47. KW - Wenig bekannte Dunkelwolken im Cepheusnebel IC 1396

 -  Astrofoto der Woche  - 

Der nahezu 3° messende IC 1396 ist eine runde Riesen-HII-Region in der Assoziation Cepheus OB2, die etwa 870 pc (~2800 Lj) entfernt ist. Was wir heute als AdW zu sehen bekommen, ist der rötlich leuchtende Südbereich von IC 1396 mit zahlreichen, ein- und auch vorgelagerten Dunkelwolken. Das Bildfeld misst 60´ x 45´, Norden ist oben, Osten links.

Bildautor Jens Zippel nahm in der Zeit zwischen 17.09. - 10.10.2018 die Einzelbelichtungen zu diesem Bild auf. Sein Beobachtungsort liegt bei Bremen. Aufnahmeteleskop ist ein Lacerta-Newton 250 mm/1000 mm, hier kombiniert mit einer Kamera des Typs ASI 1600 MMC. Die Gesamtbelichtungszeit betrug 20,4 Stunden – eine Superleistung! Dazu schreibt der Autor: „Die Aufnahme ist eine Bicolor-Mischung aus [OIII] und Hα, in die anschießend RGB-Daten eingearbeitet wurden. Zu einem geringen Teil für den Hintergrund und zu einem sehr großen Teil für die Sterne und Sternfarben.“

Und jetzt wieder ein paar Hintergrundinformationen für alle Interessierten. Zentral in IC 1396 sitzt der offene Sternhaufen Trümpler 37 (die Amerikaner, die kein „ü“ kennen, schreiben gnadenlos „Trumpler“ und sprechen dies auch so aus wie ihren aktuellen Präsidenten). Der massereichste Stern dieses Haufens ist der O6-Stern HD 206267, ein Mehrfachsystem (hier aber außerhalb des Bildes). Er ionisiert IC 1396 als Ganzes. HD 206267 ist als massereicher Stern vor etwa 3 Mio. Jahren entstanden und hat die Ausgangsmaterie – sprich: Staub und Molekülwolken – durch seinen heftigen Sternwind schnell auseinander geblasen. In der Phase danach haben sich in einigen Globulen neue Sterne gebildet. Ihre Hα-Emission verrät, dass es sich um sehr junge Veränderliche des Typs T Tauri handelt.

Links oberhalb der Bildmitte sitzt die auffällige Dunkelwolke Barnard 163 (= LDN 1104/1106 = Dobashi 3189) mit einem nach Norden gerichteten, offenbar abströmenden Schweif. Der Astronom E.E. Barnard hat 1927 zahlreiche Dunkelwolken in einem fotografischen Atlas zusammengestellt (Carnegie Institution, Washington). B 163 ist sehr dicht, so dass nur sehr wenige Sterne hindurch scheinen. Die kompakte kleine Dunkelwolke südwestlich von B 163 in der Bildmitte ist Barnard 163SW. Auch sie zeigt einen Schweif nach Norden. Beide gehören zu den wenigen Dunkelwolken, die eine Rotation aufweisen. Dies und die Tatsache, dass beide Dunkelwolken eindeutig kometarisch sind, hat zu vielen Diskussionen in der Fachwelt geführt. Eines der Dynamikmodelle besagt, dass das Material von B 163 und B 163SW entlang des Schweifes nach hinten wegströmt. Das könnte bedeuten, dass beide Wolken aus der Richtung des Zentrums von IC 1396 kommen und nach außen hin in südöstliche Richtung wegfliegen. So wird plausibel, dass der Schweif durch den Aufpralldruck der Dunkelwolken bei der Kollision mit dem Gas von IC 1396 selbst entsteht. Schaut man sich die Südostfront der Dunkelwolken auf unserem AdW an, so ist eine solche Stoßfront in der Tat höchst wahrscheinlich. Außerdem, so zeigt der Bildausschnitt aus AladinLite, ist die Schweifrichtung sehr gut mit der Richtung zu HD 206267 im Zentrum von IC 1396 vereinbar (hier klicken).

