51. Woche - IC 5070, der Pelikannebel

 -  Astrofoto der Woche  - 

Im nebelreichen Sternbild Schwan befindet sich direkt westlich des bekannten Nordamerikanebels der Pelikannebel IC 5070. Das heutige AdW zeigt diesen Nebel in einer recht hohen Auflösung von 0,55 arcsec pro Pixel, bei einem Bildfeld von rund 35' x 35'. Es lohnt sich diesmal wirklich, das Bild herunterzuladen (unten) und sich die vielen Details anzuschauen. Insbesondere in der „Halsregion“ des Pelikans werden Globulen, Elefantenrüssel und leuchtende, verschachtelte Ionisationsfronten sichtbar. Am Hals des Pelikans trennen sich die Anteile der HII-Region von der westlich gelegenen, dichten Molekül- und Staubwolke. Die gewählte Farbdarstellung nach der Hubble-Palette lässt den Unterschied zwischen Emissionsnebel und Staub-/Molekülwolke besonders deutlich hervortreten.

Was diesmal ein wenig anders läuft: Die Schilderung der Objektdetails erfolgt jetzt nicht als Text, sondern kann als Artikel in Form einer genügend aufgelösten Bilddatei heruntergeladen werden, dazu hier klicken. Es handelt sich um einen Bericht aus dem VdS-Journal für Astronomie, Heft 62. Darin haben Ralf Kreuels und ich eine Betrachtung dieser interessanten Region verfasst.

Bildautor Peter Remmel von der Sternwarte Limburg ist Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie und der TBG-Gruppe. Er nutzte für dieses Falschfarbenbild nach der Hubble-Palette eine Remote-Sternwarte in New Mexico/USA. Aufnahmedatum war der Zeitraum zwischen dem 13. Juni bis zum 22. September 2017. Als Teleskop kam ein RCOS 14.5 zum Einsatz, Öffnung 360 mm, Brennweite 2946 mm. Mit einer CCD-Kamera SBIG STX-16803 wurde insgesamt 24 Stunden belichtet, wobei Filterreihen in [OIII], Hα und [SII] erfolgten. Lesen Sie, was der Bildautor schreibt: „Der Bereich vom Auge des Pelikans bis zu seinem markanten Emissionsgrat im "Nacken" war Ziel unserer 24 Stunden währenden Belichtungsreihe. Über drei Monate benötigten wir für die Belichtungsreihen unter dem idealen Himmel von Neu Mexiko. Das Gebiet weist zahlreiche Herbig-Haro-Objekte auf, die zum Teil deutlich auf der Aufnahme zu sehen sind. Die Rohbilder wurden in Regim (Andreas Rörig) kalibriert und gestackt. Die drei Summenbilder wurden dann anschließend in Photoshop CC gemäß dem leicht nachvollziehbarem Videotutorial von Frank Sackenheim gemäß der Hubblepalette verarbeitet. Hα wird somit der Farbe Grün zugeordnet, [SII] der Farbe Rot und [OIII] der Farbe Blau.“ Interessant für den Leser dürfte jetzt der Vergleich des AdWs mit der Aufnahme von Ralf Kreuels im Journal sein (nochmals: bitte herunterladen, siehe Anmerkung im vorigen Abschnitt).

Text zum Objekt und Aufnahmedaten: Peter Riepe

Etwa 35 km südöstlich von Santa Fee und 95 km nordöstlich von Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico liegt die kleine Ortschaft Rowe, wo wiederum etwas abseits der Ortschaft ein Observatorium gelegen ist. Das Observatorium besteht aus einem größeren Gebäude, welches über ein Rolldach verfügt und mehr als ein Dutzend Teleskope beherbergt. Das Besondere an dieser Einrichtung ist, dass man die Teleskope übers Internet fernsteuern kann. Zu finden ist das Ganze im Internet unter der Adresse http://www.deepskywest.com. Um eines der Teleskope fernzusteuern, muss man sich einer Gruppe mehrerer Astrofotografen anschließen, die dann sozusagen eines der Teleskope betreibt. Somit kann man die Kosten zum Betrieb des Observatoriums relativ gering halten. Peter Remmel hat auf diese Art und Weise das heutige AdW aufgenommen. Es gibt sicher Astrofotografen, die dabei das direkte Erlebnis der Astrofotografie vermissen würden. Auf der anderen Seite leben wir in einer Zeit, in der solche Dinge möglich sind und die die Astrofotowelt bereichern.

New Mexico ist sicherlich einer der besten Standworte weltweit, um erfolgreich Astrofotografie zu betreiben. Die verwendete Ausrüstung ist absolute Oberklasse. Nun höre ich schön die ersten Stimmen die sagen: „Mit solch einer Ausrüstung, unter solch einem Himmel, ferngesteuert vom Sofa aus …“. Dabei wissen wir doch alle, es kommt letztendlich auf den Fotografen an. Darauf, wie jemand seine Belichtungen plant, ausführt und schließlich bearbeitet. Aus diesem Grund ist kein Astrofoto wie das andere, ob nun bei Wind und Wetter im heimischen Garten oder ferngesteuert in New Mexico aufgenommen.

Das Bild wurde klassisch mit einem Satz Linienfilter aufgenommen und anschließend gemäß der modifizierten Hubble-Palette ausgearbeitet. Modifiziert deshalb, weil die eigentliche Zuordnung der Farben (im englischen „Tonemapping“ genannt) in der Bildbearbeitung noch verändert wurde, um den typischen goldbraunen Hubble-Look zu bekommen. Typisch sind dabei auch die magentafarbenen Säume um die Sterne herum. Man kann sich darüber streiten, ob man diese akzeptiert oder durch Bildbearbeitung reduziert. Es ist sogar gängige Praxis, die Sterne ganz zu entfernen und durch Überblenden von Sternen mit herkömmlich gefilterten RGB-Bildern zu ersetzen. All das sind weitestgehend akzeptierte Methoden, bei denen letztendlich der Geschmack des Astrofotografen entscheidet. Für viele gehören diese typischen magentafarbenen Sterne einfach zu einer solchen Aufnahme dazu.

Das Bild überzeugt ansonsten durch eine sehr schöne Farbdifferenzierung, eine nicht übertriebene, harmonisch wirkende Bildbearbeitung und sehr schön heraus gearbeitete Details. Wir gratulieren Peter Remmel daher herzlich zum Ergebnis und zum AdW.

Kommentar zum Bild: Frank Sackenheim

Koordinaten der Bildmitte (J2000.0)

RA = 20 h 50 min 43 s, DEK = +44° 23' 48''

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