18. Woche - Drei auf einen Streich – das Leo-Triplett

 -  Astrofoto der Woche

Das Frühjahr bietet uns wieder viele Galaxien als Deep-Sky-Objekte. Und so schickt Günter Kerschhuber eine bekannte Szenerie aus dem Löwen, das Leo-Triplett (engl. Leo triplet). Das Bild ist allerdings nicht auf die drei Galaxien M 65, M 66 und NGC 3628 zentriert, sondern auf die etwas weiter westlich stehende Spiralgalaxie NGC 3593. Grund: Das primäre Ziel war NGC 3593, verplant für die Belichtung mit einem 10-Zoll-Newton mit längerer Brennweite und daher mit kleinerem Gesichtsfeld. Das heutige weitwinkelige AdW entstand parallel dazu mit einem kurzbrennweitigen Apochromaten (Esprit von Skywatcher) mit 80 mm Öffnung und 400 mm Brennweite, beide Teleskope auf einer Montierung des Typs Gemini G42. Aufnahmedatum war der 27.02.2019, Aufnahmeort die Sternwarte Gahberg im Salzkammergut. Als Kamera wurde eine Canon EOS6D benutzt. Belichtungszeit: 102 x 8 min und damit in Summe 13,6 h bei Blende 5. Die Bildbearbeitung wurde PixInsight durchgeführt. Das hier gezeigte AdW ist damit ein schöner "Beifang", der zusammen mit der Newton-Aufnahme ins Netz ging. Das Bildfeld misst 5° x 3,2° mit Norden oben und Osten links.

Meist sieht man das Leo-Triplett allein für sich fotografiert. Hier – beim zusätzlichen Anblick von NGC 3593 – stellt sich die Frage: Hat NGC 3593 physikalisch eine Bindung zum Leo-Triplett? Laut NASA Extragalactic Database (NED) sind folgende Radialgeschwindigkeiten bekannt:

NGC 3593: 628 km/s, M 65: 807 km/s, M 66: 727 km/s, NGC 3628: 843 km/s.

Die vier Galaxien liegen im Rahmen der üblichen Geschwindigkeitsstreuung offenbar in einer ähnlichen Entfernung. Auch dazu gibt die NED Werte an: etwa 14 bis 17 Mpc (~45 bis 55 Mio. Lj). Geht man für eine einfache Überschlagsrechnung einmal von 50 Mio. Lichtjahren aus, dann käme NGC 3593 bei 64' Abstand zu M 65 auf eine projizierte Distanz von rund 930.000 Lichtjahren zu M 65. Das ist sehr viel näher, als die Milchstraße vom Andromedanebel entfernt ist (2,4 Mio. Lj). Die Zusammengehörigkeit beider ist damit keine Spekulation mehr.

Zum Leo-Triplett: M 65, M 66 und NGC 3628 bilden ein wechselwirkendes System. Deutlich wird das an einem langen Gezeitenschweif, der sich von NGC 3628 nach Osten erstreckt. Er wird sehr schön sichtbar in der invertierten und kontrastverstärkten Bildversion, siehe dazu das Zusatzbild (hier klicken). Modellrechnungen von Toomre (1977) und Rots (1978) ergaben, dass der Gezeitenschweif wie folgt rein gravitativ erklärt werden kann: Vor etwa 800 Mio. Jahren ereignete sich eine nahe Begegnung, bei der M 66 auf einer parabelförmigen Bahn bis auf 25 kpc an NGC 3628 herankam. Dabei wurde NGC 3628 interstellares Material entrissen und formt nun den Gezeitenschweif. Dies ist aber nur eine Theorie, und Modellrechnungen darf man durchaus kritisch "beäugen", denn die für Modellrechnungen erforderlichen Parameter unterliegen stets der Absicht und damit der Willkür des betreffenden Astronomen ... Ob der Gezeitenschweif in Wirklichkeit ein Sternstrom ist, erzeugt durch eine kannibalisch von NGC 3628 verschlungene Zwerggalaxie, muss hier offen bleiben.

Anmerkung: Es ist einfach eine überragende Leistung, mit einer so kleinen Optik einen derart tiefen Bildinhalt hinzubekommen. Günter Kerschhuber setzt auch die Sternfarben in diesem Bild sauber um, d.h. die Farben entsprechen den Spektraltypen der Sterne und ihrem Farbindex B-V. Sicherlich trug auch der bekanntermaßen gute Himmel hoch über dem Attersee zu diesem beachtlichen Bild bei. Dafür dem Bildautor einen herzlichen Dank.

Und natürlich unsere Gratulation an Günter Kerschhuber zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Günter Kerschhuber

 

Koordinaten von NGC 3593 (J2000):
RA = 11 h 14 min 37 s, DE = 12° 49' 04''

 

 

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