44. Woche - NGC 7640, Balkenspirale im Sternbild Andromeda

 -  Astrofoto der Woche  - 

Das heutige AdW zeigt eine Galaxie, die wir hier noch nie präsentieren konnten: NGC 7640 in der Andromeda. Franz Klauser und Manfred Wasshuber sind die Bildautoren, mehr dazu im technischen Kommentar. Die Bildfeldgröße beträgt 56,5´ x 42,2´, Norden ist oben und Osten links. Entstanden ist die Aufnahme innerhalb von neun Terminen im August dieses Jahres. Aufnahmeort war Puchenstuben in Niederösterreich auf 900 m Höhe, als Instrument kam ein 300-mm-Astrograph von ASA mit 1080 mm Brennweite zum Einsatz. Das Teleskop befindet sich auf einer ASA-Montierung des Typs DDM 85. Kamera war eine FLI ML 8300. Belichtet wurde wie folgt: 550 min (L), 290 min (R), 270 min (G) und 260 min (B). Das macht insgesamt 22 h 50 min - und das bei Blende 3,6 !!! Weiters schreibt der Autor zur Aufnahmetechnik: "Das erstellte lokale Pointing-File erlaubt es, die Einzelbilder (von jeweils 10 min Belichtungszeit) ohne Nachführkontrolle aufzunehmen. Aufnahmesteuerung mit MaxIm DL. Filterrad FLI 2-7 für 50-mm-Filter, BAADER-Filtersatz."

Jetzt zum Objekt für diejenigen, die mehr erfahren wollen. NGC 7640 gehört zu den Galaxien des "Local Volume", d.h. sie befindet sich mit einer Entfernung von 8,06 Mpc (~26 Mio. Lj) in einem Umkreis von maximal 11 Mpc (~36 Mio. Lj). Bis zu dieser Entfernung definieren die Astronomen den "Nahbereich", der es noch erlaubt, mit dem Hubble Space Telescope Details zu erforschen. NGC 7640 ist eine Balkenspirale, Typ SBc. Gemäß Sky Catalogue 2000 betragen ihre Abmessungen 10,7´ x 2,5´ bei einer visuellen Helligkeit von 10,9 mag. Hier muss aber sofort eine Korrektur erfolgen: Man erkennt bei näherem Betrachten der Aufnahme sofort, dass eine sehr große Tiefe erreicht wurde. Das zeigt nicht etwa die Belichtungszeit (die natürlich auch), aber in erster Linie der Galaxiendurchmesser. Der Katalogwert von 10,7´ wird mit 12,4´ nämlich deutlich überschritten. Die erreichte Grenzgröße kommt auf gute 23 mag, legt man den PanSTARRS zugrunde. Das dokumentiert den guten Himmel, den Franz Klauser für sich nutzen kann.

Interessantes Detail: Bei den Pixelkoordinaten (1523/1425) springt einem ein knallblaues, stellar anmutendes Objekt ins Auge. Dies ist aber kein Strern, sondern die Galaxie LEDA 3088080. Ob sie zu NGC 7640 gehört, ist unklar, denn eine Entfernungsangabe oder eine Radialgeschwindigkeit ist nicht bekannt. Wenn sie zu NGC 7640 gehört, dann dürfte es sich um eine Zwerggalaxie des Typs BCD handeln (Blue Compact Dwarf), solche Zwerge entwickeln eine hohe Sternentstehungsrate.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Das heutige AdW zeigt einmal mehr eine Gemeinschaftsproduktion der Astrofotografen Franz Klauser und Manfred Wasshuber. Als Team haben beide innerhalb der vergangenen Jahre unzählige Bilder veröffentlicht, wobei Franz Klauser die Bilder in seiner heimischen Sternwarte aufnimmt und die fertigen Summenbilder Manfred Wasshuber zur finalen Bildbearbeitung zur Verfügung stellt. Die Sternwarte von Franz Klauser liegt in Puchenstuben, einem kleinen Dorf in Niederösterreich etwa auf halbem Weg zwischen Linz und Wien. Hier wurden insgesamt 22,83 Stunden Belichtungszeit mit einem leistungsstarken 12-zölligen ASA-Astrographen investiert. Man darf also eine enorme Tiefe bei dieser Aufnahme erwarten. Auf den ersten Blick fragt man sich, wo sich diese Bildtiefe verbirgt, denn die Galaxie sieht zwar sehr schön, aber rigendwie auch unscheinbar aus. Erst bei Betrachtung der vollen Bildauflösung wird klar, dass es sich um eine sehr tiefe Aufnahme handelt. Man erkennt so gut wie kein Bildrauschen (was ja auch Folge einer Bildbearbeitung sein könnte), aber vor allem erkennt man hunderte von Hintergrundgalaxien in Form kleiner, verwaschener Flecken. Einige dieser Galaxien scheinen in Galaxienhaufen angeordnet zu sein. Die Färbung der Hintergrundgalaxien geht ins gelbliche, daran kann man sie sehr gut erkennen. Desweiteren fällt ein schwacher, nebeliger Fetzen auf, der sich von der Galaxie aus nach links oben schlängelt. Zweifelsohne handelt es sich dabei um sehr schwachen galaktischen Zirrus. Erst wenn man das Bild noch etwas weiter aufhellt, erkennt man diesen zweifelsfrei. Dann erkennt man allerdings auch eine bläuliche Aufhellung, die den gesamten rechten Bildrand betrifft, und einen merkwürdigen Halo um die Galaxie herum, ebenfalls leicht ins bläulich-gräuliche gehend. Ob dieser Halo real oder ein Bildfehler ist, ist nicht auszumachen. Hier könnte man ansetzen und evtl. noch einmal eine genauere Hintergrundsubtraktion durchführen. Evtl. ergibt sich auch Klarheit im Vergleich mit anderen Bildern, Katalogen oder wissenschaftlichen Arbeiten, die einen evtl. vorhandenen Halo (oder galaktischen Zirrus) bestätigen. Womöglich liegen im Bild also noch Schätze vergraben, die man in dieser Bearbeitung nicht sehen kann. Das ist aber mal wieder Kritik auf hohem Niveau, denn die hier erreichte Tiefe muss man erst einmal so hinbekommen.

Wir gratulieren den Bildautoren zu diesem Ergebnis und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten von NGC 7640 (J2000.0):

RA = 23 h 22 min 07 s, DE = +40° 50´ 43´´

 

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