23. Woche - Interstellare Materie in der Waage

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im Sternbild Waage (Libra) - nahe am "Dreiländereck" Libra, Ophiuchus, Serpens Caput - befindet sich LDN 134, eine Dunkelwolke aus dem "Catalogue of Dark Nebulae" von Beverly T. Lynds. LDN 134 ist ein typischer Vertreter solcher Dunkelwolken, die sich bei langer Belichtungszeit überraschenderweise als "helle Nebel" herausstellen. Dieses Phänomen erklärt sich allein aus der langen Belichtungszeit, denn der Staub in Molekülwolken streut ja doch - wenn auch wenig - das Licht benachbarter Sterne. Werner Probst hat dieses Motiv, das wir erstmals als AdW zeigen können, am 21. April dieses Jahres aufgenommen. Aufnahmeort war seine Balkonsternwarte in Gurk/Kärnten, Teleskop ein Refraktor Tele Vue-NP127is mit 127 mm Öffnung und 660 mm Brennweite (= Blende 5,2 bzw. Apertur f/5,2). Als CCD-Kamera verwendete er eine Moravian G2-8300 FW. Belichtet wurde 25 x 600 s für die Luminanz und je 5 x 600 s für RGB, insgesamt also 6 h 40 min. Norden liegt rechts, Osten oben. Das Bildfeld misst 91,2´ x 68,1´.

Der Autor merkt an: "Im Internet konnte ich nur wenige Aufnahmen dieses Objekts finden, somit war meine Entscheidung gefallen." Dazu ein kleiner Tipp: Kataloge zu Dunkelwolken gibt es genug. Einige sind in der Literatur zu finden, die im nächsten Abschnitt erwähnt sind. Sie umfassen noch etliche interessante Objekte mehr. Daher empfiehlt es sich, auch einmal die Original-Fachliteratur anzuschauen. Außerhalb des Bildfeldes liegt nach Nordwesten (also hier unten rechts) der 3,5 mag helle Stern mü Serpentis. Er steckt in einem noch riesigeren, etwas lichtschwächeren Wolkenkomplex - vielleicht einmal eine Herausforderung. Ein kleiner Teil davon ragt gerade unten rechts in die Bildecke. Dunkelwolken besitzen oft ein ausgeprägtes Zentrum. Für LDN 134 liegt es grob in der Bildmitte, knapp links unterhalb des bläulichen Sterns. Dort dringt kein Licht des Hintergrunds durchs Dunkel.

Was gibt es über das heutige AdW-Motiv zu berichten? LDN 134 ist Teil der ausgedehnten Molekülwolke MBM 36. Dieser Name geht zurück auf die Astronomengruppe Loris Magnani, Leo Blitz und Lee Mundy. Sie publizierten 1985 eine Arbeit über Molekülwolken in hohen galaktischen Breiten (Astrophys. J. 295, 402-421). Demnach sind diese Wolken relativ nahe zur Sonne gelegen. Sie stehen nicht, wie der überwiegende Teil der interstellaren Materie, in der galaktischen Ebene! Die Astronomen untersuchten die Molekülwolken zwischen 1983 und 1984, natürlich nicht optisch, sondern radioastronomisch. Dazu verwendeten sie ein 5-m-Radioteleskop für 2,6 mm Wellenlänge, um interstellares Kohlenmonoxid (CO) nachzuweisen. Diese Untersuchungen wurden in späteren Jahren ausgeweitet. Es zeigte sich, dass CO und neutraler Wasserstoff stets miteinander einhergehen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass auch andere interstellare Molekülsorten wie CN, H2 und noch kompliziertere Arten vertreten sind. Solche Molekülwolken sind dann die Vorratslager, aus denen sich in Kombination mit Staub eine spätere Sternentstehung ergeben kann. Für LDN 134 ergaben HI-Messungen von K. Mattila (Astronomy & Astrophys. 160, 157-170 (5/1986)) die sehr geringe Entfernung von 100 pc, Myers, Linke und Benson (Astrophys. J. 264, 517-537 (1/1983)) nennen 140 pc, also ca. 450 Lj.

