28. Woche - Ein Blick in den Viroghaufen

 -  Astrofoto der Woche
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Das heutige AdW stammt von Karsten Möller, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie. Seine Aufnahme zeigt das Zentralgebiet des Virgo-Galaxienhaufens. Der Aufnahmeort Lauterbach liegt in Hessen. Die Aufnahmeserie entstand mit einem Skywatcher ED80 mit 80 mm Öffnung und 510 mm Brennweite. Als Kamera wurde eine Canon EOS 400Da verwendet. Dazu der Bildautor: „Ich habe noch Bilder aus der Pre-CMOS-Ära bearbeitet und das anliegende zweiteilige Virgo-Cluster-Mosaik mit unzähligen Galaxien erstellt. Belichtet wurde 40 x 600 s pro Mosaikaufnahme bei ISO 800. Alles entstand auf einer NEQ6. Die Bearbeitung der Bilder geschah komplett in PixInsight inklusive Anpassung der Rauschlevel vor Erstellung des Mosaiks. Das Bildfeld beträgt 2° 14' x 2° 31', dabei liegt Norden auf 10:30 Uhr.

Was zeigt das AdW? Im oberen Bildteil ist die bekannte „Markariankette“ sichtbar. Diese Kette umfasst zahlreiche helle Galaxien, wie an einer Schnur aufgereiht. Ihre Namen sind im Zusatzbild 1 vermerkt. In dieser Kette bilden M 86 und M 84 die größten, auffälligsten Galaxien mit hellem Kernbereich und mit einer elliptischen Form. Etwas unterhalb der Bildmitte ist die helle elliptische Galaxie M 87 zu finden. Und schließlich steht in der Ecke unten links noch M 89, ebenfalls eine elliptische Galaxie.

Was hat es mit den elliptischen Galaxien auf sich? Sie besitzen keine Spiralarme, sind jedoch riesig. Im kontrastverstärkten AdW (hier nicht als Zusatzbild) ist M 87 bis in die lichtschwächsten Außenpartien gut 21' ausgedehnt, was einen wahren Durchmesser von 330.000 Lichtjahren bedeutet – mehr als dreimal so groß wie die Milchstraße!

Der Virgohaufen ist unserer Lokalen Galaxiengruppe benachbart, mit einer Entfernung von etwa 54 Mio. Lichtjahren (Mei et al., 2007). Seine Entfernung wird in der Fachliteratur sehr unterschiedlich angegeben, laut NASA Extragalactic Database (NED) zwischen 30 und 95 Mio. Lichtjahren. Das Messergebnis hängt – wie schon des öfteren hier im AdW geschrieben wurde – stark von den Messmethoden ab. Nehmen wir als Messobjekt das Haufenzentrum – die Riesengalaxie M 87. Eine Methode ist es, die hellsten Roten Riesen in M 87 aufzuspüren und aus ihren Helligkeiten die Galaxienentfernung zu berechnen. Drei derartige Messungen führten laut der NED im Mittel auf 52 Mio. Lichtjahre. Eine zweite gebräuchliche Methode basiert darauf, die Entfernung anhand der Helligkeiten von Supernovae des Typs Ia („Standardkerzen“) zu ermitteln. Drei solche Messungen ergaben 58 Mio. Lichtjahre. Und eine weitere Messmethode nach Tully-Fisher aus den letzten 10 Jahren erbrachte für vier Messreihen im Mittel 53 Mio. Lichtjahre. M 87 ist nun nur ein Objekt im Virgohaufen. Und der Durchmesser des Virgohaufens ist sehr groß. Binggeli et al. (1985) konnten zwei Unterhaufen festlegen – einen nördlichen größeren Teilhaufen bei 12,5° Deklination, dazu einen etwas kleineren Teilhaufen um 8° Deklination. Der Haufendurchmesser liegt in Binggelis Grafik bei etwa 12°. Das ergibt für die 54 Mio. Lj Entfernung einen wahren Durchmesser von rund 11 Mio. Lichtjahren. Halten wir uns also vor Augen: Es gibt also deutlich näher gelegene und deutlich weiter entfernte Mitgliedsgalaxien im Virgohaufen.

Besonders interessant sind im Feld zahlreiche Zwerggalaxien. Ihre Gestalt ist diffus, mit einer sehr geringen Flächenhelligkeit. Drei Musterbeispiele mit abnehmender Helligkeit führe ich jetzt auf: a) bei (1836/3530) LEDA 41508, eine so genannte "Low Surface Brightness Galaxy" (= Galaxie geringer Flächenhelligkeit), b) bei (2850/3265) LEDA 41197, ebenfalls eine LSB-Galaxie, c) bei (2474/1970) LEDA 40932, eine sehr schwache, ausgedehntere Zwerggalaxie. Sie liegt knapp über der Flächengrenzhelligkeit des Sloan Digital Sky Survey, ist in der kontrastverstärkten Bildvariante aber sehr leicht sichtbar (Zusatzbild 2).

Anmerkungen: Das Mosaik von Karsten Möller gefällt dem AdW-Team rein objektbezogen sehr gut. Vor allem zeigt es, dass man seine alten Bilddateien ruhig länger behalten sollte, denn oftmals kann eine wiederholte Bildbearbeitung mit neuer, moderner Software dem Bild eine neue Wirkung verschaffen. Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden: Die Farben wirken ziemlich blass. Blaue Sterne machen sich allein durch ihren schwachen farbigen Halo bemerkbar.

Einen herzlichen Dank für diese schöne Aufnahme, und dazu die Gratulation des AdW-Teams zum gelungenen Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Karsten Möller

 

Koordinaten der Bildmitte (J2000):
RA = 12 h 29 min 16 s, DE = +12° 38' 42''

 

 

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