28. Woche - IC 348, Cederblad 20 und LBN 758 - eine Nebellandschaft im Perseus

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt uns eine Nebellandschaft, die sowohl vom Bildfeld als auch von der Tiefe her selten in dieser Qualität zu sehen ist. Wir blicken in den südlichsten Teil des Sternbilds Perseus, ganz knapp an der Grenze zum Taurus. Das Bildfeld beträgt 2,5° x 1,67°. Norden ist oben, Osten links. Das hellste Deep-Sky-Objekt ist IC 348, ein offener Sternhaufen links im Bild, der in einen hellen Reflexionsnebel eingehüllt ist: Cederblad 20, den später auch Sidney van den Bergh als vdB 19 in seinen Katalog aufnahm. Direkt über (nördlich) von IC 348 strahlt der 3,8 mag helle B1-Riese Omicron (= HD 23180), dessen Eigenname „Atik“ lautet. Mit der verwendeten CCD-Kamera hat das gar nichts zu tun, denn Bildautor Thomas Henne verwendete für dieses Zweifachmosaik eine Moravian G3-16200. Aufnahmeteleskop war ein 250-mm-Astrograph (Marke ASA) mit 3-zölligem Wynne-Korrektor. Die Brennweite wird so auf 910 mm gebracht, d.h. das Öffnungsverhältnis ist 1:3,64 (= Apertur f/3,64). Für dieses LRGB-Bild wurde insgesamt 33 Stunden und 24 Minuten belichtet. Aufnahmeort war Zellerndorf (Österreich), die Aufnahme datiert vom 16. Oktober 2017 und danach.

Inmitten des Nebels wurden 15 so genannte „Braune Zwerge“ nachgewiesen, sehr massenarme Sterne. Ihr Spektraltyp reicht von M6 bis M9, sie sind also extrem rot und kühl (3200 bis 2400 K). Sie sind hier nicht zu sehen, denn sie treten nur auf IR-Fotos in Erscheinung. Im Nebel steckt auch der Stern H254. Er ist also ein Mitglied des Sternhaufens. Dieser Herbig-Ae-Stern hat noch nicht das Hauptreihenstadium erreicht, ist also noch kein stabil fusionierender „Wasserstoff-Brenner“. Außerdem ist er veränderlich vom Typ δ Sct. Aus fotometrischen Messungen haben V. Ripepi et al. (Mon. Not. Roy. Astr. Soc. 437, 906-915, 2014) für H254 eine Entfernung von 890 Lj bestimmen können. Auch das Alter des Sterns und damit des Sternhaufens ließ sich ermitteln: ~5 Mio. Jahre.

Südwestlich von IC 348/Ced 20 erstreckt sich ein Dunkelwolkenkomplex. Da ist zunächst Barnard 3. Weiter westlich – wo die pechschwarzen Staubwolken liegen – ist Barnard 4 angesiedelt. Der dunkel strukturierte Bereich im Bildzentrum wird auch als Dobashi 4185, 4189, 4194 und 4198 katalogisiert. Südlich davon zweigt ein weniger auffälliger Dunkelbereich nach Südwesten ab. Das ist Dobashi 4197. Daran schließt nach Westen und Norden das riesige, relativ lichtschwache HII-Gebiet LBN 758 an, mit blauem westlichen Rand. Beleuchter des Randes dürfte HD 22195 sein, ein 7,68 mag heller F0-Stern mit B-V = 0,45 mag. Auch am unteren Bildrand rechts trägt der 6,96 mag helle F5-Stern HD 22418 mit B-V = 0,42 mag (neben dem gelblich-weißen HD 22360) noch zum Leuchten der Reflexionsanteile bei.

Das Bild ist recht farbig. Nun ist es ja dem Bildautor überlassen, wie er die Farbsättigung für sein Bild wählt. Allerdings darf hier einmal vorsichtig angemerkt werden: Für einen F0-Stern und einen F5-Stern mit jeweils einem weißblauen Farbindex ist die im Bild sichtbare knallblaue Farbe doch etwas zu intensiv. Die Sättigungsregler wurden etwas zu sehr hochgezogen. Andererseits werden dadurch die umgebenden bläulichen Ränder von LBN 749 erst so schön deutlich sichtbar.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Das hier präsentierte AdW stammt von Thomas Henne aus Zellerndorf in Österreich, und es ist wirklich eine Aufnahme, die an Perfektion kaum zu übertreffen ist. Nun könnte man meinen, dass das hier verwendete Equipment leicht zu solch fantastischen Ergebnissen führt, aber wie schon so oft an dieser Stelle geschrieben, sind es viele Faktoren, die am Ende zu einem wirklich sehr guten Astrofoto führen. Das benutzte Equipment ist das Werkzeug für die Astrofotografie, und man macht es sich leichter, wenn man gutes Werkzeug benutzt. Das heißt aber nicht, dass man zwingend eine solch hochwertige Ausrüstung benötigt! Der hier verwendete Astrograph ist ein gnadenlos auf Astrofotografie getrimmter Newton des Herstellers ASA, und stammt wie der Autor aus Österreich. Auch die verwendete Montierung, mit hochauflösenden Encodern und Direktantrieb, stammt von ASA. Das sorgt dafür, dass das Ausgangsmaterial, also die eigentlichen Astroaufnahmen, frei von Fehlern sind, wie etwa Nachführfehler. Über die Qualität des Himmels während der Aufnahme kann man nur spekulieren, doch dürfte der Himmel an Thomas Hennes Standort dunkler sein, als so manch ein Standort in dicht besiedelten, städtischen Gegenden. Ein entscheidendes Merkmal aller Aufnahmen, die Thomas Henne macht, ist die lange Belichtungszeit, und man kann es nicht oft genug sagen, dass diese oft den Unterschied machen. Thomas Henne erwähnt es darum auch auf seiner Homepage. Betrachtet man das Bild einmal genauer in einer Bildbearbeitungssoftware, und erhöht die Helligkeit deutlich, so sieht man, dass auch die Bildkalibration, sowie die Bearbeitung über alle Zweifel erhaben sind. Denn manch ein Astrofotograf versteckt seine Fehler z.B. bei der Flatfieldkorrektur gerne im dunklen Hintergrund eines Bildes. Insgesamt ist ist die Bildbearbeitung bei diesem Bild, wie auch bei anderen Bildern des Autors, sehr gut.

Man verweilt gerne und lange in dieser schönen Aufnahme. Wir gratulieren daher Thomas Henne zu diesem Ergebnis und natürlich zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten: RA = 03 h 44 min 34 s, Dek = +32° 09´ 48´´

 

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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