2. Woche - Im Herzen von IC 1396

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die helle HII-Region IC 1396 ist jedem Astrofotografen bekannt. In ihrem Zentralbereich steckt eine Detailstruktur, die der Astronom als IC 1396 A/B bezeichnet und die man populär als „Elefantenrüssel“ kennt. Oft wird das Gebilde fälschlicherweise als vdB 142 bezeichnet. Dazu unten mehr. Im heutigen AdW gehen wir etwas näher auf IC 1396 A ein. Das Bild von 24´ x 16´ Feldgröße hat Norden oben und Osten links. Es stammt von Bernd Wallner und Rochus Hess, beide sind Mitglieder der FG Astrofotografie. Bernd hat in seinem Garten in Burghausen an der Salzach eine schöne Sternwarte gebaut, darin befindet sich ein 600-mm-Reflektor vom Typ Cassegrain. Als Kamera kommt eine SBIG ST-10XME zum Einsatz. Insgesamt wurde im letzten Sommer während einer längeren Zeitspanne 23 Stunden in LRGB belichtet. Alle Aufnahmen entstanden im Sekundärfokus des Cassegrains bei 4,8 m Brennweite, d.h. bei Blende 8. Die Einzelbelichtungen betrugen 5 min ohne Binning, allesamt ohne Guiding, mit Autoslew und MLPT von Sequence. Für das AdW wurden etliche Einzelschüsse aussortiert, da die CCD-Kamera laut Bildautor nicht ganz zuverlässig ist. So sind jetzt ca. 14 Stunden Belichtungszeit übrig geblieben. Bernd schreibt: „Der gute Rocky (Rochus Hess) hat für mich die Bildbearbeitung übernommen, da er in dieser Disziplin ein wahrer Meister ist.“

Was zeigt das heutige AdW? Abgebildet ist IC 1396 A. Etwas weiter rechts nach Westen liegt außerhalb des Bildfelds die Fortsetzung IC 1396 B des Elefanterüssels. Die hellen Sterne im Feld weisen V-Helligkeiten um 9 mag auf. Sie gehören zum Sternhaufen Trümpler 37. In der Mitte des linken Bilddrittels befinet sich der blaue B3-Stern HD 239710 mit einer nebligen Fahne nach Nordwesten. Diese Fahne und die ganz schwach erleuchtete direkte westliche Umgebung stellen den Reflexionsnebel vdB 142 dar, der auch als Bernes 36 oder ganz schlicht als GN 21.35.1.02 katalogisiert wird. In der Rüsselspitze (besser gesagt: im Kopf der Kaulquappe) ist ein deutliches Loch erkennbar. Dieses dunkle Loch wird als Dobashi 3187 geführt. Die Lochränder werden von innen angeleuchtet und erzeugen so den runden Nebel Bernes 37. Verursacher des Leuchtens ist im Wesentlichen der knallgelbe 13,6 mag helle Emissionslinienstern LkHα 349 bei den Pixelkoordinaten (779/957). Er sollte als Spektraltyp F9 eigentlich weißlich erscheinen, wird jedoch durch die interstellare Materie im Loch merklich ins Gelbliche „gerötet“.

Sehr schön kommt der rot leuchtende Rand von IC 1396 A heraus. Hier wird eindeutig Hα-Licht emittiert. Dieses Phänomen ist als „bright rim“ (= heller Rand) bekannt. Werden im AdW HII-Regionen vorgestellt, dann sind meistens auch solche roten Nebelränder mit im Spiel. Wer liefert die Energie für die Emission? Das ist der östlich außerhalb des Bildfeldes liegende 5,6 mag helle O6-Stern HD 206267. Bemerkenswert ist, dass IC 1396 A neben einer Staubansammlung ganz offensichtlich auch eine Molekülwolke ist. Der immer enthaltene Wasserstoff - er ist es ja schließlich, der rot leuchtet - ist ein eindeutiges Indiz.

Und jetzt zur Namensgebung IC 1396 A und B. Der Astronom S. R. Pottasch befasste sich schon früh intensiv mit den bright rims. Der gebürtige Amerikaner lebte überwiegend in den Niederlanden und war als Professor der Astrophysik von 1963 bis zu seinem Tod 2018 im Kapteyn Astronomical Institute der Universität Groningen tätig. Bereits 1956 verfasste er im niederländischen Bulletin of the Astronomical Institutes of the Netherlands seine Arbeit: „A study of bright rims in diffuse nebulae.“ In IC 1396 fand und katalogisierte er die Gebiete IC 1396 A bis H, in weiteren 33 HII-Regionen wurden ebenfalls bright rims gefunden und gelistet.

Was gefällt mir an diesem Bild besonders? Die Sternfarben sind sehr gut getroffen. Die Farbindizes B-V stimmen gut mit den astrophysikalischen Gegebenheiten überein. Die Bildbearbeitung ist mit guter Farbkalibrierung durchgeführt. Das Problem stellt dabei der Nachthimmel von Burghausen dar. Die bekannte Chemiestadt ist in eine Lichtglocke eingehüllt, so dass Farbgradienten im Original sicherlich Probleme bereitet haben dürften. Mit dem SQM wurde eine Himmelshelligkeit von 19,7 mag pro Quadratbogensekunde gemessen. Das ist für astrofotografische Projekte sicherlich suboptimal.

Was bei der Ausschnittsbetrachtung auffällt, ist eine kleine, aber deutliche Verformung der Sterne im unteren Bildbereich. Aber zur Kamera hat Bernd Wallner ja schon oben etwas verlauten lassen. Insgesamt gefällt dem AdW-Team das Bild recht gut! Daher beiden Bildautoren unsere Gratulation zum heutigen AdW!

 

Anmerkung

Jetzt noch einmal kurz zu dem geänderten Erscheinungsbild unseres AdWs. Mit Beginn des neuen Jahres hat Frank Sackenheim aus persönlichen Gründen seine Mitarbeit im AdW-Team beendet. Daher müssen wir ab jetzt auf die gewohnt guten technischen Kommentierungen verzichten. Dies mag jeder AdW-Freund für sich selbst bewerten. Auf jeden Fall danken wir Frank Sackenheim ganz herzlich für seine seit 2015 laufende kollegiale, zuverlässige und fachlich versierte Arbeit und wünschen ihm alles Gute für seine private Zukunft.

Peter Riepe

 

Koordinaten (J2000) von vdB 142:

RA = 21 h 36 min 41 s, Dec = +57° 30´ 06´´

 

Sie haben Fragen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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