26. Woche - NGC 1555 um den Veränderlichen T Tauri

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im Sternbild Stier (Taurus) befindet sich ein kleiner, gelblicher Reflexionsnebel namens NGC 1555. Unser heutiges AdW von Markus Blauensteiner zeigt ihn zentral in einem Bildfeld von 142' x 106' (Norden oben, Osten links). Die Aufnahme entstand am 24.10.2017, Aufnahmeort war Verclause (Südfrankreich). Mit einem Takahashi Epsilon 130ED (Öffnung 130 mm, Brennweite 430 mm) und einer Moravian G2-8300 wurde 66 x 10 min im Luminanzkanal belichtet, RGB je 30 x 10 min, so kam eine Gesamtbelichtung von 26 Stunden zustande. Dazu französisch: Chapeau!

Schon im AdW 4/2013 wurde der Nebel vorgestellt, aufgenommen von Mark Elvov, damals mit einem wesentlich kleineren Bildfeld. NGC 1555 ist der hellste, erleuchtete Teil einer Molekülwolke aus dem Taurus-Perseus-Komplex. Verursacher des Nebelleuchtens ist der Veränderliche T Tauri, 40'' östlich des Nebels gelegen. Seine Helligkeit liegt bei durchschnittlich etwa 10 mag. Entdeckt wurde T Tauri mit seinem Nebel 1852 vom Engländer J.R. Hind. Da der beleuchtende Stern variabel ist, ist auch der Nebel variabel, was ihm den populären Namen „Hind´s variable nebula“ einbrachte. In der Zeit zwischen 1868 bis 1890 war Hinds variabler Nebel unsichtbar. Erst 1890 kam er wieder zum Vorschein, so dass E.E. Barnard und S.W. Burnham ihn beobachten konnten. In den 1890er Jahren bis 1920 war die Sichtbarkeit wiederum stark eingeschränkt. Aber seit den 1930er Jahren steigt die Nebelhelligkeit wieder stetig an. Übrigens haben auch Cederblad und Sharpless NGC 1555 als Ced 32b und Sh2-238 in ihre Nebelkataloge aufgenommen.

Wir sehen die mit Staub vermischte Molekülwolke hier in der direkten Bildmitte. T Tauri und NGC 1555 fallen sofort ins Auge, sie liegen gemeinsam in einer kleinen Höhle, die nordwestlich eine helle Seite besitzt und nach Süden in die anschließende kleine Dunkelwolke Dobashi 4471 übergeht. T Tauri ist ein G5-Stern und sollte deshalb weiß erscheinen. Er wird jedoch durch den dichten Staub dermaßen stark gerötet, dass er gelborange verfärbt wird. 5,7' südwestlich von T Tauri befindet sich der 8,38 mag helle Stern HD 27560 vom Spektraltyp G0. Er steht eindeutig im Vordergrund und wird nicht durch interstellare Materie verfärbt. Im APOD vom 3 Mai 2014 ist dieser Stern bläulich, was auf eine schlechte Farbkalibrierung zurückzuführen ist. Hier im AdW ist er weiß, so wie es sein muss. An der unteren Bildseite rechts der Mittelsenkrechten befindet sich der weißlich-bläuliche und 6,1 mag helle F0-Stern HD 27429. Er lässt die ihn umgebende, weniger dichte interstellare Materie eine Nuance weißbläulich erscheinen. Links in der Bildecke wirken die Nebel ebenfalls weißlich. Dafür ist das Licht des 6 mag hellen F4-Sterns HD 27901 verantwortlich. Von Osten her schimmert der orange Schein des 3,5 mag hellen Sterns Epsilon Tauri ins Bild. Was wir in diesem Bild vergeblich suchen, sind helle blaue, junge Sterne. Die gibt es in diesem Himmelsbereich einfach nicht. Das beweist die Bildbearbeitung mit exakter Farbkalibrierung eindeutig, und das kann man in Surveys im Grunde auch schon vor der Aufnahme herausfinden.