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

 

Betrachtet man Astrofotos, so ist natürlich - wie bei jedem Bild - der erste Eindruck der entscheidende. Und um das gleich vorweg zu nehmen, der erste Eindruck des hier gezeigten Bildes von Werner Probst ist absolut toll. Leider bleiben viele Betrachter beim ersten Eindruck, und in Zeiten des Internets wird oftmals gleich zum nächsten Bild gegangen, wo man auch nur kurz verweilt und der Kopf schnell das Urteil fällt. Das AdW soll sowohl dem Bildautor aber auch dem Betrachter die Gelegenheit geben, einmal länger beim Bild zu verweilen, es zu analysieren, Hintergründe zu erfahren und so der Leistung des Astrofotografen gerecht werden. Was uns Werner Probst hier zeigt ist absolut bemerkenswert. Zwar wurde hier schon öfters angemerkt, dass wir in tollen Zeiten für die Astrofotografie leben, und z.B. Dunkelnebel nichts wirklich Ungewöhnliches mehr sind, aber dieser Dunkelnebel liegt nicht mitten in der Milchstraße und er steht auch nicht hoch im Zenit. Als Aufnahmedatum ist der 21.4.2018 angegeben, angesichts der Belichtungszeit muss sich die Aufnahme aber über zwei Nächte hingezogen haben, oder die Zeit in der einen Nacht wurde optimal genutzt. Das Objekt liegt im Sternbild Waage und zur Kulmination steht dieses Objekt selbst von Österreich aus gerade mal 40° über dem Horizont. Die Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben (Luftunruhe, Lichtverschmutzung, Refraktion und Extinktion), dürften jedem erfahrenen Astrofotografen bekannt sein. Wäre die Aufnahme auf den Kanaren entstanden, wäre es immer noch ein tolles Bild, umso mehr ist es das aber angesichts der Tatsache, dass die Aufnahme auf dem heimischen Balkon in Gurk im österreichischen Kärnten entstand.

Bei einem solch lichtschwachen Objekt ist es klar, dass man viel Zeit in die Luminanz stecken muss, um das Objekt über den Himmelshintergrund zu bekommen. So wurden 4 h alleine der Luminanz gewidmet. Vergleichbar dazu fiel die Belichtungszeit für die Farben etwas kurz aus, mit nur knapp einer Stunde (50 Minuten) für jeden einzelnen Farbkanal. Auch wenn die Hauptinformation des Bildes aus der Luminanz kommt, so helfen tiefe Farbaufnahmen doch sehr bei der anschließenden Bildbearbeitung. Hier gibt es allerdings unterschiedliche Philosophien unter den Astrofotografen, und unter mitteleuropäischen Wetterbedingungen ist man manchmal ja auch einfach froh die Aufnahme im Kasten zu haben.

Die Bildbearbeitung dieser Aufnahme dürfte kein Kinderspiel gewesen sein. Dem aufmerksamen Betrachter werden vielleicht die etwas ungewöhnlichen Sterne auffallen. Zum einen zeigen sie sehr deutliche Spikes, ein bekannter Effekt des hier verwendeten Chips (KAF 8300), hervorgerufen durch die Mikrolinsen, die für eine bessere Zentrierung der Lichtbündel sorgen. Zum anderen wurde hier offenbar ein Algorithmus der Bildbearbeitungssoftware PixInsight angewendet, der „Masked Stretch“ heißt. Dabei werden die Sterne maskiert und somit die restlichen Anteile des Bildes deutlicher angehoben. Der Prozess ist iterativ, geschieht also in vielen kleinen Schritten. Die Ergebnisse, die so erzielt werden, sind wirklich beeindruckend, führen aber zusammen mit dem Beugungseffekt zu gewöhnungsbedürftigen Sternlein. Auch das ist wieder etwas, wozu es unterschiedliche Meinungen gibt. Man sollte von Fall zu Fall entscheiden, ob der Prozess das Ergebnis verbessert oder besser weggelassen werden sollte. In dem Fall hat sich die Software absolut bezahlt gemacht. So tritt der Dunkelnebel schön hervor, während die Sterne in den Hintergrund treten.

Wir gratulieren Werner Probst zu dieser Aufnahme und natürlich zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten (J2000.0):

RA = 15 h 53 min 36 s, Dec = -04° 35´ 26´´

Sie haben Fragen oder Hinweise? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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