15. Woche - Sh2-308, ein ringförmiger Emissionsnebel im Großen Hund

 -  Astrofoto der Woche  - 

Verschiedene Astronomen entdeckten bereits auf den fotografischen Platten der australischen Surveys eine schwache Nebelstruktur im Sternbild Canis Major. Für den Astrofotografen von heute höchst interessant: Denn obwohl damals wegen der Lichtschwäche des Objekts noch keine Rede von Farbaufnahmen sein konnte, zeigten die Schmidtaufnahmen doch schon, dass der Nebel im blauen Licht stärker emittiert als im roten (hier klicken). Steward Sharpless setzte den Nebel als Nr. 308 in seinen 2. Katalog, daher Sh2-308. Beverly T. Lynds registrierte ihn als Nr. 1052 (LBN 1052). Und schließlich verzeichneten Rogers, Campbell und Whiteoak den Nebelbogen als Nr. 11, daher RCW 11. Lassen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen: Bei Sh2-308 handelt es sich um keinen leicht fotografierbaren, hellen Nebel!

Peter Großpointner gibt heute sein Debüt bei uns. Wir begrüßen ihn ganz herzlich bei den AdW-Astrofotografen! Er hat die Schiebedachhütte von Markus Blauensteiner am Gahberg hoch über dem Attersee übernommen und visierte im Februar 2018 Sh2-308 an. Das hier gezeigte Bild von 103' x 82' (Norden links, Osten unten) entstand mit einem Newton-Astrographen von 300 mm Öffnung und 865 mm Brennweite. Da Sh2-308 aufgrund seiner Deklination auch in Österreich nur wenig über den Südhorizont steigt, blieb pro Abend nur ein 1,5-stündiges Aufnahmefenster. Um also mit der Belichtungszeit zu haushalten, wurde die CCD-Kamera Moravian 16200 M im 2x2-Binningmodus betrieben. Als Montierung wurde eine ALT AD5 verwendet. Belichtungszeit: 25 x 15 min mit [OIII]-Filter, und mit RGB-Filtern je 7 x 5 min dazu. Das war´s - kein Hα. Im Anschluss erledigte Markus Blauensteiner die Bildbearbeitung.

