14. Woche - Der Supernovarest G206.9+2.3 im Einhorn

 -  Astrofoto der Woche

Supernova-Überreste (SNR) sind beliebte astrofotografische Motive, meistens werden jedoch die bekannten Standardobjekte gewählt wie der Cirrusnebel im Schwan, der Krebsnebel M1 im Stier oder IC 443 in den Zwillingen. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass diese Objekte relativ hell und damit ohne großen Aufwand erreichbar sind. Die lichtschwächeren SNR-Vertreter hingegen sind astrofotografisch anspruchsvolle Motive. Von dieser Sorte wird uns heute ein kaum bekanntes Objekt präsentiert: der SNR G206.9+2.3.

Bildautor ist Daniel Pölzl. Er ist in die Fußstapfen seines Vaters Robert getreten und hat sein Projekt „SNR G206.9+2.3“ erfolgreich durchgeführt. Aufnahmeinstrument war ein 72-mm-Apochromat mit f = 432 mm von Lacerta, Kamera eine ZWO ASI 1600MM Pro. Die verwendeten Filter waren a) ein LRBG-Satz, b) ein Hα-Filter mit 7 nm Halbwertbreite) und c) ein [OIII]-Filter mit 6,5 nm HWB. Alle Filter stammen von Optolong. Belichtet wurde wie folgt: 72 x 10 min in [OIII], dagegen nur 12 x 10 min in Hα und jeweils 1,1 h in R, G und B, insgesamt also 17,3 h bei Blende 6. Die Aufnahmeserie begann am 29.12.2019. Aufnahmeort war Hirschegg in der Steiermark, etwa 35 km Luftlinie westlich von Graz. Das Bildfeld beträgt 125' x 88'.

Jetzt zu den astronomischen Fakten. Der ausgedehnteste SNR im Einhorn ist der „Monoceros-Loop“. Dieser wenig bekannte SNR von 3° Durchmesser ist im Zusatzbild gut erkennbar (hier klicken). Das Zusatzbild stammt aus dem DSS/Aladin, es ist kontrastverstärkt. Der Mittelpunkt des Monoceros-Loops ist durch ein Kreuzchen markiert. ie schließt sich unmittelbar am Nordostrand des Rosettennebels an. Er ist ziemlich lichtschwach. Die Ostflanke des Monoceros-Loops wird gebildet durch die HII-Region [GS55] 104, das ist der Nebel Nr. 104 aus dem Katalog von Gase und Shajn aus dem Jahre 1955. Ein wenig östlich davon liegt im rot umkringelten Bildbereich der SNR G206.9+2.3, man kann ihn aber auf dem DSS-Bild nicht erkennen, dazu ist er zu lichtschwach.

Wechseln wir jetzt vom Zusatzbild wieder zum AdW. Um den SNR in seiner Form gut ins Bild zu bringen, hat Daniel Pölzl das Bildfeld gedreht. Norden liegt auf 13:30 Uhr. Die Längsseite des Bildes verläuft dadurch parallel zum galaktischen Äquator. Der befindet sich etwa 1,5° außerhalb der unteren Bild-Längsseite. Was rechts unten als roter Emissionsnebel ins Bildfeld ragt, ist der äußerste Teil von [GS55] 104 im Ostrand des Monoceros-Loops. Und SNR G206.9+2.3 leuchtet als türkisfarbene Ellipse mit einer ausgeprägten Filamentstruktur. Die Bezeichnung gibt die galaktischen Koordinaten wieder, nämlich 206,9° galaktischer Länge und 2,3° galaktischer Breite. SNR G206.9+2.3 ist auch katalogisiert als PKS 0646+06, da er mit dem Radioteleskop von Parks in Australien beobachtet wurde. und auch als AJG 5 (AJG, hergeleitet aus A.J. Green). Entdeckt wurde SNR G206.9+2.3 meines Wissens von Haslam & Salter (1971).

Die Koordinaten des SNR werden in Simbad angegeben zu: RA = 06 h 48 min 40.0 s und DE = +06° 26' 00" (aus radioastronomischen Beobachtungen). Der Mittelpunnkt der optischen Ellipse liegt jedoch deutlich davon entfernt. Anhand des AdWs lässt sich RA = 06 h 49 min 04 s und DE = +06° 20' 23" ausmachen. Aus dem AdW selbst kann auch der scheinbare SNR-Durchmesser bestimmt werden. Es ergibt sich 54' x 37'. Die Entfernung von SNR G206.9+2.3 ist in der Literatur sehr uneinheitlich. Dies liegt mit an der geringen Intensität des Objekts, sowohl im optischen als auch im Radiobereich. Graham et al. (1982) schätzen 3 bis 5 kpc (9800 - 16.000 Lj), während Odegard (1986) nur 400 pc ableitet (~1300 Lj). Clark & Caswell (1976) geben 2,6 kpc (~8500 Lj) an. Was das Alter betrifft, so kommt Leahey (1986) mit Hilfe von Messungen im Röntgenbereich auf ein geschätztes Alter von 60.000 Jahren. Wer einen Katalog von Supernovaüberresten mit Angabe der Koordinaten und des scheinbaren Durchmessers sucht, dem sei angeraten:

Green, D. A.: A catalogue of 294 Galactic supernova remnants; Bulletin of the Astronomical Society of India 42, p. 47-58 (6/2014).

Und ich kenne ja meine Pappenheimer: Literatur nach Namen suchen ist schlecht, klicken ist gefragt ... also: http://articles.adsabs.harvard.edu/pdf/2014BASI...42...47G

Anmerkungen zur Farbwiedergabe: Das AdW ist wegen der eingesetzten Schmalbandanteile eine Falschfarbenaufnahme, auch wenn die Sterne mit Hilfe der RGB-Belichtungen einkopiert wurden. Dass die türkise Nebelfarbe hier im AdW überwiegt, liegt daran, dass der Nebel selbst separat (mit herausgerechneten Sternen) bearbeitet wurde, und zwar das Summenbild der [OIII]-Aufnahmen allein. Ferner sollte man bedenken, dass Hα nur 2 Stunden belichtet wurde, [OIII] hingegen 6-mal länger, nämlich 12 Stunden. Um das Gleichgewicht zwischen Hα und [OIII] herzustellen, müssten die Schmalbandaufnahmen auch entsprechend kalibriert werden, wenn sie beide zur Verwendung kämen. Noch eine Sache: Der Sensor der ZWO ASI 1600MM Pro, der Panasonic MN34230ALJ, hat eine Quanteneffizienz von 77% bei Hα und 92% bei [OIII]. Hier ist der Türkisbereich im Vergleich zum Rotbereich von vornherein im Vorteil. Noch ein Hinweis: Die ersten optischen Aufnahmen von SNR G206.9+2.3 im Profi-Bereich erfolgten mittels  Hα-Filter. Und schon damals wurde die Filamentstruktur nachgewiesen. Hα hat also schon einen deutlichen Anteil im emittierten Licht.

Der Autor hat aber bewusst diese Farbvariante gewählt, was bei Falschfarbendarstellungen stets eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Und da soll ihm auch nicht hineingeredet werden. Das Bild gefällt durch die saubere technische Ausführung, sowohl was die Optik als auch die Bildbearbeitung betrifft. Ein derartig kräftiges Bild dieses SNR ist im Amateurbereich selten!

Wir danken Daniel Pölzl für dieses hervorragende AdW und schicken ihm einen herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Bild und zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Daniel Pölzl

 

Koordinaten von SNR G206.9+2.3 (J2000):
RA = 06 h 49 min 04 s, DE = +06° 20' 23"

 

 

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