1. Woche - Die Radiogalaxie Centaurus A

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die bekannte 12,4 Mio. Lichtjahre entfernte Galaxie Centaurus A ist ein sehr helles und oft fotografiertes Deep-Sky-Objekt des Südhimmels. Trotzdem ist sie erst heute erstmals als AdW zu sehen. Das Bildfeld beträgt 35´ x 29´ mit Norden oben und Osten links. Björn Gludau und Thorsten Daiber sind die Bildautoren, denen wir hiermit herzlich zum AdW gratulieren. Beide sind Mitglieder der Internationalen Amateursternwarte e.V. (IAS) und der TBG-Gruppe (tief belichtete Galaxien) der Fachgruppe Astrofotografie. Im Juni 2018 besuchten sie zusammen mit Michael Hoppe die Astrofarm Hakos (Namibia). Björn und Thorsten hatten dann die Gelegenheit, NGC 5128 an der Astrokamera 3 der IAS aufzunehmen. Der Newton hat 510 mm Öffnung und 1884 mm Brennweite (= Blende 3,7). Als Kamera kam eine FLI-ML-29050 mit 5,5 μm Pixelgröße zum Einsatz. Belichtet wurde 8 x 10 min (L) und je 5 x 5 min in RGB, alles ohne Binning. Die Bildbearbeitung übernahm Björn Gludau. Er schreibt dazu: "Der perfekte Himmel in Kombination mit einem für Amateure schon sehr großen und schnellen Gerät ermöglicht auch gute Ergebnisse mit sehr moderaten Belichtungszeiten. Es war das erste Foto der Reihe, welches wir am ersten Abend nach der Einrichtung des Gerätes eigentlich nur zum Test geschossen haben."

Jetzt etwas zu dem aufgenommenen Objekt selbst. Als Typus wird entweder eine S0-Spirale oder eine elliptische Galaxie angegeben. Eines ist klar: NGC 5128 ist ein "seltsames" Objekt (in der Fachsprache "peculiar"). Das zeigt allein schon der breite Staubgürtel, der der elliptischen Galaxie überlagert ist. In diesem Gürtel wurden mit dem Weltraumteleskop Hubble junge, blaue Sterne entdeckt, die wir im AdW auch als blauen Schimmer wahrnehmen. Offenbar hat sich hier bei einem Verschmelzungsvorgang ein "Starburst" (Sternentstehungsausbruch) ereignet. Auffallend ist auch, dass der Halo von NGC 5128 nach Nordosten/Südwesten elongiert ist. Man vermutet, dass eine elliptische Galaxie mit einer kleineren Spiralgalaxie kollidiert und verschmolzen ist. Im Kern von NGC 5128 existiert ein supermassives Schwarzes Loch von 55 Mio. Sonnenmassen (Cappellari et al. 2009). Es ist räumlich sehr klein, schätzungsweise nur 1,5 μarcsec. Gleichzeitig ist NGC 5128 mit einem aktiven Kern (AGN) ausgestattet. Von diesem Kedrn geht ein Jet aus, der 1979 in Röntgenwellenlängen mit dem Einstein-Observatorium entdeckt wurde. Er zielt in die Richtung von zwei "Radio-Ohren", die Schreier et al. 1981 am Very Large Array fanden. Diese Radio-Ohren (lobes = Ohrläppchen) werden in unserem Zusatzbild deutlich (hier klicken). Links ist die Gestalt der Radio-Ohren zu sehen, in gleichem Maßstab rechts ein Ausschnitt aus dem AdW. Das Bild macht im Vergleich deutlich, wie riesig die Radio-Ohren sind und wie weit sie in den Raum hinausragen.

Ein weiteres Detail ist unbedingt erwähnenswert, dazu bitte das Originalbild herunterladen. Bei den Pixelkoordinaten (720/683) erkennt man ein schwaches, längliches Gebilde aus bläulichen Knoten, es ist nach Nordwesten gerichtet und hängt offensichtlich mit der Radiostruktur zusammen. Ein zweites, ähnliches Objekt existiert bei (396/150) mit weiteren Knoten nordwestlich. Den Bildautoren fiel dieses Paar blauer Objekte bereits auf. Was liegt hier vor? NGC 5128 wird außen von einer Schale aus neutralem Wasserstoff HI umgeben, einem Folgeprodukt aus dem Verschmelzungsvorgang. Hier hat offensichtlich der Röntgen-Jet bei der Wechselwirkung mit dem kalten HI-Gas eine Struktur aus ionisierten, leuchtenden Knoten gebildet. Die beiden Gebilde werden als "inneres und äußeres Filament" bezeichnet (Santoro et al. 2015). Auch im Umfeld des äußeren Filamentes wurden junge neue Sterne mit dem HST entdeckt.

Ein letztes Thema: Kugelsternhaufen. Nimmt man 150 Lj wie bei M 13 als Durchschnitt für den Durchmesser an, dann errechnet sich bei 12,4 Mio. Lj Entfernung ein Winkeldurchmesser von 2,5 arcsec. NGC 5128 besitzt sehr viele Kugelsternhaufen (z.B. Holland et al. 1999), die (wen wundert´s?) mit dem HST aufgespürt wurden. Kugelsternhaufen in M 31 mit Amateurmitteln? Kein Problem. Aber Kugelsternhaufen in NGC 5128? 2,5 arcsec sollten zu sehen sein. Und tatsächlich: Bei den Pixelkoordinaten (1620/939) ist einer der hellsten Kugelsternhaufen von NGC 5128 zu sehen. Das Objekt mit der Katalognummer [HCH99] 1 kommt auf immerhin V = 17,5 mag.

Und jetzt eine Neuigkeit. Ab Jahresbeginn entfällt der gewohnte technische Kommentar. Dazu in einem separaten Beitrag demnächst mehr. Jetzt aber auf jeden Fall allen AdW-Freunden unsere besten Wünsche zum neuen Jahr 2019!

Peter Riepe

 

Koordinaten (J2000):

RA = 13 h 25 min 28 s, Dec = -43° 01´ 09´´

 

Sie haben Fragen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

 

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