bei der ersten Sternführung in vollkommener Dunkelheit auf dem Achterdeck des Schiffes am späten Abend zeigte sich dann wieder ein perfekter Sternenhimmel, den wir erkundeten und erste Orientierungshilfen lernten. Dabei wurde auch – als matter, farbloser Schimmer am Nordhorizont mehr für die kommenden Tage verheißend – das erste Polarlicht der Reise sichtbar.

Am vierten Tag unserer Reise überquerten wir schließlich früh am Morgen den Polarkreis, nachdem sich erste Wolken wieder zugunsten eines blauen Himmels verzogen hatten. Diese magische Grenze nun überquertzu haben, bedeutet den Besuchs des Herrschers der Meere: Neptun. Dieser übernahm die Herrschaft und taufte alle Mutigen mit einer Kelle Eiswasser in den Nacken an der frischen Luft des Achterdecks. Den ganzen Tag zog eine wunderbar schroffe Küste mit schneebedeckten Gipfeln im warmen Licht der tiefstehenden Sonne an uns vorbei, so dass man fast erwartete, die Trolle dieses Wetter genießend an den Hängen toben zu sehen. Nach dem Mittagessen erreichten wir Bodø, das zu einem Spaziergang durch die Fußgängerzone einlud. Abends im Hafen von Svolvær liegend, dann plötzlich der Ruf „Polarlicht!“von Deck. Und in der Tat: hinter der Lofotenwand schimmerte es grünlich, selbst gegen die Lichter der Stadt war ein heller Strahl in sattem Grün zu erkennen. So war den ganzen weiteren Abend bis deutlich nach Mitternacht das fesselnde Schauspiel am Nordhimmel vor dem Bug des Schiffes zu erkennen. Gegen 23 Uhr begann die Fahrt in den Raftsund, eine recht schmale von hohen Bergen gesäumte Durchfahrt nach Norden, von der der teils nur 100 Meter breite Trollfjord abzweigt. In diesen bog der Kapitän an diesem Abend dann auch ein, sich mit Suchscheinwerfer vortastend. Man glaubte fast, die bis zu 1000 Meter hohen, steil aufragenden Berge berühren zu können, so nah glitten sie am Schiff vorbei.Dachte man, vor der Einfahrt in der Trollfjord, das Polarlicht habe sich schon ausgetobt, so wurde man eines besseren belehrt, flammte es nach der Ausfahrt noch einmal kräftig auf, so dass man danach erfüllt von diesen vielen Eindrücken die Nachtruhe weit nach Mitternacht antreten konnte.

Der erste Teil des fünften Tages führte vorbei an nun schon deutlich stärker schneebedeckter Küste und kleinen Örtchen mit einem besonderen Charme zur Großstadt Tromsø, die in der beginnenden Abenddämmerung – und das heißt im November gegen 14:30 Uhr – in Sichtweite kam. Es blieb bei dem Aufenthalt genug Zeit, das Zentrum zu erkunden, ein paar Mitbringsel für Daheimgebliebene auszuwählen und die im Dunkeln liegende Stadt und vor allem die Eismeerkathedrale zu werfen.

Nach der Abfahrt aus Tromsø erwartete uns dann die nächste große Polarlichtshow unserer Reise. Innerhalb von Minuten zerfiel der große Wirbel am Himmel vor dem Schiff in einzelne Streifen, um dann in Sekundenschnelle wieder einen neuen, größeren Wirbel etwas weiter östlich zu formieren, der an Helligkeit zunahm und zeitweise nicht nur farblos, sondern deutlich smaragdgrün schimmerte. Dann wieder konnte man zusehen, wie der in die Erdatmosphäre einfallenden Teilchen des Sonnenwindes einzelne Strahlen des Polarlichtes von oben nach unten zum Leuchten brachten. Bis nach Westen hin zog sich das Polarlicht in einem weiten Bogen über den Himmel und fesselte viele Reiseteilnehmer bis spät in den Abend hinein weit hinter Skjervøy dem Polarlicht zuzusehen.

