33. Woche - IC 443 – Supernovarest in den Zwillingen

 -  Astrofoto der Woche

Im Sternbild Zwillinge leuchtet zwischen den Sternen Eta und Mü Geminorum (allerdings näher an Eta Gem) IC 443, ein wohlbekannter Supernovarest (SNR). Das aktuelle AdW zeigt ihn mit Norden rechts und Osten oben bei einem Bildfeld von 60' x 45'. Die genannten beiden Sterne befinden sich außerhalb des Bildfeldes. Bildautor ist Frank Iwaszkiewicz. Die Aufnahmeserie entstand am 23. bis 27. Februar 2019 in Eggersdorf. Aufnahmeteleskop war ein ein 250-mm-Newton (TS ONTC) mit 1000 mm Brennweite. Die Kamera war eine Atik 383L+, dazu kamen RGB-Filter und drei schmalbandige Linienfilter für Hα, [OIII] und [SII] mit jeweils 6 nm Halbwertbreite zum Einsatz – alle von Astronomik. Montierung: eine ASA 60 DDM Pro. Belichtet wurde 25 x 15 min für jeweils jeden Schmalbandfilter, dazu je 14 x 3 min (RGB), was insgesamt fast 21 Stunden ergibt.

Und nun Fakten zum Objekt selbst. Kurz belichtete Bilder von IC 443 zeigen im Wesentlichen nur den hellen Bogen im Nordosten. Da der Bildautor aber sehr lange belichtet hat (dazu noch in verschiedenen Wellenlängen), kommt eine sehr komplexe SNR-Struktur zum Vorschein. Diese Komplexität ergibt sich aus der Tatsache, dass IC 443 unmittelbar mit einer ausgedehnten Molekülwolke wechselwirkt, die sich direkt vor dem SNR erstreckt. Die Dichteunterschiede in dieser Wolke bewirken, dass die Explosionswolke nicht einheitlich rund expandiert. Um es klar herauszustellen: Ein Supernovarest leuchtet nicht, weil er durch einen heißen Zentralstern zur Emission gebracht wird wie eine HII-Region oder ein PN! Jeder Supernovarest leuchtet, weil bei der Kollision der Explosionswolke mit dem umgebenden interstellaren Material die Energie des Zusammenstoßes (englisch: shock) die benötigte Anregung der Lichtemision ermöglicht.

Die südlichen Filamente (hier im Bild also links) erwecken den Eindruck von Tentakeln. Daher kann man bei kurzbelichteten Bildern eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Qualle erkennen, was IC 443 den Beinamen "Quallennebel" einbrachte.

IC 443 ist einer der am besten untersuchten Supernovareste. Er leuchtet im optischen Spektrum im Wesentlichen in den Emissionslinien Hα, [O III] und [S II]. Der Supernovarest ist etwa 5000 Lj entfernt (Fesen 1984). Bei einem scheinbaren Durchmesser von 50' bedeutet das eine wahre Ausdehnung von 72 Lj. Das Alter von IC443 ist nicht genau bekannt, die Angaben variieren zwischen 3000 und 30000 Jahren. IC443 ist nicht nur im optischen Spektralbereich zu sehen, sondern auch in Röntgenwellenlängen als auch in Radiowellenlängen beobachtbar. Eine Gruppe von Astronomen (B.M. Gaensler und Kollegen) konnten in einer Publikation aus 2006 einen möglichen Neutronenstern nachweisen – das wird mit großer Wahrscheinlichkeit der Überrest des explodierten Sterns sein. Man fand einen thermisch strahlenden, sehr kleinen Körper, dazu eine im Röntgenlicht ausgebildete kometarische, umhüllende Wolkenstruktur. Die Position ist: RA = 06 h 17 min 05 s und DE = 22° 21' 27", also etwas außerhalb der geometrischen Nebelmitte. Außerdem fanden Albert et al. 2007 und Acciari et al. 2009 im Zentralbereich von IC 443 bei 16 h 16 min 50 s und +22° 30' eine Quelle extrem starker Gammastrahlung. Etwas exzentrisch liegt dann noch die Röntgenquelle 2XMM J061705.2+222129, die in SIMBAD als Röntgendoppelstern verzeichnet ist, und um die es früher Diskussionen gab, ob das der erhoffte Neutronenstern sein könnte.

Anmerkung: Das Bild, eine modifizierte Darstellung nach der Hubble-Palette, ist dem Bildautor ganz ausgezeichnet gelungen. Die Vielfalt und der Strukturreichtum des Objekts kommen sehr schön zur Geltung. Nun ist Frank Iwaszkiewicz aber auch ein Astrofotograf, der sein Handwerk schon lange und gut beherrscht! Wir gratulieren zum gelungenen Bild und natürlich zum Astrofoto der Woche.

Peter Riepe

 

Koordinaten J2000.0:
RA = 06 h 16 min 36 s, DE = +22° 31' 00"

 

Bildautor: Frank Iwaszkiewicz

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

 

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