49. Woche - Der „Bubble Nebula“ in NGC 7635

 -  Astrofoto der Woche
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Heute zeigen wir – passend zur Jahreszeit – ein typisches Herbstobjekt, den Emissionsnebel NGC 7635 im Grenzgebiet Cepheus/Cassiopeia. Genauer gesagt, steckt er in der Sternassoziation Cas OB2. Norden liegt auf ca. 14 Uhr, wobei das Bildfeld 38,5' x 27,3' beträgt. Bildautor ist Edmund Georgii. Er betreibt in Frankreich seine private Sternwarte, aber nicht in Südfrankreich, sondern im Ort Landos am Südrand des Massif Central, in 1100 m Höhe in den Cévennen. Edmund, sei ganz herzlich hier im Kreis der AdW-Astrofotografen begrüßt!

Sein Bild entstand in der Zeit vom 30.07. -07.09.2021 an einem 12-zölligen ACF Meade f/10, dessen Brennweite mittels Telekompressor auf 2580 mm reduziert wurde (~f/8,5). Kamera war eine ZWO ASI6200MM Pro mit Filtern von Astrodon für RGB, [OIII], Hα und [SII]. Der Autor gibt einen Belichtungszeit von 12,5 h an, davon 11 h für sämtliche Schmalbandfilterungen und 1,5 h für RGB. Für die Bildbearbeitung kamen PixInsight und Photoshop zum Einsatz. Die Zuordnung der Filterungen zu den Farbkanälen erfolgte gemäß der Hubble-Palette.

NGC 7635 hat auch die Bezeichnung Sharpless 162 aus dem zweiten Sharpless-Katalog (Sh2-162). Im Nebel klar erkennbar ist ein goldfarbener, leuchtender und ringförmiger Kranz. Das ist der helle Rand eines Loches in einer Wolke aus kosmischem Material. Man ahnt es schon: Wie so oft bei HII-Regionen, so hat auch hier wieder eine riesige Molekülwolke mit ihrem Gas und dem assoziierten Staub (Thronson et al. 1982) den Stoff zur Entstehung vieler junger Sterne geliefert und damit auch den Emissionsnebel bewirkt. Das für NGC 7635 typische Merkmal ist aber nicht der goldfarbene Kranz aus „bright rims“, sondern ein rundes Objekt darin – der „Blasennebel“ (engl. bubble nebula). Messen wir einmal diese Blase direkt im AdW aus. Sie hat einen Längsdurchmesser von 345 px. Aus dem Bildmaßstab von 1,601 "/px ergeben sich damit 207", was fast 3,5' ausmacht. In der Fachliteratur geben J.A. Toalá et al. (2020) eine Entfernung von 2,5 kpc = 8150 Lj an. Daraus errechnet sich ein wahrer Durchmesser von etwas mehr als 8 Lichtjahren. Blasen sind stets mit einer Expansion verbunden. Es gibt also einen Stern, der die Gasblase „aufgeblasen“ hat und sie auch weiterhin noch expandieren lässt. Bei den Pixelkoordinaten (1877/998) ist dieser Stern mit der Bezeichnung BD+60°2522 zu finden (BD kommt von der „Bonner Durchmusterung“, wonach der Stern katalogisiert wurde). Der Spektraltyp von BD+60°2522 ist O6.5, was eine Effektivtemperatur von rund 35.000 K bedeutet. Die damit verbundene starke UV-Strahlung regt die gesamte HII-Region NGC 7635 an und bringt sie zur Emission.

Der 8,7 mag helle BD+60°2522 ist aber auch bekannt für seine heftigen Sternwinde, die typisch sind für heiße, massive Sterne des Typs O und Wolf-Rayet. Diese Sternwinde tragen Sternmaterie nach außen und beschleunigen sie auf hohe Geschwindigkeiten von bis zu 2000 km/s. Danach wird die Geschwindigkeit schockartig beim Aufprall (ram pressure) auf das Gas der umgebenden HII-Region Sh2-162 abgebremst, so dass die runde „Bubble“ entstehen konnte. Wer jetzt das Original herunterlädt und hineinzoomt, erkennt im Inneren der Blase viele feine, filigrane Bogenstrukturen – deutliche Hinweise auf eine vielgestaltige, aber heftige Dynamik.

Anmerkungen: Die Aufnahme besitzt eine hohe Auflösung (nicht Pixelzahl, sondern die richtige Bildauflösung). Im Bild lassen sich an kleinen Doppelsternen Werte von ~1,8'' bestimmen. Das ist erstaunlich, und zwar insofern, als der zentrale bis südliche Bereich von Frankreich oftmals von dem berüchtigten Wind namens „Mistral“ heimgesucht wird. Und der produziert bekanntlich ein miserables Seeing. Vielleicht war dies eine der guten Gelegenheiten ohne Mistral? Was aber angemerkt werden muss: Die Gauß-Höfe um die Sterne – helle wie auch schwache – sind mit den heutigen Mitteln der Bildbearbeitung gerade in PixInsight gut zu optimieren. Das nur als Tipp an Eduard Georgii. Noch etwas fällt bei der Detailbetrachtung auf: In den Bildecken (speziell oben links und oben rechts) sind die Sterne leicht, aber eindeutig verzogen. Im Teleskopnamen steckt das Kürzel ACF (Advanced Coma Free). Spielte hier der Telekompressor nicht richtig mit?

Was als Anmerkung zum astronomischen Objekt gesagt werden sollte: Erstmals sehe ich um die Blase herum nicht nur einen Kranz von bright rims, sondern weiter außen noch einen schwächeren zweiten (siehe Zusatzbild). Die Bildbarbeitung (nicht zu hell, dazu guter Kontrast) lässt diese Doppelstruktur ziemlich klar hervortreten.

Edmund Georgii einen herzlichen Dank für dieses gelungene Bild mit vielen feinen Details. Und jetzt natürlich auch die Gratulation des AdW-Teams zum Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Edmund Georgii

 

Koordinaten von NGC 7635 (J2000.0):
RA = 23 h 20 min 48 s, DE = +61° 12' 06"

 

 

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