48. KW - Weitwinkelansicht von NGC 7635, NGC 7538 und M 52

 -  Astrofoto der Woche  - 

NGC 7635 im Zentrum des heutigen AdWs liegt in der Cassiopeia. Die HII-Region ist auch bekannt als Sh2-162 und als LBN 548. Norden liegt auf 16 Uhr, Osten auf 13 Uhr. Das Bildfeld misst im Durchmesser 153´ x 101´. Bildautor ist Alexander Reinders, den wir hier als neuen AdW-Astrofotografen ganz herzlich begrüßen. Am Aufnahmeort Horgenzell bei Ravensburg setzte er am 13.10.2018 einen Triplett-Apochromaten 80 mm/480 mm (TS-Optics Photoline 80mm f/6 FPL53) ein, dazu eine DSLR Canon 60Da. Belichtet wurde 14 x 15 min bei ISO 400. Um die Farbverfälschung durch das künstliche Streulicht zu eliminieren, wurde noch ein Filter des Typs Hutec IDAS LPS-P2 zwischengeschaltet.

Und jetzt wieder ein paar Hintergrundinformationen für alle Interessierten. In diesem Bereich der Milchstraße fällt auf, dass das Bildfeld von zahlreichen Emissionsnebeln durchsetzt ist, einige sind heller, andere ziemlich lichtschwach. In der Bildmitte liegt NGC 7635, für das im LBN-Katalog 15´ x 8´ angegeben werden. In seinem Zentrum liegt ein rundes Objekt, der „Blasennebel“ (engl. bubble nebula). Die Blase ist in ihrem Nordbereich (rechts) relativ hell, ihr gegenüber liegender Bereich ist viel schwächer, jedoch ist die Blase komplett geschlossen. Sie hat einen scheinbaren Durchmesser von 3´ und ist etwa 3,5 kpc (= 11.400 Lj) entfernt (Georgelin 1975). Wenn eine solche runde Struktur auftritt, dann muss es dafür auch eine Ursache geben, denn eine Blase ist immer mit einer Expansion verbunden. Es muss also einen Stern geben, der die Blase „aufgeblasen“ hat und ihre Expansion weiter aufrecht erhält. Im geometrischen Mittelpunkt der Blase ist nichts zu finden, aber etwa 1´ nordnordöstlich des Zentrums findet sich bei den Pixelkoordinaten (1946/1116) ein Stern mit der Bezeichnung BD+60°2522 (BD kommt von der „Bonner Durchmusterung“, nach welcher der Stern katalogisiert wurde). Das Spektrum von BD+60°2522 ist O6.5, so dass hier der heiße, junge Stern gefunden ist, der die Blase durch heftige Sternenwinde zur Expansion bringt und gleichzeitig durch seine starke UV-Strahlung auch die gesamte HII-Region NGC 7635 zur Emission anregt.

Am unteren Bildrand befindet sich die HII-Region NGC 7538, die auch den gleichnamigen offenen Sternhaufen enthält. Sie wird auch als LBN 542 und als Sh2-158 katalogisiert. Ganz links ragen einige lichtschwache, streifenförmige Emissionsnebel ins Bild hinein. Es sind Fortsätze der nicht mehr ganz im Bild befindlichen HII-Region [C51] 102. Sie wurde 1951 von Courtès gefunden. Auch Gaze und Shajn entdeckten 1955 am Observatorium auf der Krim diesen Nebel (daher auch der Katalogname [GS55] 274). Schade - bei einer etwas anderen Bildfeldwahl hätte das Objekt noch mit im Bild stehen können.

In der linken unteren Bildecke befindet sich der offene Sternhaufen NGC 7510. Barbon und Hassan konnten 1996 aus einer UBV-Fotometrie am 1,88-m-Spiegel von Asagio ein Alter von 10 Mio. Jahren ableiten. Als Entfernung fanden sie 10.000 Lj. Da die visuelle Absorption ca. 3,5 mag beträgt, ist NGC 7510 stark gerötet. Obwohl viele junge Sterne des Spektraltyps B und A enthalten sind (die eigentlich blau leuchten), erscheint der Sternhaufen im Mittel weißgelb. Das ist hier im Bild sehr realistisch. Rechts oberhalb (nordöstlich) von NGC 7635 liegt mit M 52 (NGC 7654) ein weiterer offener Sternhaufen. Er ist nach fotometrischen Messungen von Maciejewski und Niedzielski (2007) mit 4800 Lj viel näher gelegen und wird deshalb weniger stark durch Staub gerötet. Das Alter ist 10 Mio. Jahre, wie bei NGC 7510.

