22. Woche - IC 443, der Supernovarest in den Zwillingen

 -  Astrofoto der Woche

Der bekannte Supernovarest (SNR) IC 443 im Sternbild Zwillinge zählt zu den Standardobjekten der Astrofotografen. Vor 14 Tagen erschien in diesem Jahr bereits im AdW 19-2021 ein schönes Bild von IC 443, aufgenommen mit 650 mm Brennweite in den Filterungen RGB und Hα bei Blende 5. Heute gibt es eine aufnahmetechnische Variante zu sehen. Peter Remmel, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie, zeigt uns heute seine Version gemäß der Hubble-Palette. Die Aufnahmeserie vom 13.2. - 01.3.2021 entstand in Hünfelden Kirberg, etwa 10 km südöstlich von Limburg/Lahn gelegen. Ein Celestron C14 mit Hyperstar kam zum Einsatz, so dass Öffnung und Brennweite bei 356 mm respektive 688 mm lagen. Somit wird das AdW 19-2021 brennweitenmäßig gesehen vergleichbar mit dem heutigen. Die Aufnahmeblende ist jedoch hier rund 6,7-mal lichtstärker. Kamera war eine ZWO ASI294 mm pro. Belichtet wurde wie folgt: 180 x 1 min in [SII] mit 6 nm Halbwertbreite, 120 x 1 min in Hα (6 nm) und 140 x 1 min in [OIII] mit 7 nm HWB. Insofern wirkte sich der Lichtgewinn durch die größere Öffnung sofort positiv aus als Gewinn für die Schmalbandfilterung mit enger Fensterbreite. Die Bildbearbeitung gemäß der Hubblepalette erfolgte mit PixInsight und Photoshop. Das Bildfeld beträgt 83' x 62', Norden ist oben, Osten links.

Die astronomisch wissenswerten Fakten zu IC 443 selbst wurden im AdW 19-2021 ausführlich besprochen. Daher können sie heute entfallen. Was aber sicherlich neu für den ein oder anderen Leser sein dürfte: Von IC 443 verläuft im oberen Bildbereich ein markantes Nebelfilament nach Osten. Es zeigt eine frappante Ähnlichkeit zu den typischen Filamenten eines Supernovarestes. Der Vergleich mit einer Stoßfront liegt auf der Hand. Sie passt aber bezüglich ihrer Lage und Symmetrie nicht so recht zu einem expandierenden Teilbereich von IC 443. Schaut man sich den Bereich um das Filament im Detail an, dann ist nördlich bei den Pixelkkordinaten (1165/727) eine schmale, aber deutlich blaue Färbung festzustellen. Hier liegt also eine relative Stärke von [OIII] vor, so wie der gesamte Außenrand von IC 443 auch bläulich in [OIII] schimmert. Weiter nördlich jenseits der bläulichen Farbe des Filaments liegt das "Hubble-Grün" des ionisierten Wasserstoffs von Sh2-249 vor. Südlich des Filaments wird ein parallel verlaufendes, aber sehr schwaches Filament sichtbar, so dass der Eindruck einer zweiten Stoßfront entsteht. Da hier die Färbung ins Bräunliche geht, hat [SII] einen offensichtlichen Anteil.

Im Jahre 1991 veröffentlichten Becker, White und Edwards einen Katalog von Radioquellen, die sie bei 4,85 GHz entdeckt hatten. Exakt am Ort des gerade besprochenen Filaments konnten sie eine solche Quelle nachweisen. Da der Katalog 53.522 Quellen umfasste, war die Aufmerksamkeit nicht sofort groß. Diese Radioquelle wurde als BWE 0616+2248 bezeichnet. Drei Jahre später gab es eine durchschlagende Untersuchung von Asaoka und Aschenbach mit dem Röntgensatelliten ROSAT. Sie veröffentlichten die Entdeckung eines neuen SNR, der sich mit IC 443 überschneidet und noch vor diesem liegt. Sein Zentrum: RA = 06 h 19 min und Dec = +22° 12'. Unser Filament ist ziemlich exakt der Norddrand dieses SNR. Aus der Morphologie und aus dem Röntgenspektrum konnten sie ableiten, dass es sich um einen separaten SNR handelt, etwa 100.000 Jahre alt und damit viel älter als IC 443 mit nur rund 1000 Jahren. Der SNR trägt nun die offizielle Bezeichnung SNR G189.6+3.3. Schließlich konnte 2004 durch Leahy radoastronomisch die nicht-thermische Natur von SNR G189.6+3.3 bestätigt werden.

Anmerkungen: Die Wahl des Bildfeldes ist sehr gut getroffen. Der helle Zentralbereich von IC 443 steht weiter unten rechts in Richtung Bildecke verschoben. Dafür kommt jetzt oben links das höchst interessante Nebelfilament zur Geltung, das man ansonsten kaum beachtet. Ein überlegt gestaltetes Bild, auch von der Bildbearbeitung her technisch sauber abgewickelt. Dafür herzlichen Dank an Peter Remmel. Und natürlich darf auch die Gratulation zum Astrofoto der Woche nicht fehlen!

 

Peter Riepe
Bildautor: Peter Remmel

 

Koordinaten (J2000.0):
RA = 06 h 16 min 41,5 s, DE = +22° 32' 02"

 

 

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