17. Woche - Cederblad 201, alias vdB 152

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der Cepheus ist und bleibt eines der lohnendsten Sternbilder für Astrofotografen. Schließlich gibt es hier interstellare Materie in Hülle und Fülle. Außerdem steht der Cepheus in unseren mitteleuropäischen Breiten das ganze Jahr hindurch über dem Horizont (= zirkumpolar). Ziel für dieses AdW war der kleine blaue Reflexionsnebel Cederblad 201. Norden ist im Bild oben, Osten links – die übliche Konvention für astronomische Motive. Das Bildfeld misst 86' x 69'. Bereits 1946 publizierte der schwedische Astronom S. Cederblad den Nebel als Nr. 201 in seinem Nebelkatalog. Viel populärer wurde aber 20 Jahre später die Veröffentlichung von Sidney van den Bergh mit dem Titel „A Study of Reflection Nebulae“ (Eine Studie der Reflexionsnebel). Für ihr Zustandekommen wurden etwa 500.000 Sterne aus der Bonner Durchmusterung (BD) und der Cordoba-Durchmusterung (CD) mittels Palomar Observatory Sky Survey „unter die Lupe“ genommen. Etwa 500 dieser Sterne zeigten assoziierte Reflxionsnebel. Cederblad 201 trägt im Katalog von van den Bergh die Nummer 152, daher vdB 152. Der hellste Nebelbereich liegt um den Stern BD+69°1231. Dieser 8,8 mag helle Stern des Spektraltyps A ist offensichtlich Verursacher des blauen Nebelleuchtens. Im vdB-Katalog sind 13,6’ für den Nebeldurchmesser im blauen Licht angegeben. Aber in Wirklichkeit haben wir einen fahnenförmigen, schwachen Nebel vor uns, der sich bräunlich leuchtend weit nach Norden (also oben) erstreckt. So entsteht der Eindruck eines bräunlichen kometarischen Schweifes, der am blauen vdB 152 ansetzt. Wäre nicht BD+69°1231 im Südrand des Nebels eingebettet, so hätte der gesamte Nebelkomplex eine bräunliche Farbe. Die Entfernung von BD+69°1231 – und damit auch des Nebels – beträgt etwa 1300 Lichtjahre.

Im Oktober 2017 nahm sich Bildautor Stefan Reichmann vdB 152 vor. Aufnahmeort war Bad Belzig. Verwendet wurde ein apochromatischer Refraktor Explore Scientific 127 mm 100FCD, dazu eine Farbkamera ATIK Horizon OSC. Mit einem Fokalreduktor (heute sagt man nur noch englisch "Reducer") kam die Brennweite auf 666 mm. Belichtet wurde 7,25 Stunden als Betatest für die Farbkamera.

Was auffällt, ist eine leichte Unschärfe im gesamten Bildfeld. Der FWHM-Wert liegt (so man ein bearbeitetes Bild überhaupt endgültig beurteilen kann) bei 3 bis 4 Bogensekunden. Rücksprache mit dem Autor ergab, dass das Seeing zum Aufnahmezeitpunkt sehr schlecht war. Dadurch werden Feinheiten verschluckt, wie z.B. der lichtschwache Supernovarest SNR G110.3+11.3. Er liegt östlich (hier also links) von vdB 152. Möglicherweise ist aber auch die Rotemfindlichkeit der Kamera nicht ganz so hoch, denn der Planetarische Nebel DeHt 5 sollte in der linken oberen Bildecke sichtbar sein. Wenn man ihn kennt, zeigen sich so gerade die hellsten Partien. Was dagegen sehr gut herauskommt, ist der vom Licht der Milchstraße erleuchtete kometarische Schweif von vdB 152.

