2. Woche - Der Galaxienhaufen ACO 262 (= Abell 262)

 -  Astrofoto der Woche  - 

Zunächst allen ein zufriedenes und gesundes Jahr 2018 vom gesamten AdW-Team! Die Zeit geht voran, das 2004 eingerichtete AdW hat nun sein 15. Lebensjahr begonnen. Wer hätte das einmal gedacht? Und heute wird ein ungewöhnliches Deep-Sky-Motiv vorgestellt: Der Galaxienhaufen Abell 262 auf der Grenze zwischen den Sternbildern Andromeda und Triangulum. Das AdW zeigt ein Bildfeld von 56' x 41' mit Norden oben, Osten links. Franz Klauser ist der Bildautor. Sein Aufnahmeort Puchenstuben in Österreich liegt 900 m hoch. Dort entstand die Aufnahmeserie zum Bild am 18., 19. und 20.10.2017 mit einem ASA-Astrographen von 300 mm Öffnung und 1080 mm Brennweite (Apertur f/3,6). Die CCD-Kamera war eine FLI ML 8300. Belichtet wurde 310 min in Luminanz und 290 min für die Farben RGB, insgesamt also 10 Stunden bei 10-minütigen Einzelschüssen. Die Bildbearbeitung übernahm Manfred Wasshuber. Zu seiner Aufnahme schreibt Franz Klauser: „In drei aufeinanderfolgenden Nächten im Oktober 2017 waren die Bedingungen ähnlich gut, sodass ich mich ausführlich mit dem Galaxienhaufen im Sternbild Andromeda beschäftigen konnte. Das bei 1080 mm Brennweite relativ große Feld der FLI ML 8300 bringt außer dem zentralen Teil um die hellste Galaxie NGC 807 (habe ich absichtlich nicht ins Zentrum gesetzt) viele weitere schöne Spiralgalaxien und Balkenspiralen, daneben auch Spindeln mit ins Bild.“

Bereits 1958 veröffentlichte George O. Abell einen ersten Katalog, der 2712 reiche Galaxienhaufen auflistete. Der eigentliche „Abell-Katalog“ entstand aber erst in einer Neu-Auflage mit Publikation 1989. Darin wurde für den Nordhimmel der Palomar Observatory Sky Survey ausgewertet, für den Südhimmel der Süd-Survey mit dem 1,2-m-Schmidtteleskop (UK) in Australien. In beiden Fällen basieren die Aufnahmen auf fotografischen Platten. Bezogen auf diese Gemeinschaftsarbeit von George O. Abell, Harold G. Corwin und Ronald P. Olowin werden die Galaxienhaufen heute nicht mehr nur Abell-Haufen genannt, sondern ACO-Haufen.

Was gibt es nun zu ACO 262 zu berichten? Der Haufen gilt als eine Galaxienkondensation der Kategorie „poor“ (arm) im Pisces–Perseus-Superhaufen. Er ist bei weitem nicht so dicht besiedelt wie der Comahaufen, sondern eher vergleichbar mit dem Virgohaufen. Das Zentrum von ACO 262 stimmt nahezu mit der gelblichen elliptischen Galaxie NGC 708 überein. Das AdW zeigt einen Teil des nördlichen Haufenbereichs. Insgesamt deckt ACO 262 einen Winkelbereich von fast 3° Durchmesser ab (Wegner et al. 2012). Das entspricht einer wahren Ausdehnung von etwa 11 Mio. Lichtjahren. Ein großer Anteil sind spindelförmige Galaxien, die der Astronom mit dem Typus S0 charakterisiert. Wer sich für die im Bild befindlichen Galaxien und ihre Eigenschaften interessiert: bitte hier klicken, zur Textverkürzung habe ich eine Tabelle zusammengestellt. Die Entfernung von ACO 262 lässt sich aus der mittleren Radialgeschwindigkeit ableiten. Mit 4788 km/s (SIMBAD) ergeben sich 214 Mio. Lj. Hassan et al. (2016) konnten 4852 ± 22 km/s messen, was 217 Mio. Lj entspricht. Für die 25 tabellierten Galaxien im AdW von Franz Klauser mit 4959 km/s ergeben sich 221 Mio. Lj.

