12. Woche - Der „Hummernebel“ NGC 6357

 -  Astrofoto der Woche  - 

Nach der letzten Woche bleiben wir im Skorpion. Heute präsentiert uns Endriko Siegismund ein prächtiges Bild von NGC 6357. In dieser HII-Region fand kürzlich Sternentstehung statt, die sogar noch andauert. Das ganze Gebilde hat die Form eines großen Krebses, dessen Arme sich wie Scheren nach außen erstrecken. Daher resultiert dann auch der populäre Name „Hummernebel“. Das AdW entstand am 14. Mai 2018 auf der Farm Tivoli. Teleskop war ein Apochromat von APM mit 107 mm Öffnung und primär 700 mm Brennweite, über einen Riccardi-Reducer auf 525 mm verringert. Kamera war eine auf ca. -15°C gekühlte, modifizierte Canon 60D. Bei ISO 500 wurde 35 x 420 s belichtet. Zur Orientierung: Norden liegt auf 13:30 Uhr, das Bildfeld misst 144' x 96'.

Und jetzt für interessierte Astrofotografen die gewohnten Informationen zum fotografierten Motiv. Die weit nach außen ragenden Scheren bilden eine runde Schalenstruktur, die sich im Bild nach rechts oben (Nordnordwest) immer mehr auflöst. Innerhalb der Hummerscheren sitzt etwas dezentral der Verursacher der Schalenstruktur: der offene Sternhaufen Pismis 24 bei (1178/800). An dieser Position erkennt man beim Hineinzoomen die zwei hellsten Haufensterne dicht beisammen: Pismis 24-1 (HD 319718) und Pismis 24-17. Sie wurden als Überriesen/Riesen mit dem Spektraltyp O3.5 identifiziert und zählen mit zu den heißesten und blauesten Sternen, die man überhaupt kennt (Massey et al. 2001, Walborn et al. 2002). Hier in dieser Entfernung und im dichten Gas und Staub erscheinen sie jedoch sehr unauffällig. Wenige Pixel rechts oberhalb dieser beiden Sterne sitzt der hellste, längliche Nebelbereich von NGC 6357 mit dem Eigennamen G353.2+0.9. Auf ihn beziehen sich die von uns angegebenen Objektkoordinaten. Der Sternenanteil unterhalb von Pismis 24 bei (1173/841) wird dem separaten Sternhaufen VVV CL164 zugeordnet. Man erkennt ihn erst in IR-Wellenlängen als eigenständigen Sternhaufen, weil die starke Extinktion viele Einzelsterne nicht durchdringen lässt. Und noch ein Sternhaufen sei erwähnt: VVV CL167 um den Wolf-Rayet-Stern WR 93 bei (1131/731).

Die Haufenentfernung von Pismis 24 - und damit auch die von NGC 6357 - dürfte nach neueren Messungen von E.F. Lima et al. (Astronomy & Astrophysics 568, A16, 2014) bei 1,78 kpc liegen, das wären ~5800 Lj. Vorsicht bei Angaben aus dem beliebten, aber inhaltlich leider doch recht fleischlosen APOD oder aus Wikipedia. Beide nennen 8000 Lj als Entfernung, ziemlich aus der Luft gegriffen, keiner nennt die Quelle für diese Zahl. Und auf vielen Amateur-Webseiten wird so etwas dann kritiklos übernommen („steht doch im Internet ...“). Die große Schale zwischen den Hummerscheren hat im AdW einen scheinbaren Durchmesser von ~52', was für 5800 Lj Entfernung einen wahren Durchmesser von 88 Lj ergibt. Das wäre gut doppelt so groß wie der M42-Komplex. Derartige ausgedehnte HII-Regionen mit Schalenstrukturen werden oft von blasenartigen Nebeln begleitet. Die Blase bei (920/838) bildet den vorderen Rumpf des Hummers. Hier deuten sich bereits einige helle Sterne im Nebelzentrum an. In IR-Wellenlängen zeigt sich der reiche, offene Sternhaufen ESO392-SC11. Drei O-Sterne um 12 mag gehören dazu. Generell lässt eine runde oder elliptische HII-Blase schon von vornherein erkennen, dass sie eine expandierende Struktur darstellt. Im Zentrum muss daher immer eine stellare Ansammlung - oft aus vielen Sternen - existieren. Eine zweite Blase liegt bei (808/454). Der etwas dezentrale Stern bei (812/474) ist vom Spektraltyp O7.5. Und noch eine dritte Blase bei (578/751) sei erwähnt. Sie gehört zum Hummerschwanz.

Anmerkung zum AdW: Der Bildautor fotografiert seit längerer Zeit mit der bewährten, gekühlten DSLR, die ihm auch im roten Spektralbereich eine satte Empfindlichkeit liefert. Er hat seine astrofotografische Ausrüstung bestens im Griff. Nun könnte man darüber diskutieren, in welchem Maße die Farbsättigung für eine angemessene Bildwirkung angehoben werden darf. Hier ist alles noch in gut vertretbarem Rahmen, zumal die Sternfarben zeigen, dass auch die Farbkalibrierung sich an die Realitäten hält. Dem Bildautor die Gratulation des AdW-Teams!

Peter Riepe

 

Koordinaten von G353.2+0.9/Bildmitte (J2000.0):

RA = 17 h 24 min 48 s, DE = -34° 10´ 48´´

 

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