14. Woche - Nochmals NGC 2174/5, jetzt als Echtfarbenaufnahme

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt nochmals den Emissionsnebel NGC 2174/5, jetzt als Aufnahme von Fachgruppenmitglied Kai-Oliver Detken aus Grasberg. Er nutzte die Schönwetterphase am 6. und 7. Februar dieses Jahres und verwendete einen Refraktor TS PHOTOLINE 130 mm. Das ist ein apochromatisches Triplett der Apertur f/7, also 910 mm Brennweite. Zur Reduzierung der Brennweite und Ebnung des Bildes wurde ein Reducer/Flattner von TS-Optics verwendet, einschließlich 2-Zoll-Korrektor. Kamera war eine astromodifizierte Canon 1000Da mit einem CLS-Filter von Astronomik. Alles befindet sich auf einer parallaktischen Montierung des Typs iOptron CEM60. Die Fokussierung erfolgte mit Hilfe einer Cuzdi-Maske, die Nachführung erledigte ein Lacerta M-GEN V2. Zudem wurde das Dithering durchgeführt mittels Square Snake mit 5 px. Belichtet wurden 108 Einzelaufnahmen je 5 min bei ISO 800, insgesamt sind das 9 h. Norden liegt auf etwa 8 Uhr, die Bildfeldgröße beträgt 1,4° x 0,94°.

Über das Objekt selbst wurde im AdW der letzten Woche genügend berichtet. Diesmal geht es um den Vergleich zwischen einer Falschfarbenaufnahme mit engbandigen Linienfiltern und einem Echtfarbbild. Worin besteht der Unterschied hinsichtlich der Objektdetails? Dazu bitte jetzt das Vergleichsbild anschauen
 (hier klicken). Am auffälligsten ist wohl, dass der zentrale Nebelbereich deutlich im blaugrünen [OIII]-Licht leuchtet, was auf den hellsten Haufenstern HD 42088 mit dem Spektraltyp O6.6V zurückzuführen ist. Er sorgt mit seiner extrem hohen UV-Energie für eine hohe Ionisation in seinem engeren Umfeld. Im Außenbereich fehlt aber [OIII], deswegen wird dort nur die Hα-Emission erkennbar. Dies bringt die Interferenzfilteraufnahme klar zum Vorschein. Die Echtfarbenaufnahme hingegen zeigt das nahezu gleichförmige Hα-Rot, welches im gesamten Nebel vorkommt. Von der zentralen [OIII]-Emission (obwohl sie stark ist) dringt hier nichts durch. Das soll jetzt keine Abwertung der Canon-Aufnahme sein, vielmehr bedingt die unterschiedliche Aufnahmetechnik, dass die Physik des Nebels unterschiedlich erfasst wird. Desweiteren erscheint in der Falschfarbentechnik eine kleine interne HII-Region im nördlichen Nebelbereich als runder, gelblicher Fleck. Diesen Farbunterschied gibt die Echtfarbenaufnahme offensichtlich kaum differenziert wieder.

Dass die Sternfarben in einer Hubble-Falschfarbenaufnahme nicht stimmig sind, wurde im letzten AdW erläutert. Deshalb fragen wir uns jetzt mit großem Interesse, wie die Sterne auf der Echtfarbenaufnahme wiedergegeben werden. So sollte der zentrale O6-Stern eigentlich knallblau erscheinen. Das ist hier aber nicht der Fall, die Farbe Blau ist eindeutig unterrepräsentiert. Daher möchten wir hinsichtlich der Farbkalibrierung noch auf Verbesserungsmöglichkeiten hinweisen.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Astrofotografie ist eine ganz besondere Disziplin. Viele Dinge müssen beachtet werden und jedem Astrofotografen wird schnell klar, um zu einem guten Astrofoto zu gelangen, ist der Prozess immer zwei geteilt: die eigentliche Aufnahme auf der einen Seite und die Bildbearbeitung auf der anderen. Der Aufnahmeprozess hängt natürlich stark von den Umweltbedingungen ab, unter denen fotografiert wird. Aber auch das verwendete Equipment spielt eine Rolle, sowie eine besondere Sorgfalt etwa dann, wenn es um die Fokussierung oder die exakte Nachführung geht. Die Bildbearbeitung ist etwas, was stark vom persönlichen Geschmack ausgeht, aber auch gewissen Regeln folgt. Ein Punkt, der oftmals diskutiert wird, ist die Farbsättigung. Viele Astrofotografen beziehen ganz klar die Position, dass es sich dabei um ein Thema handelt, welches alleinig dem persönlichen Geschmack zuzuordnen ist. So werden farblich sehr stark bearbeitete Bilder als „amerikanisch“ abgestempelt, und bis vor einigen Jahren war es zumindest in Deutschland en vogue, die Farbsättigung in Astrofotos eher niedrig zu belassen. Mit dem folgenden Experiment möchte ich zeigen, dass es sich dabei keineswegs um eine rein geschmackliche Entscheidung handelt. Nimmt man einmal ein einfarbiges Bild in einer kräftigen Farbe, und unterzieht dieses Bild einem stretching, wie es in Astrofotos üblich ist, stellt man fest, dass die Intensität der Farbe abnimmt. Aus einem kräftigen Rot etwa wird ein blasses Rosa. Man kann also davon ausgehen, dass ein Astrofoto im ursprünglichen, linearen Zustand eine höhere Farbsättigung aufweist, als das fertig gestreckte Bild. In der Regel kompensiert man das, indem man in mehreren Schritten, vor, während und evtl. nach dem Stretching die Farbsättigung erhöht. Insbesondere die Erhöhung vor dem Stretching bringt hier einiges. Inwieweit man die Farbsättigung nach dem Stretching erhöht, hängt dann schon auch vom persönlichen Geschmack ab.

Kai-Oliver Detken hätte die Farbsättigung bei diesem Bild noch etwas erhöhen können. Insgesamt handelt es sich aber um ein sehr gutes Astrofoto, bei dem vor allem in Punkto Geduld (Belichtungszeit) alles richtig gemacht wurde.

Wir gratulieren zu dem Bild und zum AdW. 

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten für HD 42088 (J2000.0):

RA = 06 h 09 min 39.6 s, DEK = +20° 29' 15''

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