7. Woche - Im Herzen des Fuhrmanns gelegen: die HII-Region IC 405

 -  Astrofoto der Woche

In unseren mitteleuropäischen Breiten steigt der Fuhrmann im Spätherbst/Anfang Winter hoch in zenitnahe Himmelsbereiche. Das hat den Vorteil, dass die Deep-Sky-Objekte dort fotografierbar werden, wo die Streulichtgradienten am geringsten sind. Heute zeigen wir ein Standardobjekt aus dem Fuhrmann: die HII-Region IC 405. Bildautor Thomas Wahl betreibt in Oer-Erkenschwick am nördlichen Rand des Ruhrgebietes seine Sternwarte. Am 2. Januar 2020 entstand das AdW. Der verwendete 355-mm-Newton mit 2-Zoll-Reducer (ASA) bringt das Öffnungsverhältnis auf 1:3,4 und erzeugt damit eine Brennweite von 1209 mm. Dazu wurde eine ASI183MM Pro als Kamera benutzt. Die Belichtungszeit betrug 16 × 600 s (ungebinnt für Hα) und jeweils 12 × 300 s für RGB im 2×2-Binningmodus. Das Bildfeld beträgt 34,8' x 24,2' mit Norden oben, Osten links.

IC 405 ist in verschiedenen Katalogen verzeichnet, z.B. noch als Cederblad 42 und als Sh2-229. So darf es dann auch nicht wundern, dass jeder Katalog etwas andere Objektkoordinaten angibt. Wir haben hier fürs AdW die 2000-er Koordinaten der Bildmitte angegeben. 

Interessant ist es um den anregenden Stern bestellt. Dies ist der Veränderliche AE Aurigae (HD 34078), in der Mitte des unteren Bildviertels als hellster Stern sichtbar. Er hat visuelle 5,96 mag und besitzt den Spektraltyps O9,5 mit einem Farbindex von 0,22 mag. Daher sollte er in einem LRGB-Bild eigentlich blau herauskommen. AE Aurigae steht nicht fest im Nebel verankert, er ist vielmehr ein „Durchreisender“. Vor etwa 2,5 Mio. Jahren wurde er aus dem Zentralgebiet des Orions herausgeschleudert. Dies lässt sich zurückrechnen aus seiner hohen Eigenbewegung von rund 40 Millibogensekunden pro Jahr (Blaauw & Morgan, 1954). Derzeit entfernt er sich mit ca. 150 km/s weiter von seinem Entstehungssort, vermutet wird Iota Orionis (Bagnuolo et al. 2001). Der Astronom nennt einen solchen schnell weglaufenden Stern auch „runaway star“. Es ist also absehbar, dass IC 405 eines Tages seine Konturen verändert und allmählich das Hα-Leuchten verliert. Zur Zeit jedenfalls regt der heiße Stern bei seiner Nebeldurchquerung die gasförmige Nebelmaterie zur Emission an. Gleichzeitig pflügt er durch den interstellaren Staub. Mit dem Spitzer-Teleskop konnte eine „Bugwelle“ von etwa 1' Ausdehnung entdeckt werden (France et al. 2007). Staub spielt in diesem Gebiet eine wesentliche Rolle. Das zeigt sich sehr klar an den blaugrauen Reflexionsanteilen von IC 405. AE Aurigae wird durch Staub gerötet und in seinem Leuchten geschwächt. Ohne dies wäre der Stern um etwa 1,8 mag heller und viel blauer als jetzt. Man geht davon aus, dass AE Aurigae und damit auch IC 405 etwa 450 pc (~1500 Lj) entfernt ist.

Die erzielte FWHM-Wert liegt etwa bei 2,5''. Obwohl diese Auflösung eher durchschnittlich ist, kommen nordöstlich von AE Aurigae jenseits der blauen Reflexionsanteile einige zarte Filamente in roter Hα-Emission zum Vorschein. Sehr schön wird am oberen Bildrand auch sichtbar, dass die UV-Strahlung von AE Aurigae helle Emissionsränder an der beschienenen interstellaren Materie erzeugt. Darunter treten auch einige rüsselartige Strukturen auf, so wie man sie auch in den Grenzbereichen anderer HII-Regionen und ihrer umgebenden Materie beobachtet werden.

Anmerkungen: Eine kleine Kritik istr erlaubt? Die Sternfarben sind – über das gesamte Bildfeld verteilt – relativ blass und kaum differenziert. Dies ist immer dann die Folge, wenn das Summenbild eines Nebels mitsamt den Sternen bearbeitet, insbesondere gestreckt wird. In der Astrofotografie sind inzwischen jedoch zur Herausarbeitung schwacher Flächenobjekte passende Methoden zur Farberhaltung der Sterne bekannt. Voraussetzung: die Sterne nur so lange in RGB belichten, dass auch die hellen Sterne Farben zeigen und nicht überbelichtet sind. In PixInsight z.B. lassen sich die Sterne vom übrigen Bild (mit Nebeln) separat maskieren und ausschneiden, dann kann das übrige Bild bearbeitet werden. Die wieder eingesetzten Sterne können dann über die Sättigungssteuerung in ihren Farben angepasst werden. Dass nicht nur die Farben der Nebel, sondern auch die Sternfarben mit zum überzeugenden Bild gehören, sollte selbstverständlich sein. Die Sternfarben spiegeln den Spektraltyp und damit die Effektivtemperatur der Sternoberflächen wieder. Das wiederum zeigt, wo die Nebel zur Emission angeregt werden. Ein weiterer kleiner Tipp: IC 405 verläuft noch ein Stückchen weiter nach Süden aus dem Bild heraus. Von daher wäre überlegenswert, ob später nicht ein Mosaik nachgelegt werden kann.

Was die technische Bildausführung angeht, so zeigt Thomas Wahl ein handwerlich sehr schönes Ergebnis. Daher ein herzliches Dankeschön fürs eingeschickte Bild und unsere Gratulation zum Astrofoto der Woche.

Peter Riepe
Bildauto: Thomas Wahl

Koordinaten der Bildmitte (J2000):
RA = 05 h 16 min 25 s, DE = +34° 26' 12''

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