44. Woche - Der „Ghost Nebula“ Sh2-136 oder auch vdB 141 im Cepheus

 -  Astrofoto der Woche

Das heutige AdW zeigt einen Reflexionsnebel aus dem Cepheus. Der populäre Name lautet „Ghost Nebula“ (Geisternebel). Das Bild ist im Vergleich zum astronomisch festgelegten Anblick um 180° gedreht. Hier ist also Norden unten und Osten rechts, damit wir die Geister auch deutlich sehen! Das Bildfeld beträgt 62' x 47'. Man erkennt in der Mitte oben einen „fliegenden Geist“, dazu auf der Flanke links neben dem hellsten Nebelbereich zwei kleine Geister, die ihre Ärmchen heben. Die wissenschaftliche Bezeichnung für diesen Reflexionsnebel lautet Sh2-136 oder auch vdB 141. Bildautor ist Peter Knappert. Aufnahmeort war Cornillac in der südfranzösischen Drome Provence. Inzwischen wissen wir ja, dass der Bildautor dort seinen Platz für gute und tiefe Aufnahmen gefunden hat. So konnte er dann am 2. und 3. September 2019 dieses schöne Motiv einfangen. Aufnahmeteleskop war ein UNC10-Zoll-Newton mit f = 1000 mm, dazu als Kamera eine Moravian G2-8300-FW mit LRGB-Filtersatz von Astronomik. Die Belichtungszeiten: Luminanz ohne Binning 30 x 20 Minuten, RGB mit 2x2-Binning je 15 x 5 Minuten. Die parallaktische Montierung war eine Losmandy G11 auf Berlebach-Stativ Planet. Das Nachführen erfolgte per Off-Axis-Guider mit ASI290 MM und FS2-Steuerung. Software: PHD-Guiding, SIPS, Cartes du Ciel, Bildbearbeitung: CCDStack2 und Photoshop CS4.

Peter Knappert schreibt: „Wie jedes Jahr war ich auch diesmal wieder Anfang September in der Drome Provence. Die Gegend dort ist für die Astrofotografie ideal. Es ist dunkel und die Luft hat eine ganz besonders gute Transparenz. Auch das Wetter ist im August/September/Oktober sehr stabil. Bisher hatte ich immer meinen kleinen 4-Zoll-APO (TMB) dabei, aber diesmal habe ich dann den 10-Zoll-Newton mitgenommen. Ziel waren wieder die Dunkelwolken im Cepheus. Da fast drei Wochen lang ein Superwetter vorherrschte, konnte ich wieder sehr viele Photonen einsammeln. Toll ist, dass man in der Drome Provence noch 20 Minuten bei Blende 4 belichten kann, was zuhause im Schwarzwald leider nicht mehr geht.“

Jetzt zum aufgenommenen Objekt selbst: Bereits 1959 publizierte Steward Sharpless sein bekanntes Werk „A Catalogue of H II Regions“ (Astrophys. Journal Suppl. 4, 257). Darin ist unser heutiges AdW als Objekt Nr. 136 gelistet, also Sh2-136 nach gängiger Terminologie. Heute ist definitiv klar: Es handelt sich keineswegs um eine HII-Region! Da lag Sharpless also völlig falsch. Die Datenbank Simbad kennzeichnet den Nebel richtigerweise als Reflexionsnebel (engl. reflection nebula). Sieben Jahre nach Sharpless veröffentlichte Sidney van den Bergh seine „A Study of Reflection Nebulae“ (Astronom. Journal 71, 990). Darin wird das Objekt Nr. 141 (heute: vdB 141) als roter Nebel des Typs I bezeichnet, d.h. der beleuchtende Stern steckt im Nebel selbst. Typ II bedeutet: der beleuchtende Stern steht außerhalb. Zum Stern selbst gibt van den Bergh lediglich die visuelle Helligkeit von 9,4 mag an, keinen Spektraltyp. Aus der Datenbank Simbad jedoch geht als moderne Angabe hervor: Der beleuchtende Stern ist BD+67°1300 mit dem Spektraltyp G8, und das ist ein gelblicher Stern. Die Helligkeit wird in Simbad allerdings mit B = 12,1 mag und V = 10,8 mag angegeben, deutlich lichtschwächer als die Bewertung von van den Bergh. Das ergibt den Farbindex B-V = 1,3 mag und bedeutet einen Farbton aus sattem Gelb. Dementsprechend ist auch der Nebel gefärbt, was das AdW gut wiedergibt. Hα-Emission ist in vdB 141 nicht vorhanden, das wäre auch mehr als fragwürdig, denn wie sollte ein kühler G8-Stern eine HII-Region zur Emission anregen können?

An den Pixelkoordinaten (2055/1180) ist innerhalb der dunklen Bok-Globule CB 230 ein Objekt von kometenförmiger Gestalt zu sehen. Es handelt sich um ein IR-Objekt, das im infraroten Atlas 2MASS (2 Micron Allsky Survey) sehr schön zur Geltung kommt (hier klicken). Im Klickbild erkennt man sofort einen Doppelstern, dessen Komponenten vom Entdecker Joao L. Yun als CB230YC1-I und CB230YC1-II bezeichnet wurden (Astronom. Journal 111, 930-935 (1996)). Offensichtlich findet hier ein jet-ähnlicher Materieauswurf statt, was typisch ist für junge, instabile Sterne.

Peter Knappert ein Dankeschön für dieses feine Bild, dazu unsere Gratulation zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Peter Knappert

 

Objektkoordinaten (J2000):
RA = 21 h 16 min 26 s, Dec = +68° 15´ 37´´

 

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