Was wissen wir noch von T Tauri? 1982 wurde durch Speckle-Interferometrie im Infrarotbereich entdeckt, dass 0,7'' südlich von T Tauri Nord ein Begleiter vorliegt, kurz T Tauri Süd getauft. Aber optisch wurde T Tauri Süd nie gefunden. Er hat steckt nämlich in dichter Materie verborgen, die eine visuelle Absorption von 15 mag (!) bewirkt. Vor 18 Jahren ergaben weitere Untersuchungen, dass T Tauri Süd wiederum aus zwei Komponenten A und B besteht. T Tauri Süd A und B bewegen sich mit ihrem Schwerpunkt sehr wahrscheinlich um T Tauri Nord. Eine präzise Messung aus dem Jahre 2007 zeigte, dass das Dreifachsystem 147,6 Lichtjahre entfernt ist.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Markus Blauensteiner ist einer der aktivsten Astrofotografen der deutschsprachigen Szene, und ein fleißiger AdW-Bildautor. In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder interessante Bilder von ihm bekommen, die dann als AdW veröffentlicht wurden. Bei diesen Bildern sind wir schon auf seine Standorte eingegangen, auf sein Instrumentarium aber auch auf seine sehr gute Bildbearbeitung. Auch das jetzt vorliegende Bild vereint all diese Dinge. Aufgenommen unter einem sehr dunklen Himmel im Süden Frankreichs und mit einem ausgezeichneten Astrographen. Die Bildbearbeitung ist abermals sehr gelungen, was insgesamt zu einem fantastischen Ergebnis geführt hat. Vergleichsaufnahmen des Objekts gibt es nicht viele, die bekannteste hat der US-amerikanische Astrofotograf Adam Block gemacht, mit dem 32-Zoll-Teleskop des Mount-Lemmon-Observatoriums in Arizona. Das von Adam Block geschossene Bild kann durchaus als Referenzaufnahme von NGC 1555 angesehen werden. Vergleichen Sie einmal die Aufnahme von Adam Block (Wikipedia) mit dem heutigen AdW. Betrachten Sie die Details im Nebel und machen sich dann klar, dass das eine Bild mit 130 mm Öffnung (Blauensteiner) und das andere mit 810 mm Öffnung gemacht wurde (Block). Beide Aufnahmen geben auf ihre Art und Weise wieder, was heute mit Amateurmitteln möglich ist.

Das Bild von Markus Blauensteiner möchte ich einmal zum Anlass nehmen und die rhetorische Frage stellen: Was macht eigentlich eine exzellente Bildbearbeitung aus? Die Bildbearbeitung fängt an bei der Auswahl der Rohbilder, die letztendlich in das finale Bild eingehen. Dabei gilt ein Grundprinzip der Datenverarbeitung: Garbage in - Garbage out, was übertragen auf die Astrofotografie bedeutet, dass man möglichst nur gelungene Aufnahmen (sowie Kalibrationsbilder) in den Stacking-Prozess einfließen lässt. Das geht natürlich dann zurück auf die Bildaufnahme, bei der man z.B. schlechte Fokussierung, Guidingfehler oder sonstige Beeinträchtigungen (Einstreuung, Zirruswolken etc.) vermeiden sollte. Auch die Kalibrationsbilder, also die Flats, Darks und Bias sollten fehlerfrei sein. Im nächsten Schritt ist es wichtig die bestmöglichen Einstellungen bei der Datenreduktion zu wählen. Ein weiterer wichtiger Prozess in der Bildbearbeitung ist die Entfernung des Himmelshintergrunds, samt vorhandener Gradienten. Auch das ist ein Schritt, den wir schon oft beim AdW erwähnt haben. Optionale Schritte wären eine Deconvolution (künstliche Rekonstruierung von Details, die durch Seeing-Einflüsse verloren gegangen sind) sowie ein vorsichtiges Entrauschen der Bilder. Dann erst erfolgt das eigentliche Stretching, ein notwendiger Prozess, der überhaupt erst Details im Bild erkennbar macht. Fast alle Schritte, die dann folgen, sind optional und nicht notwendigerweise erforderlich, um ein gutes Astrobild zu erstellen. Aber gerade hier beginnt für viele Astrofotografen der spannende Prozess, der auch gerne mal übers Ziel hinaus geht. Farbsättigung, weitere Rauschreduzierung, weiteres Schärfen und die Anpassung von Kontrasten sind Maßnahmen, die häufig angewendet werden. Wenn man sich selbst diszipliniert es dabei nicht zu übertreiben, wird man meistens mit einem sehr guten Bild belohnt. Genau da beweist Markus Blauensteiner Geschmack und hat es weder mit der nachträglichen Schärfung oder Glättung von Bilddetails übertrieben. Und das ist es was eine gute Bildbearbeitung ausmacht, man darf die einzelnen Maßnahmen im fertigen Bild nicht sehen.

Wir gratulieren Markus Blauensteiner zu diesem gelungenen Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten: RA = 04 h 21 min 57 s, Dek = +19° 32´ 07´´

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