24. Woche - Die Kleine Magellansche Wolke

 -  Astrofoto der Woche  - 

Die Große und die Kleine Magellansche Wolke, zwei irreguläre Zwerggalaxien, gelten als Begleiter der Milchstraße. Die Fachwelt bezeichnet sie als Large Magellanic Cloud (LMC) und Small Magellanic Cloud (SMC). In Europa kennt man sie seit 1519, nachdem der portugiesische Seefahrer F. Magellan sie bei seinen Seefahrten beobachtet und über sie berichtet hat.

Justin Kabaus von der österreichischen CEDIC-Gruppe ist Bildautor. Die Aufnahme entstand 2015 in Chile auf der Hacienda Los Andes. Verwendet wurde eine unmodifizierte Canon EOS 6D mit Objektiv Canon EF 200 mm f/2.8L bei Blende 4 – was generell der Bildqualität in den Ecken gut tut. Bei ISO 800 wurde 16 x 3 Minuten belichtet.

Lange Zeit glaubte man, dass die Magellanschen Wolken die Milchstraße seit ihrer gemeinsamen Entstehung beim Urknall umrunden. Nach neueren Forschungsarbeiten könnten LMC und SMC jedoch aus der Umgebung des Andromedanebels stammen, wo sie ihrer Eigenbewegung zufolge vor vielen Milliarden Jahren herkamen (G. Byrd et al. (1994), Astronom. J. 107, 2055). Andere neu entwickelte Simulationen der Bahnbewegungen deuten auf zwei Möglichkeiten: a) LMC und SMC umrunden die Milchstraße auf einer sehr langgestreckten Ellipse mit ca. sechs Milliarden Jahren Umlaufdauer, b) sie fallen erstmals ins Milchstraßensystem ein. Die zweite Version erscheint wahrscheinlicher (G. Besla et al. (2012), Mon. Not. Roy. Astr. Soc. 421, 2109-2138). Beide Magellanschen Wolken dürften demnach eher zwei bisher „einmalige Besucher“ sein.

Die SMC ist etwa 190.000 Lj von der Milchstraße entfernt. Ihre scheinbare visuelle Helligkeit liegt bei 2,7 mag. Das darf aber zu keinen falschen Vorstellungen zu ihrer Sichtbarkeit führen, denn die mittlere Flächenhelligkeit erreicht damit nur 23,3 mag pro Quadratbogensekunde. Sie ist 320´ × 185´groß, was eine wahre Ausdehnung von 17.700 Lj ergibt. Als Zwerggalaxie ist sie also eher ein „dicker Zwerg“. Sie besteht aus zwei Teilen, die von uns aus gesehen etwa 100.000 Lj hintereinander liegen. Verursacher könnten Kollisionen vor langer Zeit mit der LMC sein. Dabei verlor die SMC große Gasmengen, LMC und SMC ziehen dieses Gas (hauptsächlich Wasserstoff) heute als „Magellanschen Strom“ gemeinsam hinter sich her.

Das AdW zeigt, dass die SMC zahlreiche HII-Regionen besitzt. Nun könnte der Leser auf den ersten Blick sagen: „Was – HII-Regionen? Die müssen doch rot sein!“ Nein, das müssen sie nicht. Verschiedene Zwerggalaxien mit Sternentstehung in der Ursa-Major-Gruppe zeigen solche nicht roten HII-Regionen, die grünlich, bläulichgrün oder gar bläulich leuchten. Die Ursache für diese Färbung: Sehr junge HII-Regionen sind sowohl starke [OIII]-Strahler, dazu beinhalten sie noch sehr viel Staub, der erst im Alter ganz allmählich von den eingebetteten jungen, heißen Sternen weggeblasen wird. Erst dann überwiegt wegen der dann starken UV-Strahlung der Anteil an rotem Hα-Licht. Wenn man jedoch mit einem zusätzliche Hα-Filter einer solchen Galaxie noch Rotanteile zubelichtet und die dem Rotkanal zuordnet (weil HII-Regionen ja rot sein müssen …), dann wird dieser Nebel auch rot. Hier war eine solche „Farbzugabe“ nicht der Fall.

Text zum Objekt und Belichtungsdaten: Peter Riepe

 

Das CEDIC-Team ist ein Zusammenschluss österreichischer Astrofotografen, die alle zwei Jahre die Central European Deepsky Image Conference, kurz CEDIC, organisieren und abhalten. Darüber hinaus hat die Gruppe in den vergangenen Jahren mehrere Astrofotoexkursionen unternommen, unter anderem nach LaPalma und bereits zweimal nach Chile. Justin Kabaus hat an einer dieser Exkursionen teilgenommen, die zur Hacienda Los Andes führte, einer auf Astrofototourismus spezialisierten Farm im Hurtado-Flußtal in Chile. Die Farm liegt etwa 100 km südöstlich von La Serena, unweit des Cerro-Pachon-Gipfels, wo das Cerro Tololo Observatorium beheimatet ist. Die Hacienda Los Andes ist großartig ausgerüstet mit hochwertigen Teleskopen und Montierungen, und lässt keine Wünsche offen. Im Oktober 2015 entstand die hier gezeigte Aufnahme. Der Aufnahmezeitpunkt bot beste Bedingungen die Magellanschen Wolken aufzunehmen, die in Chile zu dieser Jahreszeit hoch am Himmel stehen. Für die Aufnahme wurde eine nicht modifizierte Canon 6D benutzt (Details zu den Farben der HII-Regionen liefert bereits der Text von Peter Riepe, es handelt sich also nicht um eine vermeintliche „Schwäche“ einer nicht modifizierten Kamera), sowie ein Canon 200 mm L Objektiv, welches sehr gerne zur Astrofotografie herangezogen wird.

Die kleine Magellansche Wolke passt perfekt ins Bildfeld, und die Wahl der Kamera/Objektiv-Kombination war durchdacht und klug. Ein Nachteil, der sich daraus jedoch ergibt, ist die geringe Ortsauflösung der Kombination, und daraus resultierend ein Undersampling. Undersampling bedeutet einfach gesagt, dass nicht genügend Pixel einen Stern erfassen und somit ein eher blockartiger Bildeindruck entsteht. Im Gegensatz zu einer gut gesampelten Aufnahme, bei der die kugelige Gestalt (PSF) eines Sterns gut zu sehen ist.

Ein undersampling lässt sich in vielen Fällen nicht vermeiden, da bei kleineren Brennweiten die Pixel einer Kamera einfach zu groß sind. Im Nachhinein kann man aber versuchen, den undersampling-Effekt etwas abzumildern. Eine Möglichkeit bietet ein sogenanntes Resampling, darunter versteht man die Überführung von einem Abtastraster in ein anderes. Eine Hoch- oder Runterskalierung, eine Drehung auf ein anderes Raster, all das versteht man unter Resampling. Eine geeignete Resampling-Methode gegen undersampelte Aufnahmen ist das Drizzling, welches von einigen Bildbearbeitungssoftwares unterstützt wird.

Ein Resampling findet übrigens auch statt, wenn man in der Bildbearbeitungssoftware Adobe Photoshop ein Bild in der Größe verändert. Besonders dann, wenn man die Bildgröße für eine Präsentation im Internet anpasst, sollte man darauf achten, dass die passende Resampling-Methode gewählt wurde. Ansonsten kann ein überschärfter Bildeindruck die Folge sein.

Wir gratulieren Justin Kabaus zu dieser schönen Aufnahme, und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten (J2000.0):

RA = 00 h 52 min 45 s, Dec = -72° 49´ 43´´

 

Sie haben Fragen oder Hinweise? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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