Der sechste Tag stand ganz im Zeichen des Nordkaps, vorbei an arktischer Küste bis nach Honningsvåg, von wo aus zwei Busse mit den Reiseteilnehmern nach dem Mittagessen zum nördlichsten Punkt Europas starteten. Am Nordkap konnte die zugehörige Halle mit Filmvorführung, geschichtlichen Informationen und Souvenirladen besichtigt werden. Das obligatorische Foto vor der Weltkugel (im eiskalten Wind mit verwehtem, auf der Haut prickelnden Schnee) durfte selbstverständlich auch nicht fehlen! Wieder an Bord legten wir den Weg bis zum Hafen von Mehamn zurück, wo bereits helles Polarlicht trotz der Straßenbeleuchtung erkennbar war. Nach der Abfahrt nahm die Helligkeit enorm zu, so dass bald ein breites, grün leuchtendes längs über das Schiff zog und man kaum noch wusste, wo man hinschauen sollte, flackerte und leuchtete das Polarlicht doch in alle Himmelsrichtungen! Ein beeindruckend helles, riesiges Polarlicht-V stand über dem Heck des Schiffes und veränderte binnen Minuten seine Form, bald war backbord ein großer Wirbel zu sehen, dann wieder ein grüner Bogen.

Der siebte Tag ist der Tag, an dem mit Kirkenes unweit der russischen Grenze der Umkehrpunkt der Reise erreicht ist. Dies war für uns auch der einzige Tag, an dem Wolken den Himmel verhüllten, aber damit beim Landgang im verschneiten Kirkenes mit seinen gemütlichen Holzhäuschen und den verfallenen russischen Trawlern im Hafen für eine ganz besondere Stimmung sorgten. Ein besonderes Ziel bereits auf der südgehenden Route ist dann der Besuch der Festung in Vardø, die wir in einem leichten Schneesturm in ihrer rauen Schönheit besichtigen konnten. Dank der Wolken konnte man an diesem Tag auch ganz beruhigt früh zu Bett gehen, bestand doch keine Gefahr, Polarlicht oder den fantastischen Sternenhimmel zu verpassen.

Der nächste Tag brachte uns am Morgen bunteste Dämmerungsfarben und dann am Vormittag nach Hammerfest,wo der Hausberg nur bis zur Hälfte erklommen werden konnte. Von dort an wandelte sich der Weg in eine spiegelglatte Eisrutschbahn, die jedes Weiterkommen unmöglich machte. Aber auch von dort konnte man einen schönen Blick über die bunten Häuser der Stadt und den Hafen werfen. Abends flammte kurz vor dem Abendbrot noch mal ein helles Polarlicht über dem Schiff auf, das innerhalb weniger Minuten wieder spurlos verschwunden war. Spät am Abend erreichten wir dann wieder Tromsø, wo durch bereits abfahrtbereite Busse der Transfer zum Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale erfolgte.

Am neunten Tag gab es die Möglichkeit, die Inselgruppe der Vesterålen auf einem Busausflug zu erkunden, bei dem nicht nur die zerklüftete Fjordlandschaft aus nächster Nähe, sondern auch der ein oder andere majestätische Seeadler zu entdecken war. In der Dämmerung ging die Fahrt dann auf die Lofotenketten zu, die wie eine Reihe scharfer Raubtierzähne am Horizont emporragte und mit einem Aufenthalt im abendlichen Svolvær gekrönt wurde.

Der zehnte und damit letzte vollständige Tag an Bord der MS Polarlys brachte uns dann mehrere Überraschungen. Er begann mit der prächtigsten Dämmerung der Reise, in der sich die Rottöne der aufgehenden Sonne mit den Blautönen der Wolken und dem Schwarz der Berge in ganz besonderer Weise zusammenfanden. Kurz danach überquerten wir erneut den Polarkreis, diesmal allerdings südgehend und daher auch ohne Neptuns Taufe. Und auch abends, in der Vorbeifahrt an den Gipfeln der Sieben Schwestern, entspann sich ein Dämmerungsspiel der besonderen Art, bei dem die Küste gegenüber der Sonne wie der Uluru in Australiens Outback rot aufleuchtete und die Sonne selber zwischen orange-rotgepinselten Bergen im Meer versank.

Und es wurde noch besser! An diesem Tag erreicht nun auch der Meteorstrom der Leoniden sein Maximum, sodass die gesamte Reisegruppe erneut auf dem Achterdeck versammelt nicht nur Polarlichtbogen, Sterne und Milchstraße bewundern konnte, sondern dazu viele überaus helle Sternschnuppen. Bis zu dreißig helle und lange Leuchtspuren hervorgerufen durch interplanetare Staubteilchen aus dem Schweif eines Kometen wurde innerhalb einer Stunde gezählt!

Am letzten Tag konnten wir mit all diesen vielfältigen neuen Erfahrungen und farbenprächtigen Erinnerungen nach dem Anlegen in Trondheim und einem letzten köstlichen Frühstück an Bord die Rückreise antreten, in der Gewissheit sicherlich noch einmal zurückkehren zu wollen.

Benjamin Knispel im Dezember 2009 für astronomie.de

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