27. Woche - Messier 63, die Sonnenblume unter den Galaxien

 -  Astrofoto der Woche  - 

Messier 63 in den Jagdhunden ist auch als "Sonnenblumengalaxie" bekannt. Die 23 Mio. Lichtjahre entfernte Galaxie hat einen Durchmesser von 13,9', was einem echten Durchmesser von 93.000 Lj entspricht. Axel Rau fotografierte sie am 14.4., 6.5. und 7.5.2018 von Höchsten und Pfullendorf. Norden liegt auf 1 Uhr, Osten demnach auf 22 Uhr. Das Bildfeld beträgt 55,1' x 38,8'. Mit einem 200-mm-Newton (f = 800 mm) und einer gekühlten ZWO ASI 1600MM belichtete er die Luminanz 98 x 3 min, B und G je 27 x 3 min und R 29 x 3 min, was insgesamt gute 9 Stunden ergibt. Der Autor schreibt: „Die Kamera wurde bei -20°C und mit Gain 0 betrieben um den vollen Dynamikumfang zu nutzen.“ Ein bemerkenswertes Bild, da hier eine enorme Tiefe erzielt wurde.

Was ist an diesem AdW für den Astrofotografen wissenswert außer den technischen Daten? M 63 ist eine Spiralgalaxie des Typs Sbc. Die Spiralarme formen ein flockiges Muster, durchsetzt mit viel Staub. Dazwischen finden sich viele kleine HII-Regionen. Direkt am Südteil der Galaxie bemerkt man ein breites Staubband. Es begleitet einen schwachen nach außen reichenden Spiralarm. An seinem Westende sitzt ein auffallendes Sternentstehungsgebiet, bei den Pixelkoordinaten 2080/1480 ist das längliche Gebilde gut zu sehen. Es trägt die Bezeichnung UGCA 342, was auf eine eigenständige Zwerggalaxie schließen lassen könnte. So war es auch zunächst, bis sich die Astronomen dann darüber klar wurden, dass hier ein Sternentstehungsgebiet im Spiralarm selbst vorliegt (Bremnes T., Binggeli B., Prugniel P. (1999), Astron. Astrophys. Suppl. Ser. 137, 337-350).

Ein weiteres tiefes Detail muss jeden Astrofotografen interessieren. Direkt am Nordostbereich von M 63 zieht sich ein bogenförmiger Sternstrom in die Länge. Besonders schön ist das auf dem invertierten, kontrastgesteigerten Zusatzbild sichtbar, das der Bildautor mitgeschickt hat (hier klicken). Am Westende von M 63 ist ein noch lichtschwächeres Gebilde zu sehen, möglicherweise ebenfalls ein Sternstrom und damit der Rest einer von M 63 „einverleibten“ Zwerggalaxie.

Zwei echte Begleitgalaxien von M 63 sind im Bild zu sehen: einmal am Westrand des Bildes die kleine, längliche UGC 8313 in Kantenlage. Sehr viel schwerer zu entdecken, aber doch deutlich abgebildet, ist bei den Pixelkoordinaten 3068/1622 der Zwerg LEDA 166159. Zur Erinnerung: die sphäroiden Zwerggalaxien (Typus dSph) gleichen riesigen, aber extrem lichtschwachen Kugelsternhaufen. Man muss sie schon kräftig belichten, um sie wie in diesem AdW aufzeichnen zu können. Auf dem Klickbild ist sie als schwarze, runde Fläche zu sehen.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Eine sehr schöne Aufnahme von Messier 63 hat uns Axel Rau eingesandt. Die Aufnahme entstand nördlich des Bodensees im Linzgau. Die Bedingungen für die Astrofotografie dürften im diesem Teil des Landes sehr gut sein. Der Aufnahme zuträglich gewesen sein dürfte auch der verwendete Newton ohne Namen, ein 8-zölliger Astrograph des Herstellers Lacerta aus Ungarn. Die üppige Belichtungszeit mit einer ASI ZWO 1600 mm tut ihr übriges, und abschließend muss man noch die vorzügliche Bildbearbeitung erwähnen. Man hätte das Bild noch etwas deutlicher strecken können, dann wären noch schwächere Details im Hintergrund zum Vorschein gekommen. Der Bildautor hat sich aber stattdessen für eine kontrastreichere Version entschieden, und die schwachen Hintergrunddetails in einer invertierten Version zur Verfügung gestellt. Eine weise und geschmackvolle Entscheidung.

Die verwendete Kamera, die ZWO ASI 1600MM, erfreut sich derzeit sehr großer Beliebtheit. Ich möchte dieses AdW zum Anlass nehmen und die Kamera etwas näher beleuchten. Es handelt sich in dem Sinne nicht um eine CCD-Kamera, da der verwendete Kamera Chip kein CCD- sondern ein CMOS-Chip ist. CMOS-Chips ähneln den CCD-Chips stark, haben aber den entscheidenden Vorteil, dass jedes Pixel einzeln adressierbar ist, im Gegensatz zu den CCDs, die nach dem Eimerkettenprinzip ausgelesen werden. Das erlaubt z.B. sehr kurze Belichtungszeiten und führt zu einem sehr geringen Ausleserauschen. CMOS-Chips kamen bisher überwiegend in kommerziellen Kameras zum Einsatz, während die CCDs in dezidierten Astrokameras zum Einsatz kamen. Die schnell voranschreitende technische Entwicklung erlaubt es nun auch CMOS-Chips in Astrokameras zu verwenden, und das mit teilweise deutlich besseren Eigenschaften als klassische CCD-Kameras. Da es sich bei den CMOS-Chips um Massenprodukte handelt, ist es gleichzeitig möglich, den Preis für eine solche Kamera gering zu halten. Man kann sich nun fragen was mehr zum Erfolg der Kamera beigetragen hat, der günstige Preis (< 1500 €) oder die tollen Eigenschaften der Kamera. Vermutlich ist es genau die Kombination aus beidem. Eine vergleichsweise Erfolgsgeschichte hat vor etwa 10 Jahren der CCD-Chip mit der Bezeichnung KAF-8300 geschrieben, der es erlaubte, CCD Kameras für um die 2000 € zu bauen. Es bleibt also spannend auf dem Markt für Astrokameras.

Wir gratulieren Axel Rau zu dem schönen Bild und natürlich zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten: RA = 13 h 15 min 49 s, Dek = +42° 01´ 46´´

Sie haben Fragen oder Hinweise? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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