Text zum Objekt und den Aufnahmedaten: Peter Riepe

 

Alexander Reinders hat uns dieses schöne Bild eingereicht. Aufgenommen wurde es mit einer sehr kompakten Ausrüstung, nämlich einer Einarm-Montierung, die mit einem kleinen Apochromaten und einer DSLR bestückt war. Solche Fotosetups machen viel Spaß, denn man ist örtlich flexibel und hat das Ganze trotzdem recht schnell für den Einsatz vorbereitet. Großflächige Nebelgebiete der Milchstraße bieten sich für eine solche Kamera/Teleskop-Kombination geradezu an. So sehen wir hier eine schöne Übersicht des bekannten Bubble-Nebels mitsamt seinem Umfeld. NGC 7635 selber ist relativ hell und zeigt sich bereits bei kurzen Belichtungszeiten. Allerdings gilt das nur für den zentralen Teil des Nebels (und natürlich für den benachbarten Sternhaufen M 52). Die Ausläufer des Nebels und die umgebenden HII-Regionen jedoch sind sehr lichtschwach und bedürfen längerer Belichtungszeiten und/oder des Einsatzes spezieller Linienfilter. Schaut man sich das Bild etwas genauer an, erkennt man auch schon bei geringer Vergrößerung ein deutliches Farbrauschen. Und das, obwohl die Belichtungszeit mit 3,5 h doch schon recht ordentlich ist. Es kommt eben wieder einmal darauf an, was man zeigen will. Für das Rauschen verantwortlich sind maßgeblich zwei Dinge, die Himmelshelligkeit und die Länge der Gesamtbelichtungszeit. Die Himmelshelligkeit in der ländlichen Region um Ravensburg (dort ist das Bild entstanden) dürfte relativ gut sein, die Bodenseegegend ist eine der dunkleren Gegenden Deutschlands. Das Aufnahmedatum fällt zudem in eine Neumondphase. Also benötigt es vermutlich einfach einer längere Belichtungszeit, um die schwachen Nebel der Himmelsregion deutlicher vom Hintergrund abzusetzen.

Ein anderes Detail der Aufnahme betrifft den hier verwendeten Filter, einen sogenannten „Light Pollution Suppression Filter“ (LPS) der Firma Hutech. Was diese Filter angeht, habe ich persönlich immer Bedenken, denn ich fürchte, dass sie mehr schaden als nutzen. Die Idee hinter diesen Filtern ist ja, ungewollte Lichtquellen (z.B. durch Lichtverschmutzung) auszublenden und nur das Licht der Deepsky-Objekte und Sterne auf den Kamerachip durchzulassen. Dabei verursachen diese Filter allerdings einen Farbfehler, den man häufig an orange/türkisen Sternfarben erkennt, was mir persönlich nicht gefällt. Der Hersteller dieses Filters wirbt zwar damit, dass der Farbfehler gering ist, aber er ist eben doch erkennbar. Zum anderen darf man nicht vergessen, dass ein solcher Filter keinen besseren Himmel macht, sondern nur ein kontrastreicheres Bild. Der Hersteller wirbt damit, das 90% des nutzbaren Signals den Filter passieren, das sind aber eben nicht 100% und den Himmelshintergrund kann man auf einer Aufnahme ohne einen solchen Filter ja auch per Software abziehen (was u.U. aber deutlich umständlicher und unsicherer ist). Ob man nun solche Filter einsetzt oder nicht ist also letztendlich eine Geschmacksache. Fotografiert man in einer Gegend mit einem guten Nachthimmel, würde ich persönlich auf einen solchen Filter eher verzichten.

Wir gratulieren Alexander Reinders zu der gelungenen Aufnahme und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

 

Koordinaten von NGC 7635 (J2000):

RA = 23 h 20 min 48 s, Dec = +61° 12´ 06´

 

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