7. Woche - Das Kreuz des Südens komplett von Teneriffa aus???

 -  Astrofoto der Woche  - 

Unser heutiges AdW zeigt die Milchstraße im Bereich des Sternbildes Crux (Kreuz des Südens) dicht über dem Horizont. Der Blick geht in Richtung Süden, wo Teneriffas hell erleuchtete Ferienorte liegen. Die Aufnahme stammt von Stefan Binnewies. Er wählte als Aufnahmeort ganz bewusst das Observatorium Izaňa auf 2350 m Höhe. Datum war der 23. März 2018, als Kamera kam eine Canon 6D mit einem 85-mm-Objektiv zum Einsatz, bei Blende 4,5 und ISO 1600. Belichtet wurde 18 x 60 Sekunden. Das Bildfeld beträgt 23° x 14,3°.

Über das Kreuz des Südens und die in der Umgebung liegenden Deep-Sky-Objekte haben wir schon im letzten Jahr (38. Woche) ausführlich berichtet. Wer diese Informationen braucht, schaue also bitte nach. Was in diesem AdW als einzigartige Besonderheit anzumerken ist: Das gesamte Kreuz des Südens ist von Izaňa aus zu sehen! Und das soll jetzt diejenigen beschäftigen, die sich für „Kratzer am Horizont“ interessieren.

Kann das Kreuz des Südens denn überhaupt von Teneriffa aus am Südhimmel gesehen werden? Die geografische Position des Aufnahmeortes betrug 16° 30 min 08 s westl. Länge und 28° 18´ 19´´ nördl. Breite. Auf Meeresniveau kann man demnach von Teneriffa aus den Himmel theoretisch bis 90° - (28° 18´ 19´´) beobachten, d.h. bis -61° 41´ 41´´. Der südlichste und hellste Stern des Kreuzes, der blaue Alpha Crucis mit 0,77 mag visueller Helligkeit, steht demnach unter Teneriffas mathematischem Horizont auf Meereshöhe, und damit wäre das gesamte Sternbild nicht komplett beobachtbar. Und noch ein verschlechternder Effekt kommt hinzu: Die Präzessionsbewegung der Erdachse sorgt dafür, dass sich alle Sternörter verschieben, auch das Kreuz des Südens. Dieses kleine, markante Sternbild sinkt im Laufe der kommenden Jahre weiter in noch südlichere Deklinationen. Das ist leicht einzusehen. Im Jahre 2000 betrug die Position von Alpha Crucis RA = 12 h 26 min 35,9 s und Dec = -63° 05´ 57´´. Dagegen waren es 1950 noch 12 h 23 min 48,0 s und Dec = -62° 49´ 19´´. Man sieht sofort: Das Sternbild sinkt in 50 Jahren deutlich nach Süden. Diese Werte haben sich im Aufnahmejahr 2018 (d.h. 18 Jahre später) natürlich weiterhin leicht verändert. Mit linearer Näherung aus dem Unterschied in Rektaszension und Deklination von 1950 bis 2000 lässt sich für die 18 Jahre seit 2000 die neue Position von RA = 12 h 27 min 36,3 s und Dec = -63° 11´ 56´´ berechnen. Alpha Crucis ist also noch etwas tiefer gesunken! Damit lag der Stern zum Aufnahmezeitpunkt 1° 30´ 15´´ unter dem mathematischen Horizont auf Teneriffas Meereshöhe.

Nun kamen aber unserem Astrofotografen zwei Dinge zugute: a) die Kimmtiefe, b) die Refraktion am Horizont. Steht man auf einem Berg der Höhe h, dann blickt man von oben herab etwas "unter den Horizont". Dieser Winkel - die so genannte Kimmtiefe - berechnet sich relativ einfach gemäß der beiliegenden Zeichnung (hier klicken). Am Ort des Observatoriums Izana gewinnt man eine Kimmtiefe von 1,54°. Was die Refraktion betrifft, so darf man für den Horizonzbereich (d.h. 90° Zenitdistanz) 36 Bogenminuten annehmen. Man kennt das ja: Wenn die Sonne beim Untergang auf dem Horizont aufsetzt, steht sie in Wirlichkeit bereits gerade unter dem Horizont, sie wird also durch die Refraktion "hochgehoben". Addiert man nun Kimtiefe und Refraktion, dann kommt man für den wahren Horizont am Observatorium Izaňa auf einen gewonnenen Winkel von gut 2°. Und damit kratzt Alpha Crucis bei Kulmination im Süden so eben über den wahren Horizont und gelangt in den Sichtbarkeitsbereich – vorausgesetzt, die Witterungsbedingungen lassen es zu. Zu diesem Zeitpunkt ist das AdW entstanden.

Interessant ist die Rötung von Alpha Crucis. Die horizontnahen Luftschichten mit Wasserdampf und Staub sorgen erstens für eine beträchtliche Lichtschwächung, zweitens für eine auffallende Verfärbung von knallblau nach gelblich. Und noch eines ist informativ: Der Bildautor berechnete, dass die refraktionsbedingte „Hochhebung“ von Alpha Crucis eine Stauchung des Sternbildes in Nordsüdrichtung bewirkt, und zwar hat er 25´ ermittelt. Das lässt sich messen, wenn dieses horizontnahe AdW mit einer zweiten Aufnahme in mehr als 60° Horizonthöhe verglichen wird.

Eine einzige Anmerkung zum AdW darf gemacht werden: Das Bild war wegen der Horizontnähe nicht leicht zu bearbeiten. Stefan Binnewies ist dies ausgezeichnet gelungen. Dafür ein herzliches Dankeschön, aber dazu auch die Gratulation des AdW-Teams!

Peter Riepe

 

 

Koordinaten von Alpha Crucis (J2000.0):

siehe Text.

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