47. Woche - Seltenheitswert: Der Himmelssüdpol und sein Umfeld

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im heutigen AdW wird uns eine Himmelsregion vorgestellt, die man extrem selten als Aufnahme sieht. Es dreht sich um das Gebiet des Himmelssüdpols im Sternbild Octans. Das Bildfeld wurde ein wenig beschnitten und beträgt etwa 3,2° x 3,2°. Erstmals kann ich hier keine weiteren Himmelsrichtungen angeben, denn vom Südpol aus gesehen ist überall Norden! Was man am Südpol als Beobachter vermisst, ist ein heller "Polarstern", wie wir ihn vom Himmelsnordpol kennen. Als erste Hilfestellung darf man sich merken: In der Nähe des Himmelssüdpols gibt es den Veränderlichen Sigma Octantis, einen wenig auffälligen, weißlich-bläulichen F0-Stern von 5,42 mag. Er steht als hellster Feldstern im rechten Bildteil in mittlerer Höhe und ist vom Pol etwa 1 Grad entfernt. Um den Pol genauer zu finden, ist ein kleines gelbes Kreuz in der hellen Nebelwolke knapp unterhalb der Bildmitte markiert (dazu das Bild bitte herunterladen und hineinzoomen). Etwas unterhalb dieses Kreuzes, bei den Pixelkoordinaten (1146/1612), steht der ebenfalls variable Stern BQ Octantis. Seine Farbe ist Orange, und er weist 6,85 mag auf. Ein geübter Beobachter kann ihn bei dunklem Himmel (z.B. in Namibia) so eben noch mit dem bloßen Auge erkennen. Bei den Pixelkoordinaten (1016/1491) ist ein blauer, visuell aber unsichtbarer Stern zu sehen, der A0-Stern HD 99685 mit 7,84 mag. Beide letztgenannten Sterne bilden mit dem südlichen Himmelspol ein gleichseitiges Dreieck, so dass man per Feldstecher den wahren Pol relativ gut lokalisieren kann.

Im Sternenfeld ist eine Galaxie versteckt. Man findet sie bei den Pixelkoordinaten (1317/1018). Es handelt sich um die ca. 100 Mio. Lj entfernte Sb-Galaxie NGC 2573, die wegen ihrer Polnähe auch "Polarissima Australis" genannt wird ("die dem Pol Nächste"). Ansonsten ist das Sternfeld geprägt durch galaktischen Zirrus, der durch diese sehr lange belichtete Aufnahme sehr gut wiedergegeben wird.

Das Bild ist eine Geminschaftsproduktion von Dr. Franz Gruber und Gerald Wechselberger. Im ersten Halbjahr 2017 wurden die Einzelbelichtungen remote erstellt, von Pitten/Niederösterreich über Siding Springs/Australien und dann als RGB-Aufnahme dokumentiert. Anlass waren die Ergebnisse des Infrared Sky Survey (IRAS), die im Südpolbereich markante Wolkenstrukturen zeigen. Diese sind jedoch selten im Breitbandbereich erfasst. Aufgrund der kaum zu vermeidenden Bildfeldrotierung im Polbereich war leider eine hohe Ausschussquote an Einzelbelichtungen zu verzeichnen. Als Aufnahmeteleskop diente das Teleskop Nr. 8 von Siding Springs (www.itelescope.net), ein Apochromat von 106 mm Öffnung und 530 mm Brennweite. CCD-Kamera war eine FLI Microline 16803. Die Filter stammen von AstroDon, Serie 2. Belichtet wurde 59 x 5 min (R), 60 x 5 min (G) und 53 x 5 min (B). Dies zusammen ergibt 14 h und 20 min. Noch ein Hintergrundinfo: Die Sternwarte befindet sich in New South Wales auf 1122 m Höhe.

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Fotografien des galaktischen Zirrus waren vor etwa zehn Jahren noch eine absolute Seltenheit. Das liegt weniger am technischen Fortschritt, als vielmehr an der Bereitschaft der Astrofotografen in lange Belichtungszeiten zu investieren. So ist es heute keine Seltenheit mehr, dass Belichtungszeiten von 10 Stunden und mehr für ein Objekt aufgewendet werden, das vorliegende Bild bringt es sogar auf über 14 Stunden. Um solche Belichtungszeiten zu realisieren, muss man natürlich mehrere Nächte einplanen. Beim unbeständigen Wetter in Deutschland bzw. Österreich ist das unter Umständen eine Geduldsprobe. Von Vorteil ist es da, wenn man ein fest aufgestelltes Teleskop hat, die nötige Geduld natürlich vorausgesetzt. Eine weitere Möglichkeit haben die Bildautoren Gerald Wechselberger und Franz Gruber gewählt. Über das Teleskopnetzwerk ITelescope.net wurden die Aufnahmen ferngesteuert aufgenommen. Das Netzwerk besteht aus mehreren Teleskopen, die an Standorten in den USA, in Spanien und in Australien aufgestellt sind. Für die vorliegende Aufnahme wurde ein Teleskop in Australien angemietet (siehe Text oben).

Erfolgreiche Astrofotografie des galaktischen Zirrus erfordert aber nicht nur eine lange Belichtungszeit und dunklen Himmel, auch die Bildbearbeitung erfordert Geschick. Die Schwierigkeit besteht größtenteils darin, die sehr schwachen Nebelfetzen und die hellen Sterne in Balance zu bringen. Das ist den Bildautoren sehr gut gelungen.

Das AdW kann man durchaus als Referenzbild titulieren. Es gibt einige Aufnahmen des galaktischen Zirrus um den nördlichen Himmelspol, dies ist aber die erste (zumindest mir bekannte) Aufnahme des Zirrus am südlichen Himmelspol. Wir gratulieren den Bildautoren zu diesem Bild.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

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