Etwa 20´ südlich von B 163 SW erkennt man eine weitere Dunkelwolke, größer und gebogen. Das ist B 162. Auch für sie erkennt man eine relativ scharfe Stoßfront nach Südosten, dazu auch eine Schweifbildung. Knapp rechts der Bildmitte liegt eine längliche Globule mit leuchtender Umrandung (bright rim), das ist die kometarische Globule [G85] 12, benannt nach A.L. Gyulbudaghian (1985). Sie trägt auch den Katalognamen SFO 37 = GN 21.38.9. Dieses Objekt ist eindeutig vergleichbar mit dem zentralen Elefantenrüssel IC 1396 A/B – nur eben sehr viel kleiner. Der nach Norden hellste Randbereich wird offensichtlich von HD 206267 zur Emission angeregt. 1991 untersuchten die Japaner Sugitani, Fukui und Ogura diese Globule und stellten eine eingebettete IR-Punktquelle fest. Hier dürfte ein neu entstandener Stern versteckt sein.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Jens Zippel gehört zu den Astrofotografen, die in den letzten Jahren konstant Bilder auf sehr hohem Niveau produzieren. Das heutige AdW ist demnach nicht sein erstes. Das Objekt, welches sich Jens Zippel vorgenommen hat, sind die Dunkelnebel im bekannten Emissionsnebel IC1396. Die Fotografie von Dunkelnebeln ist mit der immer besser werdenden Technik und dem damit steigenden Anspruch überhaupt erst auf ein Niveau gelangt, dass man von spektakulären Bildern sprechen kann. Zu Zeiten der Fotografie auf Film konnte man nämlich in den meisten Fällen auf solchen Aufnahmen nur einen Bereich erahnen, in dem es deutlich weniger Sterne zu sehen gab, das war dann eben der Dunkelnebel. Durch die empfindlichen Kameras, die leistungsstarken Teleskope und die heute üblichen langen Belichtungszeiten kann man Bilder erzeugen, bei denen sich Dunkelnebel vor dem leuchtenden Gas eines Emissionsnebels plastisch abheben. Genau das trifft es beim hier gezeigten Barnard 163 und Barnard 163 SW.

Jens Zippel schreibt uns, dass Barnard 163 eher zu den selten fotografierten Deepsky-Objekten gehört. Bemüht man einmal eine Suchmaschine im Internet, kann man das sehr schnell bestätigen. Es mag u.a. daran liegen, dass der bekannte Elefantenrüssel IC 1396 A/B den anderen Objekten die Show stiehlt. Vergleicht man die unzähligen Bilder des Elefantenrüssels mit denen von Barnard 163, erkennt man schnell, welches wohl das detailreichere Objekt ist und somit viele Astrofotografen mehr reizt. Aber es geht in der Astrofotografie nicht darum, immer das schönste, prächtigste Bild zu schaffen und sich selbst immer wieder zu übertreffen. Es geht auch um die Objekte selber, ob sie nun besonders schön sind oder nicht. Die Astrofotografie ist eben ein Mittelding aus Astronomie und Fotografie, eben Astrofotografie.

Evtl. wäre es interessant gewesen einen anderen Bildausschnitt zu wählen, denn B 163 zieht – wie oben beschrieben – eine sehr lange Staubfahne in nördlicher Richtung. Im Portraitformat wäre das ein reizvolles Motiv. Zum Glück verändern sich die Objekte am Firmament nicht, und so haben wir noch viele Gelegenheiten diesen Nebel einmal anders zu fotografieren.

Wir gratulieren Jens Zippel zum gelungenen Bild und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten von B 163 (J2000):

RA = 21 h 42 min 15 s, DE = +56° 43´ 44´´

Sie haben Fragen? Kontakt zum AdW-Team: fg-astrofotografie@vds-astro.de. Kontakt zum Bildautor: Dazu klicken Sie einfach oben auf den Namen. Sie können auch den Namen des Autors anklicken (rechte Maustaste) und dann die Mailadresse kopieren.

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