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

Das aktuelle AdW stammt von Stefan Reichmann und wurde im brandenburgischen Bad Belzig aufgenommen. Die Ortschaft liegt südöstlich von Potsdam und Berlin, ist aber eingekreist durch mehrere Landschaftsparks und Naturschutzgebiete. Die Bedingungen für die Astrofotografie dürften also trotz der relativen Nähe zu den Metropolen recht gut sein. Die Belichtungszeit beträgt knapp acht Stunden, was für ein solches Objekt angemessen ist (hier muss natürlich immer das Teleskop und die Kamera mit einberechnet werden). Der sehr schwache Dunkelnebel setzt sich sehr gut vom Hintergrund ab. Im Umfeld gibt es noch zahlreiche, deutlich schwächere Dunkelnebelschleier, die sich teilweise im Bild andeuten, in einer invertierten Darstellung des Bildes noch deutlicher sichtbar sind. Die erreichte Tiefe der Aufnahme ist also sehr gut.

Als Teleskop kam ein Apochromat der Firma Explore Scientific zum Einsatz, der erst vor wenigen Jahren auf dem Markt eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um ein relativ preiswertes Modell, wenn man es direkt mit den baugleichen Teleskopen bekannter Hersteller apochromatischer Teleskope vergleicht, wie etwa Takahashi oder TEC. Als Kamera kam die recht neue Atik-Kamera des Typs Horizon zum Einsatz, hier in der Farbvariante (OSC= One Shot Color). Die Kamera verfügt über einen CMOS-Chip, im Gegensatz zu den bisher verbreiteten CCD-Chips. Die CMOS-Technologie ist in der Astrofotografie (und nicht nur hier) stark auf dem Vormarsch und scheint die CCD-Technologie abzulösen. In der Kritik stehen die Kameras wegen ihrer relativ geringen Tiefe von nur 12 bit im Gegensatz zu den bei CCDs üblichen 16 bit. Eine spannende Entwicklung, denn sicherlich wird es bei zukünftigen Kameramodellen nicht bei den 12 bit bleiben.

Betrachtet man das Bild einmal genauer, fällt auf, dass es eine leichte Unschärfe aufweist, zumindest ist das der erste Eindruck. Dabei muss es sich aber nicht zwangsläufig um einen Makel des verwendeten Teleskops handeln. Auch andere technische oder Umwelteinflüsse, wie etwa das Seeing, können hier eine Rolle spielen. Ich vermute jedoch noch eine dritte Ursache: Das Bild wurde ganz offensichtlich mit Hilfe einer Software entrauscht, ich möchte mich fast festlegen dass dies mit PixInsight geschah. Vielen Astrofotografen ist nicht bewusst, dass ein Entrausch-Algorithmus eine Verringerung der Auflösung bewirkt. Anschaulich betrachtet handelt es sich also um einen Weichzeichnungsfilter. Wie gut ein solches Entrauschen funktioniert, hängt also von der „Intelligenz“ eines Entrauschfilters ab. Aber das zu Grunde liegende Prinzip, ein Weichzeichnen, ist immer das gleiche! Es ist also beim Entrauschen wichtig, die Bereiche zu schützen, die viele Details und damit einhergehend viel Signal aufweisen. Man kann das mit einer sogenannten Luminanzmaske erreichen. Dabei wird die Luminanz aus einem Bild extrahiert, invertiert und im Schwarz- und Weißpunkt angepasst. Diese Maske wird zwischen das ursprüngliche Bild und der entrauschten Variante gelegt. In der Durchsicht werden dann nur noch die Bereiche eines Bildes entrauscht, die über wenig Signal verfügen (Hintergrund) und entsprechend den Graustufen der Maske nimmt mit steigendem Signal die Wirkung des Rauschfilters ab. Diese Methode ist so einfach wie genial. Bis auf diesen kleinen Makel handelt es sich aber um ein sehr sehr gutes Astrofoto, welches Stefan Reichmann uns hier zeigt. Besonders positiv hervorzuheben sind die Sternfarben, sicherlich als Folge einer Farbkalibrierung.

Wir gratulieren zum AdW und natürlich zu dem schönen Astrofoto.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 22 h 13 min 25 s, DEK = +70° 15´ 05´´

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