Was gibt es über Sh2-308 zu berichten? Es handelt sich nicht um eine HII-Region, ebensowenig um einen Supernovarest - auch wenn er dem Cirrus-Nebel im Schwan frappierend ähnlich sieht. Vielmehr liegt hier ein Wolf-Rayet-Nebel vor mit dem hellsten Bereich im Westen (oben) und einem Gasausfluss nach Nordwesten (links oben). Ein paar weitere Beispiele für dekorative WR-Nebel: G2.4+1.4 im Schützen, Thors Helm NGC 2359 im Großen Hund, NGC 6888 im Schwan, NGC 7635 in der Cassipeia, RCW 52 am Nordrand des Eta-Carinae-Nebels und noch RCW 58 ebenfalls im Sternbild Carina. Was ist eigentlich ein WR-Nebel? Ausgangspunkt ist immer ein Wolf-Rayet-Stern (WR-Stern). Im Falle von Sh2-308 handelt es sich um HD 50896. Dieser Veränderliche mit dem Namen EZ Canis Majoris trägt im bekannten 6. Katalog galaktischer WR-Sterne von K.A. van der Hucht et al. (1981) die Bezeichnung WR 6. Im AdW liegt dieser 6,9 mag helle, sehr blaue Stern (B-V = -0,28 mag) etwa im Zentrum des Nebels, jedoch ein wenig versetzt. Der 3,9 mag helle gelbe Stern am südlichen Nebelrand (rechts) ist nur ein Vordergrundstern. WR-Sterne haben sich aus vormals massereichen O-Sternen von mehr als 20 Sonnenmassen weiterentwickelt. Während dieser Entwicklung durchlaufen die O-Sterne das Stadium als rote oder gelbe Überriesen, oder als leuchtkräftige blaue Veränderliche (LBV). In herben Masseverlusten werfen sie ihre äußeren Hüllen ab, die mit geringen Geschwindigkeiten von 10 bis 100 km/s in alle Richtungen fortfliegen und sich als verdünnende Gaswolke um den Stern verteilen. Liegt schließlich der heiße Kern des Sterns frei, so reden wir von einem WR-Stern. Dieser strahlt mit Temperaturen um 50.000 bis 100.000 Kelvin extrem starke Sternwinde ab, die ihrerseits dann mit 1000 bis 2000 km/s mit dem ausgestoßenen, umgebenden Nebel kollidieren. Durch diesen Stoßprozess (bitte nicht Schock) formt ein WR-Stern seinen ihn umgebenden Nebel. WR-Nebel können schalenförmig rund erscheinen, besitzen manchmal aber auch eine einfache faserförmige Gestalt oder klumpige Emissionsknoten. WR 6 und Sh2-308 sind etwa 4,9 Lj entfernt. Im AdW misst der Nebel 50' in seiner Längsrichtung. Das bringt ihn auf rund 70 Lj Durchmesser - doppelt so groß wie der Orionnebel.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das AdW dieser Woche zeigt wieder einmal ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem die Bildaufnahme und die Bildbearbeitung von zwei verschiedenen Personen gemacht wurde. Die Aufnahme entstand an der Sternwarte Gahberg, einer fantastischen Einrichtung im österreichischen Salzkammergut. Die Aufnahmen selbst hat Peter Großpointner gemacht, die anschließende Bildbearbeitung Markus Blauensteiner. Um eines vorweg zu nehmen, beide Arbeitsschritte sind hervorragend gelungen, und das Ergebnis überzeugt. Das Objekt ist auf Grund seiner südlichen Lage von Mitteleuropa aus sehr schwer zu fotografieren, und dadurch ergeben sich einige Schwierigkeiten. Grundsätzlich ist es nicht zu empfehlen in Horizontnähe zu fotografieren, und das gleich aus mehreren Gründen. Bei jedem Sonnenuntergang erkennt man leicht die Auswirkungen, die die größere Luftmasse (engl. airmass) auf ein astronomisches Objekt hat. Zum einen wird durch Extinktion bedingt das Licht des Objektes in seinem Nordsüdverlauf selbst deutlich farblich verschoben. So erscheint die Sonne am Horizont deutlich gelber, bis hin zu rötlich oder tiefrot, je nach atmosphärischen Besonderheiten (Luftfeuchtigkeit, Aerosole etc.). Es versteht sich von selbst, dass dieser Effekt nicht nur bei der Sonne sondern auch bei den Sternen und Deepskyobjekten auftritt. Zum zweiten kommt es am Horizont zu einer sogenannten differentiellen, also unterschiedlichen Refraktion (Lichtbrechung) zwischen blauem und rotem Licht (selbstverständlich auch aller dazwischen liegenden Wellenlängen). Im späteren Bild sieht man das an blauen und roten Farbsäumen an den Sternen. Teilweise lässt sich dieser Effekt durch geeignete Software abmildern. Drittens wirkt sich die größere Luftmasse auf das Seeing aus, was man dem hier gezeigten Bild tatsächlich ansehen kann. Die Sterne wirken etwas defokussiert bzw. verwaschen.

Viele Bildaufnahmesoftwares dokumentieren den Verlauf eines Objektes relativ zum Horizont, und schreiben den dafür vorgesehenen Wert (airmass) in den FITS-Header einer CCD-Aufnahme. Dieser Wert lässt sich auslesen, bzw. es lassen sich sogar Limits einstellen, die nicht unterschritten werden dürfen. Bei professionellen Sternwarten ist dies eine selbstverständliche Vorgehensweise. Andererseits können wir Amateure bewusst solche Limits überschreiten, und sei es aus astrofotografischem Ehrgeiz.

Peter Großpointner hat sich bewusst für eine Überschreitung der Limits entschieden, und so dürfen wir dieses Bild bewundern. Die gewohnt schöne Bildbearbeitung von Markus Blauensteiner rundet das Ergebnis entsprechend ab. Wir gratulieren beiden Bildautoren zum Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 06 h 54 min 13 s, DEK = -23° 55' 42''

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