37. Woche - Die Farbenpracht im zentralen Skorpion

 -  Astrofoto der Woche  - 

Immer wieder schön anzusehen ist der Zentralteil des Skorpions. Das Sternbild ist sehr reichhaltig an Deep-Sky-Objekten. Und wenn man dann ein Übersichtsbild mit dem großen Aufnahmewinkel von 15° x 14° schafft – so wie Jürgen Stein mit dem heutigen AdW, dann kann man sich auch einmal in Ruhe die Details vornehmen. Norden ist oben, Osten links.

Aufnahmedatum war der Zeitraum zwischen dem 4. und 9. Juli 2018. Aufnahmeort war Saint-Antonin-du-Var und Lagarde´d-Apt in der französischen Provence. Das Bild ist ein Mosaik aus zwei Aufnahmen. Die zweiminütigen Einzelaufnahmen entstanden mit einer derzeit viel beachteten Nikon D5100a und einem Festbrennweitenobjektiv der Marke Tamron SP 85 mm F/1.8 Di VC USD. Bei Blende 2,2 und ISO 200 wurde ein Teilbild insgesamt 3,3 h belichtet, das andere 3,2 h. Zur Montierung mehr im technischen Kommentar. Interessant ist die Anmerkung des Bildautors: „Der Himmel dort war fantastisch klar und die Lichterglocken von Cannes und Toulon bzw. Aix-en-Provence und Avignon störten nur wenig. Der Himmel erreichte im Zenit eine Flächenhelligkeit von 22,4 bis 22,6 mag pro Quadratbogensekunde.“ Hört, hört!

Auffälligster Stern im Bild ist der orange leuchtende M0-Überrriese Antares. Er ist von dem hellen, irregulären und orangegelben Reflexionsnebel IC 4606 umgeben. Etwa 1,3° westlich von Antares liegt der Kugelsternhaufen M 4. Er ist nur 7.200 Lj entfernt und wird von dem Fotoobjektiv bereits in den Außenbereichen in Einzelsterne aufgelöst (dazu bitte das Original herunterladen). NGC 6144, ebenfalls ein Kugelsternhaufen, liegt etwas oberhalb der Verbindungslinie Antares-M4. Mit 27.700 Lj ist er viel weiter weg als M 4 und scheint durch den Antares-Nebel hindurch. Von den blau leuchtenden Reflexionsnebeln ist IC 4604 der hellste im Bild. Er liegt 3,1° nordwestlich von Antares und umgibt den 4,6 mag hellen blauen B1-Stern Rho Ophiuchi (mit zwei Begleitsternen). In den Dunkelwolken direkt südlich davon ist mit GN 16.22.4 ein weiterer Reflexionsnebel zu sehen. Farblich wirkt er aber weniger blau, eher grau. Er wird durch den weißgelben und 7,95 mag hellen Stern HD 147889 erleuchtet. Südöstlich von diesem und gleichzeitig nördlich von Antares erkennt man in den gelben Nebeln drei sehr blaue Sterne. Der hellste davon, 22 Scorpii mit Namen, ist ein 4,8 mag heller B3-Stern, der den wesentlichen Beitrag zum Leuchten des umgebenden Nebels IC 4605 liefert. Es gibt auch eine HII-Region im zentralen Skorpion, Sh2-9. Sie liegt etwa 1,2° nordwestlich von M 4. Verursacher des Leuchtens ist der B1-Riese Sigma Scorpii mit 2,9 mag. Er bringt von seiner Oberflächentemperatur her gerade noch die nötige UV-Energie auf, um Sh2-9 zur Hα-Emission anzuregen.

