19. Woche - Der Supernovarest VRO 42.05.01 = G166.0+4.3

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im Fuhrmann liegt etwa 3,6° südsüdöstlich des Hauptsterns Capella ein nebulöses Objekt, das hier erstmals als AdW vorgestellt wird. Es ähnelt in seinem Erscheinungsbild dem Zirrusnebel im Schwan mit rot und blau leuchtenden Nebelbögen. Norden liegt rechts im Bild, Osten oben. Das Bildfeld misst 59,8' x 47,1. Es werden ganz eindeutige, filamentförmige Stoßfronten sichtbar, insbesondere an der Nordost- und an der Südwestseite (rechts oben bzw. links unten). Insgesamt bekommt der Nebel eine Schalenstruktur mit eingelagerten geradlinigen Streifen. Der östliche Nebelbereich mit dem nierenförmigen, geschlossenen Ring wird im Lynds-Katalog als HII-Region LBN 769 bezeichnet, im Sharpless-Katalog als Sh2-224. Deren Koordinaten sitzen gemäß der Datenbank Simbad jedoch ziemlich deplatziert im hier gezeigten Gesamtbild. Aber wie gesagt: LBN 769 und Sh2-224 repräsentieren ja auch nur einen Teil des Gesamtkomplexes.

Eine verlässliche Aussage erhält man schließlich im Katalog der Supernovareste (Green, 2014). Unser AdW-Objekt ist der Supernovarest G166.0+4.3, der bereits in dem bekannten 1973-er Katalog von Sidney van den Bergh als VRO 42.05.01 aufgelistet ist. VRO ist das „Vermillion River Observatory“ der Universität von Illinois. An dem dortigen 400-füßigen Radioteleskop wurden Radioquellen zwischen 40° und 44° Deklination aufgespürt und 1965 von MacLeod und Kollegen publiziert. Eine Astronomengruppe um Landecker schätzte 1989 eine Entfernung von 4500 pc (rund 14700 Lj). Für diese Entfernung konnte Miguel Araya 2013 eine sphärische Gestalt von etwa 85 Lichtjahren Durchmesser nachweisen. Filamente sind typische Merkmale der Supernovareste, zeigen sie doch, dass das ausgeschleuderte Supernovamaterial an den Stoßfronten mit der interstellaren Materie zusammenstößt. Genau dadurch entsteht die Anregung und Lichtemission der Supernovareste.

Frank Iwaszkiewicz nahm den Supernovarest VRO 42.05.01 = G166.0+4.3 am 13., 14., 16. und 17. Februar 2018 in Eggersdorf auf. Optik war ein 10-zölliger Newton (TS ONTC mit f/4). Dazu wurde eine CCD-Kamera des Typs Atik 383L+ eingesetzt. Belichtungszeit: 22 x 20 min mit Hα-Filter (6 nm), 14 x 20 min mit [OIII]-Filter (6 nm), 9 x 5 min je RGB-Filter. Dank an den Bildautor, denn durch die ausgezeichnete Farbgebung des Nebels wird die Natur dieses Supernovarestes eindeutig klar. Insbesondere machen die lichtschwachen [OIII]-Filamente den Unterschied zu einer HII-Region aus. Dazu sind saubere Sternfarben passend abgestimmt. Und schließlich macht das heutige AdW es möglich, die Nebelkoordinaten direkt aus dem Bild abzuleiten und nicht auf ungenaue Werte aus den Datenbanken zuzugreifen.

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

Das aktuelle AdW zeigt viele Parallelen zum AdW der 17.Woche, welches gerade mal zwei Wochen alt ist. Auch hier wurde die Aufnahme in der Nähe von Berlin gemacht, genauer gesagt in Eggersdorf, einem Vorort östlich der Hauptstadt. Die Bedingungen dürften nicht optimal sein, da die Großstadt dort noch für eine deutliche Aufhellung des Nachthimmels sorgt. Allerdings kamen bei der aktuellen Aufnahme von Frank Iwaszkiewicz engbandige Linienfilter zum Einsatz, die zwar primär nicht dazu dienen, aber eben doch effektiv störende Wellenlängen blockieren. In vier Nächten wurden dann insgesamt mehr als 14 h belichtet, um diesen Supernovaüberrest darzustellen. Zusätzlich zu den engbandig gefilterten Aufnahmen wurden noch Aufnahmen mit RGB-Filtern gemacht, die hier im Bild hauptsächlich dazu dienen, die Sternfarben darzustellen. Auf einen [SII]-Filter wurde verzichtet. Die Filterauswahl wurde also den physikalischen Gegebenheiten angepasst, eine Vorgehensweise, die wir begrüßen.

Das resultierende Bild zeigt einen schwachen SNR in kräftigen, leuchtenden Farben, der sich somit schön vom Himmelshintergrund absetzt. Genau das ist das Ziel in der Astrofotografie, ein schwaches Objekt aus dem Himmelshintergrund zu extrahieren. Die Aufnahme wirkt dadurch sehr beeindruckend. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass das Bild (genau wie beim AdW 17/2018) einen leicht unscharfen Eindruck macht. Über die Gründe dafür kann man als Betrachter immer nur spekulieren. Viele Faktoren können zu einer Unschärfe führen. Ich möchte an dieser Stelle nochmal ein Konzept vorstellen, welches im Buch „The Zone System“ von Ron Wodaski propagiert wird. Einfach gesagt geht es darum, ein Bild in verschiedene Zonen einzuteilen. Nämlich solche mit kaum Signal (Hintergrund), wenig Signal (schwache Nebel) und viel Signal (Sterne und helle Nebel). Im Buch wird aufgezeigt, welche Bearbeitungen den verschiedenen Zonen zukommen soll, und welche Bereiche eines Bildes vor einer speziellen Bearbeitung geschützt werden müssen. So werden nur Bereiche mit wenig Signal entrauscht, Bildbereiche mit viel Signal jedoch nicht, diese können dann geschärft werden. Im vorliegenden Fall hätte man versuchen können, das Bild mit einem Deconvolutionsfilter zu bearbeiten. Dieser dient in erster Linie dazu, den negativen Einfluss des Seeings zu kompensieren. Allerdings ist das Schärfen mit einer Deconvolution nicht trivial. Nur gut gesampelte Aufnahmen sprechen gut auf das Verfahren an. Möglicherweise erzielt man also im vorliegenden Fall auch damit keine Verbesserung (oder fängt sich Artefakte ein). Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen.

Das Bild überzeugt aber wie gesagt, durch einen schönen, kräftig leuchtenden Nebel und sehr schöne Sternfarben. Wir gratulieren Frank Iwaszkiewicz zu dem gelungenen Bildergebnis und natürlich zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten (J2000.0):

RA = 05 h 26 min 17 s, Dec = +42° 53' 40''

Sie haben Fragen oder Hinweise? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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