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Das erste AdW des neuen Jahres zeigt eine Gemeinschaftsarbeit der beiden Österreicher Franz Klauser und Manfred Wasshuber. Dieses Team hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Anzahl hochwertiger Astrofotos veröffentlicht, auch dem aufmerksamen AdW-Leser dürften die beiden bereits bekannt sein. Franz Klauser hat dabei die Bildaufnahme bewerkstelligt, während Manfred Wasshuber die anschließende Bearbeitung übernommen hat. Eine solche Zusammenarbeit erfordert Vertrauen und Respekt gegenüber den Fähigkeiten des jeweils anderen. Dann aber kann solch eine Teamarbeit sehr fruchtbar sein.

Es gibt Bilder, die beim Betrachter sofort große Begeisterung auslösen, und es gibt solche, die ein genaueres Betrachten erfordern und natürlich ein astronomisches Hintergrundwissen. Würde man das heutige AdW einem Laien vorlegen, würde dieser darin vermutlich nur unterschiedlich helle Punkte erkennen, während das Bild eines großflächigen und hellen Emissionsnebels auch bei Laien meistens sofort für große Begeisterung sorgt. Ein Galaxienhaufen gehört also nicht unbedingt zu den spektakulären Erscheinungen, erst das Hintergrundwissen macht ein solches Bild zum Hingucker. Denn erfahrene Astrofotografen vermögen die zahlreichen Galaxien unterschiedlichster Größe zu erkennen. Damit ist klar, es handelt sich um eine sehr tiefe Aufnahme dieses Galaxienhaufens, denn es sind unzählige, winzige Galaxien in diesem Bild erkennbar. Die lange Belichtungszeit und das lichtstarke Teleskop haben sich also bezahlt gemacht.

Was auffällt, ist der starke Kontrast des Bildes. Die Sterne und Galaxien heben sich so sehr schön vor dem dunklen Hintergrund ab. Der Hintergrund des Bildes liegt in allen drei Farbkanälen bei ziemlich genau 20/20/20. Das sind einheitslose Werte für die Graustufen im Bild. Der Wert 0 entspricht dabei komplett schwarz, 256 rein weiß. Messen kann man dies z. B. in der Software Adobe Photoshop, indem man mit dem Mauszeiger übers Bild fährt und im Info-Feld die Werte für den 8-Bit-Bereich abliest. Diese einheitlichen Werte deuten auf eine sehr solide und saubere Bildbearbeitung hin, wie sie von einem erfahrenen Mann wie Manfred Wasshuber auch nicht anders zu erwarten war. Hintergrundwerte von 20/20/20 auf Rot, Grün und Blau verteilt gelten als Richtwert und sehr guten Anhaltspunkt für den Himmelshintergrund, der somit dunkelgrau erscheint. Man kann nun aber darüber diskutieren, ob der Himmel nicht doch heller ist. Damit ist keine Lichtverschmutzung gemeint, denn selbst oder gerade an den dunkelsten Flecken der Erde erscheint der Nachthimmel niemals komplett schwarz. Samtig oder Schiefergrau trifft es eher, wobei das jeder Betrachter anders empfindet. Man könnte also überlegen, dem Bild eine letzte Gradationskurve zu spendieren und den Hintergrund noch etwas anzuheben. Aber das sind, wie immer, individuelle Ansichten eines jeden Astrofotografen.

Wir gratulieren den Bildautoren zu diesem tollen Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten von NGC 708 (J2000.0):

RA = 01 h 52 min 47 s, DEK = +36° 09' 07''

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team:
fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben links auf den Namen. Sie können auch den Autornamen anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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