Aufgrund des großen Bildfeldes lassen sich die riesigen dunklen Staubfahnen sehr schön verfolgen, die vom Skorpionzentrum aus nach Osten bzw. Ostnordosten in den Schlangenträger verlaufen. Die längste mündet schließlich im nördlichen Teil der großen E-förmigen Dunkelwolke, deren westliche Spitzen gerade noch an der linken Bildgrenze ins Gesichtsfeld ragen. Genau diagonal gegenüber in der oberen rechten Bildecke liegt noch ein weiterer Reflexionsnebel: IC 4592, erleuchtet vom 4,0 mag hellen B2-Stern Ny Scorpii. Dieser Nebel wird seltener fotografiert. Dabei ist er bei längerer Belichtungszeit auch für längere Brennweiten ein Schmuckstück. Schade, dass er hier angeschnitten ist. Wäre der Stern im Spektraltyp um ein bis zwei Zehntelstufen heißer (also B1 oder B0), so wäre am Ort von IC 4592 sicherlich eine HII-Region sichtbar.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Wenn Astrofotografen Urlaub machen, spielt sicher immer auch die Frage eine Rolle, ob man am Urlaubsort auch seinem Hobby nachgehen kann. Der komplette Alpenraum, samt seiner Ausläufer, kommt dafür selbstverständlich in Frage. Jürgen Stein verschlug es im Juli dieses Jahres in die Provence im Süden Frankreichs. Dort herrschten, nach eigener Aussage, beste Bedingungen für die Astrofotografie. Nun hat die Provence nicht nur nachts schöne Fotomotive zu bieten, sondern vor allem tagsüber. Da bietet es sich an, die ohnehin vorhandenen Fotoobjektive, die etwa für die Landschaftsfotografie verwendet werden, auch für die Astrofotografie zu nutzen. Beim hier gezeigten Bild kam eine Nikon D5100 zum Einsatz, deren IR Sperrfilter ersetzt oder entfernt wurde und somit auch das Licht der Hα-Linie passieren lässt. Als Objektiv wurde ein 85-mm-Objektiv von Tamron verwendet und die Nachführung erfolgte mit einer Fornax Lighttrack II, einer einachsigen Montierung, deren Antrieb durch einen Tangentialarm realisiert wird. Solche leichten und kompakten Reisemontierungen erlauben Aufnahmen mit moderaten Brennweiten und Belichtungszeiten von bis zu einigen Minuten. Insgesamt also eine recht kompakte Ausrüstung, die gerade eben noch ins Reisegepäck passt.

Es bedarf in der Astrofotografie nicht immer zwingend langer Brennweiten. Auch im Bereich der Fotoobjektivbrennweiten gibt es zahlreiche Motive, an denen sich der Astrofotograf abarbeiten kann. Selbst mit 8 mm Brennweite lassen sich großflächige Objekte oder Ereignisse am Himmel festhalten. Der hier gezeigte Nebelkomplex in den Sternbildern Skorpion und Schlangenträger ist ein besonders lohnenswertes Objekt für ein leichtes Teleobjektiv, wie dem verwendeten 85-mm-Objektiv. Der Name Tamron stand in der Vergangenheit eher für preisgünstige und nicht ganz so hochwertige Objektive wie etwa die der großen Kamerahersteller Canon oder Nikon (ganz zu schweigen von Marken wie Zeiss etc.). Wer also etwas aufs Geld achten musste, wurde bei Tamron oder Sigma fündig, musste aber mit qualitativen Abstrichen leben. Das hat sich allerdings in den letzten Jahren ganz deutlich geändert! Sowohl Sigma als auch Tamron sind heute bekannt für absolute Spitzenobjektive, die aber immer noch preislich günstiger sind als die Linsen der namhaften Kamerahersteller. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist das eben hier verwendete Tamron-Objektiv 85 mm F/1.8 Di VC USD.

Die Fotografie mit Fotoobjektiven und digitalen Spiegelreflexkameras hat natürlich auch ihre Grenzen. Insbesondere die Ortsauflösung ist deutlich begrenzt. Hinzu kommt, dass die Bilder einer digitalen Kamera oftmals intern schon diversen Bildbearbeitungsoperationen unterzogen wurden, auf die der Anwender keinerlei Einfluss hat (selbst dann nicht, wenn der empfohlenen Raw-Bild-Modus verwendet wurde). So erkennt man im heutigen AdW sehr viele Sterne, die deutlich magentafarben sind, andere wiederum blau. Ich konnte diese Effekte selber oft beobachten und habe bisher keine schlüssige Erklärung dafür gefunden wie diese entstehen. Das einzige was man als Astrofotograf tun kann um möglichst gute Bildresultate zu erzielen ist, die Aufnahmen zu dithern und einen modernen Debayeralgorithmus zu verwenden, wie er etwa in den Softwares PixInsight oder Astropixelprocessor implementiert ist. Doch selbst dann können solche Effekte auftauchen. Auf der anderen Seite muss man bei solchen Übersichtsaufnahmen nicht das Haar in der Suppe suchen, da es sich ja alleine schon aus oben genannten physikalischen Gründen um einen Kompromiss handelt. Für Übersichtsaufnahmen sind solche Kamera/Objektiv-Kombinationen also bestens geeignet, und das beweist eben das hier gezeigte AdW.

Wir gratulieren Jürgen Stein zu dem schönen Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten von Rho Ophiuchi (J2000.0):
RA = 16 h 29 min 24 s, DE = -26° 25´ 55´´

Sie haben Fragen oder Anmerkungen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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