13. Woche - Der Reflexionsnebel vdB 141 und seine Geister

 -  Astrofoto der Woche
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Im heutigen AdW wird ein Bild des Reflexionsnebels vdB 141 gezeigt, dessen populärer Name „Ghost Nebula“ (Geisternebel) lautet. Das Bildfeld beträgt 93,9' x 59,9'. Zur besseren Darstellung auf dem Monitor wurde das Hochformat waagerecht gedreht, jetzt liegt Norden rechts und Osten oben. Bitte also aufpassen, wenn bei der Detailbeschreibung Himmelsrichtungen angegeben werden. Das AdW stammt von Eduard von Bergen. Die verwendeten Aufnahmen stammen aus bereits länger zurückliegender Zeit (Herbst 2011), jetzt wurde alles in einer erneuten Bildbearbeitung gründlich überarbeitet. Insbesondere tritt die „Tiefe“ nun besser in Erscheinung.

Die Aufnahmeserie entstand am Glaubenberg (Schweiz) in 1450 m ü. M. Bei guten Bedingungen. Gegen Mitternacht herrschten 8°C bei SQM-Werten um 21,3 mag pro Quadratbogensekunde. Das Teleskop war ein 400-mm-Cassegrain von Astrooptik Keller bei effeltiv f/3 auf einer Montierung des Typs Alt-7. Damals war als Kamera die SBIG STL-11000M mit Second-Chip für Autoguiding im Einsatz, Temperatur des Aufnahmechips -25°C. Die Luminanzfilterungen wurden 28 x 600 s belichtet, die RGB-Filterungen je 6 x 600 s (insgesamt 7 h 40 min bei f/3).

Der Geisternebel sitzt zentral im Bild als hellste Partie einer Fülle von schwachen Nebeln. Warum heißt dieser Nebel eigentlich Geisternebel? Dazu ist ein Ausschnitt aus dem AdW als Zusatzbild zu sehen, um 90° nach rechts gedreht. Hier liegt jetzt Norden unten und Osten rechts, um 180° gegen den wahren Anblick gedreht, damit wir die Geister auch deutlich sehen! Es sind drei Geister sichtbar: Die beiden kleineren stehen links der hellsten Nebelpartie, sie recken ihre Ärmchen in die Höhe. Und schön sieht man darüber einen größten Geist mit Umhang durchs All schweben. Was aber ist nun zu dem Nebel vdB 141 anzumerken? Direkt im hellsten Nebelbereich steckt der Stern  BD+67°1300. Er lässt den Geisternebel von innen her leuchten. In der Datenbank Simbad ist der Geisternebel richtigerweise als Reflexionsnebel (engl. reflection nebula) gekennzeichnet. Bereits 1959 publizierte Steward Sharpless sein bekanntes Werk „A Catalogue of H II Regions“ (Astrophys. Journal Suppl. 4, p. 257). Darin ist unser heutiges AdW als Objekt Nr. 136 gelistet, also Sh2-136 nach gängiger Terminologie. Heute ist definitiv klar: Es handelt sich keineswegs um eine HII-Region! Da lag Sharpless völlig daneben. Sieben Jahre nach Sharpless veröffentlichte Sidney van den Bergh seine „A Study of Reflection Nebulae“ (Astronom. Journal 71, p. 990). Darin wird das Objekt Nr. 141 (heute: vdB 141) als roter Nebel des Typs I bezeichnet. Typ I bedeutet: der beleuchtende Stern steckt im Nebel selbst. Typ II bedeutet: der beleuchtende Stern steht außerhalb. BD+67°1300 hat den Spektraltyp G8, und das ist ein gelblicher Stern. Die Helligkeit wird in Simbad mit B = 12,1 mag und V = 10,8 mag angegeben. Das ergibt den Farbindex B-V = 1,3 mag und bedeutet einen Farbton aus sattem Gelb. Dementsprechend ist auch der Nebel gefärbt, im Zentrum jedoch durch den hellen BD+67°1300 weißlich überbelichtet. Hα-Emission ist in vdB 141 nicht vorhanden, das wäre auch mehr als fragwürdig, denn wie sollte ein kühler G8-Stern eine HII-Region zur Emission anregen können?

An den Pixelkoordinaten (2067/792) ist innerhalb der dunklen Bok-Globule CB 230 ein Objekt von kometenförmiger Gestalt zu sehen. Es handelt sich um ein IR-Objekt, das aber erst im infraroten 2MASS (2 Micron Allsky Survey) vollkommen zur Geltung kommt. An der Spitze des „Kometen“ sitzt ein Doppelstern, dessen Komponenten von den Entdeckern Yun und Clemens als CB230YC1-I und CB230YC1-II bezeichnet wurden (Astrophys. J. Suppl. Ser. 92, 145-161, 1994). Offensichtlich findet hier ein jet-ähnlicher Materieauswurf statt, was typisch ist für junge, instabile Sterne wie etwa T-Tauri-Sterne. Der Astronom nennt solche Sterne auch gern YSO = young stellar objects.

Alle Nebel im Bild zeigen Stoßfronten, und erst weit hinter ihnen verfliegt die Nebelmaterie. Das zeigt ganz klar, dass hier ein heißer Stern (oder mehrere) außerhalb des Bildfeldes mit seinem Sternwind für die scheinbaren dynamischen Fließstrukturen der Nebel sorgt.

Anmerkungen: Die Sternfarben kommen – wie es bei einer (L)RGB-Aufnahme auch sein sollte – sehr natürlich heraus. Der Unterschied zwischen blauen jungen und orangegelben alten Sternen wird deutlich. Was mich hier aber wirklich überzeugt, ist der Himmelshintergrund. Es gibt ja viele Astrofotografen, die gerade in den Dunkelnebeln den Schwarzpunkt auf gleiche Werte in R, G und B setzen. Da aber in diesem Gebiet auch der Hintergrund durch die gelbe Strahlung des Sterns BD+67°1300 dominiert wird, kann selbst der dunkle Teil des Hintergrundlichts nicht schwarz bzw. dunkelgrau sein, Blau muss schwächer sein, so dass ein dunkelgelblicher Ton entsteht! Eduard von Bergen ein Dankeschön für dieses gelungene AdW, und dazu unsere Gratulation zum berechtigten Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Eduard von Bergen

 

Objektkoordinaten (J2000):
RA = 21 h 16 min 26,3 s, DE = +68° 15' 37''

 

 

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