31. Woche - Namibische Mondfinsternis und Marsopposition im zarten Zodiakallicht

 -  Astrofoto der Woche  - 

Brandaktuell und von einem äußerst exklusiven Standort zeigen wir heute ganz spontan ein AdW der besonderen Art. Während wir uns im mitteleuropäischen und derzeit sehr trockenen Sommer befinden, haben Werner Celnik und Dieter Sporenberg sich im winterlichen Namibia postiert und senden uns ein außergewöhnliches Bild der „langen“ totalen Mondfinsternis, die hierzulande von sehr viel Medienrummel begleitet wurde.

Wir bitten alle Bildautoren, die ihre Aufnahmen schon vorher eingereicht haben, jetzt um etwas Geduld. Das heutige AdW hintenan zu stellen, täte der Aktualität einen Abbruch. Deshalb werden jetzt alle geplanten AdWs um eine Woche verschoben. Wir sind sicher, dass Sie Verständnis haben.

Da der Mond zum einen relativ zentral durch den Kernschatten der Erde lief und sich gleichzeitig mit über 406.000 km Erdentfernung in einer sogenannten Aphel-Position (erdfernster Punkt seiner Bahn um die Erde) befand, dauerte die Totalitätsphase lange 103,6 Minuten. In Mitteleuropa ging der Mond allerdings schon total verfinstert auf, was ihn zunächst sehr unscheinbar machte. Vielerorts konnte das Ereignis bei sommerlichen Temperaturen von um die 28°C Lufttemperatur in „Open Air Stimmung“ beobachtet werden. Viele Sternwarten und auch private Treffen – wie wir aus eigener Erfahrung berichten können – waren sehr rege besucht. Letztlich hatte es im Vorfeld überdurchschnittlich viele Berichterstattungen in Presse, Rundfunk, Fernsehen und Internet gegeben.

Was zeigt das AdW? In dem 54° x 36° großen Bildfeld sehen wir die Milchstraße, die sich durch den Skorpion, Schützen und Schlangenträger bis hin zur Schildwolke zieht. Zahlreiche bekannte rotleuchtende Gasnebel sind auszumachen. In diesem Feld stehen als markante, leuchtende Objekte Mond und Mars, aufgenommen am 27. Juli während der Totalitätsphase der Mondfinsternis und gleichzeitiger Marsopposition. Der Mond – im Kernschatten sehr dunkel – erscheint hier aufgrund der langen Belichtungszeit ähnlich hell wie der „Rote Planet“. Zur Orientierung: Südlich des Schützen erkennt man ein kleines dunkles Fleckchen. Das ist die Dunkelwolke im Zentralteil der Südlichen Krone. 4,8° südöstlich davon liegt – man mag es kaum glauben – der Stern Alpha Sagittarii bei den Pixelkoordinaten 966/1086. Dazu bitte das Original-AdW herunterladen. Bei 807/819 findet man den Kugelsternhaufen M 55. Mars ist im Südwestzipfel des Steinbocks (Capricornus) zu finden. Bei 405/353 liegt der doppelte Stern Alpha1 und Alpha2 Cap, bei 403/426 der Stern Beta Cap. Der Mond steht genau auf der Ekliptik, wie es sich bei einer totalen Mondfinsternis gehört.

Apropos Ekliptik. Genau beim Mond (!) befindet sich der Gegenpunkt zur Sonne. Und an dieser Stelle ist auch der Gegenschein des Zodiakallichtes positioniert. Was ist das eigentlich, das Zodiakallicht? Entlang der Linie, auf der sich die Sonne, Mond und Planeten bewegen, befindet sich eine Art leuchtender Nebel, der in der Nähe der Sonne am breitesten und hellsten ist und zu den Seiten immer schmaler ausläuft. Dieses Licht selbst ist sehr schwach und in etwa vergleichbar mit der Helligkeit der Milchstraße, allerdings kaum strukturiert und daher diffus. Das Zodiakallicht entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts in einer riesigen Linse aus interplanetarem Staub, der die Sonne umgibt. In unseren Sommermonaten Juni und Juli ist das zart leuchtende Zodiakallicht oder Tierkreislicht, wie es auch genannt wird, in nördlichen Breiten nicht zu sehen. Denn aufgrund der nicht tief genug unter dem Horizont befindlichen Sonne taucht die westliche Pyramide des Zodiakallichts in die letzte Abenddämmerung ein. Das 360° umspannende, viel schwächere Zodiakallichtband (Lichtbrücke zum Gegenschein) verläuft dann sehr tief durch die helle Milchstraße im Skorpion und Schützen, um dann im Steinbock und im Wassermann außerhalb der Milchstraße wieder ein wenig höher zu steigen. Nun sind im namibischen Winter auf der Sühalbkugel die Bedingungen viel besser. Die extrem lichtschwache Lichtbrücke kann in der Tat aufgezeichnet werden (hier klicken). Ein Teil zeigt sich als sehr lichtschwaches Band genau an der richtigen Stelle, mit roten Pfeilen markiert! Bei Mond und Mars stören zwar die Streukreise, aber das tut dem Bild keinen Abbruch. Klar, dass diese invertierte Kontrastverstärkung nicht "schön" sein soll, sondern informativ! Und wer es jetzt immer noch nicht glauben will: Als Vergleich für schwächste Nebelobjekte ist ein reales, allerdings nur wenigen bekanntes Deep-Sky-Objekt in gelb markiert: die Gesamtheit des extrem lichtschwachen Reflexionsnebels, der sich von der südlichen Krone aus nach Osten erstreckt. Wer wird bitteschön dieses Objekt einmal in passender Brennweite als AdW in Farbe einreichen?

Mondlicht und andere Fremdlichtquellen, wie der helle sich genau am selben Tag in Opposition zur Sonne befindliche Mars wirken sich eigentlich sofort störend aus. Mit dem heutigen AdW ergibt sich jedoch aufgrund der totalen Mondfinsternis eine seltene Konstellation, die neben der beeindruckenden Milchstraße und dem Mond gleichzeitig den in größter Erdnähe befindlichen Mars zeigt – und dazu, wenn auch sehr schwach, die Lichtbrücke des Zodiakallichts sichtbar werden lässt.

Abseits der größeren Ansiedlungen nutzten die Autoren die atemberaubend dunklen Bedingungen unter Namibias Superhimmel. Die Aufnahme entstand am 27. Juli 2018 zwischen 20:24 und 20:58 Uhr UT mit einer Spiegelreflexkamera der Marke Canon 700Da (astromodifiziert) und einem Weitwinkelobjektiv von 20 mm Brennweite bei Blende 2,8. So wurde dieses große Bildfeld möglich. Es wurden acht Aufnahmen bei ISO 1600 und einer jeweiligen Belichtungszeit von 120 Sekunden verarbeitet. Wir gratulieren Werner Celnik und Dieter Sporenberg zu dieser beeindruckenden Aufnahme und wünschen noch viel Erfolg bei Ihrem Namibiaaufenthalt.

Text: Jens Leich und Peter Riepe

 

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